Geschichte Oberstufe: Deutschland nach 1945, Ostpolitik und Friedliche Revolution

Geschichte Sek II · Deutschland nach 1945 bis 1990

Deutschland nach 1945 bis zur Einheit: Quellenarbeit und Urteilsbildung in der Oberstufe

Von den Spruchkammerakten über den Grundlagenvertrag bis zum Aufruf des Neuen Forums: Drei Themen, an denen die Lernenden üben, was eine Quelle trägt und was erst später hineingedeutet wird. Diese Seite zeigt, wie Sie die Reihen in den Kurs einordnen und wo die typischen Fallen liegen.

3 ReihenEntnazifizierung, Ostpolitik, 1989
12 × 45 Min.je Reihe, auch als 6 Doppelstunden
42 Seitenje Reihe, drei A4-PDFs
39,90 €Einzellizenz, Schullizenz 199,50 €

Wie unterrichtet man die deutsche Geschichte nach 1945 so, dass aus Rückblick keine Zwangsläufigkeit wird? Der wirksamste Hebel ist die Trennung von Ebenen: was die Beteiligten damals wussten und erwarteten, was geschah und was spätere Deutungen daraus machen. In der Reihe zur Entnazifizierung üben die Lernenden das an Spruchkammerunterlagen, in der Reihe zur Neuen Ostpolitik am Grundlagenvertrag von 1972 und in der Reihe zur Friedlichen Revolution 1989 an einem Aufruf des Neuen Forums und einer Quellen-Zeitleiste. Jede Reihe plant zwölf Stunden, dazu kommen ein Projekt und eine Übungsklausur mit Erwartungshorizont. Die drei Reihen sind unabhängig voneinander einsetzbar. Als Sparpaket sind sie ebenfalls erhältlich.

Von der Besatzungszeit zur Einheit: Was die Reihen verbindet

Die Zeit zwischen 1945 und 1990 wird im Unterricht oft als Erzählung mit bekanntem Ende gelesen. Genau das behindert die Urteilsbildung. Wenn die Lernenden bereits wissen, dass 1990 die Einheit kam, erscheint jede frühere Entscheidung als Schritt dorthin oder als Hindernis. Die drei Reihen setzen dem eine gemeinsame Arbeitsregel entgegen: Jede Aussage wird einer Ebene zugeordnet und mit einem Beleg versehen. Das gilt für die Mitgliedschaft in einer NS-Organisation ebenso wie für einen Vertragstext oder die Erinnerung an einen Herbsttag.

Der Aufbau ist in allen drei Reihen gleich. Auf drei kurze Reader-Texte folgen M1, M2, die Aufgaben A1 bis A4 und ein Projekt, das in zwei Fassungen entsteht und im Tandem rückgemeldet wird. Die Leitfragen verschieben sich dabei von der Einzelperson über den Staat zur Gesellschaft: In der Entnazifizierungsreihe geht es um die Einstufung eines Menschen anhand unvollständiger Akten. In der Ostpolitikreihe geht es um staatliches Handeln, dessen Folgen Zeitgenossen unterschiedlich erwarteten. In der Reihe zu 1989 geht es um das Zusammenwirken von Bedingungen und Handlungen in einer offenen Lage.

Für den Anschluss an die Zeit davor finden Sie auf der Schwesterseite Industrialisierung bis NS-Zeit vier Reihen mit demselben Aufbau.

Die drei Reihen im Überblick

Die Reihen lassen sich in der chronologischen Folge unterrichten, funktionieren aber auch einzeln. Für ein Halbjahr mit Schwerpunkt Zeitgeschichte bietet sich das Sparpaket an.

