Unterrichtsreihe
Gerhard Richter – Zwischen Fotorealismus und Abstraktion
Arbeitsblätter zu Fotomalerei, Verwischungstechnik und abstrakten Rakelbildern, mit Klausurvorschlag und Erwartungshorizont.
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Kunst Sek II · Gerhard Richter
Unterrichtsreihe und passende Ergänzungen zu Gerhard Richters Doppelstrategie aus verwischter Fotomalerei und gestisch-abstrakten Rakelbildern, für die Qualifikationsphase im Fach Kunst.
Gerhard Richter lässt sich im Kunstunterricht der Qualifikationsphase über die Spannung zwischen zwei scheinbar gegensätzlichen Werkgruppen erschließen, die er seit den 1960er-Jahren parallel verfolgt: fotorealistische Gemälde nach privaten und öffentlichen Fotovorlagen, deren Konturen er nass in nass verwischt, und großformatige abstrakte Rakelbilder, in denen Farbschichten mit einem breiten Rakel übereinandergezogen werden. Für den Kunstunterricht der Sekundarstufe II eignet sich Richters Werk, weil es die Frage nach dem Verhältnis von Malerei und Fotografie sowie nach der Kontrolle des Zufalls direkt am Bild verhandelt. Die Unterrichtsreihe zu Gerhard Richter arbeitet an Beispielen wie „Tante Marianne", dem Zyklus „18. Oktober 1977" und ausgewählten Rakelbildern und liefert dafür Arbeitsblätter, Bildvergleiche und ein Klausurformat mit Erwartungshorizont.
Richters fotorealistische Bilder entstehen nach Amateurfotos, Zeitungsausschnitten oder eigenen Familienfotos, die er zunächst mit dem Projektor auf die Leinwand überträgt und dann mit einem trockenen Pinsel oder Rakel verwischt, solange die Farbe noch feucht ist. Das Ergebnis wirkt wie ein leicht unscharfes Foto, obwohl es vollständig gemalt ist. Bekannte Beispiele sind das Porträt „Tante Marianne" und der Zyklus „18. Oktober 1977" zu den Mitgliedern der Rote-Armee-Fraktion, in dem die Unschärfe die mediale Distanz zum Ereignis selbst zum Thema macht.
Parallel dazu entwickelt Richter seit den 1980er-Jahren die abstrakten Rakelbilder: Mehrere Farbschichten werden mit einem großen Rakel über die Leinwand gezogen, wobei untere Schichten teilweise durchscheinen und teilweise verdeckt werden. Der Prozess lässt sich nur begrenzt steuern, das Ergebnis ist also weder rein zufällig noch vollständig geplant. Für das Kölner Domfenster von 2007 überträgt Richter dasselbe Prinzip auf ein quadratisches Pixelraster aus 72 Farben, nach einem Zufallsprogramm angeordnet.
Zwischen beiden Werkgruppen liegt kein Bruch, sondern eine gemeinsame Fragestellung: Wie weit lässt sich ein Bild kontrollieren, und was passiert, wenn Kontrolle und Zufall zusammenwirken.
Ein Einstieg stellt Fotovorlage und gemaltes Ergebnis nebeneinander, etwa bei „Tante Marianne", und lässt beschreiben, was durch die Verwischung verändert wird: Schärfe, Kontrast, emotionale Distanz. Daraus entwickelt sich die Leitfrage, warum Richter ein Foto malt statt es auszustellen, und was die Malerei leistet, was die Fotografie nicht leistet. Für die Rakelbilder eignet sich ein Zugang über den Herstellungsprozess selbst: ein kurzes Video oder eine Bildfolge zeigt, wie mehrere Farbschichten entstehen, bevor die Klasse das fertige Bild analysiert.
In der Qualifikationsphase lässt sich Richter mit Andy Warhol vergleichen, der ebenfalls von Fotografie und Reproduktion ausgeht, dabei aber die serielle Vervielfältigung statt die Verwischung in den Vordergrund stellt. Der Vergleich schärft den Blick dafür, dass beide Positionen auf Fotografie reagieren, aber zu entgegengesetzten Bildlösungen kommen.
Häufig wird Fotorealismus mit fotografischer Genauigkeit verwechselt, obwohl Richters Verwischung das Gegenteil bewirkt. Ein zweiter Fehler besteht darin, die abstrakten Rakelbilder als reinen Zufall misszuverstehen und die kontrollierten Anteile des Prozesses zu übersehen. Drittens trennen Lernende beide Werkgruppen oft vollständig voneinander, statt die gemeinsame Fragestellung nach Kontrolle und Zufall herauszuarbeiten, die für eine vergleichende Klausur zentral ist.
