Philosophie in der Oberstufe planen: von der Einführungsphase bis zum Abitur
Philosophie · Sekundarstufe II
Philosophie in der Oberstufe planen: von der Einführungsphase bis zum Abitur
Ein Vorschlag, wie Sie Themen, Positionen und Klausurformen über drei Oberstufenjahre so anordnen, dass ein Kurs auf das vorbereitet ist, was im Abitur verlangt wird.
- 28Unterrichtsreihen im Paket in der Variante Komplett
- 18Reihen in der Variante Basis
- EF und Q-PhaseEinführungs- und Qualifikationsphase
- GK und LKGrund- und Leistungskurs als Zielgruppe
Planen Sie die Oberstufe in Philosophie vom Menschenbild über die Ethik zur politischen Philosophie und zur Erkenntnistheorie. In der Einführungsphase lernt der Kurs, Argumente zu rekonstruieren und zu prüfen. In der Qualifikationsphase werden die Positionen zahlreicher, die Texte länger und die Klausuren anspruchsvoller, bis im letzten Halbjahr Vergleich und Urteil im Vordergrund stehen.
Wie sich ein Oberstufenkurs in Philosophie gliedert
In fast allen Ländern besteht die gymnasiale Oberstufe aus einer Einführungsphase und einer zweijährigen Qualifikationsphase. Je nach Land heißen die Abschnitte anders, und auch die Zahl der Halbjahre in der Einführung schwankt. Für die Planung ist das zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Einführungsphase Grundlagen legt, auf die alle späteren Kurshalbjahre zurückgreifen, und dass die Qualifikationsphase auf ein Abitur zuläuft, in dem Schülerinnen und Schüler fremde Positionen darstellen, prüfen und beurteilen.
Philosophie ist dabei ein Fach mit wenig Vorwissen. Wer in der Sekundarstufe I Ethik, Praktische Philosophie oder Werte und Normen hatte, bringt Begriffe und Fragen mit, aber nur selten Erfahrung mit längeren Originaltexten. Viele Kurse sind außerdem gemischt: Neben Schülerinnen und Schülern mit Vorerfahrung sitzen andere, die das Fach als Ersatz für Religion gewählt haben. Eine gute Kursplanung rechnet damit und baut die ersten Wochen so auf, dass alle mit denselben Werkzeugen arbeiten.
Im Leistungskurs wächst die Zahl der Positionen, die Länge der Textauszüge und der Anteil eigener Urteile. Der Grundkurs behandelt dieselben Fragen, aber mit weniger Autorinnen und Autoren pro Halbjahr. Für die Jahresplanung heißt das: Die Reihenfolge der Themen kann in beiden Kursarten gleich sein, die Auswahl der Texte unterscheidet sich.
Ein möglicher Kursverlauf über drei Jahre
Die folgende Tabelle ordnet die Reihen des Pakets einem Verlauf zu, der sich in vielen Ländern umsetzen lässt. Die Halbjahre sind als Orientierung gedacht. Welche Inhaltsfelder oder Themenbereiche in welchem Halbjahr verbindlich sind, legt Ihr Lehrplan fest, in manchen Ländern auch die Vorgaben für das Zentralabitur.
Wo Ihr Land die Erkenntnistheorie früher verlangt, tauschen Sie das dritte und das vierte Halbjahr der Qualifikationsphase. Die Reihen zu Hume und Feyerabend stehen für sich und setzen keine Staatsphilosophie voraus. Umgekehrt braucht die Reihe zu Rousseau keine Vorkenntnisse aus der Erkenntnistheorie.
Welche Themen aufeinander aufbauen
Philosophie wirkt auf den ersten Blick wie eine Folge unabhängiger Themen. In der Praxis greifen die Halbjahre stärker ineinander, als ein Lehrplan vermuten lässt. Drei Linien lohnen sich besonders.
