Kalter Krieg im Schweizer Geschichtsunterricht: Zyklus 3 und Gymnasium

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Kalter Krieg im Schweizer Geschichtsunterricht: Zyklus 3 und Gymnasium

Eine Arbeitshilfe für Lehrpersonen in Zyklus 3 und am Gymnasium: wie sich der Kalte Krieg als globaler Systemkonflikt mit der Schweizer Sicht verbinden lässt, von der Neutralität über den Zivilschutz bis zur Fichenaffäre, und welches deutsche Material dafür taugt.

1956Aufstand in Ungarn, Aufnahme von Flüchtlingen
1968Prager Frühling
1989Fichenaffäre und Fall der Mauer
4 Bausteineaus dem deutschen Sortiment, eingeordnet

Der Kalte Krieg lässt sich in der Schweiz auf zwei Ebenen unterrichten: als weltweiter Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion und als Geschichte eines neutralen Landes, das mitten im westlichen Europa lag und sich dem Westen wirtschaftlich und kulturell zugehörig fühlte. Die globale Ebene deckt das deutsche Material gut ab, von der Blockbildung über Korea, Kuba und Berlin bis zum Ende der Sowjetunion. Die Schweizer Ebene müssen Sie ergänzen: Neutralität und Gute Dienste, Zivilschutz und Schutzräume, die Aufnahme von Flüchtlingen nach 1956 und 1968, die Angst vor dem Kommunismus im Inneren und die Fichenaffäre von 1989. Für Zyklus 3 genügen sechs bis acht Lektionen, am Gymnasium sind acht bis zehn für eine Vertiefung sinnvoll.

Zwei Ebenen: der globale Konflikt und der Blick aus der Schweiz

Der Kalte Krieg ist für Schülerinnen und Schüler ein fernes Thema. Sie kennen Begriffe wie Mauer oder Atombombe, aber selten den Zusammenhang. Eine Reihe in zwei Ebenen schafft Orientierung: Auf der ersten Ebene wird der Konflikt der Blöcke erklärt, auf der zweiten fragt die Klasse, was er für die Schweiz bedeutete. Die Leitfrage lautet dann: Wie lebte ein neutrales Land in einem geteilten Europa, und wie sahen die Menschen den Konflikt?

Die erste Ebene braucht nicht die ganze Zeit. Drei bis vier Lektionen genügen, um Blockbildung, Rüstungswettlauf und die Krisen von Berlin und Kuba einzuordnen. Die zweite Ebene erhält gleich viel Raum, denn sie liefert Bezüge, die in der Lebenswelt der Klasse noch sichtbar sind: Schutzräume in Wohnhäusern, Stollen im Gebirge, Erzählungen der Grosseltern.

Der Lehrplan 21 verortet das Thema im Fachbereich Räume, Zeiten, Gesellschaften (RZG). Wie die Inhalte in Ihrem Kanton gewichtet sind, entnehmen Sie dem kantonalen Lehrplan und den Lehrmitteln der Schule. Am Gymnasium richtet sich die Gewichtung nach dem Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen und den Vorgaben von Schule und Kanton.

Die globale Ebene: Blöcke, Krisen und Ende

Nach 1945 bildeten sich zwei Lager mit gegensätzlichen Ordnungen. Im Westen standen Marktwirtschaft, parlamentarische Demokratie und das Bündnis der NATO, im Osten Planwirtschaft, Einparteienherrschaft und der Warschauer Pakt. Der Konflikt wurde selten direkt ausgetragen, sondern über Stellvertreter wie in Korea und Vietnam. Der Bau der Berliner Mauer 1961 und die Kubakrise 1962 gelten als Höhepunkte der Spannung.

Für die Klasse lässt sich der Gegensatz mit einer Gegenüberstellung von Quellen fassen: Plakate und Reden beider Seiten, Karten der Bündnisse, Fotografien aus dem Alltag in West und Ost. Die Aufgabe lautet nicht, einen Sieger zu bestimmen, sondern zu erkennen, welche Bilder von sich und vom Gegner jede Seite verbreitete. Das ist Quellenkritik an einem Beispiel, das die Klasse emotional kaum berührt und das deshalb Übung ermöglicht.

