Vergleichen ohne Vereinheitlichung: Kriterien für den Künstlerinnenvergleich im Kunstkurs
Ein Vergleich von Künstlerinnen gelingt, wenn er mit konkreten Werken und gemeinsamen Kriterien arbeitet und Unterschiede sichtbar lässt. Der Schluss „Beide sind Frauen, also zeigen beide dieselbe weibliche Alltagssicht“ ist methodisch nicht tragfähig. Zwei Künstlerinnen teilen nicht automatisch eine identische Erfahrung oder Bildsprache, und genau das macht den Vergleich aufschlussreich.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Warum der Vergleich scheitert, wenn das Geschlecht das Kriterium ist
Dass die Künstlerinnen Frauen waren, liefert kein Vergleichskriterium, sondern höchstens einen Anlass zur Frage. Ein Kriterium muss auf beide Werke anwendbar sein und etwas Beobachtbares betreffen. Bei Grethe Jürgens und Hanna Nagel kommen etwa Blick, Raum, Medium, Tätigkeit und Rolleninszenierung in Frage. An ihnen lassen sich Unterschiede verständlich machen, statt sie in einer Sammelkategorie verschwinden zu lassen.
Im Material werden dazu zwei Werkzugänge genannt: Jürgens’ „Liebespaar“ von 1930 und ein grafisches Selbstbildnis Nagels von 1930. Beide Arbeiten sind gleich datiert, unterscheiden sich aber im Medium und im Bildtyp. Gerade diese Kombination zwingt dazu, nicht Äpfel mit Birnen gleichzusetzen. Weitere Werke lassen sich über die Museumszugänge ergänzen.
Leitfrage und Vergleichstafel
Am Anfang steht eine kriteriengeleitete Leitfrage, die der Vergleich beantworten soll. Statt „Was haben beide gemeinsam?“ lautet sie etwa: „Wie gestalten beide das Verhältnis von Blick und Raum, und welche Rolle spielt das jeweilige Medium?“ Aus der Frage folgen die Kriterien. Die Lernenden prüfen zunächst den Schluss des vorgegebenen Textes und formulieren dann ihre eigene Leitfrage. Lassen Sie zwei Formulierungen gegenüberstellen und gemeinsam entscheiden, welche tatsächlich zu Kriterien führt. Fragen, die nur nach Gemeinsamkeiten suchen, erzeugen meist vorschnelle Gleichungen.
Danach entsteht eine Vergleichstafel mit drei Gemeinsamkeiten, drei Unterschieden und einer Spalte für offene Fragen. Diese letzte Spalte ist wichtig. Sie hält fest, was sich mit dem vorliegenden Material nicht entscheiden lässt, zum Beispiel, wie ein Detailausschnitt im Verhältnis zum Gesamtbild steht. Eine Tafel ohne offene Fragen deutet meist auf zu glatte Verallgemeinerung hin.
In der Reihe zu Grethe Jürgens und Hanna Nagel bildet diese Tafel das Produkt der fünften Doppelstunde und bereitet das Urteil vor.
Medium, Datierung und Überlieferung berücksichtigen
Ein häufiger Fehler beim Vergleichen ist die Übertragung von Beobachtungen auf ein falsches Werk. Eine grafische Arbeit ist nicht mit einem anders datierten Ölbild gleichzusetzen. Wer von dicker Farbschicht spricht, aber eine Zeichnung betrachtet, hat das Medium verfehlt. Ein Detailausschnitt muss ausdrücklich vom ganzen Bild unterschieden werden.
Dazu kommt die Überlieferung: Nicht von jeder Künstlerin sind gleich viele Werke gleich gut dokumentiert oder zugänglich. Ein überzeugender Vergleich berücksichtigt deshalb Unterschiede der Überlieferung und sagt, wie weit seine Schlüsse tragen. Schülerinnen und Schüler lernen so, dass Vergleichbarkeit hergestellt werden muss und nicht einfach vorliegt. Sinnvoll ist ein kurzer Prüfschritt vor dem Schreiben: Welches Werk betrachte ich, mit welchem Titel, welcher Datierung und in welchem Medium? Erst wenn diese Angaben stehen, beginnt der Vergleich.
Die Kategorie Neue Sachlichkeit als Rahmen prüfen
Die Urteilsaufgabe fragt nach der Aussagekraft der gemeinsamen historischen Kategorie. Die Neue Sachlichkeit kann einen historischen Bezug eröffnen, erklärt aber nicht jede Werkphase. Gute Antworten nennen Kriterien wie Reichweite, Erklärungswert und Werkverlauf, gewichten sie und gehen auf einen ernsthaften Einwand ein, zum Beispiel auf den Nutzen der Kategorie als Orientierung. Das Urteil bleibt begrenzt, wenn es nur auf zwei Werken beruht.
Für die methodische Seite eignet sich der Beitrag zum Aufbau einer Bildanalyse mit Beispiel. Wer den Bildvergleich auf Klausurformate bezieht, findet im Beitrag zum Bildvergleich mit Erwartungshorizont zu Heartfield und Kentridge ein Beispiel für Aufbau und Bewertung eines Vergleichs.
Bewertung und Einordnung
Bewertet werden Befunde mit 20 Punkten, fachliche Erklärung mit 25, der Vergleich mit 25, das Urteil mit 15 sowie Struktur und Fachsprache mit 15 Punkten. Das ist ein Unterrichtsvorschlag; schulische und amtliche Vorgaben gehen vor. Einen starken Vergleich erkennen Sie daran, dass er gemeinsame Kriterien tatsächlich anwendet und nicht zwei getrennte Beschreibungen nebeneinanderstellt. Rückmeldungen nennen dazu eine gelungene Verbindung und einen nächsten Schritt, zum Beispiel, wie ein Kriterium noch genauer an beiden Werken belegt werden kann.
