Musikalische Rhetorik im Barock: Affekten- und Figurenlehre
Barocke Musik will etwas sagen. Sie ist als „Klangrede“ konzipiert und folgt den Regeln der Rhetorik, um Affekte zu wecken und Texte zu deuten. Das Thema „Musikalische Rhetorik im Barock“ führt in die Affektenlehre und in die musikalisch-rhetorischen Figuren ein und macht damit ein zentrales Deutungsprinzip des 17. und 18. Jahrhunderts verstehbar. Wer diese Konventionen kennt, hört barocke Musik nicht mehr als abstrakte Struktur, sondern als gezielt gestaltete Rede an das Gefühl. Das Musikalische Rhetorik im Barock verbindet Hören, Analyse und Beurteilung für die Sekundarstufe II und schlägt den Bogen bis zur Ausdruckswirkung in der Gegenwart.
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Zentrale Werke und Begriffe
Die Affektenlehre versteht Musik als Kunst, klar umrissene Gemütszustände darzustellen. Die Figurenlehre stellt dafür ein Repertoire an Mitteln bereit: die absteigende Katabasis, den chromatisch fallenden Passus duriusculus, den Seufzer (Suspiratio) und die bildhafte Hypotyposis. Diese Figuren sind kein Schmuck, sondern tragen die Textbedeutung.
Wie eng Text und Ton verzahnt sind, zeigt Henry Purcells Dido’s Lament („When I am laid in earth“) über einem chromatisch absteigenden Basso ostinato, ebenso Johann Sebastian Bachs Erbarme dich aus der Matthäus-Passion und der Crucifixus aus der h-Moll-Messe. Auch Claudio Monteverdis Lamento d’Arianna und Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten mit ihrer programmatischen Tonmalerei lassen sich als klingende Rede lesen. So erarbeiten die Lernenden den Zusammenhang von rhetorischer Figur, Affekt und Textausdeutung unmittelbar am Notentext.
Zentrale Hörbeispiele der Reihe:
- Henry Purcell – „When I am laid in earth“ (Dido’s Lament) aus „Dido and Aeneas“
- J. S. Bach – „Erbarme dich“ aus der Matthäus-Passion
- J. S. Bach – „Crucifixus“ aus der h-Moll-Messe
- Claudio Monteverdi – „Lamento d’Arianna“
- Antonio Vivaldi – „Die vier Jahreszeiten“ (Sommer/Winter)
So gelingt der Unterricht
Die Reihe geht vom Hören zum Begriff: Zunächst erfahren die Lernenden an kurzen Klangbeispielen, dass barocke Musik etwas „sagen“ will, und erarbeiten die Analogie von Musik und Rhetorik (Klangrede, musica poetica). Von dieser Grundlage aus wird die Affektenlehre eingeführt und im geleiteten Hören überprüft, sodass ein tragfähiges begriffliches Fundament entsteht, bevor Einzeltechniken folgen.
Die Lernenden beschreiben und analysieren barocke Werke im Hinblick auf Affekt, musikalisch-rhetorische Figuren und das Text-Ton-Verhältnis. Die Lernenden erproben ausgewählte Figuren (z. B. Suspiratio, Katabasis) in kleinen eigenen Vertonungs- und Gestaltungsaufgaben. Die Lernenden erörtern die Reichweite der Rhetorik-Analogie und beurteilen die Ausdruckswirkung barocker Konventionen bis in die Gegenwart. Die Lernenden ordnen Kompositionen historisch ein und unterscheiden prima und seconda pratica sowie Affekten- und Figurenlehre.
Methodisch führt die Reihe konsequent vom Hören zur begründeten Beurteilung: Zuerst sichern kurze, prägnante Hörbeispiele die zentralen Begriffe, dann folgt die genaue Analyse am Noten- oder Hörtext, und schließlich münden die Stunden in eine abiturnahe Erörterung. Das Komplettpaket enthält dafür fünf Arbeitsblätter mit ausführlichen Lösungen, einen Verlaufsplan für Lehrkräfte inklusive Modellstunde, drei Lerntexte für die Hand der Lernenden, eine unterrichtsfertige Präsentation und einen A4-Überblick. Alle Dateien sind differenziert angelegt und in bearbeitbaren Formaten (DOCX und PPTX) enthalten, sodass sie sich an Lerngruppe, fachlichen Schwerpunkt und verfügbare Stundenzahl anpassen lassen.
Relevanz für Klausur und Zentralabitur NRW
Im Zentralabitur NRW gehört die barocke Klangrede zum Inhaltsfeld „Bedeutungen von Musik“. Erwartet wird, dass Figuren am Notentext benannt und auf das Text-Ton-Verhältnis bezogen werden, ergänzt um eine Erörterung zur Reichweite der Rhetorik-Analogie. Das romantische Pendant dazu ist die Das Kunstlied im 19. Jahrhundert, in der das Wort-Ton-Verhältnis erneut zum Thema wird; wie Musik auf andere Musik verweist und sie kommentiert, zeigt die Musik über Musik. Der komplette Themenkanon findet sich in der Themenreihe zum Zentralabitur Musik NRW.
Fazit
Mit klaren Begriffen, präzisen Hörbeispielen und prüfungsnahen Aufgaben lässt sich dieses Thema vom ersten Höreindruck bis zur eigenständigen Analyse durchdringen. Gerade in der Oberstufe zahlt sich dieser strukturierte Dreischritt aus Rezeption, Analyse und Reflexion aus, weil er die Lernenden befähigt, auch unbekannte Werke souverän zu erschließen und ihr Urteil fachsprachlich zu begründen. Das Musikalische Rhetorik im Barock liefert dafür alle Materialien – sofort einsetzbar, differenziert und vollständig editierbar –, sodass Lehrkräfte den Fokus auf die Lerngruppe statt auf die Vorbereitung legen können. Einen Überblick über die verwandten Themen der Reihe bietet die Themenreihe zum Zentralabitur Musik NRW.
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