Englisch· Sek II

Sprachmittlung im Englischunterricht: Inhalte sinngemäß übertragen statt Wort für Wort

von Luca 18.09.2026 1 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Sprachmittlung, im Englischunterricht meist mediation genannt, verlangt keine Übersetzung, sondern die sinngemäße Übertragung von Informationen für eine bestimmte Person mit einem bestimmten Zweck. Entscheidend sind drei Fragen: Wer ist der Adressat, was braucht er wirklich, und welche Textsorte passt dazu. Wer das beachtet, kürzt und ordnet die Vorlage, statt sie Satz für Satz nachzubauen.

Was Sprachmittlung von Übersetzung unterscheidet

Bei einer Übersetzung bleibt der Ausgangstext maßgeblich: Jeder Satz soll wiederkehren. Bei der Sprachmittlung ist die Situation maßgeblich. Eine typische Aufgabe lautet etwa, einer englischsprachigen Austauschfamilie den Inhalt eines deutschen Informationsblatts über das Schulsystem zu erklären. Verlangt wird dann nicht der ganze Text, sondern die Auswahl der Informationen, die für genau diese Familie relevant sind, in einer Form, die sie versteht. Fachbegriffe, für die es keine Entsprechung gibt, werden erklärt statt ersetzt.

Daraus folgt der wichtigste Arbeitsschritt: Vor dem Schreiben wird die Aufgabenstellung gelesen und markiert, wer angesprochen wird und wozu. Ohne diese Markierung entsteht fast immer eine verkürzte Übersetzung, und die kostet Punkte, weil die Bewertung die Adressatenorientierung eigens ausweist.

Vier Schritte, die im Unterricht funktionieren

  • Situation klären: Adressat, Anlass, Zweck und gewünschte Textsorte aus der Aufgabe herausschreiben.
  • Relevantes markieren: nur die Stellen der Vorlage, die für diesen Zweck gebraucht werden.
  • Ordnen: die markierten Punkte in eine Reihenfolge bringen, die der Adressat erwartet.
  • Formulieren: eigene Sätze, passendes Register, kurze Erklärungen für kulturell gebundene Begriffe.

Der dritte Schritt wird am häufigsten übersprungen. Wer die Reihenfolge der Vorlage beibehält, produziert eine Zusammenfassung, keine Mittlung. In einer E-Mail an eine Gastfamilie steht die praktische Konsequenz vorn, im Ausgangstext steht sie oft am Ende.

Woran Punkte verloren gehen

Drei Fehlerbilder wiederholen sich. Erstens die vollständige Wiedergabe: Alles wird übertragen, auch was für den Adressaten belanglos ist. Zweitens das falsche Register: eine informelle Nachricht an eine Behörde oder umgekehrt ein steifer Ton in einer Nachricht an Gleichaltrige. Drittens die unerklärten Realien, also Begriffe wie Abitur, Ausbildung oder Elternsprechtag, die im englischsprachigen Raum keine direkte Entsprechung haben und deshalb eine kurze Umschreibung brauchen.

Hilfreich ist es, die Operatoren der Aufgabenstellung sicher zu kennen, weil sie die geforderte Leistung eingrenzen. Eine Übersicht mit Beispielen findest du in Operatoren im Englisch-Abitur: Liste, Bedeutung & Beispiele. Wie sich die schriftlichen Teilkompetenzen insgesamt trainieren lassen, beschreibt Englisch-Abitur: Textanalyse, Operatoren & Schreibkompetenzen gezielt trainieren.

So übst du gezielt

Nimm einen deutschen Sachtext von etwa 400 Wörtern und schreibe drei verschiedene Mittlungen dazu: eine E-Mail an eine gleichaltrige Person, einen kurzen Hinweistext für eine Website und eine mündliche Erklärung in Stichpunkten. Derselbe Ausgangstext, drei Adressaten, drei Ergebnisse. Diese Übung macht schneller deutlich als jede Regelliste, worin die Leistung besteht. Für die systematische Wiederholung von Methodenwissen eignet sich Methodenwissen & Operatorenübersicht im Fach Englisch - Oberstufe & Abitur, das Aufgabenformate und Formulierungshilfen zusammenstellt.

Ein zweiter Trainingsweg ist der Rollentausch: Eine Person schreibt die Mittlung, eine andere spielt den Adressaten und markiert alle Stellen, an denen sie nachfragen müsste. Jede Nachfrage zeigt eine Lücke, die im Original schon vorhanden war, und lässt sich unmittelbar in die Überarbeitung übernehmen.

Material, das beim Üben hilft

Die Materialien sind Verlagsmaterial und nicht ministeriell geprüft. Was in deinem Bundesland verlangt wird, steht in den Vorgaben der Schulbehörde, etwa bei der Standardsicherung NRW, beim ISB in Bayern, bei NiBiS oder beim IQB.

Häufige Fragen

Darf ich bei der Sprachmittlung Informationen weglassen?
Ja, das ist sogar verlangt. Weggelassen wird, was für den Adressaten keine Bedeutung hat. Fehlen dagegen Informationen, die der Adressat für seine Entscheidung braucht, ist die Aufgabe nicht erfüllt.

Muss ich deutsche Begriffe erklären, für die es kein englisches Wort gibt?
Ja. Eine kurze Umschreibung in einem Nebensatz genügt meist. Der Begriff kann dabei in der Originalform stehen bleiben, wenn die Erklärung unmittelbar folgt.

Wie lang sollte eine Mittlung sein?
Das gibt die Aufgabe vor. Ohne Vorgabe gilt: so lang, wie der Zweck es erfordert. Eine Mittlung, die fast so lang ist wie die Vorlage, deutet fast immer darauf hin, dass nicht ausgewählt wurde.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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