Unterrichtsreihe
John Heartfield und William Kentridge - Unterrichtsreihe
Vergleich von Fotomontage und Zeichentrickfilm anhand konkreter Werkbeispiele, mit Aufgaben zu Verfahren und politischer Aussage.
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Kunst Sek II · Künstler-Doppelmonografie
Zwei kombinatorische Verfahren, ein Jahrhundert Abstand: John Heartfield schneidet und montiert Fotografien zu politischer Anklage, William Kentridge zeichnet, radiert und übermalt Kohlezeichnungen zu animierten Filmen über Erinnerung und Apartheid.
John Heartfield und William Kentridge lassen sich im Kunstunterricht der Sekundarstufe II gemeinsam behandeln, weil beide mit einem kombinatorischen Verfahren politische Bildaussagen erzeugen: Heartfield schneidet und montiert Fotoausschnitte aus Zeitschriften zu satirischen Anklagen gegen den Nationalsozialismus, Kentridge zeichnet, radiert teilweise wieder aus und fotografiert jeden Zwischenschritt einer Kohlezeichnung, wodurch Spuren früherer Zustände im fertigen Animationsfilm sichtbar bleiben. Die Unterrichtsreihe „John Heartfield und William Kentridge" sowie das „Sparpaket XXL: John Heartfield" behandeln beide Verfahren im Vergleich und eignen sich für Einführungs- und Qualifikationsphase. Ein typischer Einstieg ist die Frage, wie Bildmontage in unterschiedlichen Medien – Fotografie versus gezeichneter Film – jeweils Zeit und Wandel sichtbar macht. Nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen; verbindliche Vorgaben regelt der Abitur-Erlass Ihres Bundeslands.
Heartfield, geboren 1891 in Berlin, entwickelte seine Fotomontagen zunächst im Umfeld des Berliner Dada, später als politische Waffe gegen den Nationalsozialismus für die Zeitschrift AIZ. Sein Verfahren beruht auf der Rekombination bestehender Fotografien zu neuen, oft grotesk zugespitzten Bildaussagen – etwa wenn ein Hakenkreuz aus zusammengeschraubten Beilen montiert wird. Die Fragmente bleiben dabei als fotografische Ausschnitte erkennbar, ihre neue Anordnung erzeugt die satirische Pointe.
Kentridge, geboren 1955 in Johannesburg, arbeitet zeitlich statt räumlich kombinatorisch: Für seine „Drawings for Projection" zeichnet er mit Kohle, radiert Teile wieder aus, zeichnet weiter und fotografiert jede Änderung als Filmbild. Da Kohle sich nie vollständig entfernen lässt, bleiben Spuren der Vorzustände im Bild sichtbar – ein Verfahren, das Erinnerung, Verdrängung und die Geschichte Südafrikas unter der Apartheid formal in der Bildoberfläche selbst abbildet.
Der Vergleich beider Verfahren funktioniert am besten über den Begriff der Kombinatorik: Heartfield kombiniert im Raum – verschiedene Fotoausschnitte nebeneinander –, Kentridge kombiniert in der Zeit – verschiedene Zeichenzustände nacheinander. Diese Unterscheidung lässt sich mit einer eigenen praktischen Übung erproben, etwa einer kleinen Fotomontage aus Zeitschriftenausschnitten und einer kurzen Radier-Zeichenanimation mit Bleistift auf Papier, fotografiert mit dem Smartphone.
Die folgenden fünf Materialien decken beide Positionen sowie passende thematische Ergänzungen ab.
Unterrichtsreihe
Vergleich von Fotomontage und Zeichentrickfilm anhand konkreter Werkbeispiele, mit Aufgaben zu Verfahren und politischer Aussage.
Sparpaket XXL
Vertieft das Verfahren der Fotomontage mit zusätzlichen Werkbeispielen und praktischen Montage-Aufgaben für die Qualifikationsphase.
Unterrichtsreihe
Erweitert den Vergleich um zwei weitere politisch engagierte Positionen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Medien.
Unterrichtsreihe
Ordnet Heartfields Montageverfahren in eine längere Tradition der Bildaneignung ein, bis hin zu Memes und Werbung der Gegenwart.
