Sachunterricht· Grundschule

Verdunstung untersuchen: Den Versuch mit zwei nassen Tüchern fair planen

von Luca 01.10.2026 1 Min. Lesezeit

Ein fairer Vergleich zur Verdunstung gelingt, wenn zwei Tücher sich nur in einer einzigen Bedingung unterscheiden. Beide Tücher sind gleich, bekommen gleich viel Wasser und hängen zur gleichen Zeit auf, nur der Ort ist verschieden, zum Beispiel warmes Fensterbrett und kühler Schattenplatz. Wenn das eine Tuch schneller trocknet, kann das nur am Ort liegen. Genau dieses Denken, eine Bedingung zu ändern und alle anderen gleich zu lassen, ist der eigentliche Lerngegenstand.

Warum gerade zwei nasse Tücher

Der Versuch braucht fast kein Material: zwei gleiche Tücher oder Küchenpapiere, Wasser, ein Messbecher oder Löffel, eine Uhr. Er knüpft an Erfahrungen an, die jedes Kind kennt, nasse Wäsche, Pfützen, nasse Haare. Außerdem ist die Beobachtung einfach: Das Tuch fühlt sich trocken an oder nicht, die Pfütze ist kleiner oder gleich groß. Im zweiten Lernweg der Reihe Wasser und Wasserkreislauf steht dazu die Aufgabe, einen sicheren Vergleich mit zwei gleichen nassen Tüchern zu planen. Geplant heißt hier: Die Kinder überlegen, bevor sie handeln.

Planen: Was bleibt gleich, was ändert sich?

Der Planungsrahmen ist kurz und lässt sich leicht an der Tafel aufbauen. Die Kinder füllen gemeinsam eine kleine Tabelle aus:

Frage Antwort im Beispiel
Was wollen wir wissen? Trocknet ein nasses Tuch an einem warmen Ort schneller?
Was ändern wir? Den Ort: Fensterbrett oder Schattenplatz
Was bleibt gleich? Tuch, Wassermenge, Startzeit
Was beobachten wir? Wie fühlt sich das Tuch nach 10, 20, 30 Minuten an?

Ein häufiger Planungsfehler ist, mehrere Dinge gleichzeitig zu ändern: Das eine Tuch ist größer, hängt in der Sonne und hat mehr Wasser. Lassen Sie die Kinder ihren Plan einem anderen Paar vorstellen, das nach Unterschieden sucht. Wenn die Klasse selbst erkennt, dass „zwei Dinge anders sind“, haben Sie das Prinzip ohne langen Vortrag vermittelt. Das Prinzip begegnet Ihnen in einem anderen Fach wieder, im Beitrag Faires Experiment planen: Schattengröße und Lampenabstand.

Vermutung, Beobachtung, Ergebnis trennen

Das Heft arbeitet durchgängig mit der Trennung von Beobachtung und Vermutung. Für den Versuch können Sie eine dritte Spalte ergänzen, das Ergebnis. Die Vermutung wird vor dem Versuch notiert: „Ich vermute, dass das Tuch am Fenster zuerst trocken ist, weil es dort wärmer ist.“ Die Beobachtung hält fest, was man tatsächlich sieht oder fühlt, ohne Erklärung: „Nach 20 Minuten ist das Tuch am Fenster nur noch feucht, das andere fühlt sich nass an.“ Das Ergebnis verbindet beides: Die Vermutung wurde bestätigt oder nicht.

Achten Sie auf Sätze, in denen sich Vermutung in die Beobachtung mischt, etwa „Das Wasser ist in die Luft gegangen.“ Das ist eine Deutung, die Kinder nicht sehen können. Fragen Sie nach: „Was hast du gesehen, was denkst du?“ Damit üben Sie genau die Trennung, die später für jeden Versuch wichtig ist.

Sicher durchführen

Verzichten Sie auf Wärmequellen, die gefährlich werden können. Heizlüfter, offene Flammen und heiße Heizplatten sind nicht nötig. Ein sonniges Fensterbrett oder ein Platz nahe der Heizung genügt, sofern die Tücher nicht direkt aufliegen. Wasser auf dem Boden ist eine Rutschgefahr, legen Sie Unterlagen aus. Klären Sie vorher, wer die Tücher wann kontrolliert, damit der Versuch nicht in der Pause vergessen wird.

Bei Wetterbeobachtungen im Freien hilft die Reihe Wetter-Experimente für Klasse 1 bis 4, bei der Verbindung zu Wolken und Regen der Artikel Wasserdampf ist unsichtbar.

Auswerten und Grenzen benennen

Zur Auswertung gehört die Rückfrage, was der Versuch nicht zeigt. Das Heft stellt dafür in jedem Lernweg die Forscherfrage „Welche Grenze hat das Beispiel?“ Bei den Tüchern lautet die Antwort: Der Versuch zeigt, dass ein warmer Ort das Trocknen beschleunigt. Er zeigt nicht, wohin das Wasser geht. Hier knüpfen Sie an die Pfützen-Beobachtung an: Eine Pfütze wird kleiner, auch wenn niemand sie wegwischt. Dazu passt die Frage, warum die Pfütze an einem sonnigen Tag schneller verschwindet als an einem kühlen.

Dokumentation und Auswertung können Sie mit einem Foto in gleichen Abständen verbinden. So entsteht eine Zeitleiste, die die Klasse gemeinsam ordnet. Weitere Materialien zum Thema sammelt die Themenseite Wasser als Lebensgrundlage, und der Artikel Wasser und Wasserkreislauf im Sachunterricht planen zeigt, wo der Versuch in der Reihe steht. Für ein zweites Experiment mit Schattenbildern eignet sich die Reihe Licht, Schatten, Halbschatten, die ebenfalls auf faires Vergleichen setzt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Versuch?

Das Planen nimmt etwa 15 Minuten in Anspruch, der Versuch selbst läuft eine halbe bis ganze Stunde im Hintergrund. Die Kinder kontrollieren in Abständen von zehn Minuten. Die Auswertung schließt sich in einer eigenen Phase an. Passt das nicht in eine Stunde, lassen Sie die Tücher über Nacht hängen und werten am nächsten Tag aus.

Was, wenn beide Tücher gleich schnell trocknen?

Auch das ist ein Ergebnis. Fragen Sie, ob die beiden Orte wirklich verschieden genug waren. Wiederholen Sie den Versuch mit einem deutlicheren Unterschied, etwa einem sonnigen Fenster und einem kühlen Flur. Wichtig ist, dass Kinder nicht „falsch“ empfinden, wenn der Versuch ihre Vermutung nicht bestätigt, sondern Gründe suchen.

Kann ich den Versuch auch ohne Tücher machen?

Ja, etwa mit zwei gleichen Untertassen und gleich viel Wasser. Das Wasserlevel lässt sich gut sehen und mit einem Strich markieren. Eine Pfütze draußen eignet sich zur Beobachtung über den Tag, nicht aber zum fairen Vergleich, weil zu viele Bedingungen wechseln. Beides lässt sich gut kombinieren.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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