Jesus in Judentum und Islam: wie andere Religionen den Mann aus Nazareth sehen
Das Judentum sieht in Jesus einen jüdischen Lehrer seiner Zeit, nicht den erwarteten Messias, während der Islam ihn als Isa unter den großen Propheten verehrt und seine Jungfrauengeburt bejaht, seine Kreuzigung nach koranischem Verständnis aber bestreitet. Beide Sichtweisen unterscheiden sich damit deutlich von der christlichen Deutung.
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Jesus als Jude seiner Zeit
Jesus von Nazareth war ein Jude, der in jüdischer Tradition aufwuchs, in der Synagoge lehrte und sich in seinen Diskussionen auf die Tora bezog. Diese historische Verankerung wird in vielen christlichen Darstellungen zu wenig betont, obwohl sie für das Verständnis seiner Botschaft grundlegend ist und ohne den jüdischen Hintergrund kaum verständlich wird, welche Fragen seine Zeitgenossen an ihn richteten.
Für den Unterricht lohnt sich der Hinweis, dass die Auseinandersetzungen, die im Neuen Testament zwischen Jesus und einzelnen jüdischen Gruppen geschildert werden, innerjüdische Debatten seiner Zeit widerspiegeln und nicht als Gegensatz zwischen Christentum und Judentum insgesamt missverstanden werden sollten, eine Unterscheidung, die auch spätere Judenfeindschaft in christlicher Geschichte mit erklären kann.
Die jüdische Sicht: Lehrer, nicht Messias
Aus jüdischer Sicht war Jesus ein bedeutender Lehrer, der zu seiner Zeit Anhängerinnen und Anhänger fand, erfüllte aber nicht die im Judentum erwarteten Merkmale des Messias, etwa das Anbrechen einer Zeit umfassenden Friedens. Deshalb wird er im Judentum bis heute nicht als Messias anerkannt, was sich nicht als Ablehnung seiner Person, sondern als andere Erwartung an die messianische Zeit erklären lässt.
Unterrichtsmaterial zu Tod und Auferweckung Jesu von Nazareth als dem Christus kann diesen Unterschied aufgreifen, indem es die christliche Deutung neben die jüdische Erwartung stellt, ohne dabei eine Seite als überlegen oder richtiger darzustellen.
Isa im Koran: Prophet mit besonderer Geburt
Der Koran nennt Isa als einen der bedeutenden Propheten und bejaht seine Geburt aus der Jungfrau Maria, die auch im Koran als besonders verehrte Gestalt erscheint. Isa wirkt nach koranischer Darstellung Wunder im Auftrag Gottes, wird aber nicht als Sohn Gottes verstanden, da der Koran jede Vorstellung einer Gottessohnschaft ausdrücklich zurückweist, was einen zentralen Unterschied zur christlichen Deutung markiert.
Nach Sure 4 wird zudem bestritten, dass Isa tatsächlich gekreuzigt wurde, verbunden mit unterschiedlichen Auslegungen in der islamischen Theologie darüber, was stattdessen geschehen sei. Für den Unterricht reicht die sachliche Feststellung, dass der Koran die Kreuzigung bestreitet, ohne selbst eine bestimmte Auslegung als sicher zu behaupten, da schon innerhalb der islamischen Theologie keine einheitliche Antwort besteht.
Unterschiede respektvoll gegenüberstellen
Die Gegenüberstellung der drei Sichtweisen, christlich, jüdisch und islamisch, eignet sich besonders gut für eine Tabelle mit den Kategorien Herkunft, Rolle und Tod, die die Klasse in arbeitsteiligen Gruppen füllt. So wird deutlich, dass es sich nicht um eine richtige und zwei falsche Sichtweisen handelt, sondern um drei in sich stimmige religiöse Deutungen derselben Person, die jede für sich in ihrer eigenen Tradition Sinn ergibt.
Ein Gesprächsimpuls wie „Was überrascht dich daran, dass Jesus in drei Religionen unterschiedlich verstanden wird?“ eröffnet ein Gespräch, das die religiöse Identität einzelner Schülerinnen und Schüler nicht in Konkurrenz zueinander stellt, sondern Neugier auf die jeweils andere Sichtweise weckt.
Texte in Gruppen vergleichen
Eine Gruppenarbeit mit kurzen Textausschnitten aus dem Neuen Testament und dem Koran zu Isa beziehungsweise Jesus lässt die Klasse selbst herausarbeiten, wo die Texte übereinstimmen und wo sie sich deutlich voneinander unterscheiden. Unterrichtsmaterial zum Islam für die Sekundarstufe I mit Gruppenpuzzle und Aufgaben liefert dafür den koranischen Textabschnitt in bereits aufbereiteter, unterrichtstauglicher Form.
Vertiefend passt dazu ein Beitrag zu den fünf Säulen, dem Koran und dem Alltag im Gruppenpuzzle für die Sekundarstufe I, und wer die jüdische Perspektive stärker einbeziehen möchte, findet in einem Beitrag zu christlicher Judenfeindschaft und heutigen Stereotypen wichtige Hinweise, um verbreitete Missverständnisse über die jüdische Jesusdeutung nicht ungewollt zu wiederholen. Für eine interreligiöse Reihe eignet sich zudem ein Sparpaket zu Christentum, Islam und interreligiösem Dialog.
Häufige Fragen
Warum gilt Jesus im Judentum nicht als Messias?
Aus jüdischer Sicht erfüllte Jesus nicht die erwarteten Merkmale des Messias, etwa das Anbrechen einer Zeit umfassenden Friedens für die ganze Welt. Er wird im Judentum als bedeutender Lehrer seiner Zeit gesehen, aber nicht als der erwartete Messias anerkannt.
Wie sieht der Koran die Kreuzigung Jesu?
Nach Sure 4 bestreitet der Koran, dass Isa tatsächlich gekreuzigt wurde, wobei die islamische Theologie unterschiedlich auslegt, was stattdessen geschah. Sicher ist nur, dass der Koran diesen zentralen Punkt der christlichen Deutung ausdrücklich zurückweist.
Bejaht der Islam die Jungfrauengeburt Jesu?
Ja, der Koran bejaht die Geburt Isas aus der Jungfrau Maria, die auch im Islam als besonders verehrte Gestalt gilt. Isa wird als bedeutender Prophet mit besonderer Nähe zu Gott verstanden, aber ausdrücklich nicht als Sohn Gottes.
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