Klausur zu Gerhard Richter erstellen: Aufgaben und Erwartungshorizont

Eine Klausur zu Gerhard Richter trägt am zuverlässigsten, wenn sie nicht ein einzelnes Werk isoliert abfragt, sondern den Vergleich zwischen Fotovorlage und Gemälde oder zwischen Fotomalerei und abstraktem Rakelbild zum Aufgabenkern macht. Der Erwartungshorizont zur Unterrichtsreihe Gerhard Richter – Zwischen Fotorealismus und Abstraktion gliedert die Bewertung nach den Anforderungsbereichen beschreiben, analysieren, deuten und beurteilen und lässt sich an die eigene Aufgabenstellung anpassen.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Aufgabenstellung: ein Bildpaar statt eines Einzelbilds
Die tragfähigste Aufgabenform legt Fotovorlage und Gemälde nebeneinander und verlangt zunächst die getrennte Beschreibung beider Bilder, danach den Vergleich. Für den Anforderungsbereich I zählt die vollständige, fachsprachlich korrekte Beschreibung beider Bilder. Anforderungsbereich II verlangt die Deutung der Verwischung als Bildmittel, Anforderungsbereich III eine Einordnung in Richters Gesamtwerk oder einen Vergleich mit einer zweiten Position wie Andy Warhol. Diese Dreiteilung lässt sich direkt in die Punktevergabe übersetzen und macht transparent, wofür welcher Anteil der Note vergeben wird.
Für Kurse, die stattdessen die abstrakten Rakelbilder in den Mittelpunkt stellen, verschiebt sich Anforderungsbereich II auf die Deutung des Verhältnisses von Kontrolle und Zufall im Malprozess. Wichtig ist, dass die Aufgabenstellung diesen Prozess ausdrücklich benennt, weil sonst die Gefahr besteht, dass Lernende das Bild rein assoziativ statt am Herstellungsverfahren entlang deuten.
Als Operator eignet sich hier weniger „interpretieren" im offenen Sinn als vielmehr „erläutern Sie den Zusammenhang von Herstellungsprozess und Bildwirkung", weil die Aufgabenstellung damit von vornherein auf den Prozess statt auf freie Assoziation verweist. Diese Präzisierung hilft besonders leistungsschwächeren Lernenden, die sonst Gefahr laufen, ein abstraktes Bild ohne Bezug zum Werk selbst zu deuten.
Erwartungshorizont: Beschreibung, Deutung, Vergleich
Ein belastbarer Erwartungshorizont trennt drei Spalten: Beschreibung mit festen Fachbegriffen zu Farbauftrag, Bildaufbau und Oberfläche, Deutung mit mindestens zwei begründeten Lesarten der Verwischung oder der Rakelspur, und Vergleich mit konkret benannten Gemeinsamkeiten und Unterschieden zur zweiten Position. Jede Spalte erhält eine eigene Punktzahl, sodass eine Klausur, die nur beschreibt, aber nicht vergleicht, in der Note sichtbar hinter einer Klausur zurückbleibt, die alle drei Anforderungsbereiche bedient.
Für die Rückmeldung an die Lerngruppe eignet sich ein kurzer Referenztext, der zeigt, wie eine Musterantwort auf mittlerem Niveau aussieht, ohne bereits die vollständige Musterlösung vorwegzunehmen. Das ergänzende Lernheft Bildanalyse Malerei liefert dafür das Grundraster aus Beschreibung, Deutung und Kontext, das sich auf jede Klausuraufgabe zu Richter übertragen lässt. Wer den Erwartungshorizont zusätzlich für die mündliche Prüfung nutzen will, kürzt die dritte Spalte auf ein einzelnes Vergleichskriterium und ergänzt eine kurze Nachfrage, mit der sich die Tiefe der Deutung im Gespräch prüfen lässt.
Differenzierung innerhalb derselben Klausur
Statt zwei getrennte Klausurfassungen zu erstellen, lässt sich Differenzierung über gestufte Hilfen innerhalb derselben Aufgabe organisieren: eine optionale Liste mit Fachbegriffen zur Verwischungstechnik, ein optionaler Hinweis auf das Vergleichskriterium für den dritten Anforderungsbereich. Wer die Hilfen nutzt, verzichtet auf einen kleinen Anteil der Punkte im entsprechenden Anforderungsbereich, kann die Aufgabe aber vollständig bearbeiten. Diese Form der Differenzierung lässt sich ohne zusätzlichen Korrekturaufwand in eine einzige Klausurvorlage einbauen. In der Praxis nutzen erfahrungsgemäß nur wenige Lernende beide Hilfen gleichzeitig, sodass sich der Punktabzug meist auf einen einzelnen Anforderungsbereich beschränkt und die Gesamtnote nicht unverhältnismäßig belastet.
Für Kurse mit mehreren Parallelgruppen empfiehlt sich, den Erwartungshorizont vor der Klausur mit den beteiligten Lehrkräften abzustimmen, etwa über die FachKomplett-Reihe für Kunst, die alle Materialien einer Fachschaft auf denselben Stand bringt. Für eine ergänzende Aufgabe zur Fotografie als eigenem Medium eignet sich das Sparpaket Fotografie als Kunst, das in einer zweiten Klausur den Bezug zur Fotografie ohne malerische Übertragung behandelt.
Weiterführend
Eine grundlegende Einführung in Methode und Fachbegriffe der Bildanalyse bietet der Beitrag Kunstgeschichte im Unterricht: Methodischer Leitfaden für Lehrkräfte. Zur gestischen Abstraktion als Vergleichsfolie vertieft Karl Otto Götz: Informel und gestische Abstraktion unterrichten. Eine vollständige Einordnung von Werk, Didaktik und Materialien zu Gerhard Richter bietet die Seite Gerhard Richter im Kunstunterricht: zwischen Fotorealismus und Abstraktion. Weitere Künstlerinnen und Künstler für vergleichbare Klausurformate finden Sie in der Kollektion Kunst Künstler:innen A–Z. Welche Operatoren und Prüfungsformate in Ihrem Bundesland verbindlich sind, regelt der jeweilige Abitur-Erlass; der vorgestellte Erwartungshorizont ist nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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FAQ zu den Unterrichtsmaterialien
Das Sortiment reicht von der Kita über die Grundschule und die Sekundarstufe I (Klasse 5–10) bis zur Sekundarstufe II und zur Berufsschule. Jedes Material ist nach Fach, Stufe und - wo sinnvoll - nach Bundesland beschriftet.
Viele Reihen lassen sich mit kleinen Anpassungen auch in benachbarten Schulformen einsetzen, weil die Aufgaben in mehreren Anforderungsniveaus vorliegen.
Eine vollständige Reihe enthält in der Regel:
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Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
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