Darstellendes Spiel in der Oberstufe planen: vom Spieltraining zur eigenen Aufführung
Darstellendes Spiel · Sekundarstufe II
Darstellendes Spiel in der Oberstufe planen: vom Spieltraining zur eigenen Aufführung
Wie Sie Spielpraxis, Theatertheorie und Produktion über die Oberstufe verteilen, damit am Ende eine Aufführung steht, die der Kurs auch begründen kann.
- 15Unterrichtsreihen im Paket
- Klasse 11–13Sekundarstufe II laut Reihentiteln
- 4Reihen zu Theatergeschichte und Dramentheorie
- 3Varianten, davon zwei mit Teach-Life-Balance
Planen Sie das erste Kursjahr als Spieltraining mit Körper, Stimme und Improvisation und führen Sie dabei erste theoretische Begriffe ein. Im zweiten Abschnitt verbinden Sie Rollenarbeit, szenische Interpretation und Theatergeschichte. Das letzte Halbjahr gehört der eigenen Produktion mit Regiekonzept, Probenphase, Aufführung und Reflexion.
Was die Planung in Darstellendes Spiel besonders macht
Darstellendes Spiel ist in der Oberstufe ein Fach mit zwei Seiten. Auf der einen steht die Praxis: Übungen, Improvisation, Szenenarbeit und am Ende eine Aufführung. Auf der anderen stehen Begriffe, Theaterformen und Theorien, mit denen Schülerinnen und Schüler ihre eigene Arbeit und fremde Inszenierungen beschreiben und beurteilen. Je nach Land heißt das Fach unterschiedlich, etwa Darstellendes Spiel oder Theater, und auch sein Status in der Oberstufe ist unterschiedlich: Wahlfach, Grundkurs, in einigen Ländern auch Prüfungsfach.
Für die Planung bedeutet das, dass Praxis und Theorie nicht in getrennten Blöcken nebeneinanderstehen sollten. Wer zuerst ein Halbjahr nur spielt und danach ein Halbjahr Theatergeschichte liest, verschenkt die Verbindung. Ein Begriff wie Verfremdung wird verständlich, wenn der Kurs ihn selbst ausprobiert hat. Umgekehrt gewinnt eine Szene an Klarheit, wenn die Gruppe weiß, warum sie eine Figur nicht einfühlend, sondern zeigend spielt.
Dazu kommt die Gruppenzusammensetzung. In vielen Kursen sitzen Lernende mit Bühnenerfahrung aus der Theater-AG neben anderen, die noch nie vor Publikum gespielt haben. Die ersten Wochen entscheiden, ob alle sich trauen, vor der Gruppe zu stehen. Das ist eine Planungsfrage, keine Frage der Begabung.
Ein möglicher Verlauf über die Kurshalbjahre
Die Tabelle ordnet die 15 Reihen einem Verlauf zu, der von der Einführungsphase bis zum Ende der Qualifikationsphase reicht. Wo das Fach nur zwei Halbjahre umfasst, verdichten Sie die ersten beiden Zeilen zu einem Halbjahr und die letzten beiden zu einem zweiten.
| Abschnitt | Schwerpunkt | Passende Reihen |
|---|---|---|
| Klasse 11, 1. Halbjahr | Spieltraining: Präsenz, Raum, Stimme, Spielangebote annehmen | Körper und Bewegung im Raum, Stimme und Sprechen, Grundlagen der Improvisation, Angebote, Figuren, Orte |
| Klasse 11, 2. Halbjahr | Gruppe und Figur: chorisches Spiel, Rollenarbeit, erste kurze Präsentationen | Chor und Ensemble, Rolle und Figur |
| Klasse 12, 1. Halbjahr | Vom Text zur Szene; Ursprünge des Theaters und aristotelisches Drama | Szenische Interpretation, Antikes Theater, Dramentheorie |
| Klasse 12, 2. Halbjahr | Episches und postdramatisches Theater; Theatermittel gezielt einsetzen | Brecht und episches Theater, Postdramatisches Theater, Bühnenbild, Licht, Kostüm |
| Klasse 13, 1. Halbjahr | Produktion: Konzept, Stückentwicklung, Proben | Regie und Inszenierungskonzept, Eigenproduktion |
| Klasse 13, 2. Halbjahr | Aufführung, Präsentation und Reflexion der eigenen Arbeit | Aufführung und Theaterkritik |
Falls Ihr Kurs schon in Klasse 12 eine größere Aufführung zeigen soll, ziehen Sie Regie und Eigenproduktion nach vorn und legen die Theatergeschichte in die letzten Halbjahre. Die Theoriereihen setzen keine bestimmte Produktion voraus und lassen sich deshalb verschieben.
