Unterrichtsreihe
Industrialisierung und soziale Frage
Absicht und Wirkung der Sozialpolitik trennen, drei Formen der Absicherung vergleichen, Ausstellungstafel zur sozialen Frage erstellen.
Geschichte Sek II · Industrialisierung bis NS-Zeit
Vier Themen aus der deutschen Geschichte zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus, die sich in der Oberstufe als Längsschnitt verbinden lassen. Diese Seite zeigt, wie Sie Zahlen, Quellen und Modelle in dieser Folge auseinanderhalten lassen und daraus begründete Urteile entwickeln.
Wie lässt sich die Zeit von der Industrialisierung bis 1945 so unterrichten, dass daraus mehr entsteht als eine Folge einzelner Ereignisse? Der Längsschnitt über Wirtschaft und Gesellschaft liefert dafür einen roten Faden: Sozialpolitik, Krise, Diktatur und Handeln in der Diktatur sind vier Stationen, an denen immer dieselbe Frage gestellt wird, nämlich was ein Material tatsächlich belegt. In der Reihe zur Industrialisierung und sozialen Frage trennen die Lernenden Absicht und Wirkung staatlicher Sozialpolitik. In der Reihe zur Weltwirtschaftskrise 1929 rechnen sie Exportdaten nach und prüfen ein Wirkungsmodell. Die Reihe zur NS-Wirtschaftspolitik unterscheidet Kennzahl und Gesamturteil. Die Reihe zu Anpassung und Widerstand vergleicht Weiße Rose und 20. Juli. Jede Reihe umfasst zwölf geplante Stunden, ein Projekt und eine Übungsklausur mit Erwartungshorizont. Alle vier liegen auch als Sparpaket vor.
Wer Industrialisierung, Weimarer Krise und NS-Zeit nacheinander unterrichtet, kennt das Problem: Jedes Thema bringt neues Faktenwissen, aber die Arbeitsweise bleibt oft nicht erhalten. Die vier Reihen auf dieser Seite sind deshalb nach demselben Muster gebaut. Auf drei kurze Reader-Texte folgen ein Material M1, ein zweites Material M2, vier aufeinander aufbauende Aufgaben A1 bis A4 und ein Projekt, das in zwei Fassungen entsteht. Wer die erste Reihe im Kurs durchgeführt hat, spart sich bei den folgenden die Erklärung des Formats und kann die Zeit für das Thema nutzen.
Inhaltlich entsteht daraus eine Folge von Denkbewegungen. In der Reihe zur sozialen Frage lernen die Lernenden, dass eine Fürsorgemaßnahme zwei Dinge zugleich sein kann: Linderung einer Notlage und Mittel politischer Bindung. Die Sozialversicherungsgesetze von 1883, 1884 und 1889 stehen im Material neben der Repression gegen die Sozialdemokratie. Diese Unterscheidung von Absicht und Wirkung tragen die Lernenden in die Krisenreihe weiter, wo sie fragen, welche Wirkung die Krisenpolitik der Regierung Brüning hatte und welche Spielräume die Zeitgenossen sahen. In der Reihe zur NS-Wirtschaftspolitik wird sie schließlich auf Propaganda angewendet: Eine Erfolgszahl wird zur Behauptung, sobald niemand mehr fragt, wer gezählt wurde und wer fehlt.
Wer die Zeit nach 1945 anschließen möchte, findet auf der Schwesterseite Deutschland nach 1945 bis zur Friedlichen Revolution drei weitere Reihen mit demselben Aufbau.
Jede Reihe ist in sich abgeschlossen und lässt sich einzeln einsetzen. Als Ergänzung zeigt die Seite die Reihe zum Imperialismus in Afrika, die zum selben Format gehört und sich vor der Industrialisierung oder parallel dazu einsetzen lässt.
Unterrichtsreihe
Absicht und Wirkung der Sozialpolitik trennen, drei Formen der Absicherung vergleichen, Ausstellungstafel zur sozialen Frage erstellen.
Unterrichtsreihe
Exportrückgang von 13,5 auf 5,7 Milliarden Reichsmark berechnen, Wirkungsmodell prüfen, Krisenschaubild mit sechs Variablen entwerfen.
