DaZ in der Stadt: Wegbeschreibung, Orientierung und Alltagssprache auf A1/A2

DaZ/DaF · In der Stadt · Klasse 3–6, A1/A2

DaZ in der Stadt: Wegbeschreibung, Orientierung und Alltagssprache auf A1/A2

Wie Lernende auf A1/A2 Orte benennen, Lagen beschreiben, nach dem Weg fragen und Öffnungszeiten lesen, und wie sich daraus eine Einheit von acht bis zwölf Stunden mit einer Modellstadt aufbauen lässt.

6 Lernwegemit Projekt und Lerncheck
31 + 14 SeitenSchülerheft und Lehrkräftefassung
8–12 Stundengeplanter Umfang
A1/A2Klasse 3 bis 6

Wegbeschreibung und Orientierung gelingen auf A1/A2 am besten in einer überschaubaren Modellstadt mit wenigen Orten, deren Wörter mit Artikel gelernt und sofort in kurzen Sätzen gebraucht werden. Darauf bauen Lageangaben wie links, rechts, neben und gegenüber auf, danach höfliche Nachfragen, Wegbeschreibungen mit „zuerst, dann, danach“ und das Lesen von Öffnungszeiten. Wichtig ist ein gemeinsamer Blickpunkt auf dem Plan, damit „links“ und „rechts“ für alle dasselbe bedeuten.

Fachdidaktischer Hintergrund: Sprache für den Alltag in der Stadt

Der Wortschatz rund um die Stadt gehört zu den ersten Bereichen, in denen Kinder mit wenig Deutsch im Alltag außerhalb der Schule gebraucht werden. Sie müssen die Bibliothek finden, die Haltestelle erkennen, in der Bäckerei etwas verstehen und nachfragen können, wenn eine Auskunft zu schnell kam. Der Unterricht auf A1/A2 verfolgt deshalb ein praktisches Ziel: Kurze, vollständige Sätze sollen in typischen Situationen sicher verfügbar sein. Ein Satz wie „In der Bibliothek kann ich lesen“ verbindet Ort, Präposition mit Dativ und Tätigkeit und lässt sich als Muster für viele andere Orte weiterverwenden.

Dazu kommt, dass Wegbeschreibungen mehrere Teilkompetenzen auf einmal verlangen. Man benötigt Orte als Substantive mit Artikel, Präpositionen der Lage, Verben der Fortbewegung, eine zeitliche Reihenfolge und höfliche Floskeln. Wer diese Teile getrennt übt und erst dann zusammenführt, entlastet die Lernenden. Es hat sich außerdem bewährt, den Wortschatz von Anfang an mit dem Artikel zu lernen, weil Genus bei Nachfragen und bei Präpositionen sofort sichtbar wird: „in der Bäckerei“, „neben dem Park“.

Eine Modellstadt mit wenigen Orten, etwa Schule, Bibliothek, Bäckerei, Park, Platz und Haltestelle, reduziert die sprachliche Last. Alle Aufgaben beziehen sich auf denselben Plan, und die Lernenden müssen keine Ortskenntnis mitbringen. Sie lernen die Sprache, nicht die Stadt.

Typische Schwierigkeiten der Lernenden

Die erste Hürde sind links und rechts. Sie hängen vom Blickpunkt ab: Was für eine Person links ist, ist für das Gegenüber rechts. Auf einem Plan, der von oben gesehen wird, kippt die Zuordnung noch einmal, wenn sich die Kinder in den Plan hineindenken. Vereinbaren Sie deshalb einen gemeinsamen Blickpunkt, zum Beispiel „Wir stehen am unteren Rand des Plans“, und üben Sie, ihn jedes Mal zu nennen.

