Religion · Nordrhein-Westfalen

Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht in NRW: evangelische und katholische Perspektiven in einer Reihe verbinden

von Luca 23.09.2026 1 Min. Lesezeit
Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht in NRW: evangelische und katholische Perspektiven in einer Reihe verbinden

Seit dem Schuljahr 2018/19 dürfen evangelische und katholische Religionslehre in Nordrhein-Westfalen in einer gemeinsamen Lerngruppe als konfessionell-kooperativer Unterricht erteilt werden. Beide Konfessionen bleiben als eigenständige Perspektiven erkennbar und werden nicht zu einem allgemeinen Fach verschmolzen. Für die Unterrichtsplanung bedeutet das, Reihen so anzulegen, dass Gemeinsamkeiten und Unterschiede gleichermaßen sichtbar werden.

Zwei Konfessionen in einer Lerngruppe

Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht ersetzt den evangelischen und katholischen Unterricht nicht, sondern führt beide Lerngruppen zu bestimmten Themen zusammen. Die rechtliche Grundlage bildet eine Vereinbarung zwischen dem Land und den beiden großen Kirchen, das Genehmigungsverfahren an der einzelnen Schule liegt bei Schulleitung und Schulaufsicht und sollte im Zweifel dort erfragt werden. Für Lehrkräfte heißt das zunächst: Der Rahmen ist geklärt, die konkrete Umsetzung bleibt Aufgabe der Fachschaft vor Ort.

Wer sich vom Religionsunterricht insgesamt abmeldet, besucht in der Sekundarstufe I in der Regel Praktische Philosophie, in der Oberstufe Philosophie. Diese Option sollte in Elterninformationen erwähnt werden, ohne dass sie im konfessionell-kooperativen Unterricht selbst thematisiert werden muss. Der Alltag in der kooperativen Lerngruppe funktioniert am ehesten, wenn beide Konfessionen von Anfang an gleich sichtbar sind, etwa durch einen Einstieg, der beide Kirchen als eigene Stimmen vorstellt.

Abendmahl und Eucharistie als Unterrichtsbeispiel

Eine Reihe zu Abendmahl und Eucharistie eignet sich gut, um den kooperativen Charakter des Fachs greifbar zu machen. Ein möglicher Einstieg zeigt zwei Fotografien von Gottesdiensten, eine evangelische Abendmahlsfeier und eine katholische Eucharistiefeier, ohne Beschriftung. Die Klasse sammelt Beobachtungen zu Ablauf, Kleidung und Raum, bevor die Unterschiede benannt werden. So entsteht ein Gesprächsimpuls, der Wertung vermeidet und trotzdem präzise unterscheidet. Hinweise zur Anschlussfähigkeit an die Einführungsphase helfen dabei, die Reihe schon in der Sek I so anzulegen, dass sie in der Oberstufe weitergeführt werden kann.

Im weiteren Verlauf lohnt sich ein Tafelbild mit zwei Spalten, links die evangelische, rechts die katholische Deutung von Brot und Wein, in der Mitte die gemeinsame biblische Grundlage aus den Einsetzungsworten. Schülerinnen und Schüler ordnen Aussagenkarten den Spalten zu und diskutieren anschließend, was sich aus der Unterscheidung für das gemeinsame Abendmahlsverständnis der Kirchen ergibt. Die Aufgabe funktioniert bewusst ohne Bewertung, welche Position richtiger ist.

Bibelverständnis nebeneinander lesen

Auch beim Bibelverständnis lohnt sich ein Nebeneinander statt eine Vermischung. Evangelische Tradition betont die Bibel als alleinige Grundlage des Glaubens, katholische Tradition liest die Schrift stets im Zusammenspiel mit kirchlicher Tradition und Lehramt. Eine Reihe kann diesen Unterschied an einem konkreten Text, etwa einem Gleichnis, durchspielen, indem zwei Gruppen dieselbe Textstelle mit unterschiedlichen Auslegungshilfen bearbeiten. Materialien zu Inhaltsfeldern der Qualifikationsphase liefern dafür überprüfbare Anknüpfungspunkte, wenn die Lerngruppe später wieder konfessionell getrennt weiterarbeitet.