Typische Fallen und wie die Reihen sie bearbeiten

Bei der Entnazifizierung ist die erste Falle die Gleichsetzung von Spruchkammerverfahren und Strafprozess. Der Unterschied steht deshalb im Zentrum des Readers. M1 beschreibt Einzelfallakten, Meldebögen und die fünf Kategorien von den Hauptschuldigen bis zu den Entlasteten. Die Lernenden trennen dabei Überlieferung von der konkreten Akte und halten fest, dass Meldebogen und Zeugnis Quellen sind, die Kategorien dagegen Teil des Verfahrens. M2 ist eine fiktive Übungsakte mit der Selbstauskunft eines Antragstellers, dem Zeugnis einer Nachbarin und einer Tätigkeitsliste. In Aufgabe A3 vergleichen die Lernenden, was jede Aussage belegt und was ohne Tätigkeitsinhalt offen bleibt. Das Ergebnis „weitere Unterlagen erforderlich“ gilt ausdrücklich als fachlich gutes Ergebnis.

Bei der Neuen Ostpolitik liegt die Falle in der Rückprojektion. Aus dem Satz von den „normalen gutnachbarlichen Beziehungen auf der Grundlage der Gleichberechtigung“ im Grundlagenvertrag vom 21. Dezember 1972 lässt sich nicht ableiten, was die Beteiligten damit bezweckten oder was sich später ereignete. Die Belegprüfung trennt Vertragsziel von beobachtbaren Alltagseffekten. Der Reader unterscheidet außerdem die Anerkennung einer Realität von der Zustimmung zu ihr. Aufgabe A4 fragt, warum 1990 nicht allein aus einem Vertrag von 1972 folgt. Wie sich Quellenarbeit mit Kompetenzmodell aufbauen lässt, beschreibt der Beitrag Quellenarbeit im Geschichtsunterricht: Kompetenzmodell praktisch anwenden.

Bei 1989 entsteht die Falle aus der Erinnerung. Der Aufruf „Aufbruch 89“ beginnt mit der Feststellung, die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft sei „offensichtlich gestört“. Das ist eine Diagnose vom September 1989, noch ohne Wissen über den Ausgang. Sie belegt weder ein Programm noch eine Forderung nach Einheit. Maueröffnung und Einheit sind getrennte Ereignisse, die die Lernenden in einer Zeitleiste auf drei Ebenen führen: damalige Erwartungen, Ereignisse und spätere Deutungen. Der Reader „Ereignis und Erinnerung“ macht klar, dass auch spätere Erinnerungen eine Quellenart mit eigener Aussagegrenze sind.

Reihe Leitfragen Material M1 und M2 Projekt
Nach 1945: Entnazifizierung Verfahren und Quellenart; Aussagekraft von Entlastungszeugnissen; unvollständige Evidenz Einzelfallakten, Meldebögen, fünf Kategorien; fiktive Übungsakte Kommentierte Quellenakte mit Herkunftskarte, Belegmatrix, offenen Fragen
Neue Ostpolitik Normalisierung; Kontroverse; Kausalbehauptungen Formulierung aus dem Grundlagenvertrag 1972; zwei gegensätzliche Positionen Debattenkarte mit Zeitleiste
Friedliche Revolution 1989 Diagnose im Aufruf; Revolution und Einheit; Bedingungen und Handlungen Beginn des Aufrufs „Aufbruch 89“; fünf Daten bis 3. Oktober 1990 Quellen-Zeitleiste mit Erklärung aus mindestens drei Faktoren

Urteile begründen und Leistung bewerten

Urteilsbildung ist in den Reihen ein eigener Arbeitsschritt, kein Nebenprodukt der Quellenarbeit. In Aufgabe A4 formulieren die Lernenden ein Urteil mit offengelegten Kriterien, prüfen ein Gegenargument und benennen, welche Belege fehlen. In der Ostpolitikreihe wird daraus die Debattenkarte mit Argument, Beleg, Gegenargument und Urteilskriterium. Ein Gegenargument wird dort nicht als Störung behandelt, sondern als Prüfstein: Welche Bedingung entscheidet darüber, ob es trägt?