Unterrichtsreihe
Kennzahl und Gesamturteil trennen, sechs Prüffragen auf eine „Erfolgsgeschichte“ anwenden, kritische Museumstafel gestalten.
Unterrichtsreihe
Flugblattverbreitung der Weißen Rose und Umsturzplanung des 20. Juli vergleichen, Ausstellungskonzept mit zwei Biografien entwerfen.
Unterrichtsreihe
Legitimationen kolonialer Herrschaft quellenkritisch lesen und fragen, wessen Stimme in den Archiven fehlt. Passt zeitlich vor die Krisenreihen.
Sparpaket
Industrialisierung, Weltwirtschaftskrise, NS-Wirtschaft sowie Anpassung und Widerstand zusammen. Bei Einzellizenz sparen Sie 31,61 € gegenüber dem Einzelkauf (4 × 39,90 €).
Die Reihen sind an den Stellen dicht, an denen Kurse erfahrungsgemäß stolpern. Die erste Hürde ist die Verwechslung von Ziel und Ergebnis. Wenn die Kaiserliche Botschaft von 1881 von „Wohl der Arbeiter“ spricht, belegt das eine Absicht, aber noch keine Versorgung. Aufgabe A2 der Reihe zur sozialen Frage verlangt deshalb Befund, Beleg und Erklärung, und eine Belegprüfung zeigt, wo eine Absichtserklärung noch keine Wirkung belegt. Ein Rechtsanspruch ist außerdem von der tatsächlichen Höhe einer Leistung zu unterscheiden.
Die zweite Hürde ist der Umgang mit Zahlen. In der Krisenreihe gibt M1 nur zwei Jahreswerte an: den Warenexport von 13,5 Milliarden Reichsmark im Jahr 1929 und 5,7 Milliarden im Jahr 1932. Die Lernenden berechnen absolute und relative Veränderung und stellen fest, was zwei nominale Werte nicht verraten, nämlich den Verlauf dazwischen und die Preisentwicklung. Das Wirkungsmodell in M2 verbindet geringere Auslandsnachfrage, weniger Aufträge, Produktion, Einkommen und Binnennachfrage. Es erklärt einen Mechanismus, aber nicht die Stärke jedes Zusammenhangs. Dazu passt die Leitfrage zur Grenze einer monokausalen Erklärung: Der Börsenkrach ist ein wichtiger Einschnitt, erklärt aber das Ende der Weimarer Republik nicht allein. Eine ausführliche Diskussion historischer Vergleiche mit Weimar finden Sie im Beitrag Weimar-Vergleiche im Unterricht: warum sie oft schiefgehen.
Die dritte Hürde betrifft die NS-Zeit. Eine steigende Beschäftigungskurve neben Bildern neuer Fabriken wirkt auf Lernende zunächst überzeugend. Die Reihe liefert sechs Prüffragen für solche Erfolgsgeschichten: Wer wird gezählt, nominal oder real, mit welchen Rechten, zivile oder Rüstungsgüter, welche Finanzierung, wer wird ausgeschlossen? Wer Beschäftigung, Zwang, Ausgrenzung und Aufrüstung getrennt betrachtet, bekommt kein Gesamturteil. Bei der Reihe zu Anpassung und Widerstand kommt eine vierte Hürde hinzu: Ein Aufruf wie „Leistet passiven Widerstand“ aus dem ersten Flugblatt der Weißen Rose belegt einen Mobilisierungsversuch, aber keinen Erfolg.
