Schwerpunkt- und Ergänzungsfach: Material für vertiefende Kurse finden

von Luca 13.09.2026 1 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Schwerpunkt- und Ergänzungsfach vertiefen, wo das Grundlagenfach breit bleibt. Material dafür muss weniger Stoff abdecken, dafür mehr Tiefe, Methodik und Eigenständigkeit ermöglichen.

Dieser Beitrag zeigt, woran sich brauchbares Material für vertiefende Kurse erkennen lässt und wie sich eine Sequenz daraus aufbauen lässt.

Der bildungssystemische Hintergrund: drei Fachkategorien

Der gymnasiale Bildungsgang kennt drei Kategorien: das Grundlagenfach, das Schwerpunktfach (SPF) und das Ergänzungsfach (EF). Das Grundlagenfach sichert die Breite der Allgemeinbildung. Das Schwerpunktfach setzt einen längerfristigen inhaltlichen Akzent, das Ergänzungsfach kommt in der Regel später dazu und öffnet ein zusätzliches Feld.

Mit der Reform, die seit dem 1. August 2024 gilt, hat sich hier etwas Grundlegendes verändert: Die Kantone können Schwerpunkt- und Ergänzungsfächer grundsätzlich frei festlegen. Eine abschliessende Bundesliste gibt es nicht mehr. Zugleich sind Informatik sowie Wirtschaft und Recht neu Grundlagenfächer. Für Lehrpersonen heisst das, dass das Angebot von Kanton zu Kanton und teils von Schule zu Schule unterschiedlich aussieht.

Weil der Rahmenlehrplan überfachliche Unterrichtsbereiche vorgibt – darunter Wissenschaftspropädeutik, Interdisziplinarität und Digitalität – bieten sich gerade SPF und EF an, um diese Bereiche sichtbar zu machen. Sie haben mehr Luft für längere Arbeitsformen als das Grundlagenfach.

Warum das im Unterricht zählt

Material für vertiefende Kurse folgt einer anderen Logik als Übungsmaterial. Es muss nicht jeden Lehrplanpunkt abdecken, sondern ein Thema so aufbereiten, dass Lernende daran selbstständig weiterarbeiten können: mit Originalquellen, offenen Aufgaben und Anschlussfragen statt geschlossener Lückentexte.

Hinzu kommt ein praktischer Punkt. Da die Kantone die Lehrmittelhoheit haben und viele Fächer mit obligatorischen oder alternativ-obligatorischen Verzeichnissen arbeiten, wird Zusatzmaterial im SPF und EF meist als Ergänzung eingesetzt. Es soll das Lehrmittel nicht ersetzen, sondern eine Vertiefung ermöglichen, die dort fehlt.

Konkrete Umsetzung: fünf Kriterien für die Auswahl

  1. Tiefe vor Breite: Bevorzugen Sie Material, das ein Thema über mehrere Lektionen trägt, statt viele Themen kurz anzureissen.
  2. Quellen enthalten: Prüfen Sie, ob Originaltexte, Daten oder Abbildungen mitgeliefert werden, mit denen Lernende selbst arbeiten können.
  3. Offene Aufgaben: Achten Sie auf Aufgaben, die mehrere begründbare Lösungen zulassen – das ist die Vorstufe zur Maturaarbeit.
  4. Anschlussfähig zum Kontext: Prüfen Sie Fachnamen, Stufenangaben und Notenlogik und passen Sie sie an die Schweizer Praxis an.
  5. Modular einsetzbar: Material, das sich in Bausteine zerlegen lässt, passt leichter in ein kantonal unterschiedliches Kursgefäss.

Ein gutes Beispiel für vertiefende Arbeit mit Studien ist Macht, Autorität & Gehorsam – Von Milgram bis heute | Unterrichtsmaterial Sek II; theoriegeleitet arbeitet Carl Rogers: Persönlichkeitstheorien & Persönlichkeitsdiagnostik – Sparpaket Psychologie Sek II. Für naturwissenschaftliche Schwerpunkte eignet sich Ökosystemmanagement – Ursache-Wirkungszusammenhänge, Biodiversität und nachhaltige Nutzung. Weitere Reihen für die gymnasiale Oberstufe bündelt die Themenseite Unterrichtsmaterial Gymnasium Schweiz.