Die Leistungsüberprüfung folgt demselben Prinzip. Der Klausurvorschlag dauert 90 Minuten und enthält drei Aufgaben mit 12, 30 und 18 Inhaltspunkten. Das Material K1 ist neu und wurde im Schülerheft nicht vorweggenommen. Bei der Entnazifizierung ist das beispielsweise ein fiktiver Fall, in dem ein Museum einen Entlastungsbrief unter der Überschrift „Beweis der Unschuld“ ausstellen will, obwohl der Brief die dienstliche Funktion des Betroffenen verschweigt. Gefragt ist dann eine sachgerechte Beschriftung und ein Plan für weitere Recherche. Der Klausurvorschlag ist ein didaktischer Vorschlag und keine amtliche Abiturprüfung. Eine Übersicht zu Operatoren und Methoden bietet die Seite Methodenwissen im Geschichte-Abitur. Zur Erinnerung an die NS-Zeit nach 1945 lesen Sie auch Erinnerungskultur nach 1945: Vergangenheitspolitik, Aufarbeitung und Gedenken.

  • Zwölf geplante StundenEinstieg, Erarbeitung, Analyse, Projekt und Sicherung sind vollständig durchgeplant.
  • Gleicher Aufbau in jeder ReiheReader, M1, M2, A1 bis A4 und Projekt: Das Format muss nur einmal erklärt werden.
  • Fiktive Übungsmaterialien gekennzeichnetWo ein Fall erfunden ist, steht das im Material, damit keine Originalquelle vorgetäuscht wird.
  • Sechs WahlstationenFür Wiederholung oder Vertiefung, nicht in die zwölf Stunden eingeplant.
  • Klausur mit neuem Material90 Minuten, 60 Inhaltspunkte, Erwartungshorizont mit Teilpunkten.
  • Bearbeitbare FassungAlle Inhalte liegen zusätzlich als JSON-Datei zum Anpassen vor.

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Häufige Fragen

Arbeiten die Reihen mit Zeitzeugenberichten?

Die Reihen arbeiten mit Quellenausschnitten, Akten und Vertragstexten, teils als fiktive Übungsmaterialien. Erinnerung wird im Reader zu 1989 als eigene Quellenart behandelt, mit Aussagegrenze. Wenn Sie echte Zeitzeugen einladen oder Interviews einbinden möchten, lässt sich das über die bearbeitbare Fassung und die Projektphase ergänzen.

Passen die Reihen zu den Abiturvorgaben?

Die Reihen orientieren sich an den Vorgaben für das Zentralabitur NRW 2029. Falls etwas nicht zu Ihren Vorgaben passt, greift die stifo-Garantie: Wir passen das Material für Sie an.

Sind Klausur und Material amtliche Abituraufgaben?

Nein. Der Klausurvorschlag ist ein didaktischer Vorschlag mit Erwartungshorizont und neuem Material K1. Modelle, Darstellungen und fiktive Übungsakten sind im Material als solche gekennzeichnet. Amtliche Abituraufgaben sind nicht enthalten.

Welche Reihe eignet sich als Einstieg?

Die Reihen sind unabhängig voneinander. Für Kurse, die Quellenkritik noch festigen müssen, ist die Entnazifizierungsreihe ein naheliegender Start, weil Akten, Zeugnisse und Verfahren konkret und überschaubar sind. Wenn Ihr Kurs den Vertragstext oder den Aufruf lieber zuerst liest, beginnen Sie mit der Reihe zur Ostpolitik oder zu 1989.

Wie gehe ich mit der Kontroverse um die Ostpolitik um?

Die Reihe stellt die Position, die praktische Verbesserungen erwartete, und die Position, die eine Festigung der Teilung fürchtete, nebeneinander. Die Lernenden vergleichen Zeithorizonte und Erfolgskriterien und urteilen mit offengelegten Kriterien. Die Reihe verlangt keine Parteinahme, sondern ein begründetes Urteil, das Gegenargumente prüft.

Was spare ich mit dem Sparpaket?

Das Sparpaket mit allen drei Reihen kostet 94,99 € als Einzellizenz und 474,95 € als Schullizenz. Einzeln kosten die drei Reihen 119,70 € beziehungsweise 598,50 €. Sie sparen also 24,71 € bei der Einzellizenz und 123,55 € bei der Schullizenz.