| Reihe | Leitfrage | Material M1 und M2 | Projekt |
|---|---|---|---|
| Industrialisierung und soziale Frage | Verhältnis von Arbeiterwohl und Staatsinteresse; Absicht und Wirkung | Kaiserliche Botschaft von 1881; Vergleich von Sozialversicherung, Gewerkschaft und betrieblicher Fürsorge | Ausstellungstafel zur sozialen Frage |
| Weltwirtschaftskrise 1929 | Absolute und relative Veränderung; Rückkopplung; Grenze monokausaler Erklärung | Exportdaten 1929 und 1932; Wirkungsmodell | Krisenschaubild mit mindestens sechs Variablen |
| NS-Wirtschaftspolitik | Kennzahl und Gesamturteil; Wirtschaft als Teil von Herrschaft; Auslassungen | Heutiger Lerntext zu 1933; Prüftabelle mit sechs Fragen | Kritische Museumstafel mit drei Kontextinformationen |
| Anpassung und Widerstand | Appell, Handlungsformen, Urteil | Erstes Flugblatt der Weißen Rose; Vergleich Weiße Rose und 20. Juli | Ausstellungskonzept mit zwei belegten Biografien |
Ein durchgehendes Prinzip aller vier Reihen ist die Kennzeichnung des Materialstatus. Auf jedem Material halten die Lernenden fest, ob es eine Quelle, eine heutige Darstellung oder ein Modell ist. In der Reihe zur NS-Wirtschaftspolitik ist M1 beispielsweise ein heutiger Lerntext über die Ausschaltung der Gewerkschaften 1933 und die Arbeitsbeschaffung, keine Originalquelle. In der Krisenreihe ist das Wirkungsschema ein Modell. Die Titelmotive der Hefte sind als KI-generiert gekennzeichnet und werden ausdrücklich nicht als Beleg gelesen.
Für die Klausur gilt dieselbe Ehrlichkeit. Der Klausurvorschlag dauert 90 Minuten und besteht aus drei Aufgaben mit 12, 30 und 18 Inhaltspunkten, dazu gehören 10 Minuten Erschließung, 60 Minuten Schreiben und 20 Minuten Prüfung. Er arbeitet mit einem neuen Material K1, das im Schülerheft nicht vorkommt. Es handelt sich um einen didaktischen Vorschlag mit Erwartungshorizont, nicht um eine amtliche Abiturprüfung. Die Orientierung der Reihen folgt den Vorgaben für das Zentralabitur NRW 2029. Wie sich das in den Inhaltsfeldern niederschlägt, beschreibt der Beitrag Geschichte-Abitur 2027 in NRW: Inhaltsfelder und Quellenanalyse. Übersichten zu den Lehrplänen finden Sie außerdem auf den Seiten zur Weimarer Republik im Lehrplan und zum Nationalsozialismus im Lehrplan.
Weitere Reihen, Übersichten und Beiträge zum Geschichtsunterricht in der Oberstufe.
Die Reihen richten sich an Grund- und Leistungskurse der Oberstufe, also EF, Q1 und Q2. Der Aufbau ist in allen vier Reihen gleich, deshalb können Sie die Reihenfolge nach Ihrem Kursplan wählen. Die Reihen sind thematische Einheiten und ersetzen kein Lehrbuch.
Die Reihen orientieren sich an den Vorgaben für das Zentralabitur NRW 2029. Falls etwas nicht zu Ihren Vorgaben passt, greift die stifo-Garantie: Wir passen das Material für Sie an.
Nein. Der Klausurvorschlag ist ein didaktischer Vorschlag über 90 Minuten mit Erwartungshorizont und neuem Material K1. Er trainiert Aufgabenformat und Zeitplanung, ersetzt aber keine amtlichen Aufgaben. Modelle und heutige Darstellungen sind im Material als solche gekennzeichnet.
Nein, jede Reihe funktioniert einzeln. Der Längsschnitt ergibt sich, wenn Sie über ein Schuljahr zwei bis vier Reihen nacheinander einsetzen, weil die Lernenden das Format dann kennen. Mit zwölf Stunden je Reihe lassen sich vier Reihen kaum in einem Halbjahr unterrichten. Die Wahlstationen am Ende dienen der Vertiefung und sind nicht in die zwölf Stunden eingeplant.
Die Titelmotive sind ausdrücklich als KI-generiert gekennzeichnet und gelten weder als Foto noch als historische Quelle. In der ersten Stunde greifen die Lernenden diese Kennzeichnung auf und üben damit die Frage nach dem Materialstatus, die später bei jedem Material wiederkehrt.
Das Sparpaket mit allen vier Reihen kostet 127,99 € als Einzellizenz und 639,95 € als Schullizenz. Einzeln kosten die vier Reihen 159,60 € beziehungsweise 798,00 €. Sie sparen also 31,61 € bei der Einzellizenz und 158,05 € bei der Schullizenz.