Unterrichtsvorbereitung Corporate Identity und Corporate Design
In einer heterogenen Lerngruppe steht und fällt die Unterrichtsvorbereitung zu Corporate Identity und Corporate Design mit einer analogen Basisstufe. Alle entwerfen ein Signet aus schwarzem Papier auf Raster, maximal drei Formen. Die digitale Umsetzung ist Wahlangebot ohne Bewertungsvorteil. So arbeiten Vorerfahrene und Anfängerinnen an derselben Aufgabe.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Warum die Spreizung bei diesem Thema besonders groß ist
Corporate Design ist eines der wenigen Kunstthemen, bei denen ein Teil der Lerngruppe echte Vorerfahrung mitbringt. Einige arbeiten seit Jahren mit Vektorprogrammen, gestalten Vereinslogos oder Kanalgrafiken; andere haben nie ein Raster benutzt. Wird die Aufgabe digital gestellt, entscheidet die Software über das Ergebnis, und der fachliche Ertrag verteilt sich extrem ungleich.
Die zweite Spreizung betrifft die Begriffe. Corporate Identity umfasst Erscheinungsbild, Kommunikation und Verhalten eines Unternehmens; Corporate Design ist nur der sichtbare Teil davon. Diese Unterscheidung muss gesetzt werden, sonst gestalten Kurse ein Logo und halten das für die ganze Aufgabe. Die Reihe zu Corporate Identity und Corporate Design trennt beide Ebenen konsequent. Die Begriffsarbeit in der Unterrichtsvorbereitung wird dadurch deutlich kürzer.
Die analoge Basisstufe, die alle durchlaufen
Der Auftrag lautet: ein Signet für eine fiktive Einrichtung, geschnitten aus schwarzem Papier, auf einem Raster von acht mal acht Feldern, höchstens drei Formen, keine Schrift. Diese Beschränkung wirkt hart und ist genau deshalb wirksam. Sie zwingt zur Entscheidung über Grundform und Proportion und macht Vorerfahrung mit Software wertlos, ohne sie zu entwerten.
Die Selbstkontrolle gehört unmittelbar dazu: Das fertige Signet wird auf etwa fünfzehn Millimeter verkleinert kopiert und aus drei Metern Entfernung betrachtet. Was dann noch erkennbar ist, funktioniert. Dieser Test ist für alle Niveaus gleich aussagekräftig und ersetzt die Diskussion darüber, ob ein Entwurf gelungen sei.
Historisch lässt sich das gut verankern. Peter Behrens entwickelte ab 1907 für die AEG ein Erscheinungsbild, das von der Wortmarke über Produkte bis zu Bauten reichte; Otl Aicher schuf für die Münchner Spiele von 1972 ein System aus Piktogrammen, Farbklima und Raster. Beide Beispiele zeigen, dass es um ein Regelwerk geht und nicht um ein Einzelbild.
Digital als Wahlangebot, nicht als Voraussetzung
Wer will, überträgt den Papierentwurf anschließend in ein Vektorprogramm. Wichtig ist, dass dieser Schritt keine bessere Note bringt, sondern nur eine andere Ausgabeform. Sobald digitale Umsetzung als höherwertig gilt, entsteht in heterogenen Gruppen genau die Zweiklassigkeit, die zu vermeiden war.
Als Zusatzaufgabe für schnelle Gruppen eignet sich die Anwendung: dasselbe Signet auf drei Trägern — Briefkopf, Beschilderung, Fahrzeugseite —, jeweils mit begründeter Größe und Position. Damit wird der Systemgedanke sichtbar. Der Beitrag zu Bildauswahl und Bildzugang im Kunstunterricht beschreibt, wie sich solche Erweiterungen ohne zusätzliches Material vorbereiten lassen.
