L-E-R und Religionsunterricht in Brandenburg: Zusammenarbeit statt Konkurrenz an einer Schule

In Brandenburg ist L-E-R das weltanschaulich neutrale Pflichtfach für alle, während konfessioneller Religionsunterricht der Kirchen freiwillig hinzukommt und von der Teilnahme an L-E-R befreit. Statt Konkurrenz um Stunden und Aufmerksamkeit lohnt sich für beide Fachgruppen eine bewusste Abstimmung von Themen und Terminen. So profitieren auch sehr kleine Religionsgruppen von einem gemeinsamen Rahmen mit L-E-R.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Zwei Fächer mit unterschiedlichem Status
L-E-R steht für Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde und ist in Brandenburg ein ordentliches, weltanschaulich neutrales Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler. Konfessioneller Religionsunterricht der evangelischen und katholischen Kirche findet daneben freiwillig statt; wer daran teilnimmt, kann sich von L-E-R befreien lassen. Diese Konstruktion ist bundesweit ungewöhnlich, weil sie das Regelfach L-E-R und die Alternative Religionsunterricht in ihrer Rolle vertauscht.
Für Religionslehrkräfte bedeutet das eine besondere Ausgangslage: Ihre Lerngruppe besteht ausschließlich aus Kindern, deren Eltern sich aktiv für den freiwilligen Unterricht entschieden haben, während die übrige Klasse in L-E-R bleibt. Das schafft oft sehr motivierte, aber auch sehr kleine Gruppen, mitunter über mehrere Klassen oder Jahrgänge hinweg zusammengefasst.
Themen zwischen L-E-R und Religion abstimmen
Weil beide Fächer teils ähnliche Themen behandeln, etwa religiöse Feste, Weltreligionen oder ethische Grundfragen, lohnt sich eine Absprache zwischen den Fachgruppen zu Beginn des Schuljahres. Wer festlegt, in welchem Monat L-E-R sich mit Weltreligionen befasst und wann der Religionsunterricht ein verwandtes Thema vertieft, vermeidet, dass Schülerinnen und Schüler, die beide Fächer im Laufe ihrer Schulzeit besuchen, denselben Stoff zweimal in identischer Form erleben.
Für die Planung der eigenen Reihen bietet sich als Grundlage ein Materialpaket mit einsatzbereiten Unterrichtsreihen für den evangelischen und katholischen Religionsunterricht an, aus dem sich Themen so auswählen lassen, dass sie sich von der L-E-R-Perspektive erkennbar unterscheiden, etwa durch einen stärkeren Bezug zu Bekenntnis und eigener Tradition.
Gemeinsame Projekttage als Brücke
Ein Projekttag, an dem L-E-R- und Religionsgruppen gemeinsam an einem Oberthema arbeiten, etwa Gerechtigkeit oder Feste im Jahreslauf, macht die unterschiedlichen Zugänge beider Fächer sichtbar, ohne sie zu vermischen: L-E-R nähert sich weltanschaulich neutral, der Religionsunterricht aus der eigenen konfessionellen Perspektive. Beide Gruppen stellen am Ende des Tages ihre Ergebnisse einander vor.
Für den interreligiösen Teil eines solchen Projekttags liefert ein Sparpaket zu Christentum, Islam und interreligiösem Dialog geeignete Bausteine, die sich sowohl in L-E-R als auch im Religionsunterricht einsetzen lassen und so als gemeinsame Grundlage für den Austausch dienen.
Mit sehr kleinen Lerngruppen arbeiten
Wenn eine Religionsgruppe nur aus wenigen Kindern besteht, teils über mehrere Jahrgänge gemischt, verändert das die Methodenwahl: Frontale Formate funktionieren schlechter als Gespräch, gemeinsames Lesen und individuelle Arbeitsaufträge. Differenzierte Aufgaben, die je nach Alter unterschiedlich anspruchsvoll gelöst werden können, erlauben es, jahrgangsübergreifend am selben Thema zu arbeiten, ohne jüngere Kinder zu überfordern oder ältere zu unterfordern.
Ein Materialfundus mit differenzierbaren Aufgaben zu zentralen Themen von Glaube, Kirche und Werten bietet ein Sparpaket zu Glaube, Kirche, Werten und Vielfalt für die Sekundarstufe I, aus dem sich für kleine, gemischte Gruppen einzelne Bausteine mit unterschiedlichem Anspruchsniveau auswählen lassen.
Eltern für das Modell gewinnen
Viele Eltern, gerade solche, die aus anderen Bundesländern zugezogen sind, kennen das brandenburgische Modell nicht und sind überrascht, dass Religionsunterricht dort freiwillig ist und L-E-R die Regel bildet. Ein kurzer, sachlicher Elternbrief zu Schuljahresbeginn, der beide Fächer nebeneinander erklärt, beugt Missverständnissen vor, etwa der Annahme, Religionsunterricht sei automatisch Teil des Stundenplans wie in anderen Ländern.
Für die inhaltliche Ausrichtung beider Fächer im Detail bieten eine Übersicht zu Vorgaben, Reihen und Material im Rahmenlehrplan Religion und eine Übersicht zu Struktur, Reihenplanung und Material im Rahmenlehrplan L-E-R eine gute Grundlage, um Eltern und Kolleginnen und Kollegen die Unterschiede verständlich zu erklären.
Häufige Fragen
Warum ist Religionsunterricht in Brandenburg freiwillig, obwohl es in anderen Ländern Pflicht ist?
Brandenburg hat mit L-E-R ein eigenes Modell entwickelt, in dem ein weltanschaulich neutrales Fach die Regel bildet und konfessioneller Religionsunterricht als freiwillige Ergänzung der Kirchen hinzukommt. Wer am Religionsunterricht teilnimmt, wird von der Teilnahme an L-E-R befreit.
Wie können L-E-R- und Religionslehrkräfte Doppelungen vermeiden?
Eine gemeinsame Absprache zu Schuljahresbeginn, welche Themen wann behandelt werden, hilft, ähnliche Inhalte zeitlich zu verteilen. Ein gemeinsamer Projekttag zu einem Oberthema kann zusätzlich zeigen, wie beide Fächer sich in ihrer Perspektive unterscheiden, ohne den Stoff zu wiederholen.
Wie arbeitet man mit sehr kleinen, jahrgangsübergreifenden Religionsgruppen?
Differenzierte Aufgaben, die je nach Alter unterschiedlich anspruchsvoll bearbeitet werden können, sowie gesprächsbasierte statt frontale Methoden erleichtern das gemeinsame Arbeiten. So lässt sich dasselbe Thema für jüngere und ältere Kinder gleichzeitig sinnvoll gestalten.
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Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
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