Vom Menschenbild zur Ethik
Wer in der Einführungsphase geklärt hat, ob der Mensch vor allem Natur- oder Kulturwesen ist, kann später besser begründen, warum Aristoteles vom Ziel des Menschen her denkt und Kant von der Vernunft. Die Reihe Was ist der Mensch? schafft dafür den Begriffsrahmen. Sie lohnt sich auch deshalb am Anfang, weil Anthropologie viele Anknüpfungspunkte an den Alltag der Lernenden bietet.
Von den Grundmodellen zum Vergleich
Tugendethik, Pflichtethik und Utilitarismus tauchen in der Qualifikationsphase immer wieder auf: in der Medizinethik, bei Fragen der Gerechtigkeit und in der Diskursethik. Wenn die drei Modelle in der Einführung sicher sitzen, können Sie später an einem einzigen Fall mehrere Begründungswege prüfen lassen, wie es die Reihe zum Vergleich von Diskursethik, Kant und Utilitarismus vorsieht. Ohne diese Grundlage bleibt der Vergleich bei Schlagworten.
Von der Freiheit zur Verantwortung im Staat
Sartres Gedanke, dass der Mensch sich durch seine Wahl selbst entwirft und dafür verantwortlich ist, bereitet die Frage vor, wie Freiheit in einer Gesellschaft begrenzt werden darf. Die Reihen zu Individuum und Gesellschaft und zu Rousseau knüpfen hier an. Wer die Existenzphilosophie vor der politischen Philosophie behandelt, hat damit einen Bezugspunkt, auf den die Lernenden selbst zurückkommen.
Übergänge und Stolpersteine
Die meisten Schwierigkeiten im Philosophieunterricht der Oberstufe entstehen nicht beim Thema, sondern an den Übergängen zwischen den Anforderungen. Die folgenden Punkte begegnen vielen Kursen.
- Von der Meinung zum Argument: In der Einführungsphase verwechseln viele Lernende Standpunkt und Begründung. Planen Sie früh Übungen, in denen eine These, ihre Prämissen und mögliche Einwände getrennt notiert werden.
- Vom Lehrbuchtext zum Originaltext: Der Sprung zu Kant, Hume oder Habermas im Original ist groß. Kurze Kernstellen, Leitfragen und ein Glossar helfen mehr als lange Einführungen in die Biografie.
- Vom Darstellen zum Beurteilen: Klausuren verlangen in der Regel Wiedergabe, Einordnung und eigenes Urteil. Der letzte Teil wird oft zu knapp. Üben Sie das Urteil regelmäßig in kleinen Schreibaufträgen statt nur vor der Klausur.
- Positionen verwechseln: Wenn mehrere Autoren zur selben Frage behandelt werden, verschwimmen ihre Begriffe. Eine fortlaufende Übersicht der Positionen pro Halbjahr verhindert, dass Mill und Bentham oder Sartre und Camus in der Klausur zusammenfallen.
- Naturwissenschaft gegen Philosophie ausspielen: Beim Libet-Experiment oder bei der Hirnforschung ziehen Lernende schnell den Schluss, Freiheit sei widerlegt. Klären Sie, welche Art von Freiheit ein Experiment überhaupt messen kann.
- Zeitdruck in der letzten Phase: Das vierte Halbjahr der Qualifikationsphase ist kurz. Wer dort neue Positionen einführt und zugleich wiederholen will, gerät in Not. Legen Sie die Wiederholung bewusst in die Planung.
Mehr zur Arbeit mit Argumenten in Texten finden Sie auf der Seite Argumentrekonstruktion in der Sekundarstufe II, zu Aufgabenformaten und Erwartungshorizonten auf der Seite Philosophieklausuren in der Oberstufe.
