Deutsches Unterrichtsmaterial in Österreich einsetzen: was anzupassen ist

Material aus Deutschland für Österreich

Deutsches Unterrichtsmaterial in Österreich einsetzen: was anzupassen ist

Diese Seite ordnet, was beim Einsatz deutschen Unterrichtsmaterials in Österreich zu tun ist: welche Begriffe sich ändern, welche fachliche Einordnung gilt und was ohne Eingriff funktioniert.

  • 13übergreifende Themen im Lehrplan 2023, die sich zum Andocken eignen
  • 8Gegenstandsnamen, die der Lehrplan 2023 neu vergibt oder umbenennt
  • Richtwert: 3Prüfpunkte vor dem Einsatz — Begriffe, Fachzuordnung, Prüfungsformat
  • 1 WocheMindestfrist für die Ankündigung des Stoffgebiets vor einer Schularbeit (LBVO)

Deutsches Unterrichtsmaterial lässt sich in Österreich einsetzen, wenn drei Ebenen geprüft werden: Begriffe wie Klassenarbeit oder Klassenlehrer/in, die fachliche Einordnung nach den Gegenstandsnamen des Lehrplans 2023 und das Prüfungsformat, das sich an der Schularbeit statt an der Klassenarbeit orientiert. Literarische Texte, naturwissenschaftliche Inhalte und viele Aufgabenformate übernehmen sich dagegen unverändert. Wer diese drei Ebenen einmal systematisch durchgeht, spart sich bei jedem weiteren Material aus Deutschland den gleichen Weg — auch bei der Vorbereitung auf die Reifeprüfung.

Drei Ebenen der Anpassung: Begriffe, Fachzuordnung, Prüfungsformat

Der Shop, aus dem ein Großteil des verfügbaren Unterrichtsmaterials stammt, ist ein deutscher Anbieter. Das ist weder ein Nachteil noch ein Grund zur Sorge, aber ein Fakt, der die Arbeit vor dem Einsatz bestimmt: Material, das für den deutschen Schulalltag geschrieben wurde, trifft in Österreich auf einen anderen Lehrplan, andere Bezeichnungen und ein anderes Prüfungssystem. Wer das ignoriert, riskiert nicht, dass der Inhalt falsch ist, sondern dass er an der falschen Stelle ankommt — mit Begriffen, die die Klasse nicht kennt, oder mit einer Prüfungsform, die es im österreichischen Schulalltag so nicht gibt.

Die Anpassung selbst verteilt sich auf drei Ebenen, die unterschiedlich viel Aufwand verlangen. Auf der ersten Ebene stehen Begriffe: Wörter wie Klassenarbeit, Vertretungsstunde oder Klassenlehrer/in tauchen in deutschem Material selbstverständlich auf, haben in Österreich aber andere Namen. Auf der zweiten Ebene geht es um die fachliche Einordnung: Zu welchem Unterrichtsgegenstand nach Lehrplan 2023 passt ein Thema, und passt der Titel des Materials überhaupt noch zum aktuellen Gegenstandsnamen? Auf der dritten Ebene steht das Prüfungsformat, insbesondere wenn ein Material als Vorlage für eine Klassenarbeit gedacht war und in Österreich zur Schularbeit werden soll.

Nicht jedes Material braucht alle drei Ebenen gleich intensiv. Eine Unterrichtsreihe zu einem literarischen Text, etwa zu Patrick Süskinds Das Parfum, verlangt vor allem eine Prüfung der Begriffe und einen Blick auf die fachliche Einordnung, während ein Material mit fertigen Klassenarbeitsvorschlägen zusätzlich auf der dritten Ebene Arbeit macht. Wer das vorab einschätzt, spart sich Überraschungen mitten in der Unterrichtsvorbereitung.

Für den Einstieg genügt eine kurze Sichtung: Begleittext und Aufgabenstellungen einmal auf typische deutsche Begriffe, auf einen möglichen Klassenarbeitsvorschlag und auf den zugrunde gelegten Fachnamen prüfen. Diese wenigen Minuten am Anfang entscheiden meist darüber, ob eine Reihe in einer halben Stunde einsatzbereit ist oder ob eine gründlichere Überarbeitung notwendig wird, bevor sie in einer Klasse eingesetzt werden kann.

