Wie viele Stunden arbeiten Lehrkräfte wirklich? Was die Arbeitszeitstudien zeigen

Die Niedersächsische Arbeitszeitstudie 2015/16, bei der rund 2.800 Lehrkräfte ein Jahr lang jede Arbeitsstunde protokollierten, zeigt: Vollzeitlehrkräfte an Gymnasien lagen im Schuljahresschnitt rund drei Stunden pro Woche über der Sollarbeitszeit, an Grundschulen gut eine Stunde. In einzelnen Schulwochen kam an Gymnasien fast jede fünfte, an Grundschulen jede sechste Lehrkraft auf mehr als 48 Stunden, und rund zwei Drittel arbeiteten in Schulwochen an fast jedem Wochenende. Das Unterrichtsdeputat von grob 23 bis 28 Wochenstunden ist also nur ein Teil der tatsächlichen Arbeitszeit. Wer wissen will, wie es bei ihm oder ihr selbst aussieht, kommt am ehesten über eine eigene Erfassung der Arbeitszeit im Schulalltag weiter.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Was die Arbeitszeitstudie tatsächlich gemessen hat
Die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen (Mußmann, Riethmüller, Hardwig) hat für die Niedersächsische Arbeitszeitstudie 2015/16 rund 2.800 Lehrkräfte über ein gesamtes Schuljahr begleitet. Die Teilnehmenden trugen jede Arbeitsstunde in ein Zeittagebuch ein: Unterricht, Vor- und Nachbereitung, Korrekturen, Konferenzen, Elterngespräche, Aufsichten, Verwaltung. Das Ergebnis ist keine Momentaufnahme aus einer einzelnen belasteten Woche, sondern ein Jahresdurchschnitt über Schulwochen, unterrichtsfreie Tage und Ferien.
Eine vergleichbare Untersuchung gab es später auch in Sachsen, mit einer ähnlichen Methodik und derselben Forschungsgruppe. Beide Studien beschreiben ein Muster, das sich über Bundesländer hinweg wiederholt: Die tatsächliche Arbeitszeit schwankt stark über das Schuljahr, liegt aber im Schnitt über der vertraglichen Sollzeit.
Deputat und Gesamtarbeitszeit sind zwei verschiedene Zahlen
Das Unterrichtsdeputat, je nach Bundesland und Schulform grob zwischen 23 und 28 Wochenstunden, beschreibt nur die Zeit vor der Klasse. Vorbereitung, Korrekturen, Elternkontakt, Konferenzen und Verwaltung laufen daneben und werden in der vertraglichen Sollarbeitszeit mitgedacht, aber selten einzeln erfasst. Genau diese Lücke macht Arbeitszeit für Lehrkräfte schwerer sichtbar als in Berufen mit Stempeluhr.
Der Europäische Gerichtshof hat 2019 und das Bundesarbeitsgericht 2022 die grundsätzliche Pflicht zur Arbeitszeiterfassung bekräftigt. Wie das für verbeamtete und angestellte Lehrkräfte konkret umgesetzt wird, ist in den Ländern derzeit Gegenstand von Diskussionen und einzelnen Pilotprojekten, nicht schon flächendeckende Praxis.
Wochenenden und Ferien: wo die Stunden zusammenkommen
Nach der Niedersächsischen Studie arbeiteten rund zwei Drittel der befragten Lehrkräfte in Schulwochen an fast jedem Wochenende, meist für Korrekturen oder Vorbereitung der kommenden Woche. Ein Teil der Ferienzeit wird ebenfalls für Arbeit genutzt, etwa für Zeugnisse, Fortbildungen oder die Vorbereitung des nächsten Halbjahres. Formal gelten Ferien als Ausgleich für die über das Schuljahr angesammelten Mehrstunden, in der Praxis verschieben sie sich aber häufig zu einer Mischung aus Erholung und Arbeit.
Das erklärt einen Widerspruch, den viele aus dem Kollegium kennen: Die Wochenstundenzahl vor der Klasse wirkt moderat, während sich am Ende des Schuljahres trotzdem ein Gefühl von Dauerbelastung einstellt. Beides lässt sich mit denselben Zahlen erklären, ohne dass eine Seite übertreibt.
