Unterrichtsbesuch und Lehrprobe im Referendariat: Unterrichtsentwurf, Zeitplan und Material

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Unterrichtsbesuch und Lehrprobe im Referendariat: Unterrichtsentwurf, Zeitplan und Material

Ein Unterrichtsbesuch verlangt einen schriftlichen Entwurf, eine durchdachte Stunde und ruhige Nerven in dieser Reihenfolge. Diese Seite liefert den Aufbau eines Unterrichtsentwurfs in sieben Teilen, einen Zeitplan für die letzten zehn Tage vor dem Besuch und Material für Klassenführung, Methodentraining und Leistungsbewertung, das sich in Entwürfen belegen lässt.

7 TeileAufbau eines Unterrichtsentwurfs
10 TageZeitplan bis zum Unterrichtsbesuch
45–90 MinutenLänge der Lehrprobenstunde
ab 24,99 €Materialien für den Entwurf

Ein Unterrichtsentwurf für den Unterrichtsbesuch gliedert sich in der Regel in sieben Teile: Lerngruppe, Sachanalyse, didaktische Reduktion, Kompetenzen, methodische Entscheidungen, geplanter Ablauf und Anhang. Belegbar wird der Entwurf durch Material, das sich in der Sachanalyse und im Ablauf zitieren lässt, etwa aus Klassenregeln und Rituale für die Passung zur Lerngruppe oder aus dem Methodentraining Lernen lernen für methodische Begründungen. Die letzten zehn Tage vor dem Termin sind reine Feinarbeit, kein Neuentwurf.

Was ein Unterrichtsbesuch von einer normalen Stunde unterscheidet

Ein Unterrichtsbesuch ist zunächst eine ganz normale Unterrichtsstunde – mit dem Unterschied, dass jede Entscheidung schriftlich begründet werden muss, bevor sie fällt. Diese Verschiebung überfordert viele Referendarinnen und Referendare nicht inhaltlich, sondern zeitlich: Der Entwurf wird zur eigentlichen Prüfungsleistung, die Stunde selbst ist nur noch die Umsetzung eines bereits bewerteten Plans. Wer diese Reihenfolge verinnerlicht, plant die Vorbereitungszeit entsprechend um.

Die Bewertungskriterien der Studienseminare unterscheiden sich in Formulierung und Gewichtung von Bundesland zu Bundesland, folgen aber überwiegend derselben Struktur: fachliche und didaktische Angemessenheit, Kompetenzorientierung, Methodenwahl im Verhältnis zum Lernziel, Klassenführung und die Fähigkeit, im Reflexionsgespräch die eigenen Entscheidungen zu begründen. Wer diese fünf Punkte kennt, kann jeden Absatz des Entwurfs daraufhin prüfen, ob er auf mindestens einen davon einzahlt.

Ein häufiger Fehler liegt nicht in der Fachlichkeit, sondern in der Klassenführung während des Besuchs: Übergänge, die im Alltag eingespielt sind, geraten unter Beobachtung ins Stocken, weil die Lerngruppe die Anspannung spürt. Wer feste Rituale für Einstieg, Wechsel und Sicherung einsetzt, reduziert genau diese Fehlerquelle, weil die Klasse in bekannten Bahnen bleibt, auch wenn die Lehrkraft angespannter ist als sonst.

Der dritte Unterschied betrifft die Zeit selbst. Eine normale Stunde darf improvisiert enden, wenn die Zeit knapp wird. Im Unterrichtsbesuch zählt der geplante Ablauf mit Zeitangaben zu den Bewertungskriterien, und ein Ausfransen am Ende wird sichtbar vermerkt. Ein realistischer, mit der eigenen Klasse erprobter Zeitplan ist deshalb wichtiger als ein besonders origineller Einstieg.

Material für den Unterrichtsentwurf und die Lehrprobenstunde

Die folgenden sechs Materialien lassen sich direkt in der Sachanalyse, der didaktischen Begründung oder der Klassenführung des Entwurfs referenzieren.