Begriffe und Bezeichnungen: die Übersetzungsarbeit im Detail

Die Begriffsebene ist die am schnellsten zu erledigende, aber auch die am leichtesten übersehene. Deutsches Material spricht von der Klassenarbeit, wo in Österreich die Schularbeit steht, von der Vertretungsstunde, wo Supplierstunde und supplieren die gängigen Wörter sind, und vom Klassenlehrer oder von der Klassenlehrerin, wo der Klassenvorstand zuständig ist — an einer berufsbildenden höheren Schule der Jahrgangsvorstand. Wer diese Begriffe nicht ersetzt, riskiert nicht in erster Linie ein Missverständnis bei der Klasse, sondern einen kleinen Bruch in der Wahrnehmung: Das Material wirkt fremd, obwohl der fachliche Kern zur Klasse passt.

Weitere Begriffe betreffen die Rückmeldung an Schülerinnen und Schüler und an Erziehungsberechtigte: Ein Zwischenzeugnis heißt in Österreich Schulnachricht, eine Note 5 oder eine als „ungenügend“ bezeichnete Leistung heißt Nicht genügend, eine kurze Exkursion heißt Lehrausgang. Auch das Wort Fach lässt sich in den meisten Kontexten problemlos durch Unterrichtsgegenstand oder, wenn es um einen Pflichtbereich geht, durch Pflichtgegenstand ersetzen. Für die schulische Verwaltung schließlich steht in Österreich die Bildungsdirektion dort, wo deutsches Material manchmal vom Schulamt spricht.

Auch die Hausübung ist ein Begriff, der in beiden Ländern zwar existiert, aber unterschiedlich stark im Sprachgebrauch verankert ist; deutsches Material spricht häufiger von Hausaufgaben, was sich in Österreich meist problemlos zur Hausübung wandeln lässt, ohne dass sich am Aufgabenformat selbst etwas ändert. Solche kleinen, konsequent durchgezogenen Ersetzungen tragen spürbar dazu bei, dass ein Material im Unterricht nicht wie ein Fremdkörper wirkt.

In der Praxis lohnt sich eine einmalige Liste dieser Ersetzungen, die bei jedem neuen Material aus Deutschland als Suchraster dient, statt bei jedem Text neu zu überlegen, welches Wort wohin gehört. Die Tabelle weiter unten auf dieser Seite bündelt die wichtigsten Fälle, sodass sich die Suche im Material gezielt auf diese Begriffe konzentrieren lässt, statt jede Zeile Wort für Wort zu prüfen.

Fachliche Einordnung: vom deutschen Fach zum österreichischen Unterrichtsgegenstand

Der Lehrplan 2023 hat mehrere Gegenstandsnamen umbenannt oder neu geschaffen, und diese Namen sind mehr als Etiketten: Geschichte und Politische Bildung, Geografie und wirtschaftliche Bildung, Biologie und Umweltbildung, Kunst und Gestaltung sowie Technik und Design tragen die inhaltliche Ausrichtung bereits im Titel. Dazu kommt mit Digitale Grundbildung ein neuer Unterrichtsgegenstand, der in vielen deutschen Lehrplänen so nicht existiert. Wer Material zu einem Thema wie Balladen lesen und interpretieren aus Deutschland übernimmt, sollte deshalb prüfen, ob die fachliche Verortung noch zum aktuellen Gegenstandsnamen passt oder ob sich Formulierungen im Begleittext auf einen deutschen Fachnamen wie schlicht „Geschichte“ oder „Erdkunde“ beziehen, der in Österreich so nicht mehr verwendet wird.

Diese Umbenennungen spiegeln inhaltliche Schwerpunkte, die der Lehrplan 2023 stärker setzt als frühere Lehrpläne: Umweltbezug in Biologie, wirtschaftliche Bildung in Geografie, politische Bildung in Geschichte. Deutsches Material, das diese Schwerpunkte nicht von sich aus mitbringt, lässt sich trotzdem einsetzen, wird aber inhaltlich runder, wenn eine Lehrkraft gezielt eine Ergänzung oder Leitfrage aus dem jeweiligen Schwerpunkt einbaut, statt den Gegenstandsnamen nur als Formsache zu behandeln.

Für digitale Themen lohnt sich ein zweiter Blick, weil Digitale Grundbildung als Unterrichtsgegenstand in Deutschland kein direktes Gegenstück hat und deutsches Material solche Inhalte häufig anderen Fächern zuordnet — ein Material zur Unterscheidung von Hardware und Software etwa, wie es auf dieser Seite unter den weiteren Kacheln verlinkt ist, fällt in Deutschland oft unter Informatik allgemein. Die inhaltliche Substanz bleibt meist brauchbar, die Zuordnung zum passenden Gegenstand muss aber händisch nachgezogen werden.

