Geschichte und Politische Bildung in Österreich: Lehrplan 2023 und Oberstufe

Geschichte und Politische Bildung unterrichten

Geschichte und Politische Bildung in Österreich: Lehrplan 2023 und Oberstufe

Historisches und politisches Lernen bilden in Österreich einen gemeinsamen Gegenstand. Diese Seite ordnet den Fachlehrplan 2023 in der Sekundarstufe I und den Weg in die Oberstufe bis zur Reifeprüfung.

  • 1gemeinsamer Unterrichtsgegenstand für historisches und politisches Lernen seit Lehrplan 2023
  • 2Schulstufenblöcke mit unterschiedlichem Schwerpunkt: Sekundarstufe I und Oberstufe
  • 1Woche als übliche Mindestfrist zur Ankündigung einer Schularbeit
  • 0erfundene Kompetenzcodes auf dieser Seite — Kompetenzbereiche werden benannt, nicht kodiert

Geschichte und Politische Bildung verbindet in Österreich historisches Lernen mit politischer Urteilsbildung in einem Unterrichtsgegenstand, mit wachsender Selbstständigkeit von der Sekundarstufe I bis zur Oberstufe. Quellenarbeit und Gegenwartsbezug stehen von Anfang an nebeneinander, statt getrennt behandelt zu werden. In der Oberstufe kommt die Vorbereitung auf die Reifeprüfung hinzu, wo der Gegenstand häufig als mündliches Prüfungsfach oder als Betreuungsfach für die Abschließende Arbeit gewählt wird.

Ein Gegenstand für historisches und politisches Lernen

Geschichte und Politische Bildung ist der offizielle Name des Unterrichtsgegenstands nach dem Lehrplan 2023 und ersetzt die frühere getrennte Betrachtung von Geschichte einerseits und politischer Bildung andererseits durch eine gemeinsame fachliche Klammer. Historische Ereignisse werden dabei nicht isoliert behandelt, sondern regelmäßig mit Fragen nach gegenwärtiger politischer Bedeutung verknüpft, etwa wenn ein historisches Ereignis Anlass für eine Diskussion über heutige gesellschaftliche Strukturen bietet.

Für die Unterrichtsplanung bedeutet dieser gemeinsame Zuschnitt, dass sich eine Reihe zu einem historischen Thema meist auch mit einer politischen Fragestellung verbinden lässt, ohne dass dafür ein zusätzlicher, getrennter Themenblock nötig wäre. Diese Verbindung liegt in der Fachlogik des Gegenstands selbst und muss nicht künstlich hergestellt werden.

Die konkrete Gewichtung zwischen historischem und politischem Schwerpunkt unterscheidet sich von Thema zu Thema: Manche Inhalte eignen sich stärker für eine chronologisch-historische Aufarbeitung, andere für eine unmittelbar gegenwartsbezogene politische Auseinandersetzung. Eine pauschale Regel, welcher Anteil in jeder Reihe zwingend vorkommen muss, lässt sich dem Fachlehrplan nicht entnehmen.

Für Lehrkräfte, die zuvor Geschichte und politische Bildung getrennt unterrichtet haben, bedeutet die Zusammenführung vor allem eine veränderte Planungslogik: Statt zwei separate Stoffverteilungspläne zu führen, lohnt sich ein einziger gemeinsamer Plan, in dem historische und politische Schwerpunkte von Beginn an nebeneinander verzeichnet sind. Das erleichtert es, Überschneidungen zu erkennen und doppelte Behandlung ähnlicher Fragestellungen zu vermeiden.

Quellenarbeit und Gegenwartsbezug verbinden

Ein zentrales methodisches Element des Gegenstands ist die Arbeit mit historischen Quellen — Texten, Bildern, Karten oder Statistiken —, die Schülerinnen und Schüler selbstständig einordnen und interpretieren lernen. Diese Quellenarbeit bildet die methodische Grundlage, auf der sich später auch die Analyse gegenwärtiger politischer Sachverhalte aufbaut, weil ähnliche Fragen an eine Quelle gestellt werden wie an einen aktuellen Zeitungsartikel oder eine politische Rede.