Das Ende des Kalten Krieges lässt sich über die Jahre 1989 bis 1991 erzählen: Reformen unter Gorbatschow, der Fall der Mauer am 9. November 1989, die Auflösung der Sowjetunion Ende 1991. Die Frage, weshalb das System zerfiel, hat mehrere Antworten, die sich gegenüberstellen lassen: wirtschaftliche Schwäche, politische Reformen, Druck von unten, Rüstungskosten. Hier lohnt es, die Klasse abwägen zu lassen, statt eine Ursache zu vermitteln.

Neutralität und Gute Dienste: die Schweiz im Westen, aber nicht in der NATO

Die Schweiz blieb während des Kalten Krieges neutral, gehörte weder der NATO noch dem Warschauer Pakt an und trat auch den Vereinten Nationen erst 2002 bei. Zugleich war sie wirtschaftlich und kulturell eng mit dem Westen verbunden und betrachtete sich in der Frage der Ordnung als Teil des freien Europas. Diese Mischung nennt die Forschung gelegentlich eine Neutralität mit westlicher Orientierung. Für die Klasse ist die Frage hilfreich, ob Neutralität heisst, keine Position zu haben.

Neutralität bedeutete auch eine Aufgabe: Die Schweiz stellte Gute Dienste zur Verfügung. Sie übernahm Schutzmachtmandate, vertrat also die Interessen eines Staates in einem anderen, so etwa die der USA in Kuba seit 1961. Genf war Schauplatz von Konferenzen und Gipfeln, darunter das Treffen von Reagan und Gorbatschow 1985. Auch die Überwachungskommission für den Waffenstillstand in Korea, an der die Schweiz seit 1953 beteiligt ist, gehört zu diesem Bild.

Als Aufgabe eignet sich ein Rollenspiel zu einer fiktiven Konferenz in Genf, in dem Gruppen die Interessen der Blöcke und der Schweiz vertreten. Wichtig ist, dass die Klasse zuvor Quellen auswertet und nicht aus dem Bauch argumentiert. Das Spiel ist ein Mittel, Positionen sichtbar zu machen, und keine Simulation, aus der sich historische Schlüsse ziehen lassen.

Zivilschutz, Schutzräume und die Angst vor dem Krieg

Die Bedrohung durch Atomwaffen prägte den Alltag auch in der Schweiz. Ab den 1960er-Jahren wurde der Bau von Schutzräumen gesetzlich verankert und gefördert, mit dem Ziel, dass im Ernstfall für die Bevölkerung ein Platz zur Verfügung steht. Viele Wohnhäuser erhielten Schutzräume im Keller, und Gemeinden bauten grössere Anlagen. Auch die Armee richtete Bunker und Stollen im Gebirge ein, die teils bis heute bekannt sind.

Der Zivilschutz bietet einen guten Zugang für Zyklus 3, weil er sichtbar ist. Die Klasse kann im eigenen Wohnort nach Schutzräumen suchen, Aushänge und Broschüren auswerten, Fachleute der Gemeinde befragen oder ältere Verwandte interviewen. Diese Quellen zeigen, wie die Angst vor dem Krieg in den Alltag gelangte und wie unterschiedlich sie empfunden wurde. Fragen Sie dabei nach beidem: nach der Vorsorge und nach dem Gefühl, das sie auslöste.

Am Gymnasium lässt sich der Zivilschutz mit der Debatte um die Ausrichtung der Landesverteidigung verbinden. Wie war das Verhältnis von Armee, Zivilschutz und Neutralität gedacht, und wo wurde Kritik geäussert? Die Klasse erkennt, dass auch in einem Land, das sich im Konsens sah, Streit über Sicherheit herrschte.

Flüchtlinge, Kommunismus und Fichen: der Konflikt im Inneren

Nach dem Aufstand in Ungarn 1956 nahm die Schweiz mehr als zehntausend Flüchtlinge auf, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 ebenfalls viele Menschen aus der Tschechoslowakei. Die Aufnahme fand breite Unterstützung in der Bevölkerung, nicht zuletzt weil sie sich mit der Haltung gegenüber dem Kommunismus deckte. Der Vergleich mit der Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg liegt nahe und ist ergiebig: Welche Umstände erleichterten die Aufnahme, welche Rolle spielte die politische Stimmung?

Die Kehrseite war die Angst vor Unterwanderung. Staatliche Stellen beobachteten Personen und Gruppen, die als kommunistisch oder staatsgefährdend galten. 1989 wurde bekannt, dass die Bundespolizei eine grosse Zahl von Personen in Karteikarten, den sogenannten Fichen, erfasst hatte. Die Fichenaffäre löste Empörung aus, führte zu einem Bericht einer parlamentarischen Untersuchungskommission und zu einer Debatte über Datenschutz und Staatsschutz.

