Unterrichtsvorbereitung Selbstpräsentation in der Kunst
Differenzierung gehört in die Unterrichtsvorbereitung, nicht in die Stunde. Für eine Doppelstunde zur Selbstpräsentation heißt das: ein gemeinsames Bild, drei gestufte Aufgabenblätter, ein Wortspeicher, zwei Hilfekarten und ein Bewertungsraster, das für alle Varianten gilt. Der Aufwand liegt bei etwa einer Stunde und ersetzt jedes spontane Nachsteuern.
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Warum das Thema Differenzierung besonders verlangt
Selbstpräsentation ist ein Thema, bei dem Vorwissen und Zugänglichkeit weit auseinanderfallen. Die einen bringen ein ausgeprägtes Bewusstsein für Selbstinszenierung aus sozialen Medien mit, die anderen können eine Pose nicht als Konstruktion lesen. Gleichzeitig ist der Gegenstand persönlich, was zurückhaltende Schülerinnen zusätzlich bremst. Beides lässt sich nicht in der Stunde auffangen.
Die tragfähige Lösung ist ein gemeinsames Bild für alle und unterschiedliche Zugriffe darauf. Dürers Selbstbildnis von 1500 mit seiner frontalen, streng symmetrischen Anlage eignet sich dafür besonders, weil es auf jedem Niveau etwas hergibt. Die Reihe zur Selbstpräsentation in der Kunst führt zu jedem Werk gestufte Aufgabenformate mit. Die Unterrichtsvorbereitung dieser Blätter verkürzt sich dadurch erheblich.
Ein Bild, drei Frageniveaus
Blatt A arbeitet mit geschlossenen Beobachtungsaufgaben: Blickrichtung ankreuzen, Bildausschnitt bestimmen, Lichtquelle einzeichnen, drei Gegenstände benennen. Dazu ein Wortspeicher mit zwölf Begriffen — Frontalansicht, Halbfigur, Attribut, Aufsicht, Untersicht, gerichtetes Licht. Wer damit arbeitet, produziert am Ende eine korrekte Beschreibung, ohne je vor einem leeren Blatt gesessen zu haben.
Blatt B verlangt dieselben Beobachtungen in eigenen Sätzen, unterstützt durch fünf Satzanfänge. Blatt C fordert den Vergleich mit einem zweiten Werk und die Deutung der Pose als Konstruktion. Alle drei Blätter führen auf dieselbe Sicherung zu, sodass das Unterrichtsgespräch nicht zerfällt — das ist die eigentliche Bedingung für gestufte Blätter.
Bei der Auswahl des zweiten Werks für Blatt C lohnt sich ein Sprung: Cindy Shermans „Untitled Film Stills“ sind gerade keine Selbstporträts, sondern Darstellungen von Rollenbildern. Der Beitrag zu Bildauswahl und Bildzugang im Kunstunterricht beschreibt, wie sich solche Kontraste so wählen lassen, dass sie eine Deutungsaufgabe tragen und nicht nur einen Themenwechsel markieren.
Hilfekarten schreibt man vorher
Zwei Karten pro Aufgabe genügen. Die erste enthält einen Hinweis, die zweite eine Teillösung. Für die Deutungsaufgabe wäre Karte eins: „Achten Sie darauf, wohin der Blick gerichtet ist und was die Hände tun.“ Karte zwei nennt eine mögliche Beobachtung und lässt die Deutung offen. Beide liegen ausgedruckt auf dem Pult und werden selbstständig geholt.
Der Effekt ist doppelt. Zum einen entfällt das Anstehen bei der Lehrkraft, das in der Praxis ein Drittel der Erarbeitungsphase frisst. Zum anderen wird die Hilfe dokumentiert und lässt sich in der Rückmeldung ansprechen. Die Abschätzung von Material und Zeitbedarf sollte diese Karten als eigenen Posten führen, weil sie beim ersten Mal zwanzig Minuten kosten und danach dauerhaft vorliegen.