Basis oder Komplett: was Sie wofür brauchen
Das Paket gibt es in einer Variante mit 18 Reihen und in einer mit allen 28. Die Basis enthält die Reihen, mit denen sich ein vollständiger Kursverlauf abdecken lässt: die Einführung mit Anthropologie, Sprache und den Grundmodellen der Ethik, Aristoteles und Kant, dazu Freiheit und Determinismus, Sartres Vorrang der Existenz, Individuum und Gesellschaft, Rousseau, Gerechtigkeit, Kulturrelativismus, Medizinethik, Religion und Metaphysik, Hume, Feyerabend, Habermas zu Wahrheit und Konsens, Wahrheit und Erkenntnis im digitalen Zeitalter sowie Nussbaum mit Originaltext und Klausur.
Die zehn zusätzlichen Reihen der Variante Komplett vertiefen. Vier davon setzen den Schwerpunkt Existenzphilosophie fort: Angst und Verzweiflung bei Sartre, der Vergleich mit der Hirnforschung, de Beauvoir und Camus sowie Neurowissenschaften und künstliche Intelligenz. Hinzu kommen Bentham und Mill, der Vergleich von Diskursethik, Kant und Utilitarismus, Habermas zur digitalen Öffentlichkeit, Objektivität in den Naturwissenschaften, eine Utilitarismus-Klausur und ein Klausurpaket für den Leistungskurs zu Hume, Feyerabend und Habermas.
Für einen Grundkurs reicht die Basis meist aus. Im Leistungskurs, in dem mehr Positionen pro Thema verlangt werden, oder wenn Sie Klausurmaterial für die Qualifikationsphase brauchen, ist die Variante mit allen Reihen die passendere Wahl. Daneben gibt es zwei Varianten mit Teach-Life-Balance, die zusätzlich einen Online-Kurs mit Lehrerplaner, Guides und Vorlagen enthalten, eine davon mit gedrucktem Buch, das versendet wird.
Reihen für die Kursplanung
Eine Auswahl von Reihen, die im Kursverlauf an Gelenkstellen stehen. Sie sind auch einzeln erhältlich.





Weiterführende Seiten
Kollektionen und Übersichten zum Fach, zu den Fachpaketen und zu Einzelthemen der Oberstufe.
Wer den gesamten Kursverlauf aus einer Hand vorbereiten möchte, findet die Reihen dieser Seite gebündelt in FachKomplett Philosophie für die Sek II. Die Produktseite listet alle Reihen und Varianten. Geliefert wird jede Reihe nach dem Kauf als eigener Download per E-Mail.
Häufige Fragen
Passt dieser Kursverlauf zum Lehrplan meines Landes?
Der Verlauf orientiert sich thematisch an den Inhaltsbereichen, die in den Lehrplänen der Länder für Philosophie in der Oberstufe üblich sind. Er ist nicht ministeriell geprüft. Verbindlich sind der Lehrplan Ihres Landes und gegebenenfalls die Vorgaben für das Abitur.
Mit welchem Thema steige ich in der Einführungsphase ein?
Mit einer Frage, zu der alle etwas sagen können, etwa nach dem Menschenbild. Dabei lassen sich Begriffsarbeit und Argumentanalyse einüben, bevor schwierige Originaltexte folgen.
Kann ich die Halbjahre der Qualifikationsphase in anderer Reihenfolge unterrichten?
Ja, sofern Ihr Lehrplan keine feste Folge vorgibt. Ethik sollte vor der politischen Philosophie liegen, weil Gerechtigkeitsfragen auf Moralbegründung zurückgreifen. Erkenntnistheorie lässt sich dagegen fast überall einschieben.
Wie viele Positionen pro Thema brauche ich im Grundkurs und im Leistungskurs?
Das hängt von Ihren Vorgaben ab. Als Faustregel arbeitet der Grundkurs mit zwei gegensätzlichen Positionen pro Frage, der Leistungskurs ergänzt eine dritte oder eine kritische Weiterführung.
Wann beginne ich mit Klausurtraining?
Sinnvoll ist ein Beginn schon in der Einführungsphase, mit kurzen Aufgaben zu Darstellung und Urteil. Vollständige Klausuren im Abiturformat werden ab der Qualifikationsphase wichtig, im letzten Halbjahr vor allem als Wiederholung.