Unterrichtsreihe
Rebecca Horn: Kunst im Dialog von Körper und Technik
Bildanalyse zu Körperskulpturen und kinetischen Objekten, mit Aufgaben zu Prothese, Bewegung und Maschine.
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Kunst Sek II · Künstlerinnen-Monografie
Rebecca Horn erweitert den Körper um Fühler, Federn und Prothesen und verbindet ihn in kinetischen Objekten mit Motoren, Spiegeln und Werkzeugen. Ihr Werk stellt die Frage, wo die Grenze zwischen Organismus und Maschine verläuft und wie sich diese Grenze künstlerisch verschieben lässt.
Rebecca Horn gilt im Kunstunterricht der Sekundarstufe II als zentrale Position zum Verhältnis von Körper und Maschine, weil sie den menschlichen Körper in frühen Performances mit Prothesen wie dem „Einhorn" oder Fingerverlängerungen erweitert und in späteren kinetischen Objekten Federn, Spiegel und Motoren zu eigenständig agierenden Kunstmaschinen zusammensetzt. Die Unterrichtsreihe „Rebecca Horn: Kunst im Dialog von Körper und Technik" führt am Beispiel einzelner Werke in beide Werkphasen ein und stellt die Frage, wie eine Maschine Ausdruck, Verletzlichkeit oder Bewegung zeigen kann, obwohl sie kein Lebewesen ist. Nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen; verbindliche Vorgaben regelt der Abitur-Erlass Ihres Bundeslands.
Rebecca Horn (1944–2024) begann ihre künstlerische Arbeit mit Körperskulpturen, die sie selbst am eigenen Leib trug: Fingerhandschuhe mit langen Stoffverlängerungen, eine Bleistiftmaske, die bei jeder Kopfbewegung Linien auf die umgebende Wand zeichnet, und das „Einhorn", ein Gestell, das eine Person über die menschliche Körperhöhe hinaus verlängert. Diese frühen Arbeiten entstanden während eines längeren Klinikaufenthalts, in dem Horn den eigenen Körper als verletzlich und zugleich erweiterbar erfuhr.
In den folgenden Jahrzehnten verlagerte sich ihr Werk von der getragenen Körperprothese zur autonomen kinetischen Maschine: Objekte aus Federn, Spiegeln, Geigen oder Trichtern, die sich durch Motoren selbstständig bewegen, ohne dass ein menschlicher Körper sie noch trägt. Die Maschine übernimmt die Bewegung, die zuvor der Körper ausführte, und wirkt dabei oft überraschend organisch und verletzlich.
Der Zugang über die Entwicklung vom getragenen Objekt zur autonomen Maschine ermöglicht es, Hornes Gesamtwerk als konsequente Weiterführung einer einzigen Fragestellung zu vermitteln, statt als zwei getrennte Werkphasen. Ergänzend lässt sich das Verfahren der Körpererweiterung mit dem erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys kontrastieren, der Handlung und Material auf andere Weise auflädt.
Die folgenden fünf Materialien decken die Reihe zu Rebecca Horn sowie passende Vergleichspositionen ab.
Unterrichtsreihe
Bildanalyse zu Körperskulpturen und kinetischen Objekten, mit Aufgaben zu Prothese, Bewegung und Maschine.
Unterrichtseinheit
Kompakter Einstieg mit Text, Videobeispiel und Aufgaben für eine einzelne Doppelstunde.
Unterrichtsreihe
Vergleichsposition zum erweiterten Kunstbegriff, mit anderer Auffassung von Handlung, Material und Körper.
Sparpaket
Drei Positionen der Nachkriegskunst zu Handlung, Medium und Installation als thematische Erweiterung des Kurses.
Gesamtpaket
Für Fachschaften, die dauerhaft auf ein vollständiges Reihenangebot zu Aktion, Installation und Körper zugreifen wollen.
