Unterrichtsreihe
Lynette Yiadom-Boakye - Unterrichtsmaterial
Bildanalyse zu erfundenen Porträts, mit Aufgaben zu Maltechnik, Titelgebung und der Frage nach Repräsentation im Bildkanon.
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Kunst Sek II · Künstlerinnen-Monografie
Yiadom-Boakye malt Menschen, die es nicht gibt: erfundene Figuren ohne reales Modell, in loser, dunkler Pinselführung und mit rätselhaften Titeln, die selten etwas über das Bild verraten. Ihre Malerei stellt die Frage, wem im klassischen Porträt überhaupt ein Gesicht gegeben wird.
Lynette Yiadom-Boakye gilt im Kunstunterricht der Sekundarstufe II als zentrale Position der zeitgenössischen Porträtmalerei, weil sie ausschließlich erfundene Figuren malt: Ihre Bilder zeigen keine realen Personen, sondern aus Erinnerung, Skizzen und gesammelten Bildfragmenten komponierte Gestalten, meist Schwarze Menschen in unbestimmten Räumen und Zeiten. Die Unterrichtsreihe „Lynette Yiadom-Boakye - Unterrichtsmaterial" führt am Beispiel einzelner Werke in ihre lose, oft an einem Tag vollendete Maltechnik und in die bewusst rätselhaften, meist unabhängig vom Bildinhalt gewählten Werktitel ein. Ein typischer Einstieg ist die Frage, warum eine Malerin, die nie nach Modell arbeitet, dennoch so überzeugend wirkende Porträts schafft. Nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen; verbindliche Vorgaben regelt der Abitur-Erlass Ihres Bundeslands.
Yiadom-Boakye arbeitet nie nach einer lebenden Person. Ihre Figuren entstehen aus einem Fundus an Notizen, Skizzen und Bildausschnitten aus Zeitschriften, Fotografien und der eigenen Erinnerung, die sie zu neuen, nie existierenden Personen zusammensetzt. Ein Gemälde entsteht häufig innerhalb eines einzigen Tages, in loser, dunkeltoniger Pinselführung, die formal an britische Porträtmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts erinnert, inhaltlich aber bewusst mit deren Ausschlüssen bricht: Schwarze Figuren erscheinen bei ihr nicht als Nebenfiguren oder Dienstboten, sondern als zentrale, würdevoll komponierte Bildsubjekte.
Die Werktitel – oft literarisch anmutende, mehrdeutige Wortfolgen – stehen bewusst in keinem eindeutigen Bezug zum Bildinhalt. Diese Entkopplung von Titel und Motiv verhindert eine vorschnelle biografische oder narrative Lesart und lenkt den Blick zurück auf die Malerei selbst: Farbe, Pinselduktus, Lichtführung.
Der Zugang über die Frage „Wer wurde im klassischen Porträt gemalt, und wer nicht?" verbindet kunsthistorisches Grundwissen mit einer aktuellen Debatte um Repräsentation im westlichen Bildkanon, ohne dass die Reihe eine politische Position vorgibt. Ergänzend lässt sich das Verfahren der freien Erfindung mit der Porträttradition kontrastieren, etwa im Vergleich mit einem nach Modell gemalten Porträt von Rembrandt.
Die folgenden fünf Materialien decken die Reihe zu Yiadom-Boakye sowie passende Vergleichspositionen ab.
Unterrichtsreihe
Bildanalyse zu erfundenen Porträts, mit Aufgaben zu Maltechnik, Titelgebung und der Frage nach Repräsentation im Bildkanon.
Sparpaket XXL
Vertieft die Reihe mit zusätzlichen Werkbeispielen und einer praktischen Aufgabe zum Malen einer erfundenen Figur ohne Vorlage.
Unterrichtsreihe
Klassische Porträtmalerei nach Modell als Kontrastfolie zu Yiadom-Boakyes Malerei aus der Vorstellung.
Unterrichtsreihe
Zweite Position zu Identität im Porträt, hier über das eigene Selbstbildnis statt über erfundene Fremdfiguren.