Unterschiede nach Schulform
Die Studie zeigt spürbare Unterschiede zwischen den Schulformen. An Gymnasien lag die Mehrarbeit im Schuljahresschnitt bei rund drei Stunden pro Woche, an Grundschulen bei gut einer Stunde. Fast jede fünfte Lehrkraft am Gymnasium und jede sechste an der Grundschule kam in einzelnen Schulwochen auf mehr als 48 Stunden. Naheliegende Gründe liegen in der Arbeit selbst: An Gymnasien fallen häufig Korrekturaufwand und Fachbreite ins Gewicht, an Grundschulen eher die Zahl der Unterrichtsstunden selbst und der Aufwand für Elternkontakt.
Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Gymnasium | Grundschule |
|---|---|---|
| Mehrarbeit im Schuljahresschnitt | rund 3 Std./Woche | gut 1 Std./Woche |
| Lehrkräfte mit Schulwochen über 48 Std. | fast jede fünfte | jede sechste |
Die eigene Arbeitszeit eine Woche lang erfassen
Wer wissen will, wo die eigenen Stunden tatsächlich hingehen, kommt mit einer einfachen Kategorienliste weiter als mit einer vagen Schätzung im Nachhinein. Fünf Kategorien reichen für den Anfang, notiert werden kann in Fünf-Minuten-Schritten direkt nach jeder Tätigkeit oder am Abend rückblickend.
| Kategorie | Typische Tätigkeiten | Notiz je Eintrag |
|---|---|---|
| Unterricht | Stunden vor der Klasse, Vertretung | Beginn, Ende |
| Vor- und Nachbereitung | Material, Stundenplanung, Korrektur | Minuten, Fach |
| Kontakt | Elterngespräche, Telefonate, E-Mails | Minuten, Anlass |
| Gremien | Konferenzen, Dienstbesprechungen | Minuten, Thema |
| Sonstiges | Aufsicht, Verwaltung, Fortbildung | Minuten, Art |
Nach einer Woche zeigt die Summe der Spalten meist deutlicher als jedes Gefühl, ob die Mehrarbeit bei Korrekturen liegt, bei Elternkontakt oder bei Gremiensitzungen. Aus dieser Verteilung lassen sich anschließend gezielt einzelne Punkte verändern, statt pauschal überall gleichzeitig etwas zu ändern. Wer diese Erfassung dauerhaft im Alltag verankern will, kann sie in den Wochenplaner des Kurses Teach-Life-Balance übernehmen und die Kategorien dort Woche für Woche mitführen.
Was aus den Zahlen für den Alltag folgt
Die Studienlage zeigt ein strukturelles Muster: Deputat und Gesamtarbeitszeit fallen bei einem erheblichen Teil der Lehrkräfte deutlich auseinander, und Ferien gleichen das nicht vollständig aus. Für den eigenen Alltag heißt das vor allem, Arbeitszeit sichtbar zu machen, statt sie zu vermuten, und Belastungsspitzen anhand der eigenen Zahlen zu erkennen, bevor sie zum Dauerzustand werden. Wer die eigene Woche systematisch strukturieren will, findet dazu mehr im Beitrag „Work-Life-Balance für Lehrkräfte: Schulalltag strukturieren und Entlastung schaffen“.
Wer gerade neu in den eigenen Unterricht startet, findet ergänzend den Beitrag „Die ersten 30 Tage im eigenen Schuljahr: Wochen-Cockpit und Belastungsampel führen“ hilfreich, weil sich dort die Kategorienliste direkt auf den Einstieg ins Schuljahr anwenden lässt.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden arbeiten Lehrkräfte laut Studien tatsächlich pro Woche?
Die Niedersächsische Arbeitszeitstudie 2015/16 fand im Schuljahresschnitt eine Mehrarbeit von rund drei Stunden pro Woche an Gymnasien und gut einer Stunde an Grundschulen gegenüber der Sollarbeitszeit. In einzelnen Schulwochen kamen deutlich mehr Lehrkräfte über 48 Stunden.
Ist das Unterrichtsdeputat dasselbe wie die Gesamtarbeitszeit?
Nein. Das Deputat von grob 23 bis 28 Wochenstunden beschreibt nur den Unterricht vor der Klasse. Vorbereitung, Korrekturen, Konferenzen und Elternkontakt laufen zusätzlich und werden in der vertraglichen Sollarbeitszeit mitgedacht, aber selten getrennt erfasst.
