Vorurteile, Diskriminierung und Zivilcourage — kantonale Unterschiede berücksichtigen

Zieht eine Schülerin oder ein Schüler während des Schuljahres aus einem anderen Kanton zu, hat sie oder er das Thema Vorurteile, Diskriminierung und Zivilcourage möglicherweise schon anders behandelt bekommen — oder noch gar nicht. Beides verlangt von der neuen Klasse eine kurze, bewusste Einordnung. Wie viel Zeit für diese Einordnung nötig ist, hängt stark davon ab, wie unterschiedlich das Thema in den beiden Kantonen bisher behandelt wurde.
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Warum ein Kantonswechsel hier besonders auffällt
Weil der Lehrplan 21 zwar gemeinsame Kompetenzen für den Fachbereich ERG vorgibt, die konkrete Reihenfolge und Vertiefung einzelner Themen aber kantonal und schulintern unterschiedlich ausfällt, kann ein Thema wie Vorurteile, Diskriminierung und Zivilcourage in einem Kanton bereits ausführlich behandelt worden sein, während es in einem anderen erst später drankommt.
Für eine neu zugezogene Person bedeutet das entweder Wiederholung von bereits Bekanntem oder den Einstieg in ein Thema, das die übrige Klasse schon vertieft hat — beides verlangt eine kurze Einordnung durch die Lehrperson.
Solche Unterschiede entstehen durch die kantonale Reihenfolge und ebenso durch unterschiedliche methodische Schwerpunkte: Manche Schulen behandeln Vorurteile und Diskriminierung vor allem über Fallbeispiele, andere stärker über Rollenspiele oder Diskussionsrunden. Eine neu zugezogene Person bringt entsprechend unterschiedliches Wissen mit und dazu eine andere Vertrautheit mit bestimmten Unterrichtsformen mit.
Wie sich der Einstieg für neu Zugezogene erleichtern lässt
Ein kurzes Gespräch zu Beginn klärt meist schnell, wie weit die neue Person mit dem Thema bereits vertraut ist. Darauf lässt sich das weitere Vorgehen abstimmen, ohne die gesamte Klasse zu verlangsamen oder die neue Person zu übergehen.
Die Unterrichtsreihe zu Vorurteilen, Diskriminierung und Zivilcourage ist in einzelne Module gegliedert, sodass sich für neu zugezogene Lernende gezielt die Module auswählen lassen, die im bisherigen Unterricht noch nicht behandelt wurden.
Das Thema als Chance für die ganze Klasse
Ein Kantonswechsel bringt oft unterschiedliche Erfahrungen mit Vorurteilen und Diskriminierung mit sich, die sich für die Diskussion im Unterricht produktiv nutzen lassen — etwa, wenn eine neu zugezogene Person eine andere regionale Perspektive einbringt.
Wichtig ist dabei, diese Perspektive nicht zur Bühne für die neue Person zu machen, sondern als einen von mehreren Beiträgen zu behandeln, damit sich niemand auf die eigene Herkunft reduziert fühlt.
Diese methodische Vielfalt lässt sich auch bewusst nutzen, indem die neue Person kurz schildert, wie das Thema an ihrer bisherigen Schule behandelt wurde. Ein solcher Vergleich zwischen zwei Herangehensweisen kann der ganzen Klasse zeigen, dass es beim Thema Zivilcourage nicht nur einen richtigen methodischen Zugang gibt.
Anschluss an weiteres Material
Wer das Thema um Freiheit und Verantwortung erweitert, findet mit der Reihe zu Freiheit und Verantwortung ein verwandtes Material.
Wie sich kantonale Unterschiede grundsätzlich auf die Reihenfolge von Themen auswirken, beschreibt Kantonalen Unterschieden im Unterricht. Weiteres Material für Gymnasien und Maturitätsschulen in der Schweiz bündelt Unterrichtsmaterial für Gymnasium und Maturitätsschulen in der Schweiz, und die Reihe zu Vorurteilen, Diskriminierung und Zivilcourage bleibt davon unabhängig als eigener Baustein bestehen.
Kooperative Methoden nutzen
Kooperative Methoden eignen sich besonders gut, um neu zugezogene Lernende einzubinden, ohne sie in den Mittelpunkt zu drängen. Wie das konkret gelingen kann, zeigt der Beitrag zu Kooperativem Sprechen über Fairness im Ethikunterricht.
Für die grundsätzliche Planung von Projektarbeit zu ähnlichen Themen liefert zudem Vorgaben und Projektarbeit in einem Lehrplan Philosophie zusätzliche Anregungen, auch wenn sich Details nicht direkt übertragen lassen.
Diese Offenheit für unterschiedliche methodische Zugänge lässt sich langfristig auch als festes Element der eigenen Unterrichtspraxis etablieren, unabhängig davon, ob gerade eine neu zugezogene Person in der Klasse sitzt oder nicht.
Häufige Fragen
Was mache ich, wenn eine neu zugezogene Person das Thema schon anders kennengelernt hat?
Ein kurzes Gespräch zu Beginn klärt meist, wie weit die Person bereits vertraut ist. Darauf lässt sich das weitere Vorgehen abstimmen, etwa indem bekannte Inhalte kurz wiederholt und neue Module gezielt ergänzt werden, ohne die übrige Klasse auszubremsen. Auch ein kurzes Vorgespräch mit der abgebenden Schule, sofern möglich, kann helfen, den bisherigen Kenntnisstand realistisch einzuschätzen.
Wie lässt sich vermeiden, dass eine neu zugezogene Person im Mittelpunkt steht?
Indem ihre Perspektive als ein Beitrag unter mehreren behandelt wird, nicht als zentrales Beispiel für das ganze Thema. So bleibt die Diskussion offen für verschiedene Erfahrungen, ohne dass sich die neue Person auf die eigene Herkunft reduziert fühlt. Bei mehreren neu zugezogenen Lernenden gleichzeitig lohnt sich eine gemeinsame kurze Einordnungsrunde, statt jede Person einzeln zu befragen.
Warum ist die Reihenfolge des Themas Vorurteile und Diskriminierung kantonal unterschiedlich?
Weil der Lehrplan 21 zwar gemeinsame Kompetenzen für den Fachbereich ERG vorgibt, die konkrete Reihenfolge und Vertiefung einzelner Themen aber kantonal und teils schulintern unterschiedlich geregelt ist. Dadurch kann dasselbe Thema in unterschiedlichen Schuljahren behandelt werden. Wichtig bleibt, diese Einordnung diskret zu gestalten, damit sich niemand vor der ganzen Klasse erklären muss.
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