Kunst· Sek II

Unterrichtsvorbereitung John Heartfield und William Kentridge

von Luca 08.09.2026 1 Min. Lesezeit
John Heartfield und William Kentridge - Unterrichtsreihe

Für die Unterrichtsvorbereitung zu John Heartfield und William Kentridge reichen zwei Werke und ein Verfahrensvergleich. Planen Sie eine Doppelstunde mit einer Fotomontage aus der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung und einer kurzen Sequenz aus Kentridges Zeichenanimationen, dazu ein Arbeitsblatt zum Verhältnis von Bild und Text. Der Rest eines fertigen Materialpakets wandert zunächst in die Reserve.

Material zu diesem Artikel

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Was aus dem Paket in die erste Doppelstunde gehört

Ein Materialpaket zu zwei Künstlerpositionen enthält regelmäßig mehr, als eine Doppelstunde trägt: Kurzbiografien, mehrere Bildbeispiele je Position, Rezeptions- und Produktionsaufgaben, dazu Lösungen und einen Verlaufsplan. Wer das der Reihe nach abarbeitet, braucht drei Doppelstunden und hat am Ende nichts vertieft. Die Unterrichtsvorbereitung beginnt deshalb mit einer Entscheidung über die inhaltliche Achse, nicht über die Werkauswahl.

Heartfield und Kentridge verbindet, dass beide ein technisches Verfahren zum Argument machen: Montage beim einen, Auslöschen und Überzeichnen beim anderen. Diese Achse trägt neunzig Minuten. Alles, was sie stützt, kommt in die Stunde — zwei Werke, die Verfahrensbeschreibung, die Vergleichsaufgabe. Weil die Materialien zu Heartfield und Kentridge beide Stränge getrennt führen, lässt sich das ohne Umbau auseinandersortieren. Notieren Sie im Verlaufsplan, was Sie ausgelassen haben; beim zweiten Durchgang spart das eine halbe Stunde Sichtung.

Heartfield lässt sich ohne die Bildunterschrift nicht lesen

Bei Heartfield ist der Text Bestandteil des Werks. „Adolf, der Übermensch: Schluckt Gold und redet Blech“ von 1932 zeigt eine Röntgenansicht mit einer Münzsäule im Rumpf; ohne die Zeile bleibt das ein Kuriosum. Ähnlich funktioniert „Der Sinn des Hitlergrußes: Kleiner Mann bittet um große Gaben“. Beide Blätter erschienen als Zeitschriftenseite, nicht als Tafelbild — die Reproduktion war das Medium und kein Notbehelf.

Der häufigste Schülerfehler ist die Beschreibung „zusammengeklebt“: Die Montagenaht wird als handwerkliche Eigenart notiert, nicht als Bedeutungsträger. Dagegen hilft ein einfaches Verfahren in der Erarbeitung — Bildunterschrift abdecken, deuten lassen, aufdecken, Deutung korrigieren. Weil die Aufgaben zu Bildzitaten in Medien und Popkultur denselben Mechanismus an jüngeren Bildern durchspielen, lässt sich der Begriff im Halbjahr wieder aufrufen. Für diese Doppelstunde genügt ein Blatt, an dem die Naht deutlich sichtbar bleibt.

Bei Kentridge ist die Spur des Radierens der Inhalt

Kentridges „Drawings for Projection“ entstehen aus einer einzigen Kohlezeichnung, die fotografiert, verändert und wieder fotografiert wird. Das Radieren hinterlässt Schlieren; jedes Einzelbild trägt seine Vorgänger sichtbar mit. Diese Palimpsestspur ist der Grund, warum die Filme anders aussehen als gezeichnete Animation. Wer im Unterricht nur die laufende Sequenz zeigt, verschenkt genau das: Projizieren Sie zwei Standbilder mit einigen Sekunden Abstand nebeneinander.