Für den Einstieg in ein neues Thema eignet sich Material wie Unterrichtsmaterial „Die Geschichte unserer Schule entdecken“, das über einen unmittelbaren, lokalen Zugang zur Quellenarbeit hinführt, bevor abstraktere oder weiter zurückliegende Themen folgen. Der zugehörige Cluster-Beitrag Die Geschichte unserer Schule entdecken: in Geschichte und Politische Bildung einordnen ordnet dieses Material im Fachlehrplan ein. Ein solcher Einstieg über die eigene Schulgeschichte senkt zusätzlich die Hemmschwelle, historische Quellenarbeit als abstrakt oder fern von der eigenen Lebenswelt zu empfinden.

Der Gegenwartsbezug lässt sich in der Praxis meist am Ende einer historischen Erarbeitung herstellen, mit einer Frage wie: Was von diesem historischen Sachverhalt spielt in aktuellen politischen Debatten noch eine Rolle. Eine solche Überleitung braucht keine zusätzliche Unterrichtseinheit, sondern lässt sich in die abschließenden Stunden einer bestehenden Reihe integrieren.

Bei der Auswahl der Quellen lohnt sich zusätzlich ein bewusster Wechsel zwischen unterschiedlichen Quellentypen: Ein Bild vermittelt andere Informationen als ein Text, eine Statistik andere als eine politische Rede. Wer diese Vielfalt systematisch in eine Reihe einbaut, stärkt die Fähigkeit der Klasse, unterschiedliche Quellenarten kritisch zu lesen, statt sich an eine einzige Darstellungsform zu gewöhnen.

Schularbeiten und mündliche Leistungsfeststellung

In Geschichte und Politische Bildung kommen neben mündlichen Leistungsfeststellungen je nach Schulform und Schulstufe auch schriftliche Überprüfungen vor. Sofern Schularbeiten vorgesehen sind, gilt derselbe organisatorische Rahmen wie in anderen Gegenständen: Terminbekanntgabe zu Semesterbeginn, Ankündigung des Stoffbereichs mindestens eine Woche vorher, höchstens eine Schularbeit pro Tag. Die genaue Prüfungsform und -häufigkeit legt der jeweilige Fachlehrplan beziehungsweise die schulautonome Umsetzung fest.

Mündliche Beiträge spielen im Gegenstand traditionell eine größere Rolle als in vielen anderen Fächern, weil Diskussion und Argumentation zum methodischen Kern gehören. Eine Reihe zu einem kontroversen historischen oder politischen Thema bietet sich deshalb besonders für strukturierte Debatten oder Podiumsdiskussionen an, bei denen die mündliche Beteiligung gezielt beobachtet und rückgemeldet werden kann. Eine vorab festgelegte Beobachtungsstruktur, etwa ein kurzer Kriterienkatalog für Argumentationsqualität und Gesprächsverhalten, erleichtert eine faire und nachvollziehbare Rückmeldung an einzelne Schülerinnen und Schüler.

Für die Leistungsbeurteilung insgesamt gilt, dass sowohl fachliches Wissen als auch die Fähigkeit zu eigenständiger Urteilsbildung einfließen sollten. Ein reines Abfragen historischer Fakten ohne Bezug zur eigenständigen Einordnung wird dem Doppelcharakter des Gegenstands nur bedingt gerecht.

Auch die schriftliche Ausdrucksfähigkeit spielt bei schriftlichen Leistungsfeststellungen eine Rolle, weil eine historische oder politische Einordnung meist in zusammenhängenden Sätzen dargestellt werden muss, nicht nur in Stichworten. Wer diese Anforderung zu Beginn eines Schuljahres klar kommuniziert, reduziert Unsicherheit bei Schülerinnen und Schülern darüber, was von einer schriftlichen Arbeit inhaltlich und sprachlich erwartet wird.

Themenauswahl nach Schulstufe

In der Sekundarstufe I stehen häufig chronologisch aufgebaute Themen im Vordergrund, etwa zur Antike, zum Mittelalter oder zur frühen Neuzeit, verbunden mit ersten Ansätzen politischer Urteilsbildung anhand konkreter historischer Beispiele. Material wie Industrialisierung & Arbeiterbewegung eignet sich für spätere Jahrgänge der Sekundarstufe I, wenn bereits ein Grundverständnis gesellschaftlicher Prozesse vorhanden ist.