Die zweite Hürde ist der Artikel. Viele Lernende merken sich „Bibliothek“ ohne „die“ und bilden später falsche Dativformen. Wortkarten mit Artikel und einem Beispielsatz sind ein einfaches Mittel, weil sie beides gemeinsam festhalten. Die dritte Hürde ist die Rückfrage. Lernende auf A1 verstehen eine Auskunft oft nur halb und trauen sich nicht nachzufragen. Satzbausteine wie „Bitte noch einmal langsam“ oder „Meinen Sie links?“ nehmen dieser Situation die Schwere, besonders wenn sie im Rollenspiel geübt werden, bevor sie gebraucht werden.

Die vierte Hürde ist die Reihenfolge. Zuerst, dann, danach: Kinder beschreiben Wege oft als lose Folge von Richtungen, ohne Schritte zu nummerieren. Ein Gitterplan mit Start und Ziel macht sichtbar, ob die Beschreibung am Ende zum Ziel führt. Fünftens schließlich unterscheiden sich Sprachstand und Verständnis. Ein Kind kann den Plan richtig lesen und trotzdem keine Sätze dafür finden. Diese Unterscheidung ist in der Diagnose wichtig, damit sprachliche Schwierigkeiten nicht als fachliche missverstanden werden.

Unterrichtsaufbau: eine Stundenfolge über sechs Lernwege

Eine sinnvolle Folge beginnt mit den Orten und endet mit einem Produkt, das die Lernenden selbst gestalten. Die Einheit In der Stadt: Wörter und Wege ist in sechs Lernwege gegliedert, die diesen Bogen beschreiben. Die Tabelle zeigt, was in den einzelnen Schritten geübt wird.

Lernweg Kompetenz Beispielaufgabe
1 Orte benennen Wortschatz mit Artikel Orten Tätigkeiten zuordnen, Sätze nach dem Muster „In der … kann ich … .“ schreiben, fünf Wortkarten erstellen
2 Wo ist etwas? Lage beschreiben Auf einem Plan mit zwei Ortsreihen die Lage mit links, rechts, neben und gegenüber beschreiben und nach der Beschreibung zeichnen lassen
3 Höflich nach dem Weg fragen Dialoge führen Einen Lückendialog ergänzen und mit absichtlicher Unklarheit spielen („Meinen Sie links?“)
4 Einen Weg erklären Handlungsabfolge sprachlich fassen Auf einem Gitterplan einen Weg mit zuerst, dann, danach beschreiben und mit Pfeilen einzeichnen
5 Öffnungszeiten und Termine Informationen entnehmen An einem Schild (Di–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–13 Uhr) Wochentag und Uhrzeit zusammen prüfen
6 Unsere Stadt vorstellen Eigenes Produkt gestalten Einen Plan mit sechs Orten zeichnen, fünf Sätze schreiben und die Beschreibung mit einem Partner testen

Jeder Lernweg umfasst vier Seiten mit Lerntext und Material, zwei Aufgaben, einer dritten Aufgabe mit Weiterdenken-Auftrag und einer zusätzlichen Übung. Die Lernwege bauen aufeinander auf, lassen sich aber einzeln einsetzen, etwa Öffnungszeiten und Termine als eigene kleine Einheit. Zur Vorbereitung brauchen Sie einen Modellstadtplan, Ortskarten und Dialogrollen. Das Üben von links und rechts mit gemeinsamem Blickpunkt ist in der Lehrkräftefassung ausdrücklich vorgesehen.

Differenzierung und Diagnose

Lerngruppen im DaZ-Bereich sind sehr heterogen, selten nur in der Sprache, oft auch im Alter, im Schulbesuch vor der Ankunft und in der Lesefähigkeit. Die drei Stufen Basis, Regelweg und Erweiterung bieten dafür einen Rahmen. Auf der Basis lesen Sie den Text gemeinsam, markieren Schlüsselbegriffe und besprechen die erste Aufgabe mündlich, bevor geschrieben wird. Im Regelweg arbeiten die Lernenden selbstständig und prüfen ihre Antworten mit einem Partner. Für Fortgeschrittene bieten sich Weiterdenken-Aufträge an, etwa die Suche nach einem Umweg oder eine Stadtführung mit wechselnden Rollen.

