Unterrichtsreihe Bernd und Hilla Becher – Typologien der Fotografie planen

Eine Unterrichtsreihe zu Bernd und Hilla Bechers Typologien der Fotografie ordnet die Stunden vom Prinzip der seriellen Dokumentation über die Analyse einzelner Typologien bis zur eigenen kleinen Fotoserie nach demselben Verfahren. Diese Reihenfolge macht sachliche, unbeteiligte Bildsprache als bewusste Methode erfahrbar.
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Warum das Verfahren vor dem Einzelbild steht
Die Becher-Fotografie wirkt auf den allerersten Blick nüchtern und wenig spektakulär, weil einzelne Fördertürme oder Wassertürme scheinbar ohne jede künstlerische Ambition rein sachlich abgelichtet sind. Wer die Reihe mit nur einem Einzelbild beginnt, unterschätzt leicht die eigentliche Leistung der Arbeit, die erst in der seriellen Gegenüberstellung mehrerer, formal identisch aufgenommener Motive tatsächlich vollständig sichtbar wird.
Die Reihe zu Bernd und Hilla Becher – Typologien der Fotografie stellt deshalb das strenge Verfahren der typologischen Serie bewusst an den Anfang: gleiches Licht, gleicher Bildausschnitt, gleiche Kameraposition bei unterschiedlichen Motiven derselben Bauart und Funktion. Erst danach folgt die genauere Analyse einzelner Aufnahmen im Detail, wenn das Grundprinzip bereits verstanden ist.
Vom Prinzip zur eigenen Typologie
Nach der genauen Verfahrensklärung überträgt die Klasse das Prinzip anschließend auf ein eigenes Motiv aus der unmittelbaren Schulumgebung, etwa Garagentore, Briefkästen, Fahrradständer oder Schulfenster, fotografiert konsequent nach denselben strengen formalen Regeln. Diese Übung macht schnell und deutlich sichtbar, wie viel Disziplin die scheinbar einfache Becher-Methode in der praktischen Umsetzung tatsächlich erfordert.
Für den bewussten Umgang mit Farbe im Gegensatz zur meist konsequent schwarz-weißen Becher-Fotografie eignet sich zusätzlich ein Blick in Farblehre von Itten zur praktischen Anwendung, wo Farbentscheidungen systematisch eingeordnet werden und sich anschließend mit der bewusst reduzierten Bechers-Palette vergleichen und ausführlich diskutieren lassen.
Sequenzlogik und technische Voraussetzungen
Weil die typologische Methode ganz wesentlich auf gleichbleibendem Licht und einem gleichbleibenden Aufnahmewinkel beruht, sollte eine eigene Übungsstunde vorab ausdrücklich klären, wie sich diese Konstanz mit einfachen schulischen Mitteln, etwa festem Kamerastandort und ähnlicher Tageszeit, wenigstens annähernd erreichen lässt. Ohne diese sorgfältige Vorbereitung wird die spätere eigene Serie schnell zu uneinheitlich, um den beabsichtigten Vergleich am Ende sinnvoll zu tragen.
Ein kurzer Einstieg in grundlegende fotografische Grundbegriffe, wie er im Beitrag zur Einstiegsstunde Fotografie im Kunstunterricht Klasse 7 ausführlich beschrieben wird, kann vor der eigentlichen Reihe als knappe Auffrischung dienen, falls die Lerngruppe noch wenig praktische Erfahrung mit grundlegenden Kameraeinstellungen mitbringt.
Zwischenpräsentation der Bildserie
Nach den ersten eigenen Aufnahmen der Klasse lohnt sich stets eine gemeinsame Zwischenpräsentation, in der die Gruppen ihre Bildauswahl und die Einhaltung der formalen Regeln gegenseitig kritisch prüfen. Das schärft den Blick für kleine Abweichungen, etwa leicht unterschiedliche Bildausschnitte oder Lichtstimmungen, die die spätere Typologie insgesamt inkonsistent wirken lassen würden.
Für einen weiteren thematischen Vergleich mit ganz anderer sequenzieller Bildgestaltung eignet sich zusätzlich auch der Beitrag zu Comic zeichnen im Kunstunterricht der Sek I, der ein grundlegend anderes Prinzip von Bildreihen behandelt und die Klasse für die Unterschiede zwischen erzählender und rein dokumentierender Serie sensibilisiert.
Bewertung der formalen Konsequenz
Die Bewertung der Reihe zu Bernd und Hilla Becher – Typologien der Fotografie sollte vor allem prüfen, wie konsequent die Klasse das typologische Prinzip in der eigenen Serie durchgehalten hat, nicht die technische Bildqualität einzelner Aufnahmen. Eine Serie mit leicht unscharfen, aber formal konsequenten Bildern erfüllt die Aufgabe besser als ein technisch perfektes Einzelbild ohne Seriencharakter.
Für einen anschaulichen Vergleich zwischen ganz analoger und rein digitaler serieller Gestaltung eignet sich ergänzend zusätzlich ein Blick auf digitale Rastersysteme, wie sie auch im modernen Webdesign häufig vorkommen. Die fachliche Einordnung liefert die Pillar-Seite zu Rezeption und Produktion im Kunstunterricht, die organisatorische Taktung die Grundlagenseite zum Aufbau einer Unterrichtsreihe. Im Beitrag zur Bildethik in Kunst Sek I mit Deutsch und Informatik koppeln findet sich zudem ein fachübergreifender Anschluss an das Thema Fotografie und Wahrheit.
Häufige Fragen
Wie viele Doppelstunden braucht die Reihe zu den Bechers?
Fünf bis sechs Doppelstunden reichen in der Praxis für Verfahrensklärung, Werkanalyse, eigene Fotoserie und abschließende Zwischenpräsentation völlig aus. Wer die Farbfotografie als zusätzliches Kontrastthema ergänzt, sollte eine weitere Doppelstunde einplanen, damit der Vergleich zwischen reduzierter und farbiger Bildsprache nicht zu knapp ausfällt und dabei oberflächlich bleibt.
Warum arbeiten die Bechers meist in Schwarz-Weiß?
Die reduzierte Farbigkeit lenkt den Blick stärker auf Form und Struktur der fotografierten Bauten, statt durch zufällige Farbeindrücke abzulenken. Für die eigene Schülerarbeit kann Farbe dennoch zugelassen werden, solange die übrigen formalen Regeln der Typologie konsequent eingehalten und im Nachgang begründet werden.
Wie streng muss die formale Konstanz eingehalten werden?
So streng, wie es mit einfachen Schulmitteln überhaupt möglich ist: gleicher Bildausschnitt, ähnlicher Aufnahmewinkel, vergleichbare Tageszeit und ähnliche Wetterlage. Kleinere Abweichungen sind dabei unvermeidbar und schmälern die Note nicht automatisch, solange die Grundidee der vergleichbaren Serie erkennbar bleibt und im Arbeitsprozess bewusst reflektiert wird.
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