Gleichen Ferien die Mehrarbeit während des Schuljahres wieder aus?
Formal gelten Ferien als Ausgleich für angesammelte Mehrstunden. In der Praxis wird nach den vorliegenden Studien ein Teil der Ferienzeit für Zeugnisse, Fortbildungen oder Vorbereitung genutzt, sodass der Ausgleich selten vollständig ist.
Ein ganzes Fach statt einzelner Reihen
Die FachKomplett-Reihen bündeln das Material eines kompletten Fachs für Sek I und Sek II. Einmal kaufen, das Fach ist vorbereitet.
Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
Das könnte dich auch interessieren
fachübergreifendErschöpfung im Lehrerberuf: Warnzeichen erkennen, bevor es ein Burnout wird
Erschöpfung im Lehrerberuf früh erkennen: WHO-Definition von Burnout, typische Warnzeichen be...
27.09.2026
fachübergreifendEltern-E-Mails nach Feierabend: Erreichbarkeit als Lehrkraft klar regeln
Eltern-E-Mails am Abend und Wochenende: wie Lehrkräfte Erreichbarkeit festlegen, am Elternabe...
27.09.2026
fachübergreifendNach der Schule nicht abschalten können: woran es liegt und was Lehrkräft...
Lehrkräfte, die abends gedanklich in der Schule bleiben: warum offene Aufgaben nachhallen und...
27.09.2026
FAQ zu den Unterrichtsmaterialien
Das Sortiment reicht von der Kita über die Grundschule und die Sekundarstufe I (Klasse 5–10) bis zur Sekundarstufe II und zur Berufsschule. Jedes Material ist nach Fach, Stufe und - wo sinnvoll - nach Bundesland beschriftet.
Viele Reihen lassen sich mit kleinen Anpassungen auch in benachbarten Schulformen einsetzen, weil die Aufgaben in mehreren Anforderungsniveaus vorliegen.
Eine vollständige Reihe enthält in der Regel:
- mehrere Arbeitsblätter mit ausgearbeiteten Lösungen
- eine Präsentation für den Unterrichtseinstieg
- einen Verlaufsplan für die Stundenstruktur
- Aufgaben auf mehreren Anforderungsniveaus zur Differenzierung
- je nach Reihe Klausur- oder Testvorlagen
Die Dateien liegen in editierbaren Formaten vor, damit du Inhalte an deine Lerngruppe anpassen kannst.
Direkt nach dem Kauf erhältst du eine Bestätigungs-E-Mail mit dem Download-Link. Zusätzlich liegen die Dateien dauerhaft in deinem Kundenkonto unter „Bestellungen" - ohne Ablaufdatum und ohne Downloadlimit.
Es gibt keinen Versand und keine Wartezeit: Der Download steht unmittelbar nach dem Abschluss der Bestellung bereit.
Die Einzellizenz gilt für eine Lehrkraft. Du darfst das Material ausdrucken und im eigenen Unterricht beliebig oft einsetzen. Die digitalen Dateien an andere Lehrkräfte weiterzugeben oder sie zu veröffentlichen, ist davon nicht gedeckt.
Für Fachschaften gibt es bei vielen Produkten eine Schullizenz, die mehrere Lehrkräfte einer Schule abdeckt. Sie steht direkt auf der Produktseite zur Auswahl.
Eine Unterrichtsreihe deckt ein einzelnes Thema ab, etwa „Genetik" oder „Kurzgeschichten analysieren". Sie passt, wenn du gezielt eine Sequenz vorbereitest.
Ein FachKomplett-Paket bündelt die zentralen Themen eines ganzen Fachs zu einem Gesamtpreis, der deutlich unter der Summe der Einzelreihen liegt. Das lohnt sich, sobald du ein Fach dauerhaft unterrichtest. Eine Übersicht aller Reihen steht auf der FachKomplett-Seite.
Die Materialien orientieren sich an den veröffentlichten Vorgaben der Länder - je nach Bundesland am Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan, Rahmenlehrplan oder an den Fachanforderungen. Für viele Fächer gibt es eigene Pakete je Bundesland.
Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
Kommentare
Kommentar hinterlassen
Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.
Unterrichtstipps per E-Mail
Neue Materialien, Planungshilfen und Hinweise zu Lehrplanänderungen - etwa zweimal im Monat, ohne Werbeflut.



