Kunst· Sek II

Lynette Yiadom-Boakye als Thema für den Unterrichtsbesuch: Stundenverlauf für die Q1

von Luca 10.09.2026 1 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet: Yiadom-Boakyes Malerei eignet sich für den Unterrichtsbesuch, weil ihre Bilder in einer Einzelstunde vollständig erschlossen werden können und trotzdem eine offene Deutungsfrage stellen. Die Stunde trägt über die Beobachtung, dass die dargestellten Personen erfunden sind. Aus dieser Information ergibt sich die Leitfrage, was ein Porträt überhaupt darstellt, wenn es kein Gegenüber gibt.

Warum sich das Thema für einen Unterrichtsbesuch anbietet

Ein Unterrichtsbesuch braucht einen Gegenstand mit einem klaren Kippmoment. Bei Yiadom-Boakye ist dieser Moment die Enthüllung, dass die Figuren keine realen Personen sind, sondern aus Skizzen, Erinnerungen und Bildmaterial zusammengesetzt wurden. Vorher beschreiben die Lernenden ein Porträt, danach beschreiben sie eine Konstruktion. Diese Wendung ist beobachtbar und lässt sich im Entwurf sauber begründen.

Hinzu kommt, dass die Bilder malerisch zugänglich sind. Pinselduktus, begrenzte Palette und die ungewisse Räumlichkeit lassen sich ohne Vorwissen benennen, was auch schwächeren Lernenden eine Beteiligung ermöglicht. Für die begleitende Lehrkraft wird dadurch sichtbar, dass die Aufgabenstellung tatsächlich alle Lernenden erreicht und nicht nur die ohnehin sprachstarken.

Fachlicher Kern in Kürze

Drei Aspekte reichen für eine Einzelstunde. Erstens die Fiktionalität: Die Figuren tragen keine biografische Identität, sondern eine gemalte. Zweitens die Malweise, die in wenigen Sitzungen entsteht und einen sichtbar zügigen Farbauftrag behält. Drittens der Bildraum, der oft nur angedeutet ist und die Figuren in eine unbestimmte Situation setzt.

Der Bezug zur Porträttradition ist die eigentliche Pointe. Wo das klassische Porträt eine Person beglaubigt, verweigert Yiadom-Boakye diese Beglaubigung und lenkt den Blick auf Haltung, Blickrichtung und Präsenz. Auch die Titel der Arbeiten gehören dazu: Sie klingen wie Zitate oder Gesprächsfetzen und benennen die Dargestellten gerade nicht.

Aufbau der Stunde

Die Lynette Yiadom-Boakye - Unterrichtsmaterial enthält die Abbildungen, kurze Sachtexte und abgestufte Aufgaben und lässt sich für eine Einzelstunde ohne großen Zuschnitt verwenden. Ein tragfähiger Verlauf für 45 Minuten:

  • Einstieg, fünf Minuten: stilles Betrachten eines Werks, erste Notizen ohne Gespräch.
  • Sammelphase, acht Minuten: Beobachtungen an der Tafel ordnen nach Figur, Malweise, Raum.
  • Impuls, drei Minuten: Sachinformation zur Fiktionalität der Dargestellten.
  • Erarbeitung, siebzehn Minuten: Partnerarbeit an der Leitfrage, was das Bild ohne reales Vorbild zeigt.
  • Sicherung, zehn Minuten: Vergleich mit einem traditionellen Auftragsporträt, gemeinsames Tafelbild.
  • Ausblick, zwei Minuten: Überleitung zur folgenden Reihe.

Die Zeitangaben sind knapp gerechnet, damit die Sicherung nicht ausfällt. Planen Sie die Sammelphase mit einer festen Struktur an der Tafel, sonst dehnt sie sich aus und der Impuls kommt zu spät. Fragen zum Aufbau von Entwurf und Reflexion beantwortet Referendariat im Fach Kunst: Unterrichtsbesuche erfolgreich meistern.

Aufgabenformate und Bewertung

Für die Erarbeitung eignet sich eine gebundene Schreibaufgabe mit drei Satzanfängen, weil sie in Partnerarbeit sichtbare Ergebnisse liefert und die Beobachtungsphase nicht ins Assoziieren abrutscht. Wer differenzieren möchte, legt eine Zusatzkarte mit Fachbegriffen zum Farbauftrag bereit.

Im Entwurf sollten Sie die Entscheidung für den späten Impuls ausdrücklich begründen, weil sie der didaktische Kern der Stunde ist. In der Reflexion lässt sich gut belegen, ob die Beschreibungen vor und nach dem Impuls tatsächlich unterschiedlich ausgefallen sind. In der Folgestunde lässt sich das Ergebnis in eine schriftliche Bildanalyse überführen. Die Schrittfolge dazu steht in Lynette Yiadom-Boakye: Malerei zwischen Fiktion und Porträt.

Material, das direkt einsetzbar ist

Die Materialien sind Unterrichtsvorschläge und nicht ministeriell geprüft. Die verbindlichen Inhaltsfelder ergeben sich aus den Vorgaben Ihres Bundeslandes, etwa über die Standardsicherung NRW oder das ISB in Bayern.

Häufige Fragen

Wann sollte die Information zur Fiktionalität kommen?
Erst nach der Sammelphase. Wird sie vorweggenommen, entfällt der Kippmoment und die Lernenden beschreiben von Anfang an nur noch das Konzept statt des Bildes.

Reicht ein einziges Werk für die Stunde?
Für die Erarbeitung ja. Für die Sicherung brauchen Sie ein zweites Bild als Kontrast, sinnvollerweise ein traditionelles Auftragsporträt, damit der Unterschied benennbar wird.

Wie lässt sich die Stunde in eine Reihe einbinden?
Sie funktioniert als Auftakt einer Reihe zum Porträt in der Gegenwartskunst. Anschlussfähig sind danach Fragen nach Selbstdarstellung, Repräsentation und der Rolle des Publikums.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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