Ferien als Lehrkraft: warum die Erholung oft nach drei Tagen verflogen ist

Ferien gelten arbeitszeitrechtlich als Ausgleich für die Mehrstunden, die Lehrkräfte während des Schuljahres ansammeln, aber unterrichtsfrei bedeutet nicht arbeitsfrei. Nach den vorliegenden Arbeitszeitstudien wird ein Teil der Ferienzeit für Zeugnisse, Fortbildungen oder die Vorbereitung des nächsten Halbjahres genutzt, sodass echte Erholung oft schon nach zwei oder drei Tagen wieder von Aufgaben überlagert wird. Wer die Ferien bewusst in freie und arbeitende Blöcke teilt, statt beides zu vermischen, hält die Erholung länger. Details zur Planung solcher Blöcke stehen auf der Ratgeberseite zu Belastungsphasen im Schuljahr.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Warum unterrichtsfrei nicht arbeitsfrei bedeutet
Ferien sind im Beamten- und Angestelltenverhältnis von Lehrkräften kein zusätzlicher Urlaub, sondern der vorgesehene Ausgleich für die Arbeitszeit, die während des Schuljahres über das Deputat hinaus anfällt. Die Niedersächsische Arbeitszeitstudie 2015/16 zeigt, dass Vollzeitlehrkräfte im Schuljahresschnitt über der Sollarbeitszeit liegen, an Gymnasien um rund drei Stunden pro Woche, an Grundschulen um gut eine Stunde. Die Ferien sollen genau diese Differenz auffangen.
In der Praxis verschiebt sich das jedoch: Ein Teil der Ferienzeit wird für Zeugnisse, für Fortbildungen oder für die Vorbereitung des kommenden Halbjahres verwendet. Aus arbeitsfreier Zeit wird dadurch eine Mischung, in der Erholung und Aufgaben nebeneinander liegen, statt sich klar abzulösen.
Warum die Erholung nach wenigen Tagen wieder verfliegt
Die ersten Tage der Ferien fühlen sich für viele Lehrkräfte spürbar anders an: langsamerer Puls, mehr Schlaf, weniger Gedanken an die kommende Woche. Genau in diesem Moment kommen häufig die ersten liegen gebliebenen Aufgaben wieder hoch, etwa Korrekturen, die noch offen sind, oder eine Fortbildung, die genau in diese Woche fällt. Dieser Wechsel zwischen Erholung und Aufgabe direkt am Anfang der Ferien kann mit dazu beitragen, dass sich das gute Gefühl schon nach wenigen Tagen wieder abschwächt.
Hinzu kommt, dass viele die gesamte Ferienzeit im Kopf als eine einzige lange Phase behandeln, ohne sie innerlich zu unterteilen. Ohne eine solche Unterteilung bleibt unklar, wann tatsächlich frei ist und wann gearbeitet wird, sodass sich beides ständig überlagert, statt sich klar abzuwechseln.
Ferien in Blöcke teilen: ein praktischer Ansatz
Eine feste Aufteilung der Ferienzeit in klar benannte Blöcke hilft, Erholung und Arbeit voneinander zu trennen, statt sie tagsüber ständig zu vermischen. Für zwei Wochen Herbstferien kann eine solche Aufteilung so aussehen, mit festen Tagen statt vager Absicht.
| Zeitraum | Block | Inhalt |
|---|---|---|
| Tag 1 bis 3 | Erholung | keine schulischen Aufgaben, feste Auszeit |
| Tag 4 bis 6 | Aufgabenblock 1 | Korrekturen oder Zeugnisvorbereitung, mit fester Tagesgrenze |
| Tag 7 bis 9 | Erholung | zweite freie Phase, bewusst ohne Aufgabenblock |
| Tag 10 bis 12 | Aufgabenblock 2 | Planung des nächsten Halbjahres, Material sichten |
| Tag 13 bis 14 | Wiedereinstieg | erste Schulwoche vorbereiten, Stundenplan prüfen |
Wichtig ist die feste Tagesgrenze innerhalb jedes Aufgabenblocks, etwa zwei bis drei Stunden am Vormittag, damit ein Aufgabenblock nicht auf den ganzen Tag ausufert und die anschließende Erholungsphase wieder mit offenen Aufgaben startet.
Den Wiedereinstieg gezielt planen
Der letzte Ferientag entscheidet oft darüber, wie der Start in die neue Schulwoche gelingt. Wer am letzten Tag noch schnell Material zusammenstellt und Aufgaben nachholt, beginnt die erste Schulwoche bereits erschöpft. Sinnvoller ist ein fester Wiedereinstiegstag ein bis zwei Tage vor Schulbeginn, an dem ausschließlich organisatorische Punkte geklärt werden: Stundenplan der ersten Woche, offene Elternmails, Material für die ersten zwei Tage.
Diese Trennung zwischen Erholungsblock, Aufgabenblock und Wiedereinstiegstag lässt sich auch außerhalb der Herbstferien auf jede längere unterrichtsfreie Zeit übertragen, etwa auf die Weihnachts- oder Osterferien, mit entsprechend angepassten Zeiträumen je nach Dauer.
Wenn die Erholung grundsätzlich ausbleibt
Bleibt das Gefühl der Erschöpfung über mehrere Ferienphasen hinweg bestehen, auch wenn Blöcke eingehalten wurden, ist das ein anderes Signal als die übliche Ferienmüdigkeit der ersten Tage. Der Beitrag „Erschöpfung im Lehrerberuf: Warnzeichen erkennen, bevor es ein Burnout wird“ beschreibt, woran sich ein solches längerfristiges Muster von einzelnen erschöpften Ferienwochen unterscheiden lässt.
Für die Struktur des restlichen Schuljahres, in dem sich Korrekturphasen und freie Wochen ebenfalls klar abwechseln sollten, lohnt sich zusätzlich ein Blick in den Beitrag „Work-Life-Balance für Lehrkräfte: Schulalltag strukturieren und Entlastung schaffen“.
Wer die Ferienwochen mit einem festen Rückblick und einer kurzen Vorausplanung abschließen möchte, kann dafür das Wochenritual aus dem Routinen-Guide des Kurses Teach-Life-Balance nutzen.
Häufige Fragen
Warum verfliegt die Erholung in den Ferien oft schon nach wenigen Tagen?
Ferien gelten als Ausgleich für die Mehrarbeit während des Schuljahres, werden aber häufig teilweise für Zeugnisse, Fortbildungen oder Vorbereitung genutzt. Ohne klare Trennung zwischen freien Tagen und Arbeitstagen überlagern sich beide schnell, sodass das erste Erholungsgefühl rasch wieder verschwindet.
Wie lassen sich Ferien sinnvoll in Blöcke einteilen?
Eine Aufteilung in feste, klar benannte Phasen hilft: einige Tage reine Erholung ohne schulische Aufgaben, dann ein Aufgabenblock mit fester Tagesgrenze von etwa zwei bis drei Stunden, anschließend wieder ein Erholungsblock und zuletzt ein Tag für den organisatorischen Wiedereinstieg.
Wie sollte der letzte Ferientag vor Schulbeginn aussehen?
Sinnvoll ist ein fester Wiedereinstiegstag ein bis zwei Tage vor Schulbeginn, an dem ausschließlich Organisatorisches geklärt wird, etwa Stundenplan und Material für die ersten Tage. Wer bis zum letzten Ferienabend Aufgaben nachholt, startet die neue Woche bereits erschöpft.
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Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.
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