Klassenregeln und Rituale – Classroom Management in der Sekundarstufe I

Klassenführung

Klassenregeln und Rituale

90-Minuten-Workshop zur Regelerarbeitung, Konsequenzenstufen und 24 Ritualkarten für Start, Übergang, Arbeitsphase und Abschluss – belegbar im Kapitel zur Lerngruppe und zur Klassenführung.

ab 24,99 €Zum Material
Klassenleitung übernehmen: die ersten zehn Schultage

Lerngruppenbeschreibung

Klassenleitung übernehmen

Zehn ausgearbeitete Tagesraster mit Beobachtungsfokus und Klassenprofil – nützlich, um die Lerngruppenbeschreibung im Entwurf mit belastbaren Beobachtungen statt Vermutungen zu füllen.

ab 24,99 €Zum Material
Materialvorschau: Klassenregeln und Rituale Materialvorschau: Klassenleitung übernehmen

Von der Themenfindung bis zum Reflexionsgespräch

Die Themenfindung entscheidet über einen großen Teil des späteren Aufwands. Ein Thema, das sich in einer einzigen Stunde plausibel abschließen lässt und dennoch Substanz für ein Reflexionsgespräch bietet, ist einem besonders originellen, aber schwer eingrenzbaren Thema vorzuziehen. Bewährt hat sich, das Thema so zu wählen, dass es in der laufenden Unterrichtsreihe ohnehin ansteht – der Unterrichtsbesuch wird dann zu keiner Fremdkörperstunde, sondern zu einem regulären Baustein, der zufällig beobachtet wird.

Nach der Themenfindung folgt die didaktische Reduktion: Welcher Ausschnitt des Themas ist in 45 bis 90 Minuten fachlich korrekt und kompetenzorientiert vermittelbar? Hier lohnt es, radikal zu kürzen. Ein enger Fokus, der in der Tiefe bearbeitet wird, überzeugt Fachleiterinnen und Fachleiter zuverlässiger als ein weiter Bogen, der an der Oberfläche bleibt.

Die Methodenwahl folgt aus der Kompetenz, nicht umgekehrt. Wer zuerst eine Methode auswählt und dann eine passende Kompetenz sucht, produziert im Entwurf begründungsschwache Formulierungen. Der umgekehrte Weg – erst die angestrebte Kompetenz benennen, dann die Methode ableiten, die diese Kompetenz am direktesten fördert – liefert tragfähigere Sätze und eine Stunde, die im Reflexionsgespräch leichter zu verteidigen ist.

Nach der Stunde folgt das Reflexionsgespräch, in dem die eigene Einschätzung meist zuerst gefragt ist. Wer vorab notiert, an welcher Stelle der Plan von der Realität abweichen könnte und warum, wirkt im Gespräch nicht überrascht, sondern reflektiert. Diese Antizipation lässt sich in den letzten Tagen vor dem Termin gezielt üben.

Aufbau eines Unterrichtsentwurfs in sieben Teilen

Teil Inhalt Typischer Umfang
1. Lerngruppe Zusammensetzung, Lernstand, besondere Bedingungen ohne personenbezogene Diagnosen 0,5–1 Seite
2. Sachanalyse Fachlicher Gehalt des Themas, belegt mit Fachliteratur 1–2 Seiten
3. Didaktische Reduktion Begründete Auswahl und Eingrenzung des Themas für diese Stunde 0,5–1 Seite
4. Kompetenzen und Lernziele Stundenziel und Teilziele, operationalisiert und überprüfbar formuliert 0,25–0,5 Seite
5. Methodische Entscheidungen Begründung von Sozialform, Methode und Medieneinsatz aus der Kompetenz heraus 1 Seite
6. Geplanter Ablauf Verlaufsplan mit Phase, Zeit, Inhalt, Sozialform und Material in Tabellenform 1 Seite, tabellarisch
7. Anhang Arbeitsblätter, Tafelbild, Differenzierungsmaterial, Literaturverzeichnis variabel

