Lynette Yiadom-Boakye: Porträtmalerei der Gegenwart im Kunstunterricht

Kunst Sek II · Künstlerinnen-Monografie

Lynette Yiadom-Boakye: Porträtmalerei der Gegenwart im Kunstunterricht

Yiadom-Boakye malt Menschen, die es nicht gibt: erfundene Figuren ohne reales Modell, in loser, dunkler Pinselführung und mit rätselhaften Titeln, die selten etwas über das Bild verraten. Ihre Malerei stellt die Frage, wem im klassischen Porträt überhaupt ein Gesicht gegeben wird.

*1977London, britisch-ghanaische Herkunft
24,99 €Einzellizenz Grundreihe
5 KartenMaterial zu Yiadom-Boakye und Ergänzungen
Q1/Q2Einführungs- und Qualifikationsphase

Lynette Yiadom-Boakye gilt im Kunstunterricht der Sekundarstufe II als zentrale Position der zeitgenössischen Porträtmalerei, weil sie ausschließlich erfundene Figuren malt: Ihre Bilder zeigen keine realen Personen, sondern aus Erinnerung, Skizzen und gesammelten Bildfragmenten komponierte Gestalten, meist Schwarze Menschen in unbestimmten Räumen und Zeiten. Die Unterrichtsreihe „Lynette Yiadom-Boakye - Unterrichtsmaterial" führt am Beispiel einzelner Werke in ihre lose, oft an einem Tag vollendete Maltechnik und in die bewusst rätselhaften, meist unabhängig vom Bildinhalt gewählten Werktitel ein. Ein typischer Einstieg ist die Frage, warum eine Malerin, die nie nach Modell arbeitet, dennoch so überzeugend wirkende Porträts schafft. Nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen; verbindliche Vorgaben regelt der Abitur-Erlass Ihres Bundeslands.

Werk und Verfahren: Malerei ohne Modell

Yiadom-Boakye arbeitet nie nach einer lebenden Person. Ihre Figuren entstehen aus einem Fundus an Notizen, Skizzen und Bildausschnitten aus Zeitschriften, Fotografien und der eigenen Erinnerung, die sie zu neuen, nie existierenden Personen zusammensetzt. Ein Gemälde entsteht häufig innerhalb eines einzigen Tages, in loser, dunkeltoniger Pinselführung, die formal an britische Porträtmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts erinnert, inhaltlich aber bewusst mit deren Ausschlüssen bricht: Schwarze Figuren erscheinen bei ihr nicht als Nebenfiguren oder Dienstboten, sondern als zentrale, würdevoll komponierte Bildsubjekte.

Die Werktitel – oft literarisch anmutende, mehrdeutige Wortfolgen – stehen bewusst in keinem eindeutigen Bezug zum Bildinhalt. Diese Entkopplung von Titel und Motiv verhindert eine vorschnelle biografische oder narrative Lesart und lenkt den Blick zurück auf die Malerei selbst: Farbe, Pinselduktus, Lichtführung.

Didaktischer Zugang: Fiktion, Kanon und Zuschreibung

Der Zugang über die Frage „Wer wurde im klassischen Porträt gemalt, und wer nicht?" verbindet kunsthistorisches Grundwissen mit einer aktuellen Debatte um Repräsentation im westlichen Bildkanon, ohne dass die Reihe eine politische Position vorgibt. Ergänzend lässt sich das Verfahren der freien Erfindung mit der Porträttradition kontrastieren, etwa im Vergleich mit einem nach Modell gemalten Porträt von Rembrandt.

Die folgenden fünf Materialien decken die Reihe zu Yiadom-Boakye sowie passende Vergleichspositionen ab.

Typische Stolpersteine im Kurs

Ein häufiger Fehler ist es, ein Yiadom-Boakye-Bild wie ein reales Porträt zu behandeln und nach der dargestellten Person zu fragen, statt die Erfindung der Figur selbst zum Bildinhalt zu machen. Ebenso wird oft übersehen, dass die rätselhaften Titel bewusst keine Erklärung liefern sollen; Lernende versuchen häufig, Titel und Bildinhalt eng zu verknüpfen, obwohl die Künstlerin diese Verknüpfung gerade vermeidet.