Für den Unterricht ist die Fichenaffäre ein starker Gegenstand, weil sie die Frage stellt, wie ein demokratischer Staat seine Sicherheit gegen Freiheit abwägt. Die Klasse kann Auszüge aus einer Fiche lesen, sofern ein zugängliches Beispiel vorliegt, und überlegen, welche Angaben erhoben wurden und mit welcher Begründung. Das passt in den Zyklus 3 als Quellenarbeit und am Gymnasium als Fall zur Abwägung von Rechten.

Heikel ist die Behandlung von Betroffenen. Verwenden Sie nur öffentlich zugängliche Beispiele, nennen Sie keine Namen von Privatpersonen ohne Not und führen Sie die Debatte ohne Schuldzuweisung an einzelne Behörden. Der Konflikt bleibt auch dann erkennbar.

Typische Missverständnisse im Unterricht

Vier Missverständnisse treten regelmässig auf. Das erste lautet, der Kalte Krieg sei ein Krieg mit direkten Schlachten zwischen den Grossmächten gewesen; dagegen hilft die Unterscheidung von direkter Konfrontation und Stellvertreterkonflikten. Das zweite lautet, die Schweiz sei im Kalten Krieg unbeteiligt gewesen, weil sie neutral war. Das dritte lautet, Ost und West seien in sich einheitlich gewesen, und das vierte, der Kalte Krieg habe mit dem Fall der Mauer an einem Tag geendet.

Jedes dieser Missverständnisse lässt sich mit einer Quelle und einer Frage bearbeiten. Zum zweiten Punkt etwa genügt ein Blick auf Schutzmachtmandate und auf die Flüchtlingsaufnahme, um zu zeigen, dass Neutralität Handeln einschloss. Zum vierten Punkt hilft eine Zeitleiste, die 1985 bis 1991 abbildet und zeigt, dass der Prozess Jahre dauerte.

Hilfreich ist ein kurzes Lernjournal, in dem die Klasse nach jeder Lektion einen Satz zu «Das wusste ich schon» und einen zu «Das hat mich überrascht» notiert. Die Einträge zeigen der Lehrperson, wo das mitgebrachte Bild stabil ist und wo es ins Wanken gerät, und sie liefern Material für das Schlussgespräch.

Lektionenplan und Beurteilung

Ein Plan für acht Lektionen zu 45 Minuten kann so aussehen: Lektion 1 Vorwissen und Leitfrage, Lektion 2 Blockbildung, Lektion 3 Krisen von Berlin und Kuba, Lektion 4 Neutralität und Gute Dienste, Lektion 5 Zivilschutz und Alltag, Lektion 6 Flüchtlinge und innere Bedrohung, Lektion 7 Fichenaffäre und Ende des Kalten Krieges, Lektion 8 Lernkontrolle. Am Gymnasium kommen zwei weitere Lektionen für eine Quellenarbeit und eine Diskussion hinzu.

In Zyklus 3 bewährt sich eine Lernkontrolle mit einer Quelle und zwei Fragen, einer zur Einordnung und einer zur Beurteilung. Am Gymnasium können Aufgaben im Stil der Matura geübt werden, zum Beispiel eine Quellenanalyse oder ein kurzer Essay. Die Note 6 ist die beste, und das Bewertungsraster sollte vorab bekannt sein.

Als Verbindung zu den Nachbarfächern bietet sich die Geografie an: Karten der Bündnisse, die Lage Berlins, die Alpen als Raum der Landesverteidigung. Der Lehrplan 21 nennt RZG ausdrücklich als Fachbereich mit geografischen und historischen Anteilen, was sich in einer gemeinsamen Reihe nutzen lässt.

Was aus dem deutschen Material direkt passt und was Sie ergänzen müssen

Die vier unten verlinkten Materialien stammen aus dem deutschen Sortiment und sind für den Geschichtsunterricht in Deutschland geschrieben. Sie sind nicht ministeriell geprüft und nicht auf den Lehrplan 21 oder den Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen zugeschnitten. Die Übersicht zeigt, wo sie sich einsetzen lassen und was fehlt.

