Heartfield und Kentridge: Montage, Zeichnung und politische Bildsprache

Kunst Sek II · Künstler-Doppelmonografie

Heartfield und Kentridge: Montage, Zeichnung und politische Bildsprache

Zwei kombinatorische Verfahren, ein Jahrhundert Abstand: John Heartfield schneidet und montiert Fotografien zu politischer Anklage, William Kentridge zeichnet, radiert und übermalt Kohlezeichnungen zu animierten Filmen über Erinnerung und Apartheid.

2 PositionenFotomontage und Zeichentrickfilm
19,99 €Einzellizenz Grundreihe
5 KartenMaterial zum Doppelhub und Ergänzungen
Q1/Q2Einführungs- und Qualifikationsphase

John Heartfield und William Kentridge lassen sich im Kunstunterricht der Sekundarstufe II gemeinsam behandeln, weil beide mit einem kombinatorischen Verfahren politische Bildaussagen erzeugen: Heartfield schneidet und montiert Fotoausschnitte aus Zeitschriften zu satirischen Anklagen gegen den Nationalsozialismus, Kentridge zeichnet, radiert teilweise wieder aus und fotografiert jeden Zwischenschritt einer Kohlezeichnung, wodurch Spuren früherer Zustände im fertigen Animationsfilm sichtbar bleiben. Die Unterrichtsreihe „John Heartfield und William Kentridge" sowie das „Sparpaket XXL: John Heartfield" behandeln beide Verfahren im Vergleich und eignen sich für Einführungs- und Qualifikationsphase. Ein typischer Einstieg ist die Frage, wie Bildmontage in unterschiedlichen Medien – Fotografie versus gezeichneter Film – jeweils Zeit und Wandel sichtbar macht. Nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen; verbindliche Vorgaben regelt der Abitur-Erlass Ihres Bundeslands.

Werk und Verfahren: Schnitt und Radierung

Heartfield, geboren 1891 in Berlin, entwickelte seine Fotomontagen zunächst im Umfeld des Berliner Dada, später als politische Waffe gegen den Nationalsozialismus für die Zeitschrift AIZ. Sein Verfahren beruht auf der Rekombination bestehender Fotografien zu neuen, oft grotesk zugespitzten Bildaussagen – etwa wenn ein Hakenkreuz aus zusammengeschraubten Beilen montiert wird. Die Fragmente bleiben dabei als fotografische Ausschnitte erkennbar, ihre neue Anordnung erzeugt die satirische Pointe.

Kentridge, geboren 1955 in Johannesburg, arbeitet zeitlich statt räumlich kombinatorisch: Für seine „Drawings for Projection" zeichnet er mit Kohle, radiert Teile wieder aus, zeichnet weiter und fotografiert jede Änderung als Filmbild. Da Kohle sich nie vollständig entfernen lässt, bleiben Spuren der Vorzustände im Bild sichtbar – ein Verfahren, das Erinnerung, Verdrängung und die Geschichte Südafrikas unter der Apartheid formal in der Bildoberfläche selbst abbildet.

Didaktischer Zugang: Kombinatorik als gemeinsamer Nenner

Der Vergleich beider Verfahren funktioniert am besten über den Begriff der Kombinatorik: Heartfield kombiniert im Raum – verschiedene Fotoausschnitte nebeneinander –, Kentridge kombiniert in der Zeit – verschiedene Zeichenzustände nacheinander. Diese Unterscheidung lässt sich mit einer eigenen praktischen Übung erproben, etwa einer kleinen Fotomontage aus Zeitschriftenausschnitten und einer kurzen Radier-Zeichenanimation mit Bleistift auf Papier, fotografiert mit dem Smartphone.

Die folgenden fünf Materialien decken beide Positionen sowie passende thematische Ergänzungen ab.

Typische Stolpersteine im Kurs

Ein häufiger Fehler ist es, Heartfields Montagen ausschließlich formal zu beschreiben, ohne den historischen Kontext der Weimarer Republik und des Exils zu benennen: Ohne das Wissen um die AIZ als Auftraggeberin und die unmittelbare Gefahr für den Künstler bleibt die Dringlichkeit der Bildsprache unverständlich. Bei Kentridge unterschätzen Lernende oft die Bedeutung der sichtbaren Radierspuren und beschreiben nur den Endzustand des Bildes, statt den Prozess als eigentlichen Bildinhalt zu erkennen.

Ein zweiter Stolperstein ist die Vermischung der beiden Verfahren in der Fachsprache: Montage und Palimpsest sind unterschiedliche Begriffe für unterschiedliche Vorgänge und sollten im Kurs bewusst getrennt eingeführt werden, bevor ein Vergleich sinnvoll gelingt.