Ein zweiter Stolperstein liegt in der Reduktion des Werks auf ein rein identitätspolitisches Statement. Yiadom-Boakye selbst betont, dass es ihr vorrangig um Malerei als Handwerk geht; die Frage der Repräsentation ist Teil der Werkwirkung, aber nicht der einzige Zugang, den eine Bildanalyse wählen sollte.

Bewertung und Operatoren

Für Klausuren eignet sich der Vergleich eines Yiadom-Boakye-Porträts mit einem nach Modell gemalten historischen Porträt, bewertet nach den Operatoren beschreiben, analysieren, vergleichen und beurteilen. Anforderungsbereich III lässt sich über die Frage abdecken, welche Bildwirkung durch das Fehlen eines realen Modells entsteht und wie sich Erfindung von Dokumentation in der Porträtmalerei unterscheidet. Für die sonstige Mitarbeit eignet sich eine praktische Kurzaufgabe: eine eigene, frei erfundene Porträtskizze ohne Vorlage, mit anschließender Titelgebung nach Yiadom-Boakyes Verfahren.

Werk / Thema Stufe Didaktischer Zugang
Malerei ohne Modell Qualifikationsphase Erfundene Figuren, lose Pinselführung, Bezug zur britischen Porträttradition
Rätselhafte Werktitel Qualifikationsphase Entkopplung von Titel und Bildinhalt, Vermeidung narrativer Festlegung
Repräsentation im Bildkanon Qualifikationsphase Historischer Ausschluss Schwarzer Figuren aus dem klassischen Porträt
Vergleich mit Porträt nach Modell Qualifikationsphase Kontrast zwischen dokumentarischem und erfundenem Porträt
  • Malerei ohne ModellErfundene Figuren aus Erinnerung und Bildfragmenten, nie nach realer Person.
  • Rätselhafte TitelBewusste Trennung von Werktitel und Bildinhalt als eigenes Analysethema.
  • Kanonkritischer ZugangFrage nach Repräsentation im westlichen Porträt, ohne vorgegebene Position.
  • Klausurformat inklusiveWerkvergleich mit Erwartungshorizont für Kursarbeit und mündliche Prüfung.
  • Praktische ÜbungsaufgabeEigene erfundene Porträtskizze mit anschließender Titelgebung.
  • Sofort verfügbarPDF-Dateien zum Herunterladen, ohne besondere Software und ohne Wartezeit.

Für die Einordnung in Ihr Bundesland gilt: Welche Positionen verbindlich sind, regelt der jeweilige Kernlehrplan, das Kerncurriculum, der Bildungsplan oder die Fachanforderungen; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen. Vertiefende Hinweise zu Yiadom-Boakye finden Sie in den folgenden Beiträgen.

Häufige Fragen

Malt Lynette Yiadom-Boakye reale Personen?

Nein. Alle ihre Figuren sind erfunden und entstehen aus Erinnerung, Skizzen und gesammelten Bildfragmenten, nicht nach einem lebenden Modell oder einer bestimmten realen Person.

Warum sind die Werktitel so rätselhaft?

Die Titel stehen bewusst in keinem eindeutigen Bezug zum Bildinhalt. Diese Entkopplung verhindert eine vorschnelle narrative oder biografische Deutung und lenkt den Blick zurück auf die Malerei selbst.

Wie schnell entsteht ein typisches Gemälde?

Yiadom-Boakye vollendet viele ihrer Werke innerhalb eines einzigen Tages, in loser, dunkeltoniger Pinselführung, ohne mehrfache Überarbeitung.

Geht es in ihrem Werk vor allem um Identitätspolitik?

Die Künstlerin selbst betont, dass es ihr vorrangig um Malerei als Handwerk geht. Die Frage der Repräsentation Schwarzer Figuren im Bildkanon ist Teil der Werkwirkung, aber nicht der einzige mögliche Zugang.

Passt die Reihe zum Lehrplan meines Bundeslandes?

Die Reihe lässt sich den Kompetenzbereichen aus Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan oder Fachanforderungen zuordnen. Welche Positionen verbindlich sind, legt Ihr Land fest; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.

Wie lässt sich das Material praktisch umsetzen?

Eine eigene, frei erfundene Porträtskizze ohne Vorlage, anschließend mit einem bewusst uneindeutigen Titel versehen, lässt sich ohne Fachraum in einer Doppelstunde umsetzen und mit Yiadom-Boakyes Verfahren vergleichen.