Beispielhafter Stundenverlauf (45 Minuten)

Einstieg (ca. 10 Min.): Legen Sie eine Originalquelle vor – eine Studie, eine Statistik oder einen Fachtext – und lassen Sie erste Beobachtungen sammeln, ohne zu bewerten.

Erarbeitung (ca. 25 Min.): In Gruppen erschliessen die Lernenden die Quelle mit einer Leitfrage, dokumentieren Fundstellen und formulieren eine eigene Deutung.

Sicherung (ca. 10 Min.): Zwei Gruppen stellen widersprüchliche Deutungen vor. Die Klasse hält fest, welche Belege welche Deutung stützen.

Tipps und typische Stolpersteine

  • Klären Sie zu Kursbeginn, worin sich Ihr SPF oder EF vom Grundlagenfach unterscheidet – Lernende unterschätzen den Unterschied oft.
  • Bauen Sie pro Semester mindestens eine längere, selbstständige Arbeitsform ein.
  • Sammeln Sie Material fachschaftsweit an einem Ort, damit Vertiefungen nicht doppelt entwickelt werden.

Häufige Fehler: Der häufigste Fehler ist, das Grundlagenfach im Vertiefungskurs einfach schneller zu wiederholen. Ebenso problematisch ist es, Material aus einem anderen Bildungssystem unverändert zu übernehmen: Fachnamen, Stufenbezeichnungen und die Notenskala – 6 als beste, 4 als genügende Note – müssen angepasst werden.

Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheiden sich Schwerpunkt- und Ergänzungsfach?

Das Schwerpunktfach setzt einen längerfristigen inhaltlichen Akzent im Bildungsgang, das Ergänzungsfach kommt in der Regel später dazu und öffnet ein zusätzliches Feld.

Legt der Bund fest, welche Fächer angeboten werden?

Nein. Seit der Reform, die am 1. August 2024 in Kraft getreten ist, können die Kantone Schwerpunkt- und Ergänzungsfächer grundsätzlich frei festlegen.

Worauf sollte man bei Material für Vertiefungskurse achten?

Auf Tiefe statt Breite, mitgelieferte Originalquellen, offene Aufgaben mit mehreren begründbaren Lösungen und eine modulare Struktur, die sich ins eigene Kursgefäss einpassen lässt.

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Macht, Autorität & Gehorsam – Von Mil...Ansehen
Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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Häufige Fragen

FAQ zu den Unterrichtsmaterialien

Das Sortiment reicht von der Kita über die Grundschule und die Sekundarstufe I (Klasse 5–10) bis zur Sekundarstufe II und zur Berufsschule. Jedes Material ist nach Fach, Stufe und - wo sinnvoll - nach Bundesland beschriftet.

Viele Reihen lassen sich mit kleinen Anpassungen auch in benachbarten Schulformen einsetzen, weil die Aufgaben in mehreren Anforderungsniveaus vorliegen.

Eine vollständige Reihe enthält in der Regel:

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Es gibt keinen Versand und keine Wartezeit: Der Download steht unmittelbar nach dem Abschluss der Bestellung bereit.

Die Einzellizenz gilt für eine Lehrkraft. Du darfst das Material ausdrucken und im eigenen Unterricht beliebig oft einsetzen. Die digitalen Dateien an andere Lehrkräfte weiterzugeben oder sie zu veröffentlichen, ist davon nicht gedeckt.

Für Fachschaften gibt es bei vielen Produkten eine Schullizenz, die mehrere Lehrkräfte einer Schule abdeckt. Sie steht direkt auf der Produktseite zur Auswahl.

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Die Materialien orientieren sich an den veröffentlichten Vorgaben der Länder - je nach Bundesland am Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan, Rahmenlehrplan oder an den Fachanforderungen. Für viele Fächer gibt es eigene Pakete je Bundesland.

Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.

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