In den höheren Schulstufen der Sekundarstufe I und beim Übergang in die Oberstufe rücken zunehmend Themen mit größerer gegenwärtiger Brisanz in den Vordergrund, etwa Konflikte oder gesellschaftliche Umbrüche, die eine differenziertere politische Einordnung verlangen. Für ein Thema wie Europäische Einigung lässt sich die historische Entwicklung direkt mit aktuellen politischen Fragen zur europäischen Zusammenarbeit verknüpfen. Der Cluster-Beitrag Europäische Einigung: dem Fachlehrplan zuordnen zeigt, wie sich dieses Thema konkret dem Fachlehrplan zuordnen lässt.

Bei international oder global ausgerichteten Themen wie Der Westen Kanadas zeigt sich zusätzlich, wie sich historische Ereignisse außerhalb des europäischen Raums für eine vergleichende politische Einordnung nutzen lassen, etwa im Vergleich zu ähnlichen Entwicklungen im eigenen Land. Der Cluster-Beitrag Der Westen Kanadas — in Geschichte und Politische Bildung einordnen geht auf diese vergleichende Perspektive näher ein.

Passende Unterrichtsreihen im Katalog

Unterrichtsmaterial „Die Geschichte unserer Schule entdecken“ - Geschichte SEK I
Unterrichtsmaterial „Die Geschichte unserer Schule entdecken“ - Geschichte SEK IDigitaler DownloadZur Reihe
Der Westen Kanadas – Unterrichtsmaterial Pockenepidemien, Handel & Hudson’s Bay Company
Der Westen Kanadas – Unterrichtsmaterial Pockenepidemien, Handel & Hudson’s Bay CompanyDigitaler DownloadZur Reihe
Europäische Einigung – Unterrichtsmaterial Geschichte/Politik SEK I
Europäische Einigung – Unterrichtsmaterial Geschichte/Politik SEK IDigitaler DownloadZur Reihe
Industrialisierung & Arbeiterbewegung – Geschichte SEK I Unterrichtsmaterial
Industrialisierung & Arbeiterbewegung – Geschichte SEK I UnterrichtsmaterialDigitaler DownloadZur Reihe
Leben der Bauern im Mittelalter – Unterrichtsmaterial SEK IAktuelle Unterrichtsreihe: Julian Assange ist freiUnterrichtsreihe: Dimensionen der Partizipation: Individuelle und gesellschaftliche VerantwortungUnterrichtsreihe: Konfliktfelder im Nahen und Mittleren Osten einfach erklärtUnterrichtsreihe: Konjunktur und Wachstum - Analyse von Daten zur konjunkturellen EntwicklungIsrael und Palästina im Krieg / Konflikt (Unterrichtsmaterial)

Geschichte und Politische Bildung über die Schulstufen

Schulstufe Schwerpunkt Typische Arbeitsweise
5.–6. Schulstufe erste historische Epochen, einfache Quellenarbeit Bildquellen, kurze Texte
7.–8. Schulstufe gesellschaftliche Prozesse, erste politische Urteilsbildung strukturierte Quellenanalyse, Diskussion
9.–10. Schulstufe komplexere historische Zusammenhänge, aktuelle Bezüge Vergleich mehrerer Quellen, Debatte
11.–12./13. Schulstufe vertiefte Analyse, internationale Perspektiven eigenständige Recherche, Präsentation
letzter Jahrgang (Reifeprüfung) Vorbereitung auf mündliche Prüfung oder Abschließende Arbeit strukturierte Themendarstellung

Der Übergang in die Oberstufe

Mit dem Übergang in die Oberstufe steigen die Anforderungen an eigenständige Analyse und an die Fähigkeit, mehrere Quellen oder Perspektiven gegeneinander abzuwägen. Themen werden zunehmend in einen größeren internationalen oder gesellschaftstheoretischen Zusammenhang gestellt, statt isoliert für sich zu stehen.

Für diesen Übergang eignet sich vertiefendes Material zu Industrialisierung und Arbeiterbewegung, das komplexere Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge behandelt und damit auf die in der Oberstufe erwarteten Analyseleistungen vorbereitet. Der Cluster-Beitrag Industrialisierung und Arbeiterbewegung: in Geschichte und Politische Bildung einordnen zeigt diese Einordnung im Detail.