Ein häufiger Fehler ist es, Hornes Körperobjekte allein als Kostüme oder Requisiten zu behandeln, statt die körperliche Erfahrung der Einschränkung und Erweiterung selbst zum Bildinhalt zu machen: Die Fingerverlängerungen etwa erschweren jede Berührung, statt sie zu erleichtern, und genau darin liegt ihre Aussage. Ebenso wird oft übersehen, dass die späteren kinetischen Maschinen keine bloßen technischen Apparate sind, sondern durch Wiederholung, Zerbrechlichkeit und Fehlfunktion ausdrückliche, fast körperliche Qualitäten annehmen.
Ein zweiter Stolperstein liegt darin, Hornes Werk unabhängig von ihrer eigenen Krankengeschichte zu betrachten. Der klinische Aufenthalt, aus dem die ersten Körperskulpturen entstanden, ist zentraler biografischer Hintergrund, ersetzt aber nicht die eigenständige Bildanalyse der einzelnen Objekte.
Für Klausuren eignet sich der Vergleich einer frühen Körperskulptur mit einem späteren kinetischen Objekt, bewertet nach den Operatoren beschreiben, analysieren, vergleichen und beurteilen. Anforderungsbereich III lässt sich über die Frage abdecken, welche Bildwirkung entsteht, wenn eine Maschine Bewegungen ausführt, die zuvor ein menschlicher Körper ausgeführt hat, und ob dadurch die Maschine selbst zu einem Ausdrucksträger wird. Für die sonstige Mitarbeit eignet sich eine praktische Kurzaufgabe: der Entwurf eines einfachen, mit Alltagsmaterial gebauten Körperobjekts, das eine bestimmte Bewegung erschwert oder verändert.
| Werk / Thema | Stufe | Didaktischer Zugang |
|---|---|---|
| Körperskulpturen und Prothesen | Einführungsphase | Erweiterung des Körpers, Einschränkung und Verletzlichkeit als Bildinhalt |
| Kinetische Objekte | Qualifikationsphase | Maschine als Ausdrucksträger, Bewegung ohne menschlichen Körper |
| Vergleich mit Beuys | Qualifikationsphase | Unterschiedliche Auffassung von Handlung, Material und Körper im erweiterten Kunstbegriff |
| Konzept, Aktion, Installation | Qualifikationsphase | Einordnung in die Nachkriegskunst neben Video- und Installationskunst |
Für die Einordnung in Ihr Bundesland gilt: Welche Positionen verbindlich sind, regelt der jeweilige Kernlehrplan, das Kerncurriculum, der Bildungsplan oder die Fachanforderungen; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen. Vertiefende Hinweise zu Rebecca Horn finden Sie in den folgenden Beiträgen.
Beide Werkphasen kreisen um das Verhältnis von Körper und Maschine: Frühe Arbeiten erweitern den getragenen Körper um Prothesen, spätere kinetische Objekte übernehmen dieselbe Bewegung ohne einen menschlichen Körper.
Das „Einhorn" ist ein tragbares Gestell, das eine Person über die menschliche Körperhöhe hinaus verlängert und in einer bekannten Performance durch eine Landschaft geführt wurde.
Die Arbeiten entstanden nach einem längeren Klinikaufenthalt, in dem Horn den eigenen Körper als verletzlich und zugleich erweiterbar erfuhr; Prothesen thematisieren seither Einschränkung ebenso wie Erweiterung.
Nein. Die Objekte aus Federn, Spiegeln oder Geigen bewegen sich zwar motorisch, wirken aber durch Wiederholung und Zerbrechlichkeit ausdrücklich und fast körperlich, nicht rein mechanisch.
Beide arbeiten mit einem erweiterten Kunstbegriff, doch Beuys lädt Material und Handlung mit sozialer und spiritueller Bedeutung auf, während Horn den Körper selbst technisch erweitert oder durch Maschinen ersetzt.
Die Reihe lässt sich den Kompetenzbereichen aus Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan oder Fachanforderungen zuordnen. Welche Positionen verbindlich sind, legt Ihr Land fest; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.