Klassenführung
Klassenregeln und Rituale
90-Minuten-Workshop zur Regelerarbeitung, Konsequenzenstufen und 24 Ritualkarten für Start, Übergang, Arbeitsphase und Abschluss – belegbar im Kapitel zur Lerngruppe und zur Klassenführung.
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Referendariat · Unterrichtsbesuch · Lehrprobe
Ein Unterrichtsbesuch verlangt einen schriftlichen Entwurf, eine durchdachte Stunde und ruhige Nerven in dieser Reihenfolge. Diese Seite liefert den Aufbau eines Unterrichtsentwurfs in sieben Teilen, einen Zeitplan für die letzten zehn Tage vor dem Besuch und Material für Klassenführung, Methodentraining und Leistungsbewertung, das sich in Entwürfen belegen lässt.
Ein Unterrichtsentwurf für den Unterrichtsbesuch gliedert sich in der Regel in sieben Teile: Lerngruppe, Sachanalyse, didaktische Reduktion, Kompetenzen, methodische Entscheidungen, geplanter Ablauf und Anhang. Belegbar wird der Entwurf durch Material, das sich in der Sachanalyse und im Ablauf zitieren lässt, etwa aus Klassenregeln und Rituale für die Passung zur Lerngruppe oder aus dem Methodentraining Lernen lernen für methodische Begründungen. Die letzten zehn Tage vor dem Termin sind reine Feinarbeit, kein Neuentwurf.
Ein Unterrichtsbesuch ist zunächst eine ganz normale Unterrichtsstunde – mit dem Unterschied, dass jede Entscheidung schriftlich begründet werden muss, bevor sie fällt. Diese Verschiebung überfordert viele Referendarinnen und Referendare nicht inhaltlich, sondern zeitlich: Der Entwurf wird zur eigentlichen Prüfungsleistung, die Stunde selbst ist nur noch die Umsetzung eines bereits bewerteten Plans. Wer diese Reihenfolge verinnerlicht, plant die Vorbereitungszeit entsprechend um.
Die Bewertungskriterien der Studienseminare unterscheiden sich in Formulierung und Gewichtung von Bundesland zu Bundesland, folgen aber überwiegend derselben Struktur: fachliche und didaktische Angemessenheit, Kompetenzorientierung, Methodenwahl im Verhältnis zum Lernziel, Klassenführung und die Fähigkeit, im Reflexionsgespräch die eigenen Entscheidungen zu begründen. Wer diese fünf Punkte kennt, kann jeden Absatz des Entwurfs daraufhin prüfen, ob er auf mindestens einen davon einzahlt.
Ein häufiger Fehler liegt nicht in der Fachlichkeit, sondern in der Klassenführung während des Besuchs: Übergänge, die im Alltag eingespielt sind, geraten unter Beobachtung ins Stocken, weil die Lerngruppe die Anspannung spürt. Wer feste Rituale für Einstieg, Wechsel und Sicherung einsetzt, reduziert genau diese Fehlerquelle, weil die Klasse in bekannten Bahnen bleibt, auch wenn die Lehrkraft angespannter ist als sonst.
Der dritte Unterschied betrifft die Zeit selbst. Eine normale Stunde darf improvisiert enden, wenn die Zeit knapp wird. Im Unterrichtsbesuch zählt der geplante Ablauf mit Zeitangaben zu den Bewertungskriterien, und ein Ausfransen am Ende wird sichtbar vermerkt. Ein realistischer, mit der eigenen Klasse erprobter Zeitplan ist deshalb wichtiger als ein besonders origineller Einstieg.
Die folgenden sechs Materialien lassen sich direkt in der Sachanalyse, der didaktischen Begründung oder der Klassenführung des Entwurfs referenzieren.
Klassenführung
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Lerngruppenbeschreibung
Zehn ausgearbeitete Tagesraster mit Beobachtungsfokus und Klassenprofil – nützlich, um die Lerngruppenbeschreibung im Entwurf mit belastbaren Beobachtungen statt Vermutungen zu füllen.
Methodische Begründung
Acht Unterrichtsbausteine zu Arbeitsplatz, Zeitplanung, Mitschrift und Abruflernen – als methodische Vorarbeit zitierbar, wenn eine Lehrprobenstunde auf eingeübten Arbeitstechniken aufbaut.
Bewertungsteil
Kriterienraster und Bewertungsbögen für Sek I und II – hilfreich, um im Entwurf offenzulegen, woran der Kompetenzzuwachs der Stunde konkret gemessen wird.
Einordnung in die Reihe
Planungspaket mit Excel-Jahresraster, mit dem sich die Stunde des Unterrichtsbesuchs im Entwurf sauber in die laufende Unterrichtsreihe einordnen lässt.
Gesamtes Vorbereitungsjahr
30-60-90-Tage-Leitfaden mit Wochen-Cockpit, der die vier oben genannten Pakete vollständig enthält und über das gesamte Referendariat trägt.