Auch die Auseinandersetzung mit dem Leben einfacher Bevölkerungsgruppen in früheren Epochen, wie im Beitrag Leben der Bauern im Mittelalter — in Geschichte und Politische Bildung einordnen behandelt, bietet einen Kontrast zur oft dominierenden Perspektive politischer Eliten und erweitert damit die Fähigkeit, historische Ereignisse aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Diese Perspektivenvielfalt ist auch für die Reifeprüfung von Bedeutung, weil eine mündliche Prüfung häufig danach fragt, wie sich ein historisches Ereignis aus unterschiedlichen Blickwinkeln beurteilen lässt. Wer eine Klasse frühzeitig daran gewöhnt, gezielt nach übersehenen Perspektiven statt nach einer einzelnen dominierenden Erzählung zu fragen, bereitet sie damit unmittelbar auf diese Art der Fragestellung vor.

Reifeprüfung: Geschichte und Politische Bildung als Prüfungsfach

Geschichte und Politische Bildung wird in der Reifeprüfung häufig als mündliches Prüfungsfach gewählt, seltener als schriftliches Klausurfach, abhängig von der Schulform und der individuellen Fächerwahl. Die mündliche Prüfung verlangt in der Regel die Fähigkeit, ein Thema strukturiert darzustellen und eigenständig historisch wie politisch einzuordnen, statt reines Faktenwissen wiederzugeben.

Der Gegenstand eignet sich zudem häufig als Betreuungsfach für die Abschließende Arbeit, etwa bei Themen mit historischem, politischem oder gesellschaftlichem Schwerpunkt. Die Präsentation und Diskussion dieser Arbeit ist im Rahmen der Reifeprüfung mit maximal 25 Minuten bemessen und verlangt dieselbe Fähigkeit zu eigenständiger Argumentation, die im laufenden Unterricht bereits trainiert wird. Ab dem Haupttermin 2026 besteht bis einschließlich 2028/29 zusätzlich die Möglichkeit, die Abschließende Arbeit durch eine weitere Klausurarbeit oder eine weitere mündliche Teilprüfung zu ersetzen, was die konkrete Prüfungssituation im Übergangszeitraum je nach gewählter Option unterschiedlich ausfallen lässt.

Für aktuelle politische Themen, wie sie etwa im Beitrag Der Fall Julian Assange: dem Fachlehrplan zuordnen behandelt werden, zeigt sich besonders deutlich, wie stark Gegenwartsbezug und historische Einordnung im Gegenstand zusammenwirken — eine Eigenschaft, die auch für die mündliche Reifeprüfung von Bedeutung ist, wo aktuelle Bezüge häufig positiv auffallen.

Für die Vorbereitung auf die mündliche Prüfung lohnt sich zusätzlich regelmäßiges Üben freier Rede zu einem vorbereiteten Thema, weil die Prüfungssituation selbst eine strukturierte, zusammenhängende Darstellung ohne ausformulierten Text verlangt. Diese Fertigkeit lässt sich über mehrere Jahrgänge hinweg schrittweise aufbauen, etwa durch regelmäßige kurze mündliche Referate im laufenden Unterricht.

Fachübergreifende Anknüpfungspunkte

Geschichte und Politische Bildung lässt sich gut mit anderen Unterrichtsgegenständen verbinden, etwa mit Geografie und wirtschaftlicher Bildung bei Themen zu globalen wirtschaftlichen Entwicklungen oder mit Deutsch bei der Analyse politischer Reden und Texte. Eine solche Verbindung erspart Doppelungen und schafft für Schülerinnen und Schüler einen erkennbaren Zusammenhang zwischen den Gegenständen.

Auch eine Abstimmung mit dem Klassenvorstand kann sinnvoll sein, wenn mehrere fachübergreifende Projekte gleichzeitig geplant werden, damit sich Themen aus unterschiedlichen Gegenständen sinnvoll ergänzen statt zu überschneiden. Eine kurze gemeinsame Absprache zu Semesterbeginn reicht meist aus, um solche Überschneidungen frühzeitig zu erkennen.

Für Lehrausgänge bietet sich der Gegenstand besonders an, etwa bei einem Museumsbesuch oder dem Besuch einer Gedenkstätte, weil sich dort historische und politische Fragestellungen unmittelbar an einem konkreten Ort verbinden lassen. Ein Überblick über passendes Material findet sich im Fach-Hub Geschichte und Politische Bildung Österreich, während sich thematisch verwandte Unterrichtsreihen gebündelt in der Sammlung an Unterrichtsreihen finden lassen.