Für Fächer wie Ernährung und Haushalt oder Bewegung und Sport, deren Namen der Lehrplan 2023 ebenfalls festschreibt, gilt derselbe Grundsatz: Der fachliche Inhalt bleibt meist übertragbar, doch der Titel des Materials und die Zuordnung im eigenen Ablageschema sollten an den aktuellen Gegenstandsnamen angepasst werden, damit sich das Material später wiederfinden lässt, ohne unter einem veralteten deutschen Fachnamen abgelegt zu bleiben.

Was ohne Eingriff funktioniert: Inhalte ohne Landesbezug

Nicht jede Zeile in deutschem Material braucht Anpassung. Literarische Texte wie E.T.A. Hoffmanns Das Fräulein von Scuderi behandeln Stoffe, die unabhängig vom Lehrplan gelesen und interpretiert werden, und die zugehörigen Analyseaufgaben — Figurenkonstellation, Erzählperspektive, historischer Kontext — funktionieren in Österreich genauso wie in Deutschland.

Dasselbe gilt für Heinrich von Kleists Das Erdbeben in Chili: Die erzähltechnischen und historischen Fragen, die eine solche Reihe aufwirft, sind unabhängig vom Land, in dem sie unterrichtet werden. Wer hier vorsichtshalber jeden Satz umschreibt, verschwendet Zeit an einer Stelle, an der keine Anpassung nötig ist.

Ähnliches gilt für naturwissenschaftliche und mathematische Inhalte ohne starken Alltagsbezug: Ein physikalisches Gesetz, eine chemische Reaktionsgleichung oder ein statistisches Verfahren gilt unabhängig davon, in welchem Bundesland oder welchem Land es unterrichtet wird. Auch ein Material zu globalen Disparitäten, sofern es allgemeine Konzepte statt landesspezifischer Fallbeispiele in den Mittelpunkt stellt, lässt sich meist ohne inhaltliche Änderung übernehmen, solange die Begriffsebene geprüft wurde.

Ein pragmatischer Test: Wer beim Querlesen eines Materials keine Bezeichnung findet, die in der Tabelle weiter unten auftaucht, und keinen Hinweis auf ein deutsches Prüfungsformat entdeckt, kann davon ausgehen, dass die fachliche Substanz direkt einsetzbar ist. Dieser Test ersetzt keine gründliche erste Durchsicht, verkürzt sie aber erheblich.

Passende Unterrichtsreihen im Katalog

Balladen lesen und interpretieren – Unterrichtsmaterial Deutsch SEK I
Balladen lesen und interpretieren – Unterrichtsmaterial Deutsch SEK IDigitaler DownloadZur Reihe
Patrick Süskind: Das Parfum – Unterrichtsmaterial Deutsch SEK II
Patrick Süskind: Das Parfum – Unterrichtsmaterial Deutsch SEK IIDigitaler DownloadZur Reihe
E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi – Unterrichtsmaterial Deutsch SEK II
E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi – Unterrichtsmaterial Deutsch SEK IIDigitaler DownloadZur Reihe
Das Erdbeben in Chili im Unterricht | Unterrichtsmaterial Deutsch SEK II
Das Erdbeben in Chili im Unterricht | Unterrichtsmaterial Deutsch SEK IIDigitaler DownloadZur Reihe
Unterrichtsmaterial „EVA-Prinzip – Hardware und Software“ (Sek I)Globale Disparitäten | Unterrichtsmaterial Geographie SEK IMusik in ihrer Wahrnehmung & Wirksamkeit – Unterrichtsmaterial MusikpsychologieMusik als gestaltete Ordnung – Unterrichtsmaterial Musiktheorie & PraxisJazz & moderne Musikstile – Unterrichtsmaterial Musik SekundarstufeGrundlegende Formprinzipien der Musik – Unterrichtsmaterial Sekundarstufe Musik

Begriffe von Deutschland nach Österreich übersetzen

Begriff in Deutschland Begriff in Österreich Worauf zusätzlich achten
Klassenarbeit Schularbeit Ankündigungsfrist und Terminvorgaben der LBVO beachten
Vertretungsstunde Supplierstunde, supplieren Meist reine Wortersetzung ohne inhaltliche Folgen
Klassenlehrer/in Klassenvorstand (an BHS: Jahrgangsvorstand) Zuständigkeit im Text ggf. genauer benennen
Fach Unterrichtsgegenstand, Pflichtgegenstand Gegenstandsnamen nach Lehrplan 2023 prüfen
Zwischenzeugnis Schulnachricht Zeitpunkt im Schuljahr meist unverändert übertragbar
Note 5 / ungenügend Nicht genügend Reine Bezeichnungsfrage, keine inhaltliche Änderung
Exkursion (kurz) Lehrausgang Organisatorischer Rahmen an der eigenen Schule klären

