BNE im Lehrplan 21: Nachhaltigkeit als Querschnittsthema unterrichten

von Luca 17.09.2026 1 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist im Lehrplan 21 kein Fach, sondern ein Leitprinzip mit sieben fächerübergreifenden Themen. Sie wird dort wirksam, wo Fachinhalte an echten Fragen der Lernenden andocken.

Dieser Beitrag zeigt, wie sich BNE ohne Zusatzgefäss im Schulalltag verankern lässt.

Der bildungssystemische Hintergrund: BNE im Lehrplan 21

Der Lehrplan 21 führt Bildung für Nachhaltige Entwicklung als eigenes Kapitel und als Leitprinzip. Sieben fächerübergreifende Themen sind ausgewiesen: Politik, Demokratie und Menschenrechte; Natürliche Umwelt und Ressourcen; Geschlechter und Gleichstellung; Gesundheit; Globale Entwicklung und Frieden; Kulturelle Identitäten und interkulturelle Verständigung; Wirtschaft und Konsum.

Diese Themen haben keine eigenen Kompetenzstufen. Sie werden in den Fachbereichen umgesetzt – im 3. Zyklus vor allem in Räume, Zeiten, Gesellschaften (RZG); Natur und Technik (NT); Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH) und Ethik, Religionen, Gemeinschaft (ERG), im 1. und 2. Zyklus im integrierten Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG). Eng verbunden sind die überfachlichen Kompetenzen mit ihren personalen, sozialen und methodischen Bereichen.

Wie überall im Lehrplan 21 gilt: Jeder Kanton entscheidet über Einführung und Anpassungen. Massgebend ist die kantonale Fassung, nicht ein gesamtschweizerisches Dokument. Für Materialien und Weiterbildungen ist education21.ch die zentrale nationale Anlaufstelle.

Warum das im Unterricht zählt

BNE ist keine zusätzliche Stoffmenge, sondern eine Art, bestehende Themen zu bearbeiten. Es geht um Zusammenhänge über Fachgrenzen hinweg, um Perspektivenwechsel und um die Frage, welche Handlungsmöglichkeiten Lernende tatsächlich haben. Genau dieser Handlungsbezug unterscheidet BNE von reiner Umweltkunde.

Praktisch zahlt sich das doppelt aus. Themen mit BNE-Bezug tragen längere Sequenzen und liefern zugleich Anlässe für überfachliche Kompetenzen: Dialogfähigkeit, Umgang mit Vielfalt, Informationen nutzen. Wer beides zusammen plant, gewinnt Zeit statt sie zu verlieren.

Konkrete Umsetzung: fünf Schritte für die Planung

  1. Thema mit Spannung wählen: Kleidung, Ernährung, Mobilität oder Ferien – Themen, zu denen es widersprüchliche Interessen gibt.
  2. Perspektiven festlegen: Bestimmen Sie mindestens drei Sichtweisen, etwa ökologisch, wirtschaftlich und sozial, und geben Sie sie den Gruppen vor.
  3. Kompetenzen verankern: Ordnen Sie die Sequenz einer Kompetenz aus dem kantonalen Lehrplan zu und ergänzen Sie eine überfachliche Kompetenz.
  4. Daten einbeziehen: Arbeiten Sie mit Statistiken oder Fallbeispielen, damit Positionen belegt und nicht nur behauptet werden.
  5. Handlungsschritt anschliessen: Jede Sequenz endet mit etwas Konkretem – einem Vorschlag an die Schulleitung, einer Ausstellung, einer Aktion im Schulhaus.

Für den Themenbereich Natürliche Umwelt und Ressourcen eignet sich Einfluss des Menschen auf Ökosysteme, Nachhaltigkeit und Biodiversität; Wirtschaft und Konsum erschliesst Konsumethik: Fast Fashion und Nachhaltigkeit. Globale Entwicklung wird an einem nahen Beispiel greifbar mit Tourismus weltweit – Chancen, Risiken & Nachhaltigkeit (Kl. 8/9). Weitere Reihen zu BNE sowie Medien und Informatik bündelt die Themenseite BNE, Medien und Informatik nach Lehrplan 21.

Beispielhafter Stundenverlauf (45 Minuten)

Einstieg (ca. 10 Min.): Legen Sie ein T-Shirt und seine Etikette auf den Tisch. Leitfrage: „Wie viele Länder stecken in diesem Kleidungsstück?“

Erarbeitung (ca. 25 Min.): Drei Gruppen bearbeiten dieselbe Lieferkette aus ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Perspektive und belegen ihre Aussagen mit dem Material.

Sicherung (ca. 10 Min.): Die Gruppen tragen ihre Befunde zusammen und formulieren zwei Handlungsmöglichkeiten, die für die Klasse tatsächlich erreichbar sind.

Tipps und typische Stolpersteine

  • Planen Sie BNE-Themen fächerübergreifend im Team – so werden Doppelspurigkeiten sichtbar.
  • Lassen Sie Zielkonflikte stehen, statt sie aufzulösen; sie sind der eigentliche Lerngegenstand.
  • Halten Sie die Handlungsschritte klein und überprüfbar, damit sie nicht folgenlos bleiben.

Häufige Fehler: Der häufigste Fehler ist, BNE auf Umweltthemen zu verengen – Gesundheit, Gleichstellung oder kulturelle Identitäten gehören ebenso dazu. Ebenso problematisch ist moralischer Druck: Wenn Lernende nur die erwartete Haltung wiedergeben, ist die Urteilskompetenz nicht gewachsen.

Häufig gestellte Fragen

Ist BNE im Lehrplan 21 ein eigenes Fach?

Nein. Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist ein eigenes Kapitel und ein Leitprinzip. Umgesetzt wird sie in den Fachbereichen, nicht in einem eigenen Gefäss.

Welche Themen gehören zu BNE?

Politik, Demokratie und Menschenrechte; Natürliche Umwelt und Ressourcen; Geschlechter und Gleichstellung; Gesundheit; Globale Entwicklung und Frieden; Kulturelle Identitäten und interkulturelle Verständigung sowie Wirtschaft und Konsum.

Wo finde ich Schweizer Materialien zu BNE?

Die nationale Anlaufstelle ist education21.ch. Ergänzend lassen sich Fachmaterialien einsetzen, sofern sie an die kantonale Lehrplanfassung angepasst werden.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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Häufige Fragen

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