Welche Inhalte aufeinander aufbauen
Körper und Stimme vor der Figur
Eine Rolle entsteht aus Haltung, Gang, Blick und Sprechweise. Wer diese Mittel nicht bewusst steuern kann, spielt sich selbst. Übungen zu Körper, Raum und Stimme sind deshalb keine Aufwärmphase, sondern die Grundlage aller späteren Figurenarbeit.
Improvisation vor dem festen Text
Improvisation lehrt, Angebote der Mitspielenden wahrzunehmen und weiterzuführen. Diese Fähigkeit braucht der Kurs später bei der szenischen Interpretation und in der Stückentwicklung. Gruppen, die improvisieren gelernt haben, gehen freier mit Textvorlagen um und erfinden eher eigene Lösungen.
Theaterformen vor dem eigenen Konzept
Ein Regiekonzept verlangt eine Entscheidung: einfühlend oder distanziert, linear erzählt oder in Fragmenten, mit Chor oder mit Einzelfiguren. Diese Entscheidung kann ein Kurs nur treffen, wenn er die Alternativen kennt. Antikes Theater, aristotelische Dramaturgie, Brechts episches Theater und postdramatische Formen geben das Repertoire, aus dem das eigene Konzept schöpft.
Theatermittel neben der Szenenarbeit
Bühnenbild, Licht und Kostüm lassen sich nicht isoliert behandeln. Sie gehören in die Phase, in der Szenen schon stehen und der Kurs prüfen kann, wie ein Lichtwechsel oder ein Requisit eine Situation verändert.
Übergänge und Stolpersteine
Die folgenden Schwierigkeiten treten in Oberstufenkursen häufig auf. Sie lassen sich mit vorausschauender Planung abmildern.
- Hemmungen am Anfang: Wer früh allein vor der Gruppe spielen muss, zieht sich zurück. Beginnen Sie mit Übungen, in denen alle gleichzeitig agieren, und steigern Sie die Sichtbarkeit schrittweise.
- Theorie ohne Praxisbezug: Texte zu Brecht oder Aristoteles bleiben abstrakt, wenn sie nicht an Szenen erprobt werden. Planen Sie zu jedem Theoriebaustein eine kurze praktische Umsetzung.
- Probenzeit unterschätzt: Die Zeit zwischen fertigem Konzept und Aufführung wird fast immer zu knapp geplant. Rechnen Sie Durchläufe, technische Proben und Ausfälle durch Krankheit von Anfang an ein.
- Bewertung praktischer Leistungen: Spiel ist schwer zu bewerten, wenn Kriterien fehlen. Legen Sie Kriterien früh offen, etwa Präsenz, Umsetzung einer Vorgabe und Reflexion, und lassen Sie Lernende ihre Arbeit in Probentagebüchern dokumentieren.
- Raum und Ausstattung: Nicht jede Schule hat eine Bühne. Viele Übungen funktionieren in einem leer geräumten Klassenraum, für Licht und Aufführung lohnt sich frühe Absprache mit der Schulleitung oder der Aula-Verwaltung.
- Gruppendynamik bei der Eigenproduktion: Wenn ein Kurs gemeinsam ein Stück entwickelt, entstehen Konflikte über Rollen und Ideen. Feste Zuständigkeiten für Regie, Dramaturgie, Technik und Ausstattung verteilen Verantwortung.