Auch das übergreifende Thema „Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucher/innenbildung“ lässt sich mit Geschichte und Politische Bildung verbinden, etwa bei der historischen Betrachtung wirtschaftlicher Krisen oder gesellschaftlicher Verteilungsfragen. Eine feste Vorgabe, in welchem Ausmaß dieses Thema behandelt werden muss, existiert nicht — die konkrete Umsetzung bleibt der fachlichen Einschätzung der Lehrkraft überlassen.

Für den Vergleich mit dem Schweizer System steht zusätzlich Räume, Zeiten, Gesellschaften: von RZG im Zyklus 3 bis zum Gymnasium zur Verfügung, wo historisches und politisches Lernen unter einer anderen fachlichen Struktur zusammengeführt werden, mit eigenen Bezeichnungen und einer eigenen Aufteilung der Themen. Wer regelmäßig mit Kolleginnen und Kollegen aus beiden Ländern austauscht, profitiert von diesem Vergleich, weil sich methodische Ansätze trotz unterschiedlicher struktureller Rahmenbedingungen oft direkt übertragen lassen.

Stolperstellen im Unterricht

Ein häufiger Stolperpunkt ist, ein kontroverses politisches Thema ohne ausreichende methodische Vorbereitung zu behandeln, sodass die Diskussion in eine unstrukturierte Debatte ohne fachlichen Ertrag abgleitet. Klare Gesprächsregeln und eine vorbereitende Quellen- oder Materialbasis helfen, die Diskussion auf einer sachlichen Ebene zu halten, ohne die Meinungsvielfalt der Klasse einzuschränken.

Besonders bei Themen, die auch außerhalb der Schule medial stark präsent sind, lohnt sich vorab ein kurzer Blick darauf, welches Vorwissen und welche Meinungen die Klasse bereits mitbringt. Eine kurze, anonyme Abfrage zu Beginn der Einheit kann helfen, die anschließende Diskussion gezielter zu steuern, statt von den mitgebrachten Positionen überrascht zu werden.

Ein zweiter Stolperpunkt entsteht, wenn ein historisches Thema ausschließlich chronologisch abgearbeitet wird, ohne den in Geschichte und Politische Bildung erwarteten Gegenwartsbezug herzustellen. Ein lokaler, greifbarer Zugang zur eigenen Schulgeschichte zeigt, wie sich dieser Bezug leichter herstellen lässt als bei sehr weit zurückliegenden oder abstrakten Themen.

Ein dritter Fehler betrifft die Materialauswahl bei aktuellen politischen Ereignissen: Wer ein Thema wählt, das sich noch stark in der Entwicklung befindet, sollte darauf achten, mehrere Perspektiven einzubeziehen und Quellen kritisch zu prüfen, statt eine einzelne Darstellung unreflektiert zu übernehmen. Diese Sorgfalt entspricht dem methodischen Grundprinzip des Gegenstands, unabhängig davon, wie aktuell das behandelte Thema ist.

Ein vierter Punkt betrifft die zeitliche Planung selbst: Wird ein aktuelles politisches Ereignis kurzfristig in eine bestehende Reihe eingeschoben, verschiebt sich häufig der restliche Stoffplan des Semesters. Ein kleiner Zeitpuffer, der von vornherein für solche kurzfristigen Ergänzungen eingeplant wird, verhindert, dass andere Themen am Ende des Semesters unter Zeitdruck geraten.

Bausteine für Geschichte und Politische Bildung

  • Historisches Lernen und politische Urteilsbildung von Beginn an gemeinsam denken, nicht als getrennte Themenblöcke.
  • Quellenarbeit systematisch aufbauen, damit sie später auch für die Analyse aktueller politischer Sachverhalte trägt.
  • Bei kontroversen Themen klare Gesprächsregeln vorab festlegen, um Diskussionen sachlich zu halten.
  • Themen nach Schulstufe so wählen, dass Komplexität und Abstraktionsgrad zum Vorwissen der Klasse passen.
  • Gegenwartsbezug bewusst am Ende einer historischen Erarbeitung herstellen, statt ihn zu überspringen.
  • Bei aktuellen politischen Ereignissen mehrere Perspektiven und Quellen einbeziehen, keine einzelne Darstellung unreflektiert übernehmen.
  • Für Reifeprüfung und Abschließende Arbeit frühzeitig eigenständige Argumentationsfähigkeit trainieren, nicht erst im letzten Jahrgang.
  • Fachübergreifende Anknüpfungspunkte zu Geografie, Deutsch oder anderen Gegenständen aktiv suchen.

