Welche Auswirkungen hat die Globalisierung?
Erschließt wirtschaftliche, soziale und ökologische Folgen weltweiter Verflechtung.
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Politik & Wirtschaft · Globalisierung & Konsum · Sek I (Klasse 7–10)
Unterrichtsmaterial zur Globalisierung für die Sekundarstufe I: von den Auswirkungen weltweiter Verflechtung über die Frage nach Gewinnern und Verlierern bis zum eigenen Konsum und den Lieferketten dahinter. Sie erhalten fertige Reihen mit Arbeitsaufträgen, Materialien und Lösungen sowie ein Lernheft für die selbstständige Arbeit.
Kurz gesagt: In Sek I wird Globalisierung über den eigenen Konsum greifbar: Woher kommt ein Produkt, wer verdient an seiner Herstellung und wer trägt die ökologischen und sozialen Kosten? Von dieser Frage aus lassen sich Lieferketten, internationale Arbeitsteilung und die ungleiche Verteilung von Chancen und Risiken erschließen – ohne dass die Lerngruppe zuvor Wirtschaftstheorie beherrschen müsste.
Globalisierung ist ein abstrakter Begriff, und abstrakte Begriffe lassen sich in Klasse 7 bis 10 nur schwer über Definitionen erschließen. Über den eigenen Kleiderschrank, das Smartphone oder das Frühstück gelingt der Zugang dagegen sofort: Die Etiketten nennen Herstellungsländer, die die Lerngruppe auf einer Karte verorten kann, und aus dieser Karte wird eine erste Vorstellung von internationaler Arbeitsteilung. Der Fachbegriff steht damit am Ende einer Beobachtung, nicht an ihrem Anfang – und genau deshalb bleibt er verfügbar, wenn er später bei Lieferketten oder Welthandel wieder gebraucht wird.
Der zweite Grund ist fachlicher Natur. Globalisierung ist kein Vorgang mit einem eindeutigen Vorzeichen: Sie hat weltweit Einkommen gehoben und zugleich Abhängigkeiten geschaffen, sie senkt Preise und verlagert Umweltbelastungen. Wer das Thema nur als Katastrophenerzählung oder nur als Fortschrittsgeschichte anlegt, verfehlt beides. Der Zugang über den Konsum zwingt dagegen zur Mehrperspektivität, weil in jeder Lieferkette mehrere Beteiligte mit gegenläufigen Interessen vorkommen – Beschäftigte, Unternehmen, Regierungen, Kundinnen und Kunden. Diese Perspektivvielfalt ist in Sek I bereits gut leistbar.
Die folgenden Reihen lassen sich einzeln unterrichten oder zu einer Einheit von den Grundlagen bis zur eigenen Bewertung verbinden.
Erschließt wirtschaftliche, soziale und ökologische Folgen weltweiter Verflechtung.
Ordnet Interessen und Betroffenheiten und übt den begründeten Perspektivwechsel.
Führt vom eigenen Einkauf zur Lieferkette und zur Frage nach Verantwortung.
Für Selbstarbeit, Vertretung und Wiederholung: Texte mit Aufgaben und Lösungen.
Vertieft das Beispiel Bekleidung und macht Bewertungskriterien für Kaufentscheidungen erarbeitbar.
Ein tragfähiger Einstieg braucht kein Vorwissen: Die Lerngruppe untersucht mitgebrachte oder abgebildete Alltagsprodukte auf Herkunftsangaben und trägt die Länder auf einer Weltkarte ein. Aus der entstehenden Karte ergeben sich die Leitfragen von selbst – warum wird an so vielen verschiedenen Orten produziert, und warum gerade dort? In der zweiten Phase rekonstruiert die Lerngruppe eine einzelne Lieferkette in ihren Stationen: Rohstoff, Verarbeitung, Fertigung, Transport, Handel, Nutzung, Entsorgung. Jede Station bekommt eine Karte mit den beteiligten Akteuren, damit später sichtbar wird, an welcher Stelle Wertschöpfung entsteht und an welcher sie nicht ankommt.
Im Hauptteil folgt die Arbeit mit Perspektiven. Bewährt hat sich eine Rollenkarten-Runde, in der Beschäftigte im Produktionsland, ein Unternehmen, eine Umweltorganisation und eine Konsumentin ihre Sicht auf dieselbe Lieferkette darstellen; anschließend hält die Klasse fest, welche Argumente sich widersprechen und welche vereinbar sind. Den Abschluss bildet ein Bewertungsprodukt: eine begründete Kaufentscheidung, ein Kurzvortrag zu einem Siegel oder ein Beitrag für die Schulhomepage. Wichtig ist, dass die Reihe nicht mit einem moralischen Appell endet, sondern mit einer nachvollziehbar begründeten Position, die auch anders ausfallen darf.