Von der Klassenarbeit zur Schularbeit: Prüfungsvorschläge umbauen

Am aufwendigsten ist die dritte Ebene, wenn ein Material fertige Prüfungsvorschläge enthält, die in Deutschland als Klassenarbeit gedacht waren. Die österreichische Schularbeit unterliegt eigenen organisatorischen Vorgaben aus der Leistungsbeurteilungsverordnung: Das Stoffgebiet muss mindestens eine Woche vorher angekündigt werden, alle Termine eines Schuljahres stehen bereits zu Semesterbeginn fest, und an einem Tag findet höchstens eine Schularbeit statt. Diese Vorgaben betreffen nicht die Aufgaben selbst, wohl aber den organisatorischen Rahmen, in den ein deutscher Klassenarbeitsvorschlag eingepasst werden muss.

Inhaltlich lässt sich ein deutscher Klassenarbeitsvorschlag häufig direkt als Grundlage für eine Schularbeit verwenden, sofern die Aufgabenmischung aus reproduktiven, transferorientierten und analytischen Anteilen zum jeweiligen Fachlehrplan passt. Wie viele Schularbeiten eine Klasse pro Semester schreibt, steht im jeweiligen Fachlehrplan, nicht in der LBVO — ein Punkt, der sich nicht aus deutschem Material ableiten lässt und deshalb separat geprüft werden muss, bevor eine Aufgabenreihe fest im Semesterplan verankert wird.

Für kleinere Lernkontrollen außerhalb der Schularbeit, etwa eine kurze schriftliche Überprüfung oder eine Hausübung, ist die Umstellung unkomplizierter, weil hier keine vergleichbar strengen Vorgaben wie bei der Schularbeit gelten. Ein Blick auf die vorgesehene Aufgabenzahl und den Zeitrahmen reicht meist aus, um ein deutsches Übungsblatt für den österreichischen Unterricht zu übernehmen.

Übergreifende Themen andocken: Anknüpfungspunkte im Lehrplan 2023

Der Lehrplan 2023 führt 13 übergreifende Themen, die sich durch mehrere Unterrichtsgegenstände ziehen sollen: Bildungs-, Berufs- und Lebensorientierung, Entrepreneurship Education, Gesundheitsförderung, Informatische Bildung, Interkulturelle Bildung, Medienbildung, Politische Bildung, Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung, Sexualpädagogik, Sprachliche Bildung und Lesen, Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung, Verkehrs- und Mobilitätsbildung sowie Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucher/innenbildung. Deutsches Material kennt diese Liste in dieser Form nicht, was aber nicht bedeutet, dass die Inhalte fehlen — häufig lassen sich vorhandene Aufgaben einem dieser Themen zuordnen, ohne dass am Material selbst etwas geändert werden muss.

Ein Material zu einem literarischen Text mit starkem Wahrnehmungs- und Identitätsbezug berührt häufig Fragen, die sich mit wenig Aufwand an Interkulturelle Bildung oder an Sprachliche Bildung und Lesen andocken lassen, ohne dass die Unterrichtsreihe dafür neu geschrieben werden müsste. Wer diese Anknüpfungspunkte notiert, sobald sie auffallen, baut sich über die Zeit eine eigene Übersicht auf, welches Material zu welchem übergreifenden Thema passt.

Wichtig ist dabei, die Anbindung an ein übergreifendes Thema nicht zu behaupten, wo sie nicht trägt: Ein einzelner Nebensatz in einer Aufgabenstellung macht eine Reihe noch nicht zu einem Beitrag zur Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung. Tragfähig wird die Anbindung erst, wenn ein übergreifendes Thema tatsächlich als eigener Akzent in der Unterrichtsplanung sichtbar wird, etwa durch eine zusätzliche Leitfrage oder eine ergänzende Aufgabe.