Ein Raster für beide Wege
Vier Kriterien reichen und gelten unabhängig vom Medium: Erkennbarkeit in starker Verkleinerung, Reduktion auf wenige Formen, Eigenständigkeit gegenüber bestehenden Marken, Begründung der Grundform im Kommentar. Handwerkliche Sauberkeit fließt in das zweite Kriterium ein und bildet keinen eigenen Posten, weil sonst geübte Hände systematisch bevorzugt werden.
Formulieren Sie in der Unterrichtsvorbereitung zu jedem Kriterium eine Beispielantwort für die volle Punktzahl. Das dauert zwanzig Minuten und macht die Rückmeldung im Rundgang deutlich schneller, weil Sie eine Formulierung zur Hand haben. Wer Aufgabenstellungen dieser Art systematisch aufbauen will, findet im Beitrag zum Erstellen von Klausuraufgaben für Kunst in der Sek II die passende Systematik.
Fehler, die sich in der Vorbereitung abfangen lassen
Vier Fehler treten regelmäßig auf: zu detailreiche Entwürfe, die bei fünfzehn Millimetern zu einem Fleck werden; Farbverläufe und Schlagschatten, die in einer einfarbigen Anwendung verschwinden; das Abzeichnen bestehender Marken; und die Entscheidung über die Farbe, bevor die Form steht. In den Aufgabenblättern zum Corporate Design steht diese Fehlerliste als Checkliste zur Selbstkontrolle, was den Rundgang spürbar entlastet. Die Papiervorgabe fängt drei der vier Fehler ohnehin konstruktiv ab, weil Schwarz-Weiß und Formbeschränkung bereits gesetzt sind.
Der vierte Fehler braucht eine eigene Regel: Farbe wird erst nach dem bestandenen Verkleinerungstest vergeben. Bei der Abschätzung von Material und Zeitbedarf lohnt sich außerdem der Blick auf den Kopierer — der Verkleinerungstest setzt voraus, dass in der Stunde tatsächlich kopiert werden kann, sonst genügt eine Handykamera aus Entfernung.
Für den Anschluss lassen sich zwei Richtungen aufmachen. Der Systemgedanke findet sich in der Architektur wieder, wofür die Materialien zur Architektur des Bauhauses die Werkbeispiele liefern; die serielle Erfassung gleichartiger Bauten behandelt der Beitrag zum Fotoprojekt nach Becher und Gursky. Und dass auch Künstlergruppen ein gemeinsames Erscheinungsbild entwickeln, zeigt der Text zu Ernst Ludwig Kirchner und der Brücke, deren Holzschnittprogramm als frühe Form kollektiver Bildsprache gelesen werden kann.
Häufige Fragen
Wie viel Zeit braucht die analoge Basisstufe?
Eine Doppelstunde. Zwanzig Minuten Begriffsklärung und Werkbeispiele, zehn Minuten Aufgabenstellung mit Rastervorgabe, vierzig Minuten Entwurf und Schnitt, zwanzig Minuten Verkleinerungstest und Rundgang. Wer den Test in dieselbe Stunde legt, bekommt unmittelbare Korrekturen und muss die Entwürfe nicht ein zweites Mal aufrufen.
Benachteiligt die Papiervorgabe geübte Schülerinnen?
Nein, sie verlagert den Anspruch. Wer digital sicher ist, merkt schnell, dass die Beschränkung auf drei Formen die eigentliche Schwierigkeit ist. Die Zusatzaufgabe mit drei Anwendungsträgern liefert diesen Gruppen zusätzlich Arbeit auf angemessenem Niveau, ohne dass die Bewertungsgrundlage für die Gruppe auseinanderfällt.
Wie verhindert man das Abzeichnen bekannter Marken?
Über die Aufgabenstellung. Geben Sie eine fiktive Einrichtung mit ungewöhnlichem Profil vor, etwa ein Archiv für verlorene Gegenstände oder eine Werkstatt für Reparaturen. Marken für solche Auftraggeber existieren nicht, und der Zwang zur eigenen Grundform entsteht dadurch von selbst, ohne dass ein Verbot ausgesprochen werden muss.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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