| Stufe | Einsatz | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Klasse 7/8 | Globalisierung im Alltag | Produkte und ihre Wege beschreiben, Länder verorten |
| Klasse 9 | Gewinner und Verlierer | Interessen unterscheiden und Perspektiven wechseln |
| Klasse 10 | Konsum, Lieferketten und Nachhaltigkeit | Folgen bewerten und eigene Entscheidungen begründen |
Die Hürde liegt bei diesem Thema selten im Inhalt, sondern in der Textmenge. Sinnvoll ist deshalb eine Differenzierung über das Material: Alle arbeiten an derselben Lieferkette, aber die eine Gruppe erhält eine bebilderte Stationenkarte mit kurzen Informationstexten, die andere Statistiken und Auszüge aus Berichten, die eigenständig ausgewertet werden müssen. Für sprachschwächere Lernende helfen Formulierungshilfen für die Bewertung („Ich halte … für problematisch, weil …“), während leistungsstärkere Lernende die Gegenposition mitschreiben müssen. Das Lernheft eignet sich zusätzlich als Grundlage für individuelles Nacharbeiten, ohne dass Sie den Unterrichtsgang verlassen.
Für die Bewertung eignen sich drei Formate, die über reines Faktenwissen hinausgehen: eine schriftliche Analyse einer unbekannten Lieferkette, eine begründete Stellungnahme zu einer konkreten Kaufentscheidung und ein kurzer Vortrag zu einem Akteur mit anschließender Nachfragerunde. Legen Sie die Kriterien vorher offen – Sachrichtigkeit, Mehrperspektivität, Qualität der Begründung –, weil gerade bei Werturteilen sonst der Eindruck entsteht, es gehe um die richtige Gesinnung. Bewertet wird die Argumentation, nicht die Position.
Globalisierung ist in den Lehrplänen der Länder für die Sekundarstufe I fest verankert, meist im Zusammenspiel von Politik/Wirtschaft, Sozialwissenschaften und Erdkunde. Wiederkehrende Formulierungen sind die internationale Arbeitsteilung, die Chancen und Risiken weltwirtschaftlicher Verflechtung sowie nachhaltiges Wirtschaften. Da die Materialien nach Fragestellungen und nicht nach einem einzelnen Landeslehrplan aufgebaut sind, lassen sie sich in beiden Fächern einsetzen; in vielen Schulen bildet das Thema die Schnittstelle, an der Erdkunde und Politik ihre Absprachen treffen.
Hinzu kommt der Bezug zur Verbraucherbildung, die in allen Ländern als übergreifender Auftrag verankert ist. Die Frage nach Lieferketten, Siegeln und Preisbestandteilen verbindet politische Bildung mit konkreter Konsumkompetenz und lässt sich gut mit dem Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung koppeln. Für die schulinterne Planung bietet sich eine Zweiteilung an: eine kürzere Einheit zum Alltagszugang in Klasse 7 oder 8 und eine ausführlichere Reihe zu Bewertung und Nachhaltigkeit in Klasse 9 oder 10.
Globale Disparitäten (Sek I)
Fußball & Globalisierung (Klasse 7–10)
Nachhaltige Landwirtschaft global (Kl. 8/9)
Tourismus weltweit (Kl. 8/9)
Lebensqualität weltweit (Sek I/II)Beginnen Sie mit Gegenständen aus dem Alltag der Lerngruppe und den Herkunftsangaben auf ihren Etiketten; daraus entsteht eine Weltkarte der Produktionsorte und die Frage, warum dort produziert wird. Erst danach führen Sie den Begriff ein. So bleibt der Einstieg anschaulich und kommt ohne wirtschaftliche Vorkenntnisse aus.
Bewährt sind Bekleidung, Smartphone und Kakao beziehungsweise Kaffee, weil zu allen dreien gut zugängliche Informationen zu den einzelnen Produktionsstufen vorliegen und die Lerngruppe einen persönlichen Bezug hat. Sinnvoll ist es, eine Kette gemeinsam vollständig zu rekonstruieren und die zweite arbeitsteilig zu bearbeiten, damit der Vergleich möglich wird.
Der Übergang gelingt über die Preisbestandteile eines Produkts und über Siegel: Die Lerngruppe prüft, welcher Anteil des Verkaufspreises wo anfällt und was ein Siegel tatsächlich zusichert. Daraus entsteht eine begründete Kaufentscheidung, die politische Bildung und Konsumkompetenz verbindet.
Ja, das Lernheft „Globalisierung – Welt im Wandel“ enthält Informationstexte mit Aufgaben und Lösungen und eignet sich für Vertretungsstunden, Nacharbeit und die Vorbereitung auf Leistungsüberprüfungen. Es lässt sich parallel zur Reihe einsetzen oder als eigenständiger Baustein geben.
Zu allen Aufgaben gehören Lösungen beziehungsweise Erwartungshorizonte. Bei Bewertungsaufgaben sind sie als Erwartungshorizont formuliert und nennen die Aspekte, die eine tragfähige Argumentation enthalten sollte, ohne eine bestimmte Position vorzugeben.
Trennen Sie im Unterrichtsgang konsequent zwischen Sachurteil und Werturteil: Zuerst wird beschrieben und analysiert, wer welche Vor- und Nachteile trägt, erst danach wird bewertet. Wenn Sie die Bewertungskriterien vorher gemeinsam festlegen, wird die Beurteilung überprüfbar und bleibt vom persönlichen Konsumverhalten der Lernenden getrennt.