Ein Beispiel Schritt für Schritt: eine deutsche Reihe für den österreichischen Unterricht vorbereiten

Am Beispiel einer Reihe zu Balladen lässt sich der Ablauf konkret zeigen. Der erste Schritt ist die Begriffsprüfung: Kommt im Begleittext das Wort Klassenarbeit vor, wird es zu Schularbeit, taucht ein Klassenlehrer auf, wird daraus der Klassenvorstand. Der zweite Schritt ist die fachliche Einordnung: Balladen gehören im österreichischen Unterricht in den Unterrichtsgegenstand Deutsch, eine Zuordnung, die sich meist unverändert übernehmen lässt, sofern die Materialtitel keinen veralteten deutschen Fachnamen tragen.

Der dritte Schritt betrifft das Prüfungsformat: Enthält die Reihe eine vorgeschlagene Klassenarbeit zu Balladenanalyse, wird daraus eine Schularbeit, deren Stoffgebiet mindestens eine Woche vorher anzukündigen ist und deren Termin bereits zu Semesterbeginn feststehen sollte. Cluster wie Balladen lesen und interpretieren für Österreich gehen diesen Ablauf im Detail durch und zeigen, an welchen Stellen der ursprünglichen Reihe die meiste Arbeit anfällt.

Für Reihen zu Prosatexten wie Patrick Süskind, E.T.A. Hoffmann oder Das Erdbeben in Chili verläuft die Anpassung nach demselben Muster, nur mit weniger Aufwand auf der dritten Ebene, weil literarische Analyseaufgaben seltener als vollständige Klassenarbeit, sondern eher als einzelne Übungsaufgaben vorliegen. Für Themen aus anderen Gegenständen, etwa EVA-Prinzip – Hardware und Software oder Globale Disparitäten, verschiebt sich der Schwerpunkt stärker auf die fachliche Einordnung nach Lehrplan 2023.

Wer diesen dreistufigen Ablauf einmal an einer eigenen Reihe durchgespielt hat, überträgt ihn beim nächsten Material fast automatisch: Begriffe zuerst, fachliche Einordnung als zweiter Schritt, Prüfungsformat nur dort, wo tatsächlich ein Prüfungsvorschlag enthalten ist. Diese Reihenfolge verhindert, dass Zeit in eine aufwendige Umformulierung von Prüfungsaufgaben fließt, bevor überhaupt geklärt ist, ob der fachliche Kern zum eigenen Unterrichtsgegenstand passt.

Wann sich die Anpassung nicht lohnt: Grenzen und Alternativen

Nicht jedes deutsche Material lohnt den Aufwand der Anpassung. Enthält ein Material sehr viele Verweise auf deutsche Bildungsstandards, auf ein Kerncurriculum eines bestimmten deutschen Bundeslandes oder auf eine Prüfungsform, die es im österreichischen Schulsystem nicht gibt, etwa eine mündliche Prüfung nach einem spezifisch deutschen Muster, überwiegt der Umbauaufwand häufig den Nutzen gegenüber einem Material, das von vornherein für Österreich verfasst wurde oder ohne Landesbezug auskommt.

Ein realistischer Blick auf den eigenen Zeitaufwand hilft bei der Entscheidung: Wer für eine einzelne Doppelstunde ein Material sucht, das nur die Begriffsebene betrifft, kann die Anpassung meist in wenigen Minuten erledigen. Wer dagegen eine komplette, mehrwöchige Unterrichtsreihe mit mehreren eingebauten Klassenarbeitsvorschlägen umbauen müsste, sollte den Aufwand gegen den fachlichen Gewinn abwägen, bevor die Reihe fest im Semesterplan eingeplant wird.

Für den Alltag hat sich eine einfache Faustregel bewährt: fachlich starke, sprachlich neutrale Inhalte — Literatur, Naturwissenschaft, Mathematik ohne starken Alltagsbezug — lohnen die Anpassung fast immer, weil der Aufwand gering und der fachliche Gewinn hoch ist. Organisatorisch dichte Inhalte mit vielen eingebauten Prüfungsformaten verdienen dagegen eine bewusste Einzelentscheidung, statt pauschal übernommen zu werden.

Wer für die Schweiz nach einer vergleichbaren Einordnung sucht, findet sie in der Seite Deutsches Unterrichtsmaterial in der Schweiz einsetzen, die dieselbe Fragestellung für das Schweizer Schulsystem durchgeht. Für die passende österreichische Ergänzung lohnt sich ein Blick in die Sammlung an Unterrichtsreihen oder in die Übersicht zu deutschem Unterrichtsmaterial für Österreich.