Zur Strukturierung einzelner Stunden mit Raum, Aufwärmen und Taktung finden Sie mehr auf der Seite Unterrichtsvorbereitung Darstellendes Spiel, zum Aufbau einer Reihe bis zur Aufführung auf der Seite von der Übung zur Aufführung.
Die Aufführung als Ziel des Kurses planen
Ob am Ende eine große Inszenierung, mehrere kurze Szenen oder eine Werkschau steht, hängt von Kursgröße, Stundenzahl und Ihren Vorgaben ab. Hilfreich ist es, das Ziel früh festzulegen und rückwärts zu planen. Steht der Aufführungstermin fest, ergibt sich daraus, wann das Konzept fertig sein muss, wann Texte und Szenen stehen müssen und wann die Technik dazukommt.
Zur Aufführung gehört auch die Nachbereitung. Eine Theaterkritik zur eigenen Inszenierung oder zu einem besuchten Stück zwingt dazu, die im Kurs gelernten Begriffe anzuwenden. Damit schließt sich der Kreis zur Theorie, und die praktische Arbeit wird für eine Bewertung oder Prüfung beschreibbar. Wer im Laufe des Kurses mindestens einen Theaterbesuch einplant, gibt der Gruppe einen gemeinsamen Bezugspunkt für diese Reflexion.
Das Paket gibt es in einer Inhaltsvariante mit allen 15 Reihen. Zwei weitere Varianten ergänzen Teach-Life-Balance, einen Online-Kurs mit Lehrerplaner, Guides und Vorlagen, eine davon mit gedrucktem Buch, das per Post kommt.
Reihen für die Kursplanung
Eine Auswahl von Reihen aus allen Abschnitten des Kurses. Sie sind auch einzeln erhältlich.







Weiterführende Seiten
Kollektion zum Fach, vertiefende Seiten und Übersichten zu den Fachpaketen.
Die Reihen aus diesem Kursverlauf sind gesammelt in FachKomplett Darstellendes Spiel für die Sek II erhältlich. Die Produktseite führt alle Reihen und Varianten auf. Geliefert wird jede Reihe nach dem Kauf als eigener Download per E-Mail.
Häufige Fragen
Passt dieser Kursverlauf zum Lehrplan meines Landes?
Er orientiert sich thematisch an Inhalten, die in gängigen Lehrplänen für Darstellendes Spiel und Theater in der Oberstufe vorkommen. Er ist nicht ministeriell geprüft. Verbindlich ist der Lehrplan Ihres Landes, auch für Prüfungsformen und die Gewichtung von Praxis und Theorie.
Wie viel Theorie gehört in ein Halbjahr mit Schwerpunkt Spielpraxis?
So viel, dass der Kurs die eigene Arbeit beschreiben kann. Schon im ersten Halbjahr reichen wenige Begriffe zu Raum, Figur und Spielweise, die bei jeder Präsentation verwendet werden.
Wann sollte die Gruppe zum ersten Mal vor Publikum spielen?
Kurze Präsentationen vor dem eigenen Kurs gehören von Anfang an dazu. Ein Auftritt vor fremdem Publikum, etwa vor einer Parallelklasse, ist nach dem ersten Halbjahr ein guter Zwischenschritt vor der großen Aufführung.
Wie plane ich die Probenphase vor einer Aufführung?
Rückwärts vom Aufführungstermin. Legen Sie fest, wann das Konzept steht, wann alle Szenen gespielt werden können, wann Technik und Kostüm dazukommen und wann Durchläufe stattfinden. Reservieren Sie Pufferzeit.
Was tun, wenn der Kurs sehr klein oder sehr groß ist?
Kleine Kurse profitieren von Formen mit wenigen Figuren oder von Mehrfachbesetzungen durch eine Person. Große Kurse können chorisch arbeiten oder parallel an mehreren Szenen proben, die später zusammengeführt werden.