Klausuraufgaben zu Richter folgen den Anforderungsbereichen beschreiben, analysieren, deuten und beurteilen, meist am Vergleich von Fotovorlage und Gemälde oder am Vergleich beider Werkgruppen. Ein Erwartungshorizont mit Punktverteilung liegt bei und lässt sich an eigene Kriterien anpassen. Welche Operatoren und Prüfungsformate verbindlich sind, regelt der Abitur-Erlass des jeweiligen Bundeslands; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.
Die Unterrichtsreihe zu Gerhard Richter lässt sich einzeln einsetzen oder im Sparpaket zu Künstlern und Epochen von Niki de Saint Phalle bis Richter erweitern. Für den Vergleich mit Fotografie als eigenständigem Medium ergänzt das Sparpaket Fotografie als Kunst die Reihe sinnvoll.
Unterrichtsreihe
Arbeitsblätter zu Fotomalerei, Verwischungstechnik und abstrakten Rakelbildern, mit Klausurvorschlag und Erwartungshorizont.
Sparpaket
Bettet Richter in einen breiteren Überblick zur Kunst nach 1945 ein, von Objektkunst bis zur Malerei der Gegenwart.
Unterrichtsreihe
Zweite Antwort auf die Fotografie: serielle Vervielfältigung statt Verwischung, als direkter Vergleichspunkt zu Richter.
Sparpaket
Vertieft die Fotografie als eigenständiges Medium, während Richters Reihe die Malerei nach der Fotovorlage behandelt.
Lernheft
Liefert das Analyseraster, mit dem sich Verwischung und Rakelspuren als Bildmittel systematisch beschreiben lassen.
FachKomplett
Bündelt Richter, Warhol und weitere Reihen zur Kunst nach 1945 in einem Gesamtpaket für die Fachschaft.
Richters Werk berührt mehrere Linien der Kunst nach 1945: die gestische Abstraktion, die Fotografie als Bildquelle und den erweiterten Werkbegriff der Gegenwartskunst. Diese Reihen vertiefen einzelne dieser Linien.
Die folgende Übersicht ordnet Richter und die passenden Ergänzungen nach Stufe und Einsatzschwerpunkt und lässt sich als Vorlage für die Fachkonferenz nutzen.
| Werk oder Reihe | Stufe | Kernbegriffe | Einsatzschwerpunkt |
|---|---|---|---|
| Gerhard Richter – Fotorealismus und Abstraktion | Qualifikationsphase, Klasse 11 bis 13 | Verwischung, Rakelbild, Foto und Malerei | Bildvergleich, Klausurtraining |
| Künstler:innen und Epochen entdecken | Qualifikationsphase, Klasse 11 bis 13 | Kunst nach 1945, Überblick | Einordnung Richters in die Gegenwartskunst |
| Andy Warhol – Pop Art und Serialität | Qualifikationsphase, Klasse 11 bis 13 | Reproduktion, Serialität | Vergleich zweier Antworten auf die Fotografie |
| Sparpaket Fotografie als Kunst | Qualifikationsphase, Klasse 11 bis 13 | Fotografie als eigenständiges Medium | Abgrenzung Malerei nach Foto und Fotografie |
| Bildanalyse Malerei | Einführungsphase, Klasse 10 bis 11 | Fachbegriffe, Analyseraster | Grundlagen vor der Werkbetrachtung |
| FachKomplett Kunst | Sek I und Sek II | über 100 Unterrichtsreihen | Fachschaftslizenz für den gesamten Jahrgang |
Richter überträgt eine Fotovorlage auf die Leinwand und verwischt die Konturen, solange die Farbe noch feucht ist. Das Ergebnis wirkt unscharf wie ein Foto, ist aber vollständig gemalt und verändert damit die Wirkung des Motivs.
Mehrere Farbschichten werden mit einem breiten Rakel übereinandergezogen, wobei untere Schichten teils durchscheinen und teils verdeckt werden. Der Prozess lässt sich nur begrenzt steuern, weder rein zufällig noch vollständig geplant.
Beide Werkgruppen verhandeln dieselbe Frage nach dem Verhältnis von Kontrolle und Zufall im Bild, einmal ausgehend von einer festen Fotovorlage, einmal ausgehend vom offenen Malprozess.
Die Einzellizenz kostet 24,99 €, die Schullizenz für die gesamte Fachschaft 124,99 €. Im Sparpaket mit weiteren Künstlern von Niki de Saint Phalle bis Richter liegt der Einzelpreis bei 79,90 €.
Die Reihe lässt sich den Kompetenzbereichen aus Kernlehrplan, Bildungsplan, Rahmenlehrplan oder Fachanforderungen zuordnen. Verbindliche Vorgaben regelt der Abitur-Erlass Ihres Bundeslands; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.
Ja. Besonders der Vergleich mit Andy Warhol trägt eine vollständige Klausur, weil beide auf Fotografie reagieren, dabei aber zu entgegengesetzten Bildlösungen kommen: Verwischung bei Richter, serielle Vervielfältigung bei Warhol.