Kunst· Sek II

Unterrichtsreihe Stillleben in verschiedenen Abstraktionsgraden planen

von Luca 08.09.2026 1 Min. Lesezeit
Unterrichtsreihe Kunst: Stillleben in verschiedenen Abstraktionsgraden

Die Einstiegsstunde entscheidet, welche Unterrichtsreihe zum Stillleben Sie tatsächlich unterrichten. Bauen Sie ein reales Arrangement auf und lassen Sie es zeichnen, wird die Reihe produktionsorientiert und jede Abstraktionsstufe bezieht sich auf diese erste Zeichnung. Steigen Sie mit einem Vanitas-Gemälde ein, wird die Reihe ikonografisch. Beides ist tragfähig, aber die Wege trennen sich sofort.

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Die erste Doppelstunde legt die Bezugsgröße fest

Stillleben ist ein Thema mit zwei völlig verschiedenen Zugängen, die sich im Verlauf einer Reihe kaum noch zusammenführen lassen. Der ikonografische Weg fragt nach Bedeutung: Schädel, erloschene Kerze, Seifenblase, umgekippter Römer, angeschnittene Zitrone. Der formale Weg fragt nach Anordnung, Licht, Überschneidung und Abstraktionsgrad. Wer beides in der Einstiegsstunde anlegt, produziert eine Reihe, die in jeder Stunde neu anfängt.

Für eine Reihe, die auf Abstraktionsgrade zielt, ist der formale Weg der belastbare. Er liefert eine Bezugsgröße, die in jeder Folgestunde wieder aufgerufen wird: die eigene Zeichnung des Kurses nach einem realen Aufbau. Die Reihe zum Stillleben in verschiedenen Abstraktionsgraden ist in dieser Logik geordnet. Die Stufen lassen sich dadurch ohne Umbau nacheinander abarbeiten.

Das reale Arrangement kostet zwanzig Minuten und trägt Wochen

Bauen Sie den Aufbau vor der Stunde: fünf bis sieben Gegenstände mit unterschiedlicher Materialität — Glas, Metall, Textil, Obst, Papier —, eine gerichtete Lichtquelle, ein neutraler Hintergrund. Wichtig sind Überschneidungen. Ein Arrangement, in dem die Objekte nebeneinander stehen, produziert Reihenzeichnungen ohne Raum und nimmt der Reihe ihren wichtigsten Gegenstand.

In der Stunde zeichnet der Kurs vierzig Minuten mit Bleistift, ohne Radiergummi, im Format A3. Der übliche Fehler ist die Umrisslinie mit anschließender Füllung; dagegen hilft die Vorgabe, mit den drei größten Helligkeitsflächen zu beginnen und erst danach Kanten zu präzisieren. Diese Blätter werden datiert eingesammelt und in jeder Folgestunde wieder ausgeteilt.

Für die Materialfrage lohnt eine frühe Absprache im Kollegium, weil ein Klassensatz Zeichenkarton, Kohle und Fixativ nicht spontan verfügbar ist. Der Beitrag zur Materialbeschaffung für die Fachkonferenz Kunst beschreibt, wie sich solche Bestellungen an den Vorhabenplan koppeln lassen, statt sie in jedem Halbjahr neu zu verhandeln.

Die Abstraktionsstufen ordnen sich danach von selbst

Weil die eigene Zeichnung als Nullpunkt vorliegt, lässt sich jede Stufe als Transformation formulieren. Stufe zwei reduziert auf sieben Flächen und verzichtet auf Binnenzeichnung. Stufe drei zerlegt die Gegenstände in Facetten und kippt die Tischebene, wie es Cézanne in den Apfelstillleben und der analytische Kubismus bei Braque und Picasso vorführen. Stufe vier löst die Gegenstandsbindung fast vollständig auf.