Die Themenfindung entscheidet über einen großen Teil des späteren Aufwands. Ein Thema, das sich in einer einzigen Stunde plausibel abschließen lässt und dennoch Substanz für ein Reflexionsgespräch bietet, ist einem besonders originellen, aber schwer eingrenzbaren Thema vorzuziehen. Bewährt hat sich, das Thema so zu wählen, dass es in der laufenden Unterrichtsreihe ohnehin ansteht – der Unterrichtsbesuch wird dann zu keiner Fremdkörperstunde, sondern zu einem regulären Baustein, der zufällig beobachtet wird.
Nach der Themenfindung folgt die didaktische Reduktion: Welcher Ausschnitt des Themas ist in 45 bis 90 Minuten fachlich korrekt und kompetenzorientiert vermittelbar? Hier lohnt es, radikal zu kürzen. Ein enger Fokus, der in der Tiefe bearbeitet wird, überzeugt Fachleiterinnen und Fachleiter zuverlässiger als ein weiter Bogen, der an der Oberfläche bleibt.
Die Methodenwahl folgt aus der Kompetenz, nicht umgekehrt. Wer zuerst eine Methode auswählt und dann eine passende Kompetenz sucht, produziert im Entwurf begründungsschwache Formulierungen. Der umgekehrte Weg – erst die angestrebte Kompetenz benennen, dann die Methode ableiten, die diese Kompetenz am direktesten fördert – liefert tragfähigere Sätze und eine Stunde, die im Reflexionsgespräch leichter zu verteidigen ist.
Nach der Stunde folgt das Reflexionsgespräch, in dem die eigene Einschätzung meist zuerst gefragt ist. Wer vorab notiert, an welcher Stelle der Plan von der Realität abweichen könnte und warum, wirkt im Gespräch nicht überrascht, sondern reflektiert. Diese Antizipation lässt sich in den letzten Tagen vor dem Termin gezielt üben.
| Teil | Inhalt | Typischer Umfang |
|---|---|---|
| 1. Lerngruppe | Zusammensetzung, Lernstand, besondere Bedingungen ohne personenbezogene Diagnosen | 0,5–1 Seite |
| 2. Sachanalyse | Fachlicher Gehalt des Themas, belegt mit Fachliteratur | 1–2 Seiten |
| 3. Didaktische Reduktion | Begründete Auswahl und Eingrenzung des Themas für diese Stunde | 0,5–1 Seite |
| 4. Kompetenzen und Lernziele | Stundenziel und Teilziele, operationalisiert und überprüfbar formuliert | 0,25–0,5 Seite |
| 5. Methodische Entscheidungen | Begründung von Sozialform, Methode und Medieneinsatz aus der Kompetenz heraus | 1 Seite |
| 6. Geplanter Ablauf | Verlaufsplan mit Phase, Zeit, Inhalt, Sozialform und Material in Tabellenform | 1 Seite, tabellarisch |
| 7. Anhang | Arbeitsblätter, Tafelbild, Differenzierungsmaterial, Literaturverzeichnis | variabel |
Die Vorgaben unterscheiden sich je Studienseminar, üblich sind vier bis acht Seiten ohne Anhang. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern dass jeder der sieben Teile – Lerngruppe, Sachanalyse, didaktische Reduktion, Kompetenzen, Methodik, Ablauf und Anhang – erkennbar und begründet vorhanden ist. Prüfen Sie die genaue Formatvorgabe Ihres Seminars vor der ersten Abgabe.
Praxisbewährt ist, die Reinschrift zwei Tage vor dem Termin abzuschließen, damit ein voller Tag für Gegenlesen und Korrektur bleibt. Der zehntägige Zeitplan auf dieser Seite reserviert dafür bewusst Puffer, weil der Probelauf mit der eigenen Klasse häufig noch Anpassungen am Verlaufsplan nötig macht.
Kürzen Sie zuerst die Sicherungsphase, nicht die Erarbeitungsphase, und legen Sie für den Fall eine Alternative mit weniger Zeitbedarf bereit. Ein Verlaufsplan mit ausgewiesenem Puffer von fünf bis zehn Minuten gilt als realistischer als ein durchgetakteter Ablauf ohne Reserve.
Nein, das schwächt die Begründung im Entwurf spürbar. Fachleiterinnen und Fachleiter prüfen, ob die Methode aus der angestrebten Kompetenz folgt, nicht ob sie originell ist. Eine einfache Methode mit klarer Begründung überzeugt zuverlässiger als eine aufwendige Methode ohne erkennbaren Kompetenzbezug.
Feste, eingeübte Rituale für Einstieg und Übergänge helfen der Klasse, in bekannten Bahnen zu bleiben, auch wenn die Lehrkraft angespannter wirkt als sonst. Das entlastet die Situation spürbar, weil weniger spontane Entscheidungen unter Beobachtung getroffen werden müssen. Ein Notfallplan für den Fall technischer Probleme gehört ebenfalls in die Vorbereitung.
Nein. Die Formatvorgaben, Bewertungsbögen und Fristen der Studienseminare unterscheiden sich je Bundesland und teils je Seminar und sind verbindlich. Dieses Material liefert fachliche und organisatorische Bausteine, die sich in den vom Seminar vorgegebenen Rahmen einfügen, ersetzt diesen Rahmen aber nicht.