Wahlaufgaben in der Praxis, ein Raster für alle
In der Gestaltungsphase bietet sich eine Wahl zwischen drei Medien an: fotografische Inszenierung, zeichnerisches Selbstbildnis, plastische Selbstdarstellung als Büste oder Attributobjekt. Entscheidend ist, dass alle drei nach denselben vier Kriterien bewertet werden: Umsetzung der gewählten Rolle, Einsatz von Pose und Attribut, Bildausschnitt beziehungsweise Ansicht, Begründung im Kommentar.
Die Wahlmöglichkeit darf die Bewertung nicht verschieben, weshalb die Anforderungen an jedes Medium vorher feststehen müssen. Für die plastische Variante braucht es eine Materialvorgabe, sonst entstehen Arbeiten, die technisch scheitern; die Materialien zu Plastik, Skulptur und Objekten liefern die Grundlagen für Aufbau und Standfestigkeit. Wer ohne Fachraum arbeitet, findet im Beitrag zum plastischen Gestalten ohne Fachraum die entsprechenden Zuschnitte. Der zeichnerische Weg lässt sich über die Hinweise zur Bewertung von Schraffur und Grauwerten absichern.
Der häufigste Schülerfehler betrifft alle drei Medien gleichermaßen: Selbstdarstellung wird mit Ähnlichkeit verwechselt. Wer das vorwegnimmt und in der Aufgabenstellung ausdrücklich eine Rolle statt eines Abbilds verlangt, verhindert stundenlanges Vergleichen mit dem Spiegelbild.
Was die vorbereitete Differenzierung kostet
Rechnen Sie für diese Unterrichtsvorbereitung beim ersten Durchgang mit sechzig bis siebzig Minuten: zwanzig für die drei Blätter, zehn für den Wortspeicher, zwanzig für die Hilfekarten, fünfzehn für das Raster. Im Folgejahr entfällt fast alles davon. Verglichen mit einer Doppelstunde, in der drei Gruppen gleichzeitig nachfragen, ist das die deutlich günstigere Investition.
Für die Oberstufe lohnt es sich, den mündlichen Anteil mitzudenken, weil Selbstpräsentation als Thema auch in Prüfungsgesprächen auftaucht; die Hinweise zur mündlichen Abiturprüfung mit Fotografie zeigen die dort erwarteten Formate. In den Aufgabenblättern zur Selbstpräsentation sind die gestuften Fassungen bereits angelegt und lassen sich um eigene Hilfekarten ergänzen. Wichtig bleibt, dass alle Varianten in derselben Sicherung zusammenlaufen.
Häufige Fragen
Wie verteilt man die gestuften Blätter, ohne zu stigmatisieren?
Legen Sie die Blätter aus und lassen Sie wählen, mit einer kurzen Beschreibung der Anforderung statt einer Niveaubezeichnung. Formulierungen wie „mit Ankreuzfeldern“ und „mit Vergleichsauftrag“ funktionieren besser als A, B und C. Erfahrungsgemäß wählen die meisten realistisch; wo nicht, genügt ein stiller Hinweis im Rundgang.
Eignet sich das Thema für eine einzelne Doppelstunde?
Ja, wenn Sie sich auf die Analyse beschränken. Ein Werk, drei gestufte Blätter, gemeinsame Sicherung. Sobald eine eigene Inszenierung dazukommt, brauchen Sie eine zweite Doppelstunde, weil Aufbau, Aufnahme und Auswahl in neunzig Minuten neben der Analyse nicht unterzubringen sind. Die Analyse allein trägt eine Doppelstunde vollständig.
Wie geht man mit Schülerinnen um, die sich nicht selbst darstellen wollen?
Bieten Sie die Darstellung einer erfundenen Person mit denselben Mitteln an. Pose, Attribut, Kostüm und Ausschnitt lassen sich an einer Rolle genauso untersuchen wie an der eigenen Person. Auch die Darstellung ohne Gesicht — Hände, Rückenansicht, Gegenstände — erfüllt die Aufgabe vollständig und ist kunsthistorisch gut belegt.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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