Ein Gesprächsimpuls für den Ausstieg aus dieser Einheit kann lauten, woran die Klasse selbst gemerkt hat, dass beide Zugänge zur Bibel legitim sind, ohne dass einer den anderen ausschließt. Aus solchen Beobachtungen lässt sich ein gemeinsames Tafelbild entwickeln, das die Bibel als geteilten Ausgangspunkt und die Auslegungstraditionen als unterschiedliche Wege zeigt.

Die eigene Konfession der Lehrkraft

Konfessionell-kooperativer Unterricht wird meist von einer Lehrkraft mit einer der beiden Lehrbefähigungen erteilt, die dann für Themen der anderen Konfession auf abgestimmtes Material und den fachlichen Austausch mit der Kollegin oder dem Kollegen der anderen Konfession angewiesen ist. Wer selbst katholisch sozialisiert ist, sollte bei evangelischen Positionen besonders auf Fairness in der Darstellung achten, und umgekehrt. Ein einfacher Test dafür ist, die eigene Reihe von einer Kollegin der anderen Konfession gegenlesen zu lassen.

Für die Lerngruppe ist es hilfreich, die eigene konfessionelle Herkunft der Lehrkraft offen, aber zurückhaltend zu benennen, etwa mit dem Hinweis, dass die Sicht der jeweils anderen Kirche bewusst mit eigenem Material und nicht aus dem Gedächtnis unterrichtet wird. Dafür bietet sich ein Kernlehrplan-Materialpaket für die Sekundarstufe I an, weil es beide Konfessionen mit eigenständigem Zugriff auf dieselben Themenfelder abbildet. Das schafft Transparenz und nimmt dem Unterricht den Anschein, eine Konfession stehe im Zentrum und die andere sei nur Zusatz.

Absprachen in der Fachkonferenz

Damit konfessionell-kooperativer Unterricht nicht von einzelnen engagierten Lehrkräften abhängt, braucht es Absprachen in der Fachkonferenz: welche Themenfelder kooperativ, welche konfessionell getrennt unterrichtet werden, wie Notengebung dokumentiert wird und welches Material beiden Konfessionen gerecht wird. Eine Unterrichtsreihe zum ökumenischen Kirchenverständnis eignet sich als gemeinsamer Ausgangspunkt, weil sie das Kirchenbild beider Traditionen von Anfang an nebeneinanderstellt.

Eine schulinterne Übersicht, in welchen Jahrgängen kooperativer Unterricht stattfindet und wo die Übergänge zur Einführungsphase liegen, erspart am Ende jedes Schuljahres neue Diskussionen. Eine Übersicht der Inhaltsfelder für die Qualifikationsphase kann dafür als Orientierung in der Fachkonferenz dienen, auch wenn die Endentscheidung über Genehmigung und Umsetzung bei Schulleitung und Schulaufsicht liegt.

Häufige Fragen

Ersetzt konfessionell-kooperativer Unterricht den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht?

Nein. Er führt beide Lerngruppen zu ausgewählten Themen zusammen, ohne die eigenständigen Fächer aufzulösen. Zeugnisse und Fachbezeichnung bleiben konfessionell, die gemeinsame Arbeitsphase ist eine organisatorische und didaktische Entscheidung der einzelnen Schule, die im Benehmen mit Schulaufsicht und Kirchen getroffen wird.

Wer entscheidet, ob eine Schule konfessionell-kooperativen Unterricht anbietet?

Die Entscheidung liegt bei der einzelnen Schule und wird mit der zuständigen Schulaufsicht sowie den beiden Kirchen abgestimmt. Genaue Verfahrensschritte unterscheiden sich je nach Schulform, weshalb sich ein Gespräch mit der Schulleitung oder dem zuständigen Schulamt für Detailfragen lohnt.

Was passiert mit Schülerinnen und Schülern, die vom Religionsunterricht abgemeldet sind?

Sie besuchen in der Regel das Ersatzfach Praktische Philosophie in der Sekundarstufe I beziehungsweise Philosophie in der Oberstufe. Diese Lerngruppen laufen unabhängig vom kooperativen Unterricht und werden organisatorisch getrennt geführt, auch wenn Themen wie Gerechtigkeit oder Werte inhaltliche Berührungspunkte bieten.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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