Im Material ist der Schwerpunkt 2029 genannt; maßgeblich sind die aktuellen Vorgaben zum Zentralabitur (für NRW: Standardsicherung NRW). Alle vier Reihen enthält das Sparpaket der Künstlerinnen der Neuen Sachlichkeit, die Themenseite beschreibt die Gruppe, und die Kollektion zeigt die Einzelreihen.
Häufige Fragen
Wie viele Kriterien braucht ein Vergleich?
Drei bis vier klar definierte Kriterien reichen. Wichtiger als die Anzahl ist, dass jedes Kriterium auf beide Werke angewendet und belegt wird.
Darf ich auch Jürgens mit Laserstein oder Mammen vergleichen?
Ja, die Reihen sind aufeinander bezogen. Voraussetzung sind konkrete Werke, gleiche Kriterien und die Beachtung von Medium und Datierung.
Wie bewerte ich unterschiedliche Positionen im Urteil?
Positionen sind gleichberechtigt, wenn ihr Argumentationsweg fachlich tragfähig und begrenzt ist. Prüfen Sie Kriterien, Gewichtung und den Umgang mit dem Einwand.
Das ganze Fach Kunst in einer Reihe
Einzelne Unterrichtsreihen decken ein Thema ab. Die FachKomplett-Reihe Kunst bündelt das Material für das gesamte Fach in der Sek II - einmal kaufen statt jedes Thema einzeln zusammenzusuchen.
FachKomplett Kunst – 100+ Unterrichtsreihen einsatzbereit für den Kunst-Unter...
€99,90Zur Reihe
- Alle zentralen Themen des Fachs in einem Paket
- Arbeitsblätter mit Lösungen, Präsentationen und Verlaufsplänen
- Editierbare Formate, damit du an deine Lerngruppe anpassen kannst
- Deutlich günstiger als die enthaltenen Reihen einzeln
Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
Das könnte dich auch interessieren
fachübergreifendBildmanipulation und Wahrheit: Fotografie fächerübergreifend mit Sozialku...
Andreas Gurskys digital bearbeitete Großformate eignen sich als Einstieg in eine fächerübergr...
07.10.2026
AntikenrezeptionEine eigene Antikenrezeption gestalten: Praxisaufgabe mit Begründung im K...
Ein eigenes Objekt zum Thema Ideal und Gegenwart verbindet Gestaltung und Begründung. Der Bei...
07.10.2026
AntikenrezeptionMaterial und Oberfläche: wie Marmor und spiegelnde Flächen Antikenzitate ...
Dasselbe Motiv wirkt in Marmor anders als auf spiegelnder Fläche. Der Beitrag zeigt, wie Sie ...
07.10.2026
FAQ zu den Unterrichtsmaterialien
Das Sortiment reicht von der Kita über die Grundschule und die Sekundarstufe I (Klasse 5–10) bis zur Sekundarstufe II und zur Berufsschule. Jedes Material ist nach Fach, Stufe und - wo sinnvoll - nach Bundesland beschriftet.
Viele Reihen lassen sich mit kleinen Anpassungen auch in benachbarten Schulformen einsetzen, weil die Aufgaben in mehreren Anforderungsniveaus vorliegen.
Eine vollständige Reihe enthält in der Regel:
- mehrere Arbeitsblätter mit ausgearbeiteten Lösungen
- eine Präsentation für den Unterrichtseinstieg
- einen Verlaufsplan für die Stundenstruktur
- Aufgaben auf mehreren Anforderungsniveaus zur Differenzierung
- je nach Reihe Klausur- oder Testvorlagen
Die Dateien liegen in editierbaren Formaten vor, damit du Inhalte an deine Lerngruppe anpassen kannst.
Direkt nach dem Kauf erhältst du eine Bestätigungs-E-Mail mit dem Download-Link. Zusätzlich liegen die Dateien dauerhaft in deinem Kundenkonto unter „Bestellungen" - ohne Ablaufdatum und ohne Downloadlimit.
Es gibt keinen Versand und keine Wartezeit: Der Download steht unmittelbar nach dem Abschluss der Bestellung bereit.
Die Einzellizenz gilt für eine Lehrkraft. Du darfst das Material ausdrucken und im eigenen Unterricht beliebig oft einsetzen. Die digitalen Dateien an andere Lehrkräfte weiterzugeben oder sie zu veröffentlichen, ist davon nicht gedeckt.
Für Fachschaften gibt es bei vielen Produkten eine Schullizenz, die mehrere Lehrkräfte einer Schule abdeckt. Sie steht direkt auf der Produktseite zur Auswahl.
Eine Unterrichtsreihe deckt ein einzelnes Thema ab, etwa „Genetik" oder „Kurzgeschichten analysieren". Sie passt, wenn du gezielt eine Sequenz vorbereitest.
Ein FachKomplett-Paket bündelt die zentralen Themen eines ganzen Fachs zu einem Gesamtpreis, der deutlich unter der Summe der Einzelreihen liegt. Das lohnt sich, sobald du ein Fach dauerhaft unterrichtest. Für Kunst findest du die Reihe hier.
Die Materialien orientieren sich an den veröffentlichten Vorgaben der Länder - je nach Bundesland am Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan, Rahmenlehrplan oder an den Fachanforderungen. Für viele Fächer gibt es eigene Pakete je Bundesland.
Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
Kommentare
Kommentar hinterlassen
Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.
Unterrichtstipps per E-Mail
Neue Materialien, Planungshilfen und Hinweise zu Lehrplanänderungen - etwa zweimal im Monat, ohne Werbeflut.

