Klausur Sprache in digitalen Medien: Nähe und Distanz als zwei Achsen anwenden
Wer das Nähe-Distanz-Modell in einer Klausur anwenden soll, muss zwei Achsen trennen: wie eine Äußerung übertragen wird (grafisch oder phonisch) und wie sie gestaltet ist (nähe- oder distanzsprachlich). Ein Chat kann schriftlich sein und doch nähesprachlich, eine vorgelesene Rede mündlich und doch distanzsprachlich. Das Medium entscheidet also nicht über die Konzeptionalität. Genau an dieser Unterscheidung scheitern viele Klausurantworten.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Was das Modell leistet und was nicht
Das Modell von Koch und Oesterreicher erklärt keine Rangordnung guter und schlechter Sprache. Es dient dazu, Übertragungsmedium und kommunikative Gestaltung auseinanderzuhalten. Ein Gesetzestext liegt auf der grafischen Seite und ist stark distanzsprachlich, ein Gespräch unter Vertrauten phonisch und nähesprachlich. Dazwischen gibt es Mischformen, und digitale Medien produzieren viele davon. Lernende neigen dazu, Einzelmerkmale zu zählen: kurze Sätze, Abkürzungen, Emojis, also Nähe. Das reicht nicht. Zu prüfen sind Gesprächsbeziehung, Planung, Themenbindung und geteiltes Wissen im Zusammenhang.
Eine Einführung in diese Unterscheidung, die auch an den Rändern der Oberstufe funktioniert, bietet der Beitrag Sprache und Kommunikation in analogen und digitalen Medien.
Ein Aufgabenpaar für den Einstieg
Gut bewährt hat sich ein Vergleich zweier kurzer Äußerungen. A ist eine Nachricht im vertrauten Chat, etwa die Frage, ob man am gleichen Ort sei. B ist eine vorbereitete Sprachnachricht an unbekannte Teilnehmende, die Datum, Uhrzeit und Raum einer Sitzung nennt. Die Lernenden ordnen beide auf beiden Dimensionen ein und belegen jeweils zwei Merkmale.
Erwartet wird: A ist grafisch und setzt Kontext voraus, B ist phonisch, geplant und explizit. Wird A zu einer öffentlichen Mitteilung umgeschrieben, reicht Rechtschreibkorrektur nicht aus. Ort, Zeitpunkt und Adressierung müssen ergänzt werden. Diese Werkstattaufgabe zeigt anschaulich, dass sich kommunikative Bedingungen ändern, wenn sich das Publikum ändert. Lassen Sie die Lernenden zwei unterscheidbare Fassungen schreiben und dokumentieren, was sich geändert hat und was gleich blieb. Erst der Vergleich macht sichtbar, dass die Änderung mehr betrifft als die Wortwahl: Auch Satzbau, Vollständigkeit der Angaben und Anrede verschieben sich.
Von der Übung zur Klausurlogik
Eine Klausuranalyse zu diesem Thema folgt üblicherweise den Schritten Rekonstruktion, Analyse und Vergleich, Urteil. Im Übungsformat des Pakets werden dafür 25, 40, 25 und 10 Punkte für die Darstellung vergeben. Der Schwerpunkt der Analyse liegt damit sichtbar bei der Anwendung der Begriffe am Material. Das sollten Sie den Lernenden früh sagen, denn viele schreiben im Analyseteil Definitionen auf und bleiben bei der Anwendung zu kurz. Für den Vergleich gilt zudem: Er braucht eine gemeinsame Frage, an der beide Zugriffe gemessen werden, etwa danach, was die Informationen für die Zielgruppe zugänglich macht.
Ein Beispiel für ein Ausgangsmaterial: Eine Schule will ihre Kommunikation modernisieren. Die Schülervertretung wünscht kurze Beiträge mit Bildern, die Verwaltung fürchtet unklare Termine, eine Lehrerin schlägt einen Überblick mit Bild und einen verlinkten ausführlichen Text vor. Die Aufgabe verlangt, die Behauptungen zu rekonstruieren, mit mindestens zwei Begriffen zu analysieren und ein begründetes Urteil mit Alternative zu formulieren. Das Material ist eigens verfasst und enthält alle nötigen Angaben. Die vorgelagerten Übungen zu Chat, Video und Argumentation finden sich auch in den Reihen des Sparpakets zu Sprache in digitalen Medien.
Zeitplanung und Hilfen
Als Übungsformat sind 90 Minuten vorgesehen, bei vertiefter Ausarbeitung im Leistungskurs 135 Minuten. Das ist ein eigenes Format und keine amtliche Prüfungszeit. Besprechen Sie vorab, wie die Zeit aufgeteilt wird: Lesen, Gliederung, Schreiben, Revision. Eine Schülerin, die sofort losschreibt und nach einer Stunde merkt, dass ein Vergleich verlangt war, hat ein Planungsproblem, kein Wissensproblem.
Für Lernende, die Unterstützung brauchen, genügt oft eine Verkleinerung des Einstiegs auf zwei Befunde und eine begründete Verbindung. Wer mehr will, prüft eine alternative Erklärung und benennt, welche Information zwischen den Erklärungen entscheiden würde. Das Material dazu finden Sie im Klausurpaket Sprache in digitalen Medien, das neben Lernheft und Lehrkräftematerial zwei Übungsklausuren mit Erwartungshorizont enthält.
Abiturbezug vorsichtig einordnen
Das Paket trägt den Themenbezug 2029. Die NRW-Vorgaben für das Fach wurden geprüft; das Material vertieft den genannten Themenbereich, deckt aber nicht die gesamte Obligatorik ab. Die Aufgaben sind eigene Übungen und keine amtlichen Abituraufgaben. Maßgeblich sind die aktuellen Vorgaben zum Zentralabitur (für NRW: Standardsicherung NRW). Das Material ist nicht ministeriell geprüft. Einen Überblick über die Reihen zu diesem Themenfeld gibt die Seite zu Sprache in digitalen Medien in der Oberstufe, die gesamte Auswahl steht in der Kollektion Sprache in digitalen Medien, und zur Einordnung in die Sprechhandlungstheorie ist der Beitrag Sprechakttheorie und Kommunikationsmodelle nützlich.
Häufige Fragen
Reicht es, Merkmale wie Abkürzungen und Emojis aufzuzählen?
Nein. Einzelmerkmale belegen nur dann etwas, wenn sie auf Beziehung, Planung, Themenbindung und geteiltes Wissen bezogen werden. Eine Liste ohne Funktion bleibt Beschreibung.
Wie unterscheide ich schriftlich und konzeptionell schriftlich?
Schriftlich im Sinne des Mediums meint die grafische Realisierung. Konzeptionell schriftlich meint eine distanzsprachliche Gestaltung. Beides kann auseinanderfallen, und diese Abweichung ist der Kern des Modells.
Ist das Modell für digitale Medien noch tauglich?
Es erklärt kommunikative Bedingungen gut, erfasst aber nicht jede Beziehung von Schrift, Bild und Ton. Deshalb wird es in der Praxis um eine multimodale Betrachtung ergänzt.
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