Die Figuren Soho Eckstein und Felix Teitlebaum tragen den erzählerischen Rahmen, der in Johannesburg und in der Auseinandersetzung mit der Apartheid verankert ist. Für die erste Stunde reicht der Hinweis; die Deutung der Figurenkonstellation gehört in die Folgestunde. Ziehen Sie diese Grenze schon in der Unterrichtsvorbereitung. Kriterien für die Bildauswahl im Kunstunterricht geben dafür einen brauchbaren Raster, und die Vorentscheidung kostet weniger Zeit als das Improvisieren im Unterricht.

Kürzen, ohne die Stunde zu entkernen

Streichbar sind fast immer die Biografien, das jeweils zweite Bildbeispiel und der historische Abriss zur Bildpresse. Tragend bleiben ein Werk je Position, ein Vergleichsraster mit drei Zeilen — Verfahren, Bildwirkung, Aussage — und eine Aufgabe, die beide Positionen aufeinander bezieht. Wer bei der Abschätzung von Material und Zeitbedarf streng ist, hält die Erarbeitung bei etwa vierzig Minuten.

Eine praktikable Taktung: zehn Minuten Einstieg über ein Bilddetail ohne Titel, zwanzig Minuten Erstbeschreibung im Plenum, dreißig Minuten arbeitsteilige Erarbeitung an beiden Positionen, zwanzig Minuten Austausch, zehn Minuten Sicherung. Kolleginnen, die das Thema im Leistungskurs vertiefen und mit dem Fach Geschichte verzahnen, finden im Beitrag zur Kopplung von Heartfield und Kentridge mit dem Fach Geschichte die längere Variante dieser Planung.

Sicherung, Bewertung und Anschluss

Die Sicherung sollte schriftlich und knapp sein: ein ausgefülltes Vergleichsraster plus ein Satz je Position, der das Verfahren mit der Aussage verbindet. Bewertet wird, ob die Beschreibung den technischen Vorgang benennt, ob die Bildunterschrift beziehungsweise die Auslöschungsspur einbezogen ist und ob die Deutung am Bild belegt wird. Der Verlaufsplan aus den Unterrichtsmaterialien zu beiden Positionen enthält dafür bereits ein Raster. Drei Zeilen genügen, weil die vierte erfahrungsgemäß nicht mehr ausgefüllt wird.

Für den Anschluss lohnt der Blick auf Formate, in denen Schülerinnen selbst Bildfolgen herstellen; die Hinweise zum Zeichnen von Comics und Panelfolgen in der Sek I lassen sich für die Oberstufe verdichten. Wer die Ergebnisse benoten muss, findet im Beitrag zum Leistungskonzept für die Kunst-Oberstufe die Systematik dazu. Englischsprachiges Parallelmaterial für CLIL-Gruppen und internationale Schulen liegt im Kunstcurriculum für die Klassen 5 bis 9 auf teachlessons.us.

Häufige Fragen

Wie viel Zeit braucht die Vorbereitung dieser Doppelstunde?

Rechnen Sie mit rund neunzig Minuten, wenn ein fertiges Paket vorliegt: zwanzig Minuten Sichtung, zwanzig Minuten für die Auswahl der beiden Werke, dreißig Minuten für das Kürzen der Aufgabenblätter und zwanzig Minuten für Technikprüfung und Verlaufsplan. Ohne Paket kommt die Recherche der Bildrechte und der Werkdaten hinzu.

Muss die politische Dimension schon in der ersten Stunde behandelt werden?

Sie kommt ohnehin, weil beide Positionen politisch argumentieren. Halten Sie den historischen Kontext aber knapp und binden Sie ihn an das Verfahren: Warum montiert Heartfield, statt zu zeichnen? Warum löscht Kentridge, statt neu zu beginnen? Die ausführliche Einordnung in Weimarer Republik und Apartheid trägt eine eigene Stunde.

Welches Aufgabenformat eignet sich für den Vergleich?

Ein dreispaltiges Raster mit den Zeilen Verfahren, Bildwirkung und Aussage funktioniert zuverlässig, weil es die Beschreibung an den technischen Vorgang bindet. Als Steigerung folgt eine Schreibaufgabe von etwa 150 Wörtern, in der eine Position aus der Sicht der anderen kommentiert wird. Das prüft Verständnis statt Wiedergabe.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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