Diese Ordnung verhindert den häufigsten Denkfehler der Kurse, Abstraktion sei ungenaues Zeichnen. Wenn jede Stufe auf dieselbe Vorlage zurückgeht und die Regel der Reduktion vorher benannt wird, wird sichtbar, dass Abstraktion eine Entscheidung über Weglassen ist. Morandis Flaschenbilder eignen sich als Gegenprobe, weil sie über Jahrzehnte denselben Gegenstandsbestand variieren. Wer die Transformation des Gegenstands über die Bildfläche hinaus verfolgen möchte, findet in den Materialien zu Interaktion und Transformation den passenden Werkbegriff. Für diese Unterrichtsreihe bleibt die Stufenlogik der tragende Faden.

Was die Einstiegsstunde ausdrücklich nicht leisten soll

Sie soll keine Kunstgeschichte des Stilllebens abhandeln. Die niederländischen Bankettstücke von Claesz und Heda, Kalfs Prunkstillleben und die Vanitas-Symbolik gehören in eine spätere Stunde, in der der Kurs die formalen Begriffe bereits besitzt. Vorgezogen erzeugen sie ein Deutungsvokabular ohne Beschreibungsvokabular — das Ergebnis sind Symboldeutungen, die am Bild nicht belegt werden.

Sie soll auch keine Bewertung enthalten. Die erste Zeichnung ist Arbeitsmaterial, kein Leistungsnachweis, und das muss gesagt werden, sonst wird vierzig Minuten lang radiert. In der Übersicht zu Sequenzen im Kunstunterricht der Sek I und Sek II steht diese Trennung von Übungs- und Prüfungsphase als eigenes Planungsmerkmal, das sich in jeder Reihe wiederholt.

Folgen für Länge, Übung und Bewertung

Eine so angelegte Unterrichtsreihe braucht sechs bis acht Doppelstunden: Einstieg, vier Abstraktionsstufen, eine Vergleichsstunde mit historischen Positionen, eine Abschlussarbeit. Die Übungsphasen zwischen den Stufen sind der Punkt, an dem Reihen üblicherweise auseinanderfallen; wie sich solche Phasen strukturieren lassen, zeigt der Beitrag zu Übungsphasen im Kunstkurs der Sek II. Für die Gesamtrechnung ist der Aufbau einer Reihe nach Länge und Sequenz die passende Grundlage.

Als Abschluss eignet sich eine Werkfolge aus vier Blättern zum selben Arrangement plus ein kurzer Kommentar zur Reduktionsregel jeder Stufe. Bewertet werden die Konsequenz der Regel, die zeichnerische Umsetzung und die Begründung. Die Materialien zur Stillleben-Reihe enthalten dafür Kriterienraster, die sich um eine eigene Zeile erweitern lassen. Wer denselben Aufbau bereits in der Grundschule anbahnen will, findet Anregungen im Beitrag zum Kubismus in Klasse 3 und 4.

Häufige Fragen

Wie viele Doppelstunden braucht die Reihe?

Sechs bis acht. Eine Doppelstunde für den Einstieg mit realem Arrangement, je eine für die vier Abstraktionsstufen, eine für den Vergleich mit historischen Positionen und eine für die Abschlussarbeit. Unter sechs Doppelstunden entfällt eine Stufe, was die Progression unterbricht und die Abstraktion wieder beliebig erscheinen lässt.

Muss der reale Aufbau in jeder Stunde stehen bleiben?

Nein, aber fotografieren Sie ihn aus dem Blickwinkel der Kursmitte, bevor Sie ihn abbauen. Die Fotografie dient als Referenz für die späteren Stufen. Der Aufbau selbst blockiert sonst einen Tisch über Wochen und verändert sich durch Licht und verderbliche Objekte ohnehin stärker, als die Reihe verträgt.

Wie geht man mit sehr unterschiedlichem Zeichenniveau um?

Über die Reduktionsregel, nicht über die Aufgabe. Alle arbeiten am selben Arrangement, aber die Stufenvorgabe kann individuell schärfer oder offener gefasst werden: sieben Flächen für die einen, freie Flächenzahl mit Begründung für die anderen. Bewertet wird die Konsequenz der selbst gewählten Regel, nicht die zeichnerische Virtuosität.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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