Religion· Sek I

Freikirchen und Pfingstbewegung im Religionsunterricht: sachlich über wachsende Gemeinden sprechen

von Luca 28.09.2026 1 Min. Lesezeit
Freikirchen und Pfingstbewegung im Religionsunterricht: sachlich über wachsende Gemeinden sprechen

Freikirchen sind christliche Gemeinschaften, die unabhängig von den beiden großen Landeskirchen organisiert sind, darunter Baptisten, Methodisten, Mennoniten und Pfingstgemeinden. Weltweit wächst vor allem die Pfingstbewegung stark, während sie in Deutschland eine kleine, aber sichtbare Minderheit bleibt.

Was eine Freikirche von einer Landeskirche unterscheidet

Der Begriff Freikirche bezeichnet christliche Gemeinschaften, die organisatorisch unabhängig von der evangelischen oder katholischen Landeskirche sind und sich häufig aus eigener Initiative gegründet haben, oft aus Protest gegen eine als zu eng oder zu formal empfundene Kirchenstruktur. Dazu zählen sehr unterschiedliche Gemeinschaften wie Baptisten, Methodisten, Mennoniten und Pfingstgemeinden, die sich in Frömmigkeitsstil und Größe stark unterscheiden, aber alle auf eigenständige Weise Gemeinde bilden, ohne der Struktur einer Landeskirche unterstellt zu sein.

Gemeinsam ist vielen Freikirchen eine bewusste, freiwillige Mitgliedschaft: Wer dazugehören will, entscheidet sich als Erwachsener oder Jugendliche bewusst dafür, statt automatisch durch die Taufe als Kind Mitglied zu werden. Für den Unterricht lohnt sich eine kurze Begriffsklärung an der Tafel, bevor einzelne Gemeinschaften genauer betrachtet werden. Eine einfache Übersicht mit den Spalten „Landeskirche“ und „Freikirche“ hilft der Klasse, die Unterschiede in Organisation und Mitgliedschaft von Beginn an sauber zu trennen.

Die Pfingstbewegung wächst weltweit

Die Pfingstbewegung entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und legt besonderen Wert auf persönliche Glaubenserfahrung, das Wirken des Heiligen Geistes und einen ausdrucksstarken, musikalisch geprägten Gottesdienst mit Lobpreis. Weltweit zählt sie zu den am schnellsten wachsenden christlichen Strömungen, besonders in Teilen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens, wo pfingstlich geprägte Gemeinden vielerorts zu den mitgliederstärksten christlichen Gruppen überhaupt zählen. Dieses Wachstum verläuft dabei sehr uneinheitlich, weil sich unter dem Dach der Pfingstbewegung sehr unterschiedliche, oft eigenständige Gemeinden versammeln.

Eine Unterrichtsreihe zu Traditionen, Reformen und aktuellen Herausforderungen der Kirche kann dieses weltweite Wachstum in Beziehung zu den eher schrumpfenden Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen in Deutschland setzen und danach fragen, was diesen Unterschied erklärt.

Glaubenstaufe statt Kindertaufe

Viele Freikirchen, darunter Baptisten und Pfingstgemeinden, praktizieren die Glaubenstaufe: Getauft wird, wer selbst zu einem bewussten Glaubensbekenntnis fähig ist, meist als Jugendliche oder Erwachsener, häufig durch vollständiges Untertauchen. Das unterscheidet sie von den Landeskirchen, die überwiegend Säuglinge taufen, gestützt auf ein anderes Verständnis davon, was die Taufe theologisch bewirkt.

Eine Unterrichtsaufgabe kann beide Taufpraxen gegenüberstellen und danach fragen, welche theologische Überzeugung jeweils dahintersteht: die Vorstellung, dass Gottes Zuwendung dem Menschen unabhängig von seiner eigenen Entscheidung vorausgeht, oder die Betonung der persönlichen, bewussten Glaubensentscheidung als Voraussetzung der Taufe, die für Freikirchen zentral ist.

Schülerinnen und Schüler aus Freikirchen respektvoll einbeziehen

Wer in einer Freikirche aufwächst, erlebt oft einen lebendigeren, gefühlsbetonteren Gottesdienst als in einer Landeskirche und begegnet in der Schule manchmal Erstaunen oder Unverständnis dafür. Ein Gesprächsimpuls wie „Was ist an deinem Gottesdienst anders, und was gefällt dir daran?“ öffnet den Austausch, ohne die Schülerin oder den Schüler bloßzustellen, und macht deutlich, dass Vielfalt innerhalb des Christentums keine Besonderheit einzelner Personen, sondern die Regel ist.

Material zum verständlichen Unterrichten von Glaubensfragen im Christentum hilft dabei, unterschiedliche Frömmigkeitsstile innerhalb des Christentums nebeneinanderzustellen, statt eine Form als selbstverständliche Norm vorauszusetzen.

Abgrenzung ohne Pauschalurteil

Manche Gruppen, die sich selbst als Freikirche bezeichnen, zeigen Merkmale vereinnahmender Gemeinschaften, etwa starken sozialen Druck oder die Abwertung eines Lebens außerhalb der Gruppe. Das rechtfertigt jedoch kein pauschales und undifferenziertes Urteil über Freikirchen insgesamt, da die meisten anerkannten Freikirchen in Deutschland Mitglied ökumenischer Zusammenschlüsse sind und in geregeltem, langjährigem Austausch mit den beiden großen Landeskirchen stehen.

Vertiefend eignet sich ein Beitrag zu Merkmalen vereinnahmender religiöser Gruppen, um Kriterien für eine solche Unterscheidung zu erarbeiten, und ein Beitrag zur kritischen Untersuchung religiöser Inhalte auf Social Media, weil manche Pfingstgemeinden gerade online sehr aktiv und gezielt um junge Mitglieder werben. Für eine umfassendere, breiter angelegte Unterrichtseinheit bietet sich zusätzlich eine Sammlung von über 100 einsatzbereiten Unterrichtsreihen für den christlichen Religionsunterricht an.

Häufige Fragen

Was ist eine Freikirche?

Eine Freikirche ist eine christliche Gemeinschaft, die organisatorisch unabhängig von der evangelischen oder katholischen Landeskirche ist, etwa Baptisten, Methodisten, Mennoniten oder Pfingstgemeinden. Viele legen Wert auf eine bewusste, freiwillige Mitgliedschaft Erwachsener statt auf eine automatische Zugehörigkeit durch Geburt oder Kindertaufe.

Warum wächst die Pfingstbewegung weltweit so stark?

Die Pfingstbewegung betont persönliche Glaubenserfahrung, das Wirken des Heiligen Geistes und einen ausdrucksstarken, musikalisch geprägten Gottesdienst mit Lobpreis, was besonders in Teilen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens viele Menschen anspricht. In Deutschland bleibt sie zahlenmäßig eine kleine, aber sichtbare Minderheit.

Sind Freikirchen dasselbe wie Sekten?

Nein, die meisten anerkannten Freikirchen in Deutschland sind Mitglied ökumenischer Zusammenschlüsse und unterscheiden sich deutlich von Gruppen, die starken sozialen Druck ausüben oder ein Leben außerhalb der Gruppe abwerten. Einzelne problematische Gruppen rechtfertigen kein pauschales Urteil über Freikirchen insgesamt.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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