Der Konjunktiv I und II: über das Schuljahr verteilen

Der Konjunktiv I und II lässt sich sinnvoll über das ganze Schuljahr verteilen statt in einem Block: Konjunktiv I für die indirekte Rede zuerst, im ersten Semester, der Irrealis mit Konjunktiv II erst im zweiten Semester, wenn die Klasse den Unterschied zwischen Referat und eigener Position bereits kennt.
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Zwei Formen, ein Thema, zwei Semester
Wer den Konjunktiv I und II als ein einziges Thema plant, das in einer Reihe von drei oder vier Lektionen abgehandelt wird, unterschätzt meist, wie unterschiedlich die beiden Formen von der Klasse verlangt werden. Konjunktiv I dient in erster Linie der indirekten Rede und damit einer Kompetenz, die sich gut isoliert einüben lässt: Zeitungsmeldungen umformen, Aussagen wiedergeben, zwischen eigener und fremder Stimme unterscheiden. Konjunktiv II dagegen trägt den Irrealis, also Wünsche, Vermutungen und Bedingungssätze, und verlangt von der Klasse ein Gespür für Distanz zur Aussage, das sich schwerer trainieren lässt als eine reine Formenlehre.
Deshalb lohnt es sich, die beiden Formen nicht in derselben Woche zu unterrichten, sondern über zwei Semester zu strecken. Im ersten Semester steht die indirekte Rede im Zentrum, etwa im Zusammenhang mit Sachtexten oder Zeitungsartikeln. Im zweiten Semester, wenn die Klasse an literarischen Texten oder an eigenen Stellungnahmen arbeitet, kommt der Irrealis dazu — dort, wo er inhaltlich ohnehin gebraucht wird.
Was die Verteilung auf zwei Semester bringt
Der Vorteil dieser Verteilung liegt nicht nur in der zeitlichen Entlastung. Wenn Konjunktiv I bereits gefestigt ist, bevor Konjunktiv II eingeführt wird, verwechselt die Klasse die beiden Formen seltener. Das ist besonders im ersten Semester wichtig, wenn parallel andere Grammatikthemen laufen und die Lektionen für Deutsch ohnehin knapp bemessen sind. Eine gestreckte Planung verhindert, dass am Ende beide Formen nur oberflächlich sitzen.
Die Reihe zum Konjunktiv I und II ist so aufgebaut, dass sich der Teil zur indirekten Rede und der Teil zum Irrealis auch getrennt einsetzen lassen, ohne dass eine Lehrperson das Material künstlich auseinanderschneiden muss. Das erleichtert genau diese Verteilung über zwei Semester, weil beide Teile für sich stehen und trotzdem aufeinander aufbauen.
Im zweiten Semester lässt sich das Thema zudem mit anderen Grammatikbereichen verknüpfen. Wer beispielsweise anschliessend die Reihe zu Präpositionen und ihre Fälle einplant, kann den Blick der Klasse für Satzbau und Nebensatzstrukturen weiter schärfen, nachdem der Konjunktiv als eigenständiges Thema bereits sitzt.
Die Lektionentafel als Rahmen
Wie viele Lektionen für Grammatikthemen wie den Konjunktiv tatsächlich zur Verfügung stehen, ergibt sich aus der Lektionentafel des jeweiligen Kantons und aus der Stoffverteilung, die eine Schule oder ein Fachteam für den Fachbereich Deutsch festlegt. Diese Zahl unterscheidet sich von Kanton zu Kanton und von Schule zu Schule, weshalb sich eine feste Lektionenzahl für dieses Thema hier nicht seriös nennen lässt. Was sich aber sagen lässt: Wer den Konjunktiv über zwei Semester verteilt, braucht in jedem einzelnen Semester weniger Lektionen am Stück, als wenn das ganze Thema geballt in einem Block steht.
Das macht die Planung robuster gegenüber Ausfällen. Fällt im ersten Semester eine Lektion zur indirekten Rede aus, lässt sich das im weiteren Verlauf des Semesters nachholen, ohne dass gleich die gesamte Konjunktiv-Einheit ins Wanken gerät. Bei einer kompakten Blockplanung wirkt sich ein Ausfall dagegen sofort auf das ganze Thema aus.
Stolperstellen bei der Zweiteilung
Die grösste Gefahr bei dieser Verteilung ist der Bruch zwischen den beiden Semestern: Wenn zwischen der Einheit zur indirekten Rede und der Einheit zum Irrealis zu viel Zeit vergeht, muss zu Beginn des zweiten Semesters ein Teil der Formen wiederholt werden, bevor der Irrealis überhaupt eingeführt werden kann. Eine kurze Auffrischung von zehn bis fünfzehn Minuten zu Beginn des zweiten Semesters reicht in der Regel aus, sollte aber fest eingeplant werden, statt sich auf den Zufall zu verlassen.
Für die konkrete Reihe zum Konjunktiv I und II heisst das: Die Einheit zur indirekten Rede eignet sich gut als Ausgangspunkt für diese Wiederholung, weil sie kompakt genug ist, um in einer einzigen Lektion aufgefrischt zu werden. Eine Übersicht, wie sich Grammatikthemen sinnvoll über ein Schuljahr verteilen lassen, bietet die Übersicht zur Jahresplanung in der Schweiz, während die Materialübersicht Deutsch Sekundarstufe I Schweiz einen Überblick über weitere Themen im Fachbereich Deutsch gibt. Anschlussfähig sind zudem der Anfangsunterricht Deutsch in der ersten Klasse, ein Stoffverteilungsplan für die fünfte Klasse und die Arbeit mit Anforderungsbereichen in Deutsch-Klausuren.
Häufige Fragen
Warum sollte man Konjunktiv I und II nicht in derselben Reihe unterrichten?
Weil die beiden Formen unterschiedliche Kompetenzen ansprechen: Konjunktiv I dient vor allem der indirekten Rede und lässt sich formal gut trainieren, Konjunktiv II trägt den Irrealis und verlangt ein Gespür für Distanz zur Aussage. Werden beide gleichzeitig eingeführt, verwechselt die Klasse die Formen häufiger, als wenn sie zeitlich getrennt erarbeitet werden.
Wie viele Lektionen braucht die Einheit zum Konjunktiv insgesamt?
Das hängt von der Lektionentafel des Kantons und der schulinternen Stoffverteilung im Fachbereich Deutsch ab und lässt sich deshalb nicht pauschal beziffern. Sinnvoll ist es, die Einheit in zwei kleinere Blöcke pro Semester zu teilen, statt eine grosse Zahl an Lektionen am Stück zu reservieren.
Wie lässt sich der Übergang zwischen den beiden Semestern gestalten?
Am Anfang des zweiten Semesters lohnt sich eine kurze, fest eingeplante Wiederholung der indirekten Rede, bevor der Irrealis mit Konjunktiv II eingeführt wird. So sitzt die Unterscheidung zwischen beiden Formen wieder, bevor die neue Form dazukommt, und die Klasse vermischt sie seltener.
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