Religion· Sek II

Die Kirchen im Nationalsozialismus: Anpassung, Widerstand und Schuld im Religionsunterricht

von Luca 28.09.2026 1 Min. Lesezeit
Die Kirchen im Nationalsozialismus: Anpassung, Widerstand und Schuld im Religionsunterricht

Beide großen Kirchen verhielten sich im Nationalsozialismus uneinheitlich: Teile passten sich an oder schwiegen, andere leisteten Widerstand, meist begrenzt auf innerkirchliche Fragen. Die evangelische Bekennende Kirche formulierte 1934 mit der Barmer Theologischen Erklärung eine Gegenposition zu den Deutschen Christen, während die katholische Kirche 1933 ein Konkordat mit dem NS-Staat schloss. Zur Judenverfolgung schwiegen beide Kirchen weitgehend, was nach 1945 zu kirchlichen Schuldbekenntnissen führte.

Anpassung, Schweigen und einzelner Widerstand

Im Unterricht sollte früh deutlich werden, dass es nicht die eine Haltung der Kirchen im Nationalsozialismus gab, sondern ein Nebeneinander von Anpassung, Schweigen und punktuellem Widerstand, oft innerhalb derselben Kirche. Diese Gleichzeitigkeit lässt sich schwerer vermitteln als eine klare Heldengeschichte, entspricht aber der historischen Quellenlage deutlich besser.

Ein Einstieg über drei kurze, anonymisierte Kirchenmitglieder-Porträts, ein anpassungsbereites, ein schweigendes und ein widerständiges, kann die Bandbreite zeigen, bevor konkrete Namen und Ereignisse folgen. Die Klasse ordnet zunächst eigene Vermutungen zu, wie solche unterschiedlichen Haltungen entstehen konnten.

Deutsche Christen und Bekennende Kirche

Die Bewegung der Deutschen Christen versuchte, die evangelische Kirche im Sinne nationalsozialistischer Ideologie umzuformen, unter anderem durch eine Ablehnung des Alten Testaments und eine völkische Umdeutung des Glaubens. Die Bekennende Kirche entstand als Gegenbewegung und formulierte 1934 mit der Barmer Theologischen Erklärung eine theologische Absage an diesen Anspruch, allerdings zunächst vor allem in innerkirchlichen Fragen.

Eine Textarbeit mit kurzen, erläuterten Ausschnitten kann zeigen, wie die Barmer Erklärung formuliert, dass die Kirche keiner anderen Herrschaft als der ihres eigenen Bekenntnisses unterstehen dürfe. Wichtig ist die Einordnung, dass diese Erklärung sich nicht ausdrücklich gegen die Judenverfolgung richtete, sondern gegen die staatliche Vereinnahmung der Kirche selbst.

Das Reichskonkordat von 1933

Die katholische Kirche schloss 1933 mit dem nationalsozialistischen Staat ein Konkordat, das kirchliche Rechte absichern sollte, gleichzeitig aber als frühe internationale Anerkennung des Regimes gedeutet werden kann. Für Jugendliche ist wichtig zu verstehen, dass ein solches Abkommen aus damaliger kirchlicher Sicht als Schutzmaßnahme gedacht war, aus heutiger Perspektive aber auch als problematisches Signal erscheint.

Ein Gesprächsimpuls kann fragen, welche Gründe für ein Abkommen mit einem Unrechtsregime aus damaliger Sicht sprechen konnten und weshalb ein solcher Schritt trotzdem kritisch zu bewerten ist. Diese doppelte Perspektive verhindert sowohl vorschnelle Verurteilung als auch unkritische Rechtfertigung.

Das Schweigen zur Judenverfolgung

Weder die Bekennende Kirche noch die katholische Kirche positionierten sich in der Breite deutlich gegen die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, auch wenn es einzelne mutige Stimmen und Handlungen Einzelner gab. Ein Beitrag zu Antisemitismus im Religionsunterricht hilft, dieses Schweigen im größeren Zusammenhang christlicher Judenfeindschaft zu verstehen, die nicht erst 1933 begann.

Für die Quellenarbeit eignen sich kurze, sorgfältig ausgewählte kirchliche Verlautbarungen, in denen die Judenverfolgung entweder gar nicht oder nur indirekt erwähnt wird. Die Klasse untersucht, was diese Auslassungen über die Prioritäten der jeweiligen kirchlichen Institution aussagen, ohne einzelne Personen jenseits gesicherter Fakten zu verurteilen.

Schuldbekenntnisse nach 1945

Nach Kriegsende formulierte die evangelische Kirche mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis 1945 ein Eingeständnis eigener Mitschuld, allerdings noch ohne die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ausdrücklich zu benennen. Für den Unterricht lässt sich daran zeigen, dass kirchliche Aufarbeitung ein längerer, mehrstufiger Prozess war und nicht mit einer einzigen Erklärung abgeschlossen wurde.

Ein Vergleich zweier kirchlicher Erklärungen aus unterschiedlichen Jahrzehnten kann sichtbar machen, wie sich die Sprache über die eigene Verantwortung im Lauf der Zeit verändert hat. Für den historischen Kontext des Zusammenlebens der Religionen über die NS-Zeit hinaus bietet sich zudem ein Beitrag zum Zusammenleben der Religionen im Mittelalter als Kontrastfolie an.

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Häufige Fragen

Waren die Kirchen im Nationalsozialismus geschlossen im Widerstand?

Nein. Es gab Anpassung, Schweigen und nur begrenzten, meist auf innerkirchliche Fragen bezogenen Widerstand, oft innerhalb derselben Kirche gleichzeitig. Eine einheitliche Haltung beider Kirchen gab es nicht, weshalb pauschale Urteile der komplexen Quellenlage nicht gerecht werden.

Was war die Barmer Theologische Erklärung?

Sie war eine 1934 von der Bekennenden Kirche formulierte theologische Absage an den Anspruch der Deutschen Christen, die Kirche der nationalsozialistischen Ideologie unterzuordnen. Sie richtete sich vor allem gegen die staatliche Vereinnahmung der Kirche, nicht ausdrücklich gegen die Judenverfolgung.

Wie sollte das Thema mit Betroffenen in der Klasse besprochen werden?

Sachlich, mit Rücksicht darauf, dass Familien in der Lerngruppe von Verfolgung betroffen gewesen sein können, und ohne einzelne historische Personen über gesicherte Fakten hinaus zu bewerten. Quellenarbeit statt pauschaler Urteile hilft, das Thema differenziert und respektvoll zu behandeln.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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