Karl Otto Götz und das Informel: Gestische Abstraktion in der Oberstufe unterrichten
Informel als Antwort auf die Nachkriegszeit
Das Informel entwickelte sich nach 1945 als eine der ersten eigenständigen westdeutschen Kunstrichtungen der Nachkriegszeit. Anders als die gegenständliche Kunst, die zuvor politisch instrumentalisiert worden war, setzten Künstler wie Karl Otto Götz bewusst auf gestische, ungegenständliche Malerei, die sich formalen Ordnungsprinzipien entzog. Für den Unterricht in der Oberstufe eignet sich diese Epoche gut, um zu zeigen, wie eng künstlerische Formsprache und historischer Kontext zusammenhängen können, ohne dass die Kunst dabei explizit politisch argumentieren muss. Götz lehrte später als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, wo unter anderem Gerhard Richter und Sigmar Polke zu seinen Studierenden zählten – ein Hinweis darauf, wie eng die gestische Malerei der Nachkriegszeit mit der folgenden Künstlergeneration verknüpft war.
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Die Bausteine: Jonction III und Meister der Moderne
Für die Werkanalyse eignet sich das Sparpaket: Karl Otto Götz – Jonction III, das Bildaufbau, Technik und Entstehungskontext des Werks erschließt. Für eine breitere Einordnung in die Klassische Moderne bietet sich das Sparpaket: Meister der Moderne an. Wer die Reihe um weitere Epochen ergänzen möchte, findet im Sparpaket Wichtige Epochen in der Kunst passende Arbeitsblätter und Videos für die Oberstufe.
Geste, Tempo und Zufall praktisch erproben
Götz malte Jonction III in einem sehr kurzen Zeitfenster von wenigen Sekunden – ein Verfahren, das Tempo und körperliche Bewegung zum eigentlichen Bildmittel macht. Diese Technik lässt sich praktisch nachvollziehen, indem die Klasse mit großformatigem Papier, breiten Pinseln und einer bewusst engen Zeitvorgabe experimentiert. Wichtig ist dabei, den Zufall als gestalterisches Element zuzulassen, statt ihn zu korrigieren – ein ungewohnter Ansatz für Lerngruppen, die es gewohnt sind, Bildergebnisse zu kontrollieren. Eine anschließende Reflexionsrunde, in der die Klasse eigene Emotionen und Bewegungsabläufe während der Entstehung beschreibt, macht den Zusammenhang von Körper und Bildergebnis zusätzlich bewusst.
Analyse ohne Gegenstand – wie geht das?
Die Analyse gegenstandsloser Kunst stellt viele Schülerinnen und Schüler zunächst vor eine Hürde, weil vertraute Kategorien wie Motiv oder Bildgegenstand fehlen. Stattdessen rücken Bildmittel wie Farbe, Dynamik, Linienführung und Bildraum in den Vordergrund. Ein hilfreicher Einstieg ist die genaue Beschreibung dessen, was tatsächlich sichtbar ist, bevor eine Deutung folgt – etwa Farbverläufe, Linienrichtungen oder Verdichtungen im Bildraum. Ergänzend hilft der Vergleich mehrerer informeller Werke untereinander, um individuelle Handschriften verschiedener Künstlerinnen und Künstler herauszuarbeiten, statt nur ein einzelnes Werk isoliert zu betrachten. Wie sich dieser Zugang systematisch erarbeiten lässt, zeigt der Beitrag Karl Otto Götz: Informel und gestische Abstraktion unterrichten.
Anschluss an Abstraktion und Kubismus
Das Informel lässt sich gut in eine größere Reihe zur Entwicklung der Abstraktion einbetten, die beim Kubismus beginnt und über verschiedene Stationen der Moderne bis zur gestischen Malerei führt. Die Unterrichtsreihe Kunst: Wege zur Abstraktion – Kubismus & Moderne bietet dazu einen chronologischen Rahmen. Vertiefend eignet sich außerdem der Beitrag Wege zur Abstraktion: Kubismus und Moderne verstehen, der frühere Stationen dieser Entwicklung nachzeichnet und damit den historischen Bogen zum Informel schließt. Am Ende der Reihe kann die Klasse in einer kurzen Präsentation begründen, welche der behandelten Positionen ihr am überzeugendsten erscheint – eine Aufgabe, die sowohl fachliches Wissen als auch eigene Urteilsbildung verlangt. Weiterführende Themenseite: Moderne Kunst und Abstraktion – Unterrichtsmaterial für die Oberstufe.
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