Pädagogik im Leistungskurs NRW: Was der LK zusätzlich verlangt

Der Leistungskurs Erziehungswissenschaft (Pädagogik) verlangt gegenüber dem Grundkurs zwei zusätzliche Themenfelder: soziale Netzwerke und Identitätsentwicklung Jugendlicher sowie Klafki mit Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit. Hinzu kommen 60 Minuten mehr Arbeitszeit (300 statt 240 Minuten) und eine größere Erwartung an Vernetzung und Beurteilung. Die Vorgaben gelten unverändert für 2027, 2028 und 2029; einen Gesamtüberblick bietet unser Beitrag zu den drei Abiturjahrgängen.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Was der Leistungskurs zusätzlich verlangt
Alle neun Themenfelder des Grundkurses gelten auch im Leistungskurs: Piaget, Kohlberg, Hurrelmann, Fend, Erikson, Heitmeyer, NS-Erziehung in HJ und BDM, Korczak und Mead. Wer den Leistungskurs unterrichtet, plant also nicht ein anderes Fach, sondern dieselbe Basis mit zusätzlichem Gewicht auf Analyse und Urteil. Die beiden LK-Themen stehen laut den Vorgaben der Standardsicherung ausschließlich im Leistungskurs. Für den Grundkurs lesen Sie die Perspektive im Beitrag Pädagogik im Grundkurs.
Soziale Netzwerke und Identitätsentwicklung
Dieses Themenfeld verlangt, Identitätstheorien auf digitale Lebenswelten zu beziehen. Naheliegend sind Eriksons Identitätsbegriff, Meads Konzept von Selbst und Rollenübernahme und Hurrelmanns Modell der produktiven Realitätsverarbeitung. Die Frage lautet dann etwa, wie Jugendliche in sozialen Netzwerken Selbstbilder erproben, welche Chancen und Risiken das hat und welche Rolle Erziehende dabei spielen. Eine Unterrichtsreihe dazu ist Medienerziehung und Identitätsentwicklung, die Chancen und Risiken in den Mittelpunkt stellt.
Klafki und die drei Fähigkeiten
Klafkis Bildungsverständnis wird in den Vorgaben über Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit konkretisiert. Im Leistungskurs sollten Lernende diese Trias als Maßstab nutzen können, um pädagogisches Handeln zu beurteilen. Ein fruchtbarer Vergleich ergibt sich zu Korczak: Seine Forderung nach Rechten des Kindes lässt sich mit Selbst- und Mitbestimmung in Beziehung setzen, das Zusammenleben in einer Gemeinschaft mit der Solidaritätsfähigkeit. Unterrichtsmaterial zu Korczak ist in der Reihe zu Korczak im Fach Pädagogik zu finden; einen Einstieg in seine Pädagogik bietet Janusz Korczak im Pädagogikunterricht. Für Klafki selbst führen wir kein eigenes Produkt.
Vertiefungstiefe und Verknüpfungen
| Anforderung | Grundkurs | Leistungskurs |
|---|---|---|
| Arbeitszeit | 240 Minuten | 300 Minuten |
| Themenfelder | neun | elf |
| Schwerpunkt | Darstellung und Anwendung | Vergleich, Kritik und Transfer |
Die Zeile zum Schwerpunkt ist eine didaktische Einordnung, keine Vorgabe der Standardsicherung. Sie beschreibt, wo im Unterricht üblicherweise mehr Tiefe gefordert wird. Im Leistungskurs lohnt es sich, Theorien gegeneinander auszuspielen: Wo ergänzen sich Hurrelmann und Mead, wo setzen Piaget und Mead unterschiedliche Akzente, wenn es um die Entwicklung sozialen Verständnisses geht? Solche Verknüpfungen entstehen nicht von selbst, sie müssen im Unterricht ausdrücklich geübt werden. Zu Hurrelmanns Ansatz gibt es einen Beitrag zu den zehn Maximen, und die Reihe Zehn Maxime mit Videos kann den Anwendungsbezug stützen.
Beurteilen im Leistungskurs
Das Urteil ist im Leistungskurs häufig der Teil, der über die Note entscheidet. Lernende sollten üben, Kriterien offenzulegen: Woran messe ich eine Theorie? Möglich sind Erklärungskraft, Empirienähe, Anschlussfähigkeit an heutige Lebenswelten und ethische Vertretbarkeit. Gerade bei den LK-Themen helfen solche Kriterien, weil es dort selten eine einzige richtige Position gibt. Ein Urteil zu sozialen Netzwerken etwa kann Chancen für Selbstdarstellung und Gemeinschaft gegen Risiken für Selbstwert und Abhängigkeit abwägen und muss am Ende eine begründete Gewichtung vornehmen, die sich am vorgelegten Material belegen lässt.
Klausurtraining über 300 Minuten
Die längere Arbeitszeit verleitet dazu, mehr zu schreiben, nicht besser. Trainieren Sie deshalb mit Probeklausuren, in denen Lernende nach der Darstellung ausdrücklich eine Phase für Vergleich und Urteil einplanen. Üben Sie auch, wann ein zweites Theorieangebot die Argumentation stärkt und wann es sie bloß aufbläht. Rückmeldungen funktionieren am besten anhand eines Kriterienrasters, das Fachsprache, Anwendung am Material, Argumentationsqualität und Urteilsbegründung getrennt bewertet. Die genauen Aufgabenarten und Operatoren entnehmen Sie den aktuellen Vorgaben.
Planung über vier Halbjahre
Im Leistungskurs steht in der Regel mehr Unterrichtszeit zur Verfügung als im Grundkurs, was die zusätzlichen Themen auffängt. Dennoch lohnt sich ein Plan, der jedes Halbjahr mit einer Vernetzungsstunde abschließt, in der Lernende die neu erarbeiteten Theorien mit den früheren verbinden.
Da der Leistungskurs mehr Themen trägt, empfiehlt es sich, die beiden zusätzlichen Felder nicht an den Schluss zu legen. Soziale Netzwerke können schon in Q1.2 an Erikson und Mead anknüpfen, Klafki lässt sich in Q2.1 mit Fends Funktionen von Schule verbinden. So bleibt Q2.2 für Wiederholung und Klausurübung. Es handelt sich um einen Vorschlag, den Sie an Ihre Lerngruppe anpassen sollten.
Vorgaben und Materialien
Verbindlich sind allein die Vorgaben auf standardsicherung.schulministerium.nrw.de. Die Materialien von stifo sind nicht ministeriell geprüft, die aktuellen Vorgaben bleiben maßgeblich. Eine Übersicht zum Fach bietet die Sammlung zum Zentralabitur Erziehungswissenschaft NRW.
Häufige Fragen
Welche Inhalte gelten nur im Leistungskurs Erziehungswissenschaft?
Nur im Leistungskurs verlangt werden soziale Netzwerke und Identitätsentwicklung Jugendlicher sowie Klafki mit Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit.
Wie lange dauert die Abiturklausur im Leistungskurs?
Die Arbeitszeit beträgt 300 Minuten, im Grundkurs 240 Minuten.
Gelten im Leistungskurs auch die Grundkursthemen?
Ja. Piaget, Kohlberg, Hurrelmann, Fend, Erikson, Heitmeyer, die NS-Erziehung in HJ und BDM, Korczak und Mead sind für Grund- und Leistungskurs verbindlich.
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FAQ zu den Unterrichtsmaterialien
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Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
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