Gesamtpaket
Für Fachschaften, die dauerhaft auf ein vollständiges Reihenangebot zu Porträt und zeitgenössischer Kunst zugreifen wollen.
Ein häufiger Fehler ist es, ein Yiadom-Boakye-Bild wie ein reales Porträt zu behandeln und nach der dargestellten Person zu fragen, statt die Erfindung der Figur selbst zum Bildinhalt zu machen. Ebenso wird oft übersehen, dass die rätselhaften Titel bewusst keine Erklärung liefern sollen; Lernende versuchen häufig, Titel und Bildinhalt eng zu verknüpfen, obwohl die Künstlerin diese Verknüpfung gerade vermeidet.
Ein zweiter Stolperstein liegt in der Reduktion des Werks auf ein rein identitätspolitisches Statement. Yiadom-Boakye selbst betont, dass es ihr vorrangig um Malerei als Handwerk geht; die Frage der Repräsentation ist Teil der Werkwirkung, aber nicht der einzige Zugang, den eine Bildanalyse wählen sollte.
Für Klausuren eignet sich der Vergleich eines Yiadom-Boakye-Porträts mit einem nach Modell gemalten historischen Porträt, bewertet nach den Operatoren beschreiben, analysieren, vergleichen und beurteilen. Anforderungsbereich III lässt sich über die Frage abdecken, welche Bildwirkung durch das Fehlen eines realen Modells entsteht und wie sich Erfindung von Dokumentation in der Porträtmalerei unterscheidet. Für die sonstige Mitarbeit eignet sich eine praktische Kurzaufgabe: eine eigene, frei erfundene Porträtskizze ohne Vorlage, mit anschließender Titelgebung nach Yiadom-Boakyes Verfahren.
| Werk / Thema | Stufe | Didaktischer Zugang |
|---|---|---|
| Malerei ohne Modell | Qualifikationsphase | Erfundene Figuren, lose Pinselführung, Bezug zur britischen Porträttradition |
| Rätselhafte Werktitel | Qualifikationsphase | Entkopplung von Titel und Bildinhalt, Vermeidung narrativer Festlegung |
| Repräsentation im Bildkanon | Qualifikationsphase | Historischer Ausschluss Schwarzer Figuren aus dem klassischen Porträt |
| Vergleich mit Porträt nach Modell | Qualifikationsphase | Kontrast zwischen dokumentarischem und erfundenem Porträt |
Für die Einordnung in Ihr Bundesland gilt: Welche Positionen verbindlich sind, regelt der jeweilige Kernlehrplan, das Kerncurriculum, der Bildungsplan oder die Fachanforderungen; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen. Vertiefende Hinweise zu Yiadom-Boakye finden Sie in den folgenden Beiträgen.
Nein. Alle ihre Figuren sind erfunden und entstehen aus Erinnerung, Skizzen und gesammelten Bildfragmenten, nicht nach einem lebenden Modell oder einer bestimmten realen Person.
Die Titel stehen bewusst in keinem eindeutigen Bezug zum Bildinhalt. Diese Entkopplung verhindert eine vorschnelle narrative oder biografische Deutung und lenkt den Blick zurück auf die Malerei selbst.
Yiadom-Boakye vollendet viele ihrer Werke innerhalb eines einzigen Tages, in loser, dunkeltoniger Pinselführung, ohne mehrfache Überarbeitung.
Die Künstlerin selbst betont, dass es ihr vorrangig um Malerei als Handwerk geht. Die Frage der Repräsentation Schwarzer Figuren im Bildkanon ist Teil der Werkwirkung, aber nicht der einzige mögliche Zugang.
Die Reihe lässt sich den Kompetenzbereichen aus Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan oder Fachanforderungen zuordnen. Welche Positionen verbindlich sind, legt Ihr Land fest; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.
Eine eigene, frei erfundene Porträtskizze ohne Vorlage, anschließend mit einem bewusst uneindeutigen Titel versehen, lässt sich ohne Fachraum in einer Doppelstunde umsetzen und mit Yiadom-Boakyes Verfahren vergleichen.