Lynette Yiadom-Boakye in der Klausur: Bildwirkung der erfundenen Figur mit Erwartungshorizont
Eine Klausur zu Lynette Yiadom-Boakye trägt am zuverlässigsten über die Frage, welche Bildwirkung dadurch entsteht, dass eine Porträtmalerin ausschließlich erfundene Figuren malt, angewendet auf ein konkretes Werk aus der Unterrichtsreihe Lynette Yiadom-Boakye - Unterrichtsmaterial. Diese Aufgabenform verbindet Bildbeschreibung, Verfahrensanalyse und kunsttheoretische Einordnung in einer klar bewertbaren Struktur.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Aufgabenformat: vom Bildbefund zur Deutung
Die Klausur legt ein Werk von Yiadom-Boakye vor und verlangt zunächst die neutrale Beschreibung der dargestellten Figur, ihrer Haltung und des Bildraums. Im zweiten Schritt folgt die formale Analyse der Maltechnik: lose, oft unvollendet wirkende Pinselführung, dunkle Grundierung, reduzierte Lichtführung. Anforderungsbereich III verlangt die Deutung, welche Wirkung entsteht, wenn diese überzeugend wirkende Figur nachweislich nie existiert hat und ohne reales Modell gemalt wurde.
Ein Erwartungshorizont für diese Aufgabe teilt die Punkte in drei Blöcke auf: Beschreibung der Bildszene und der Figur, Nachweis der maltechnischen Merkmale, Einordnung der Bildwirkung über den Begriff der erfundenen Präsenz. Diese Struktur lässt sich aus dem Reihenmaterial direkt ableiten und auf jedes andere Werk der Künstlerin übertragen, da alle Bilder dasselbe Grundverfahren teilen.
Vergleichsaufgabe mit Rembrandt
Für eine anspruchsvollere Klausurvariante eignet sich der Vergleich mit einem nach Modell gemalten Werk aus Rembrandt – Porträt und Helldunkel. Beide Positionen arbeiten mit reduzierter Lichtführung und dunklem Grund, doch während Rembrandt eine reale, oft porträtierte Person zeigt, bleibt bei Yiadom-Boakye die Figur reine Erfindung. Diese Differenz lässt sich als eigener Anforderungsbereich-III-Teil formulieren: Verändert das Wissen um die Erfindung der Figur die Glaubwürdigkeit des Bildes, und warum überzeugt ein erfundenes Gesicht dennoch als Porträt?
Wer die Frage der Identität im Porträt noch breiter aufstellen möchte, findet in Frida Kahlo – Selbstbildnis und Symbolik eine dritte Position, die sich als zusätzlicher Vergleichspunkt eignet, wenn der Kurs mehr als zwei Verfahren behandelt hat: Kahlos Selbstbildnis gegen Yiadom-Boakyes Fremdfigur ohne Modell.
Konkretes Werkbeispiel für die Klausur
Besonders geeignet ist ein Werk, das eine einzelne Figur in unbestimmter Umgebung zeigt, ohne erkennbaren Handlungskontext oder erklärenden Bildtitel. Lernende sollen zunächst beschreiben, welche Informationen das Bild über die Figur liefert – Kleidung, Haltung, Blickrichtung –, und danach benennen, welche Informationen bewusst fehlen: Name, Ort, Zeitpunkt, Geschichte. Diese doppelte Bestandsaufnahme führt direkt zur Deutungsfrage, warum die Künstlerin diese Leerstellen konsequent offenhält, statt sie zu füllen.
Für die schriftliche Ausarbeitung eignet sich ein Aufgabenteil, der nach der Funktion des rätselhaften Werktitels fragt: Lernende sollen anhand der Reihe erläutern, warum ein Titel wie eine assoziative Wortfolge und nicht wie eine Bildunterschrift funktioniert, und welche Deutungsoffenheit dadurch entsteht.
Bewertungsfehler vermeiden
In der Praxis fällt auf, dass Lernende die Erfindung der Figur oft nur behaupten, statt sie an konkreten Bildmerkmalen zu belegen – etwa mit dem pauschalen Hinweis „das sieht gemalt aus", ohne zu benennen, woran das liegt. Ein Erwartungshorizont, der für jede genannte Beobachtung einen kurzen Beleg am Bild verlangt, verhindert diese Pauschalisierung zuverlässig. Ebenso wichtig ist ein Hinweis im Aufgabentext, dass die Erfindung der Figur kein Mangel an malerischem Können ist, sondern ein bewusstes Verfahren – ein Punkt, der in Anforderungsbereich III häufig übersehen wird und ansonsten zu Fehldeutungen führt.
Für die Vergabe der Punkte in Anforderungsbereich III empfiehlt sich eine offene Formulierung im Erwartungshorizont, die mehrere plausible Deutungen zulässt, solange sie am Bild belegt werden. Da Yiadom-Boakye selbst keine eindeutige Lesart vorgibt, sollte auch die Korrektur diese Offenheit nicht künstlich schließen.
Weiterführende Hinweise zur Klausurgestaltung
Allgemeine Hinweise zu Aufgabenformaten im Fach Kunst, die tatsächlich prüfen statt nur abzufragen, liefert der Beitrag Klassenarbeiten im Fach Kunst konzipieren: Aufgabenformate, die wirklich prüfen, dessen Kriterien sich direkt auf die Yiadom-Boakye-Klausur übertragen lassen. Wer den methodischen Ablauf der Bildbeschreibung vor der eigentlichen Klausur noch einmal systematisch einführen möchte, findet dazu Grundlagen im Beitrag Bildanalyse in Kunst: Aufbau, Methode und Beispiel.
Material und Einordnung
Die vollständige Unterrichtsreihe zu Lynette Yiadom-Boakye mit Aufgaben zu Werk, Verfahren und Klausurvorbereitung finden Sie auf der Seite Lynette Yiadom-Boakye: Porträtmalerei der Gegenwart im Kunstunterricht. Weitere Künstlerpositionen mit vergleichbarem Aufbau liegen in der Kollektion Kunst Künstler:innen A–Z. Welche Werke in der Klausur verbindlich behandelt werden müssen, regelt der Abitur-Erlass Ihres Bundeslands; die hier vorgestellten Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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