Zeitplan der letzten zehn Tage vor dem Unterrichtsbesuch

  1. Tag 10: Thema endgültig festlegen, Sachanalyse-Quellen zusammenstellen (2–3 Stunden).
  2. Tag 9: Sachanalyse ausformulieren und mit Fachliteratur belegen (3–4 Stunden).
  3. Tag 8: Didaktische Reduktion und Kompetenzformulierung festschreiben (2 Stunden).
  4. Tag 7: Methodische Entscheidungen begründen, Medien und Arbeitsblätter entwerfen (3 Stunden).
  5. Tag 6: Verlaufsplan mit realistischen Zeitangaben tabellarisch ausarbeiten (2 Stunden).
  6. Tag 5: Probelauf der Kernphase mit der eigenen Klasse, Zeiten notieren (1 Unterrichtsstunde).
  7. Tag 4: Entwurf auf Grundlage des Probelaufs korrigieren, Anhang vervollständigen (2 Stunden).
  8. Tag 3: Gegenlesen lassen, Rückmeldungen einarbeiten (1–2 Stunden).
  9. Tag 2: Reinschrift, Formatierung, Materialien ausdrucken oder digital bereitstellen (2 Stunden).
  10. Tag 1: Kurzer Blick auf mögliche Reflexionsfragen, früh Feierabend machen.

Was das Material liefert

  • Belegbare KlassenführungRituale und Konsequenzenstufen, die sich im Entwurf als Vorarbeit zitieren lassen.
  • Beobachtungsbasierte LerngruppenbeschreibungVorlagen für Klassenprofil und Beobachtungsfokus statt vager Formulierungen.
  • Methodische BegründungstiefeAcht Bausteine zu Arbeitstechniken als Fundament für die Methodenwahl.
  • Transparente BewertungKriterienraster, mit denen sich Kompetenzzuwachs sichtbar dokumentieren lässt.
  • ReihenübersichtExcel-Jahresraster zur sauberen Einordnung der Stunde in die Sequenz.
  • DOCX und PDF, ohne AboEditierbare Fassung und druckfertige Version, sofort nach dem Kauf verfügbar.

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Häufige Fragen

Wie lang muss ein Unterrichtsentwurf für den Unterrichtsbesuch sein?

Die Vorgaben unterscheiden sich je Studienseminar, üblich sind vier bis acht Seiten ohne Anhang. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern dass jeder der sieben Teile – Lerngruppe, Sachanalyse, didaktische Reduktion, Kompetenzen, Methodik, Ablauf und Anhang – erkennbar und begründet vorhanden ist. Prüfen Sie die genaue Formatvorgabe Ihres Seminars vor der ersten Abgabe.

Wie viele Tage vor dem Termin sollte der Entwurf fertig sein?

Praxisbewährt ist, die Reinschrift zwei Tage vor dem Termin abzuschließen, damit ein voller Tag für Gegenlesen und Korrektur bleibt. Der zehntägige Zeitplan auf dieser Seite reserviert dafür bewusst Puffer, weil der Probelauf mit der eigenen Klasse häufig noch Anpassungen am Verlaufsplan nötig macht.

Was mache ich, wenn die Stunde beim Probelauf zeitlich nicht aufgeht?

Kürzen Sie zuerst die Sicherungsphase, nicht die Erarbeitungsphase, und legen Sie für den Fall eine Alternative mit weniger Zeitbedarf bereit. Ein Verlaufsplan mit ausgewiesenem Puffer von fünf bis zehn Minuten gilt als realistischer als ein durchgetakteter Ablauf ohne Reserve.

Darf ich eine Methode wählen, nur weil sie beeindruckend wirkt?

Nein, das schwächt die Begründung im Entwurf spürbar. Fachleiterinnen und Fachleiter prüfen, ob die Methode aus der angestrebten Kompetenz folgt, nicht ob sie originell ist. Eine einfache Methode mit klarer Begründung überzeugt zuverlässiger als eine aufwendige Methode ohne erkennbaren Kompetenzbezug.

Wie gehe ich mit Nervosität während der Lehrprobenstunde um?

Feste, eingeübte Rituale für Einstieg und Übergänge helfen der Klasse, in bekannten Bahnen zu bleiben, auch wenn die Lehrkraft angespannter wirkt als sonst. Das entlastet die Situation spürbar, weil weniger spontane Entscheidungen unter Beobachtung getroffen werden müssen. Ein Notfallplan für den Fall technischer Probleme gehört ebenfalls in die Vorbereitung.

Ersetzt dieses Material die Vorgaben meines Studienseminars?

Nein. Die Formatvorgaben, Bewertungsbögen und Fristen der Studienseminare unterscheiden sich je Bundesland und teils je Seminar und sind verbindlich. Dieses Material liefert fachliche und organisatorische Bausteine, die sich in den vom Seminar vorgegebenen Rahmen einfügen, ersetzt diesen Rahmen aber nicht.