Kunst· Sek II

Praxisanteil im Kunstunterricht der Oberstufe: Analyse und Gestaltung in 12 Stunden verbinden

von Luca 29.10.2026 1 Min. Lesezeit

Analyse und Gestaltung lassen sich in 12 Stunden verbinden, wenn die Analyse kurz und gezielt bleibt und die übrige Zeit konsequent der Bildarbeit gehört. Die Reihe Jeff Wall: Inszenierte Fotografie plant von 540 Unterrichtsminuten 295 für praktische Bildarbeit ein, also rund 55 Prozent. Zwei Werkanalysen liefern die Kriterien für das eigene Foto. Bewertet wird über ein Praxisportfolio, die Klausuren sind Alternativen außerhalb der zwölf Stunden.

Woraus sich die 295 Minuten zusammensetzen

Der Praxisanteil ist kein Pauschalwert, sondern auf die einzelnen Stunden verteilt. Ein Blick auf die Verteilung zeigt, wie das Zeitbudget realistisch bleibt:

  • Stunde 1: 15 Minuten, zwei Ausschnitte desselben Gegenstands fotografieren und vergleichen.
  • Stunden 4 und 5: je 35 Minuten für Entwurf, Aufbauplan und kontrollierte Bildvariationen.
  • Stunden 6 und 7: je 40 Minuten Produktion, die zweite mit Rollenwechsel.
  • Stunde 8: 35 Minuten für Kontaktbogen und Feedback, Stunde 9: 40 Minuten Nachaufnahme.
  • Stunde 10: 35 Minuten Endbild und Bearbeitung, Stunde 11: 20 Minuten für das Portfolio.

In mehreren Stunden bleiben nur fünf bis zehn Minuten außerhalb der Bildarbeit. Diese Zeit reicht für Auftrag, Sicherung und kurze Rückfragen. Das funktioniert, weil das Lehrermaterial minutierte Abläufe und Entscheidungspunkte für jede Stunde vorgibt. Wenn Sie die Reihe in Doppelstunden unterrichten, entfallen außerdem einige Übergänge.

Was nicht als Praxis zählt

Die Stunden 2, 3 und 12 enthalten keine Praxisminuten. In Stunde 2 und 3 analysieren die Lernenden die beiden Unterrichtswerke. In Stunde 12 zeigen sie ihre Ergebnisse in Galerie-Runden, vergleichen Entscheidungen und beziehen sie auf Jeff Wall zurück. Auch das Schreiben der Reflexion mit 150 bis 180 Wörtern ist Sicherung und keine Bildarbeit.

Diese Trennung hat einen praktischen Grund. Wer Praxis großzügig zählt, plant am Ende zu wenig Zeit für Produktion und Überarbeitung. Die Reihe rechnet ehrlich und lässt damit genug Raum für den Schritt, der im Kunstunterricht oft wegfällt: die Nachaufnahme nach dem Feedback. Sie ist der Moment, in dem Lernende zeigen, dass sie eine Rückmeldung in eine Bildentscheidung übersetzen können.

Wie die Analyse die Gestaltung vorbereitet

Die beiden Analysestunden sind knapp, aber nicht beiläufig. An „A Sudden Gust of Wind (after Hokusai)“ erschließen die Lernenden, wie ein scheinbar flüchtiger Moment aus mehreren Aufnahmen gebaut ist. Ergebnis sind ein Raumschema und eine begründete Deutungsthese. An „The Storyteller“ untersuchen sie Gruppen, Zwischenräume und Infrastruktur und vergleichen mit dem ersten Werk.

Diese Arbeitsergebnisse kehren in der Praxis wieder. Das Raumschema wird zum Werkzeug für den eigenen Aufbauplan. Die Frage nach Abständen zwischen Figuren steckt direkt in den Bildpaaren, in denen der Abstand als einzige Größe verändert wird. Für die Analyse stehen ausformulierte Musteranalysen zu beiden Werken bereit. Die Originale sind nicht abgedruckt, Werkangaben, Bildlinks und QR-Codes führen zu den Abbildungen. Wer die Bildanalyse vorher allgemeiner einführen will, kann auf das Unterrichtsmaterial zu Jeff Walls Fotografien zurückgreifen. Grundsätzliche Überlegungen zum Bildkonzept enthält der Beitrag Dokument oder Konstruktion?.

Bewertung über das Portfolio statt über die Klausur

Die zwölf Stunden führen zum Praxisportfolio mit 100 Punkten. Es enthält Endbild, Kontaktbogen, Prozessdokumentation und die individuelle Reflexion. 75 Punkte entfallen auf Gruppenprodukt und Prozess, 25 auf die Einzelleistung. Damit wird bewertet, was in den Stunden tatsächlich geschieht. Die Gewichtung sorgt zugleich dafür, dass jede Person einen eigenen Anteil vorweisen muss.

Wer dennoch eine Klausur braucht, findet im Klausurpaket zwei Vorschläge: eine Analyseklausur zu „A View from an Apartment“ mit 90 Minuten und eine gestaltungspraktische Klausur mit 135 Minuten. Beide sind Alternativen zum Portfolio und brauchen eigene Prüfungszeit. Hinweise zur Bildbeschreibung im Prüfungsformat gibt der Beitrag Jeff Wall in der Klausur: Bildbeschreibung und Erwartungshorizont. Ein größeres Materialangebot bündelt das Sparpaket XXL zu Jeff Wall, und mit der Reihe zu Cindy Sherman lässt sich eine zweite Position zur Inszenierung anschließen. Den Gesamtüberblick bietet die Themenseite zu Jeff Wall, alle Titel stehen in der Kollektion zur inszenierten Fotografie.

Häufige Fragen

Reichen 12 Stunden für Analyse und Praxis?

Ja, wenn der Plan eingehalten wird. Zwei Stunden gehören der Analyse, der Großteil der übrigen Zeit der Bildarbeit mit Entwurf, Produktion und Nachaufnahme.

Zählen die Klausuren zu den 540 Minuten?

Nein. Die Klausuren mit 90 und 135 Minuten liegen außerhalb der zwölf Stunden und sind Alternativen zum Portfolio.

Kann die Reihe auch in Doppelstunden laufen?

Ja. Der Stoffverteilungsplan ist für sechs Doppelstunden ausgelegt, von der Erschließung bis zum Abschluss mit Präsentation.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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