Die verlinkten Materialien lassen sich nach historischem Schwerpunkt und politischem Gegenwartsbezug einordnen; welche Auswahl passt, hängt vom Vorwissen der Klasse und von der Position im Fachlehrplan ab.

Häufige Fragen

Warum heißt der Gegenstand Geschichte und Politische Bildung und nicht mehr nur Geschichte?

Der Lehrplan 2023 führt historisches und politisches Lernen offiziell in einem gemeinsamen Unterrichtsgegenstand zusammen, weil beide Bereiche methodisch eng verwandt sind und sich in der Praxis oft ohnehin verbinden lassen. Historische Ereignisse werden dadurch regelmäßig mit ihrer gegenwärtigen politischen Bedeutung in Verbindung gebracht, statt getrennt behandelt zu werden. Der vollständige, offizielle Name sollte in schulischen Dokumenten und in der Materialbeschreibung durchgängig verwendet werden, nicht nur der historische Teilbegriff.

Wie viele Schularbeiten schreibt eine Klasse in Geschichte und Politische Bildung?

Ob und wie viele Schularbeiten der Gegenstand vorsieht, hängt von der Schulform und der schulautonomen Umsetzung ab; eine bundesweit einheitliche Zahl lässt sich dafür nicht angeben. Wo Schularbeiten stattfinden, gilt derselbe organisatorische Rahmen wie in anderen Gegenständen: Terminbekanntgabe zu Semesterbeginn und Ankündigung mindestens eine Woche vorher. Für eine verlässliche Angabe lohnt sich der Blick in den schulinternen Lehrplan oder die Rückfrage bei der Fachgruppe.

Wie lässt sich ein kontroverses politisches Thema sachlich im Unterricht behandeln?

Klare Gesprächsregeln vor Beginn der Diskussion und eine vorbereitende, möglichst ausgewogene Materialbasis helfen, eine Debatte auf einer sachlichen Ebene zu halten. Sinnvoll ist außerdem, mehrere Perspektiven bewusst gegenüberzustellen, statt nur eine Sichtweise zu präsentieren. Die Rolle der Lehrkraft besteht dabei eher in der Moderation als in der Vorgabe einer bestimmten Meinung, damit sich Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges Urteil bilden können.

Wird Geschichte und Politische Bildung mündlich oder schriftlich bei der Reifeprüfung geprüft?

Beides ist möglich: Der Gegenstand wird häufig als mündliches Prüfungsfach gewählt, kann je nach Schulform aber auch als schriftliches Klausurfach infrage kommen. Zusätzlich eignet er sich als Betreuungsfach für die Abschließende Arbeit, wenn ein Thema historisch oder politisch ausgerichtet ist. Welche Option im Einzelfall zur Verfügung steht, hängt von der Schulform und der individuellen Fächerwahl ab und sollte rechtzeitig mit der betreuenden Fachlehrkraft geklärt werden.

Wie lässt sich Gegenwartsbezug in eine historische Unterrichtsreihe einbauen, ohne den roten Faden zu verlieren?

Am einfachsten gelingt das gegen Ende einer historischen Erarbeitung, mit einer gezielten Überleitungsfrage, welche Aspekte des behandelten Themas in aktuellen politischen Debatten noch eine Rolle spielen. Diese Überleitung braucht keine eigene zusätzliche Unterrichtseinheit, sondern lässt sich in die abschließenden Stunden einer bestehenden Reihe integrieren. So bleibt der historische Schwerpunkt erhalten, während gleichzeitig der geforderte politische Bezug hergestellt wird.

Welche Rolle spielt Quellenarbeit im Gegenstand?

Quellenarbeit bildet die methodische Grundlage des Gegenstands: Texte, Bilder, Karten oder Statistiken werden selbstständig eingeordnet und kritisch geprüft. Diese Fähigkeit überträgt sich direkt auf die Analyse aktueller politischer Sachverhalte, etwa bei einem Zeitungsartikel oder einer politischen Rede. Wer Quellenarbeit von Beginn der Sekundarstufe I an systematisch aufbaut, erleichtert damit auch den späteren Übergang zu komplexeren Analyseaufgaben in der Oberstufe.