Thema Passt direkt Muss ergänzt oder angepasst werden
USA, Sowjetunion und China als Mächte Ja, als globaler Rahmen Stellung der Schweiz zwischen den Blöcken ergänzen
Sowjetunion und ihr Ende Ja, für Aufbau, Reformen und Zerfall Schweizer Wahrnehmung des Kommunismus ergänzen
Teilung Deutschlands, BRD und DDR Ja, als Kontrast zur Schweiz Bezug zur Schweiz herstellen, etwa über Handel und Flüchtlinge
Berliner Mauer Ja, mit Quellen und Zeitzeugen Reaktionen in der Schweiz und Gute Dienste ergänzen
Zivilschutz und Schutzräume Nein Selbst erarbeiten, am besten mit lokalen Quellen
Fichenaffäre 1989 Nein Selbst erarbeiten mit öffentlich zugänglichen Quellen
Begriffe wie Klausur, Sek I, Bundesland Nein Durch Lernkontrolle, Zyklus 3, Kanton ersetzen

Die Übersicht lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Das deutsche Material erklärt den Konflikt, die Schweizer Ergänzung erklärt, was er vor Ort bedeutete. Wer beide Teile kombiniert, erhält eine Reihe mit europäischem Rahmen und lokalem Bezug. Für Quellen vor Ort bieten sich Gemeindearchive, Museen und die Fachstellen der Kantone an.

Material zum Kalten Krieg

Alle vier Titel sind deutsche Materialien. Die Beschreibungen sagen jeweils, wofür sie sich in Schweizer Klassen eignen und was Sie ergänzen sollten.

Was diese Seite bereitstellt

  • Leitfrage für die ReiheWie lebte ein neutrales Land in einem geteilten Europa?
  • Gliederung in LektionenSechs bis acht Lektionen in Zyklus 3, acht bis zehn am Gymnasium.
  • Schweizer BezügeNeutralität, Gute Dienste, Zivilschutz, Flüchtlinge 1956 und 1968, Fichen.
  • QuellenideenSchutzräume im Wohnort, Plakate, Berichte der Untersuchungskommission.
  • ÜbersetzungstabelleWelche Teile des deutschen Materials passen und was Sie ergänzen.
  • BeurteilungLernkontrolle mit Quelle und zwei Fragen, am Gymnasium Aufgaben im Stil der Matura.

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Diese Beiträge und Seiten vertiefen einzelne Bausteine.

Häufige Fragen

Welche Schweizer Themen gehören zum Kalten Krieg?

Neutralität und Gute Dienste, Zivilschutz und Schutzräume, die Aufnahme von Flüchtlingen nach 1956 und 1968, die Beobachtung vermeintlicher Staatsfeinde und die Fichenaffäre von 1989. Dazu kommt der späte Beitritt zur UNO im Jahr 2002.

Wie viele Lektionen braucht das Thema?

In Zyklus 3 genügen sechs bis acht Lektionen zu 45 Minuten, am Gymnasium sind acht bis zehn für eine Vertiefung mit Quellenarbeit sinnvoll. Wer weniger Zeit hat, verdichtet die globale Ebene und lässt die Schweizer Ebene stehen.

Wie finde ich lokale Quellen zum Zivilschutz?

Bei der Gemeinde, bei Zivilschutzorganisationen, in Museen und über Gespräche mit älteren Personen. Fragen Sie nach Plänen, Broschüren und Erinnerungen. Klären Sie vorab, welche Anlagen zugänglich sind und was für Besuche gilt.

Kann ich die Fichenaffäre in Zyklus 3 behandeln?

Ja, wenn die Fragen einfach bleiben: Was wurde gesammelt, wer sammelte es und weshalb gab es Empörung? Am Gymnasium kann die Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit vertieft werden. Verwenden Sie nur öffentlich zugängliche Beispiele.

Kann ich deutsches Material zum Kalten Krieg in der Schweiz verwenden?

Für die globale Ebene ja, für die Schweizer Ebene nein. Das Material ist nicht ministeriell geprüft und nicht auf den Lehrplan 21 zugeschnitten. Begriffe wie Klausur oder Bundesland ersetzen Sie.

Wie beurteile ich in Zyklus 3 und am Gymnasium?

In Zyklus 3 mit einer Lernkontrolle, die eine Quelle mit zwei Fragen verbindet. Am Gymnasium mit Aufgaben im Stil der Matura, etwa einer Quellenanalyse oder einem kurzen Essay. Die Note 6 ist die beste, das Raster sollte vorab bekannt sein.