Kunst

Kandinsky im Kunstunterricht: von der Bildanalyse zur eigenen abstrakten Komposition

von Luca 05.10.2026 1 Min. Lesezeit
Unterrichtsmaterial zu Wassily Kandinsky: Der Weg zur Abstraktion

Kandinskys Weg zur Abstraktion lässt sich im Kunstunterricht sowohl analytisch als auch gestaltungspraktisch erschließen: Nach der Bildanalyse fertigen die Lernenden eine eigene abstrakte Komposition an, die bewusst auf Kandinskys Zuordnung von Formen und Farben aufbaut. Das Material „Wassily Kandinsky – Der Weg zur Abstraktion“ liefert dafür sowohl das Analyseraster als auch eine Gestaltungsaufgabe, die Theorie und eigenes Tun verbindet.

Warum die eigene Komposition den Zugang vertieft

Wer abstrakte Kunst nur analysiert, ohne selbst zu gestalten, bleibt häufig bei der reinen Beschreibung von Formen und Farben stehen, ohne zu verstehen, welche Entscheidungen hinter einer Komposition stehen. Die eigene Gestaltungsaufgabe zwingt die Lernenden, genau diese Entscheidungen selbst zu treffen: Welche Form passt zu welcher Farbe, welche Anordnung erzeugt Spannung oder Ruhe. Das Material begründet diesen Zugang mit Kandinskys eigener Kunsttheorie, die Formen und Farben feste Wirkungen zuschreibt.

Ablauf der Doppelstunde

Die Stunde beginnt mit der Analyse eines späten, vollständig abstrakten Werks anhand des mitgelieferten Rasters: Grundformen, Farbflächen, Anordnung. Im zweiten Teil erhalten die Lernenden die Aufgabe, mit denselben Gestaltungsmitteln eine eigene kleine Komposition zu entwerfen, die ein selbst gewähltes Gefühl – etwa Unruhe oder Harmonie – ausdrücken soll, ohne dabei einen Gegenstand abzubilden. Den Abschluss bildet eine kurze Präsentation, in der die Lernenden ihre Formen- und Farbwahl mit Bezug auf Kandinskys Theorie begründen.

Typische Schwierigkeiten bei der eigenen Gestaltung

Ein häufiges Problem ist, dass Lernende zunächst unsicher sind, wie eine Komposition ohne erkennbaren Gegenstand überhaupt „etwas bedeuten“ kann. Hier hilft der Rückgriff auf Kandinskys eigene Begründung: Farbe und Form wirken direkt auf die Wahrnehmung, ähnlich wie Musik ohne Worte wirkt. Ein zweites Problem ist die Tendenz, doch wieder erkennbare Gegenstände einzubauen. Eine klare Vorgabe, ausschließlich mit geometrischen Grundformen zu arbeiten, verhindert das zuverlässig.

Einbettung in die Klassische Moderne

Für Kurse, die Kandinsky im Rahmen der Klassischen Moderne unterrichten, bietet sich das Sparpaket mit Picasso und Frida Kahlo an: Es verbindet die Abstraktion Kandinskys mit der kubistischen Bildzerlegung Picassos und der symbolischen Selbstdarstellung Kahlos zu einem vollständigen Halbjahr. Für einen noch breiteren Epochenüberblick, der Expressionismus und Kubismus einschließt, eignet sich das größere Sparpaket zur Klassischen Moderne.

Differenzierung im Kurs

Für einen Grundkurs empfiehlt sich eine vereinfachte Fassung der Gestaltungsaufgabe mit vorgegebener Farbpalette, damit die Entscheidung auf die Anordnung der Formen konzentriert bleibt. Leistungsstarke Lernende erhalten stattdessen die vollständig offene Aufgabe und zusätzlich die Anforderung, ihre Komposition schriftlich mit Bezug auf ein konkretes Werk Kandinskys zu begründen.

Bewertung der Gestaltungsaufgabe

Da eine eigene abstrakte Komposition keine „richtige“ Lösung hat, sollte die Bewertung nicht das Ergebnis an sich, sondern die Begründungsqualität in den Mittelpunkt stellen: Erkennt die Lernperson den Zusammenhang zwischen gewählten Mitteln und beabsichtigter Wirkung, und lässt sich dieser Zusammenhang nachvollziehbar erläutern. Ein einfaches Kriterienraster mit den Punkten Farbwahl, Formwahl und Begründung genügt für die meisten Lerngruppen.

Fächerübergreifender Anschluss an Musik

Kandinsky selbst zog wiederholt Vergleiche zwischen Malerei und Musik: Er sprach von Farbklängen und komponierte seine Bilder teilweise wie musikalische Stücke mit Rhythmus und Wiederholung. Wo der Musikunterricht im selben Halbjahr Elemente wie Rhythmus, Dynamik oder Klangfarbe behandelt, lässt sich die Gestaltungsaufgabe um eine kurze Höraufgabe erweitern: Die Lernenden hören einen kurzen Musikausschnitt und übersetzen dessen Stimmung in Formen und Farben, bevor sie ihre freie Komposition entwerfen. Das macht den abstrakten Zusammenhang zwischen Sinneswahrnehmung und Bildsprache konkret erfahrbar, ohne dass eine vertiefte musiktheoretische Vorbereitung nötig wäre.

Vorbereitung auf eine mündliche Prüfung

Wo eine mündliche Prüfung anstelle einer schriftlichen Klausur vorgesehen ist, lässt sich die Gestaltungsaufgabe gut als Prüfungsgrundlage nutzen: Die Lernenden bringen ihre eigene Komposition mit und erläutern im Prüfungsgespräch, welche Gestaltungsentscheidungen sie mit welcher Absicht getroffen haben, und stellen einen Bezug zu einem konkreten Werk Kandinskys her. Diese Form eignet sich besonders gut, um zu prüfen, ob die theoretischen Grundlagen tatsächlich verstanden und nicht nur auswendig gelernt wurden, weil Rückfragen im Gespräch sofort deutlich machen, wie tragfähig eine Begründung ist.

Weiterführende Materialien

Die vollständige Materialübersicht zu Kandinsky und zur Klassischen Moderne findet sich auf der Themenseite. Für eine ausführlichere Auseinandersetzung mit Kandinskys biografischer Entwicklung eignet sich zusätzlich der Beitrag zum Weg in die gegenstandslose Malerei.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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