Gesamtpaket
Für Fachschaften, die dauerhaft auf ein vollständiges Reihenangebot zu politischer und zeitgenössischer Kunst zugreifen wollen.
Ein häufiger Fehler ist es, Heartfields Montagen ausschließlich formal zu beschreiben, ohne den historischen Kontext der Weimarer Republik und des Exils zu benennen: Ohne das Wissen um die AIZ als Auftraggeberin und die unmittelbare Gefahr für den Künstler bleibt die Dringlichkeit der Bildsprache unverständlich. Bei Kentridge unterschätzen Lernende oft die Bedeutung der sichtbaren Radierspuren und beschreiben nur den Endzustand des Bildes, statt den Prozess als eigentlichen Bildinhalt zu erkennen.
Ein zweiter Stolperstein ist die Vermischung der beiden Verfahren in der Fachsprache: Montage und Palimpsest sind unterschiedliche Begriffe für unterschiedliche Vorgänge und sollten im Kurs bewusst getrennt eingeführt werden, bevor ein Vergleich sinnvoll gelingt.
Für Klausuren eignet sich der Vergleich einer Heartfield-Montage mit einem Kentridge-Filmstandbild anhand der Operatoren beschreiben, vergleichen, analysieren und beurteilen. Anforderungsbereich III lässt sich über die Frage abdecken, welches Verfahren – räumliche Montage oder zeitliche Übermalung – die politische beziehungsweise gesellschaftliche Aussage jeweils wirkungsvoller trägt. Für die sonstige Mitarbeit eignet sich eine praktische Kurzaufgabe: eine eigene Miniatur-Fotomontage oder eine dreiteilige Radier-Zeichensequenz.
| Position / Verfahren | Stufe | Didaktischer Zugang |
|---|---|---|
| Heartfield – Fotomontage | Qualifikationsphase | Historischer Kontext AIZ und Exil, räumliche Rekombination von Bildfragmenten |
| Kentridge – Zeichenanimation | Qualifikationsphase | Palimpsest-Verfahren, zeitliche Kombinatorik, Apartheid und Erinnerung |
| Vertiefung Montage | Qualifikationsphase | Praktische Montageübung, Vergleich mit weiteren Fotomontage-Positionen |
| Politische Kunst im Vergleich | Einführungs- und Qualifikationsphase | Erweiterter Vergleich politisch engagierter Kunst über drei Jahrhunderte |
Für die Einordnung in Ihr Bundesland gilt: Welche Positionen und Verfahren verbindlich sind, regelt der jeweilige Kernlehrplan, das Kerncurriculum, der Bildungsplan oder die Fachanforderungen; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen. Vertiefende Hinweise zu beiden Künstlern und zur fächerübergreifenden Planung finden Sie in den folgenden Beiträgen.
Beide erzeugen Bildaussagen durch ein kombinatorisches Verfahren: Heartfield montiert Fotoausschnitte im Raum, Kentridge übermalt und radiert eine Kohlezeichnung in der Zeit. Beide nutzen ihr Verfahren zudem für politisch engagierte Kunst.
Kentridge zeichnet mit Kohle, radiert Teile wieder aus und zeichnet weiter, fotografiert dabei jeden Zwischenschritt. Da sich Kohle nie vollständig entfernen lässt, bleiben Spuren früherer Bildzustände sichtbar – ein Palimpsest aus Zeichnung und Löschung.
Heartfields bekannteste Arbeiten entstanden in den 1930er Jahren für die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung im tschechoslowakischen Exil und richteten sich direkt gegen den Nationalsozialismus, mit unmittelbarer persönlicher Gefahr für den Künstler.
Eine eigene Miniatur-Fotomontage aus Zeitschriftenausschnitten oder eine kurze Radier-Zeichensequenz mit Bleistift, fotografiert in Einzelschritten mit dem Smartphone, lassen sich ohne Fachraum in einer Doppelstunde umsetzen.
Die Reihe lässt sich den Kompetenzbereichen aus Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan oder Fachanforderungen zuordnen. Welche Positionen verbindlich sind, legt Ihr Land fest; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.
Ja. Heartfield lässt sich mit Geschichte zum Nationalsozialismus koppeln, Kentridge mit Geschichte oder Politik zur Apartheid und zur südafrikanischen Aufarbeitung nach 1994.