Bausteine für die Übernahme deutschen Materials

  • Begriffe im gesamten Material konsequent ersetzen, auch abseits von Titel und Einleitung.
  • Fachliche Einordnung gegen die aktuellen Gegenstandsnamen des Lehrplans 2023 prüfen.
  • Prüfungsvorschläge auf das Format der Schularbeit umbauen, inklusive Ankündigungsfrist und Terminlogik.
  • Verweise auf deutsche Bildungsstandards oder Kerncurricula streichen oder durch eine neutrale Formulierung ersetzen.
  • Mögliche Anknüpfungspunkte zu den 13 übergreifenden Themen notieren, wo sie inhaltlich tragen.
  • Literarische, naturwissenschaftliche und mathematische Inhalte ohne Landesbezug unverändert übernehmen.
  • Aufgaben mit starkem deutschem Alltagsbezug gezielt auf österreichische Beispiele umschreiben.
  • Das angepasste Material einmal vollständig querlesen, bevor es im Unterricht eingesetzt wird.

Diese Seite bündelt die drei Ebenen der Anpassung von Begriffen bis Prüfungsformat; die verlinkten Unterrichtsreihen zeigen an konkreten Beispielen, wie sich der Umbau für den österreichischen Unterricht in der Praxis gestaltet.

Häufige Fragen

Muss ich jeden Begriff im Material austauschen?

Nicht jeden, aber jeden, der den organisatorischen oder fachlichen Rahmen betrifft: Klassenarbeit, Vertretungsstunde, Klassenlehrer/in und ähnliche Begriffe sollten konsequent ersetzt werden, weil sie in Österreich anders heißen und sonst Verwirrung stiften können. Begriffe, die rein fachlich sind, etwa literarische Fachtermini, bleiben meist unverändert, weil sie in beiden Ländern gleich verwendet werden.

Wie erkenne ich, ob ein Material zum Lehrplan 2023 passt?

Ein erster Anhaltspunkt ist der Gegenstandsname im Titel oder Begleittext: Passt er zu den aktuellen Bezeichnungen wie Geschichte und Politische Bildung oder Biologie und Umweltbildung, ist die fachliche Einordnung meist unproblematisch. Fehlt dieser Bezug oder verwendet das Material einen veralteten deutschen Fachnamen, lohnt sich ein genauerer Blick auf die inhaltliche Passung zum jeweiligen Fachlehrplan.

Was mache ich mit einer Klassenarbeit aus deutschem Material?

Eine deutsche Klassenarbeit lässt sich inhaltlich häufig als Grundlage für eine Schularbeit nutzen, muss aber in den organisatorischen Rahmen der LBVO eingepasst werden: Stoffgebiet mindestens eine Woche vorher ankündigen, Termin bereits zu Semesterbeginn festlegen. Wie viele Schularbeiten pro Semester vorgesehen sind, steht im jeweiligen Fachlehrplan und lässt sich nicht aus dem deutschen Material ableiten.

Passen deutsche Kompetenzbereiche zu den österreichischen?

Teilweise, aber nicht deckungsgleich. Der Lehrplan 2023 beschreibt eigene Kompetenzbereiche und zentrale fachliche Konzepte je Fachlehrplan, die sich von deutschen Bildungsstandards unterscheiden können. Statt eine Übereinstimmung zu behaupten, lohnt sich der Hinweis, dass sich ein Material im jeweiligen Kompetenzbereich einsetzen lässt, ohne es als lehrplankonform zu bezeichnen.

Wie gehe ich mit den übergreifenden Themen um, wenn das Material sie nicht kennt?

Deutsches Material kennt die Liste der 13 übergreifenden Themen des Lehrplans 2023 in dieser Form nicht, enthält aber häufig Inhalte, die sich einem Thema zuordnen lassen, etwa Interkulturelle Bildung oder Sprachliche Bildung und Lesen. Sinnvoll ist die Anbindung dort, wo sie inhaltlich trägt, etwa durch eine ergänzende Leitfrage, statt sie pauschal für jede Reihe zu behaupten.

Lohnt sich die Anpassung für jedes Thema gleich?

Nein. Fachlich starke, sprachlich neutrale Inhalte wie Literatur oder Naturwissenschaft lassen sich meist mit geringem Aufwand anpassen. Material mit vielen eingebauten Prüfungsformaten oder starken Verweisen auf deutsche Bildungsstandards verlangt dagegen mehr Arbeit und sollte im Einzelfall gegen den fachlichen Gewinn abgewogen werden, bevor es fest im Semesterplan verankert wird.