Bewertung und Operatoren

Für Klausuren eignet sich der Vergleich einer Heartfield-Montage mit einem Kentridge-Filmstandbild anhand der Operatoren beschreiben, vergleichen, analysieren und beurteilen. Anforderungsbereich III lässt sich über die Frage abdecken, welches Verfahren – räumliche Montage oder zeitliche Übermalung – die politische beziehungsweise gesellschaftliche Aussage jeweils wirkungsvoller trägt. Für die sonstige Mitarbeit eignet sich eine praktische Kurzaufgabe: eine eigene Miniatur-Fotomontage oder eine dreiteilige Radier-Zeichensequenz.

Position / Verfahren Stufe Didaktischer Zugang
Heartfield – Fotomontage Qualifikationsphase Historischer Kontext AIZ und Exil, räumliche Rekombination von Bildfragmenten
Kentridge – Zeichenanimation Qualifikationsphase Palimpsest-Verfahren, zeitliche Kombinatorik, Apartheid und Erinnerung
Vertiefung Montage Qualifikationsphase Praktische Montageübung, Vergleich mit weiteren Fotomontage-Positionen
Politische Kunst im Vergleich Einführungs- und Qualifikationsphase Erweiterter Vergleich politisch engagierter Kunst über drei Jahrhunderte
  • Zwei Verfahren im VergleichRäumliche Montage bei Heartfield, zeitliche Übermalung bei Kentridge, mit Fachbegriffen.
  • Historischer Kontext inklusiveWeimarer Republik, AIZ und Exil bei Heartfield, Apartheid und Erinnerung bei Kentridge.
  • Praktische ÜbungsaufgabeEigene Fotomontage oder Radier-Zeichensequenz, mit dem Smartphone dokumentierbar.
  • Klausurformat inklusiveWerkvergleich mit Erwartungshorizont für Kursarbeit und mündliche Prüfung.
  • Fächerübergreifend nutzbarAnschlussfähig an Geschichte, insbesondere Nationalsozialismus und Apartheid.
  • Sofort verfügbarPDF-Dateien zum Herunterladen, ohne besondere Software und ohne Wartezeit.

Für die Einordnung in Ihr Bundesland gilt: Welche Positionen und Verfahren verbindlich sind, regelt der jeweilige Kernlehrplan, das Kerncurriculum, der Bildungsplan oder die Fachanforderungen; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen. Vertiefende Hinweise zu beiden Künstlern und zur fächerübergreifenden Planung finden Sie in den folgenden Beiträgen.

Häufige Fragen

Was verbindet Heartfield und Kentridge trotz des zeitlichen Abstands?

Beide erzeugen Bildaussagen durch ein kombinatorisches Verfahren: Heartfield montiert Fotoausschnitte im Raum, Kentridge übermalt und radiert eine Kohlezeichnung in der Zeit. Beide nutzen ihr Verfahren zudem für politisch engagierte Kunst.

Was bedeutet das Palimpsest-Verfahren bei Kentridge?

Kentridge zeichnet mit Kohle, radiert Teile wieder aus und zeichnet weiter, fotografiert dabei jeden Zwischenschritt. Da sich Kohle nie vollständig entfernen lässt, bleiben Spuren früherer Bildzustände sichtbar – ein Palimpsest aus Zeichnung und Löschung.

Für welchen historischen Kontext steht Heartfields Fotomontage?

Heartfields bekannteste Arbeiten entstanden in den 1930er Jahren für die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung im tschechoslowakischen Exil und richteten sich direkt gegen den Nationalsozialismus, mit unmittelbarer persönlicher Gefahr für den Künstler.

Wie lässt sich das Material praktisch umsetzen?

Eine eigene Miniatur-Fotomontage aus Zeitschriftenausschnitten oder eine kurze Radier-Zeichensequenz mit Bleistift, fotografiert in Einzelschritten mit dem Smartphone, lassen sich ohne Fachraum in einer Doppelstunde umsetzen.

Passt die Reihe zum Lehrplan meines Bundeslandes?

Die Reihe lässt sich den Kompetenzbereichen aus Kernlehrplan, Kerncurriculum, Bildungsplan oder Fachanforderungen zuordnen. Welche Positionen verbindlich sind, legt Ihr Land fest; die Materialien sind nicht ministeriell geprüft, zugelassen oder empfohlen.

Eignet sich das Thema für eine fächerübergreifende Doppelstunde?

Ja. Heartfield lässt sich mit Geschichte zum Nationalsozialismus koppeln, Kentridge mit Geschichte oder Politik zur Apartheid und zur südafrikanischen Aufarbeitung nach 1994.