Für die Diagnose bitten Sie die Lernenden, einen Kern ohne Lerntext an einem neuen Beispiel zu erklären. Dabei unterscheiden Sie fachliche Unsicherheit von sprachlichen Formulierungsschwierigkeiten. Das ist hier besonders wichtig, weil Verständnis und Sprachstand auseinanderliegen können: Ein Kind, das mit dem Finger den richtigen Weg zeigt, hat verstanden, auch wenn der Satz noch fehlt. Rückmeldungen folgen einem festen Muster aus einer konkreten Stärke, einer überprüfbaren Frage und einem nächsten Schritt, was gerade für Lernende mit wenig Deutsch gut greifbar ist.

Projekt, Dialoge und Sicherheit

Im Projekt bauen die Lernenden eine eigene Modellstadt mit sechs Orten und schreiben dazu eine kurze Vorstellung, eine Wegbeschreibung, einen Dialog und ein Schild mit Öffnungszeiten. Alles wird mit einem Partner getestet. Erreicht der Partner ein anderes Ziel, wird die unklare Stelle verbessert; die Lehrkräftefassung versteht das als Test der Beschreibung und nicht als persönlichen Fehler. Das nimmt den Druck, der bei mündlichen Aufgaben im DaZ-Bereich oft eine Rolle spielt.

Zwei Hinweise gehören in jede Einheit zum Thema Stadt. Erstens übt das Heft am Modell, im Straßenverkehr gelten Regeln und gegebenenfalls die Begleitung durch Erwachsene. Zweitens sind die Öffnungszeiten im Heft erfunden und müssen vor einem echten Besuch aktuell geprüft werden. Der Lerncheck am Ende kommt ohne Lerntext aus, und für Dialogaufgaben nennt die Lehrkräftefassung Kriterien wie die logische Abfolge von Ort, Weg, Nachfrage und Dank.

Material zur Stadt im DaZ-Unterricht im Überblick

Die vier Titel unten ergänzen die Abschnitte dieser Seite: die neue Einheit für A1/A2, das Gesamtpaket aller zehn Einheiten und zwei Bestandsprodukte zu Schulalltag sowie Zeit und Kalender für DaZ-Lernende.

Weiterlesen und stöbern

Diese Beiträge vertiefen einzelne Lernwege, von Präpositionen und Richtungen bis zum Schulweg-Projekt.

Das Material mit Schülerheft und Lehrkräftefassung finden Sie unter dem folgenden Link. Die Einzellizenz gilt für eine Lehrkraft, die Schullizenz für alle Lehrkräfte einer Schule.

Häufige Fragen

Für welches Sprachniveau ist das Material gedacht?

Für Lernende auf dem Niveau A1/A2 in den Klassen 3 bis 6. Die Sätze sind kurz, der Wortschatz beschränkt sich auf Orte, Lagen, Wege und Zeiten.

Brauchen die Lernenden Vorkenntnisse zur Stadt?

Nein. Alle Aufgaben beziehen sich auf eine Modellstadt im Heft, die Lernenden erstellen später ihre eigene.

Sind die Öffnungszeiten echt?

Nein, die Beispieldaten sind erfunden. Das Heft weist darauf hin, dass reale Zeiten vor einem Besuch aktuell geprüft werden müssen.

Gibt es Lösungen zu den Dialogen?

Ja. Für Dialogaufgaben nennt die Lehrkräftefassung Kriterien wie die logische Abfolge von Ort, Weg, Nachfrage und Dank, für geschlossene Aufgaben die Lösung.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Vorgesehen sind etwa acht bis zwölf Unterrichtsstunden. Praktische Vorhaben wie der Bau der Modellstadt können mehr Zeit brauchen.

Was ist in der Lieferung enthalten?

Ein ZIP mit zwei PDFs: dem Schülerheft mit 31 Seiten und der Lehrkräftefassung mit 14 Seiten. Der Download steht direkt nach dem Kauf bereit.