100 Jahre „Metropolis“: Fritz Lang im Kunst- und Deutschunterricht

Kunst · Deutsch · Weimarer Republik · Jubiläum 2027

100 Jahre „Metropolis“: Fritz Lang im Kunst- und Deutschunterricht

Fritz Langs Film „Metropolis“ hatte am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo Premiere – 2027 jährt sich das zum 100. Mal. Diese Seite ordnet den Film in die Kunst und Kultur der Weimarer Republik ein und verbindet ihn mit Material zu Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Brechts epischem Theater.

10.1.1927Uraufführung im Ufa-Palast am Zoo, Berlin
100.Jahrestag der Premiere 2027
2008Fund einer nahezu vollständigen Kopie in Buenos Aires
ab 12,99 €Unterrichtsmaterial Kunst & Deutsch

2027 jährt sich die Uraufführung von Fritz Langs Film „Metropolis“ am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo zum 100. Mal. Für den Unterricht lässt sich der Film über die Kunst und Kultur der Weimarer Republik erschließen, etwa mit Material zu Expressionismus und zur Bauhaus-Architektur, deren Formensprache die futuristische Stadtvision des Films mitgeprägt hat.

„Metropolis“: der teuerste Film der Weimarer Republik

Fritz Langs „Metropolis“, nach einem Drehbuch von Thea von Harbou, feierte am 10. Januar 1927 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin Premiere. Der Film gilt als die aufwendigste und teuerste Produktion der Weimarer Filmindustrie und zeigt eine futuristische Großstadt, in der eine herrschende Elite in Wolkenkratzern lebt, während Arbeiterinnen und Arbeiter die Maschinen der Stadt in unterirdischen Anlagen am Laufen halten.

Der Film endet mit dem vielzitierten Satz „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“ – eine Formel, die die Klassengegensätze der Stadt versöhnen soll. Diese Losung eignet sich im Unterricht für einen Vergleich mit anderen Kopf-Herz-Hand-Konzepten, etwa in der Pädagogikgeschichte, sollte dabei aber als eigenständige filmische Aussage behandelt werden, nicht als deren Fortsetzung.

Nach der Premiere wurde „Metropolis“ für den internationalen Vertrieb deutlich gekürzt, wodurch große Teile des Originalmaterials über Jahrzehnte als verloren galten. Erst 2008 wurde in Buenos Aires eine nahezu vollständige 16-mm-Kopie entdeckt, auf deren Grundlage 2010 eine restaurierte Fassung entstand, die auch bei der Berlinale gezeigt wurde.

Bildsprachlich verbindet der Film expressionistische Licht- und Schattenkontraste mit einer an die Neue Sachlichkeit und die Architektur der Moderne erinnernden Stadtkulisse – ein Grund, weshalb sich „Metropolis“ gut mit Material zu beiden Kunstrichtungen der Weimarer Republik verknüpfen lässt.

Regisseur Fritz Lang hatte mit Filmen wie „Der müde Tod“ (1921) und der zweiteiligen „Nibelungen“-Verfilmung (1924) bereits vor „Metropolis“ aufwendige, bildgewaltige Produktionen realisiert und sich damit als einer der prägenden Regisseure der deutschen Stummfilmzeit etabliert. Für „Metropolis“ ließ die Ufa eigens riesige Kulissenbauten errichten und setzte neuartige Trickaufnahmen ein, etwa das sogenannte Schüfftan-Verfahren, das reale Schauspieler mit Miniaturmodellen der Stadt kombinierte. Die Produktionskosten sprengten den ursprünglichen Etat um ein Vielfaches und trugen mit dazu bei, dass die Ufa in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet.

Trotz seiner heutigen Anerkennung als Klassiker fiel die zeitgenössische Kritik an „Metropolis“ gemischt aus: Manche Kritiker lobten die technische Leistung, andere hielten die Handlung für naiv oder die Versöhnungsbotschaft am Ende für zu einfach gedacht. Diese ambivalente Rezeption lässt sich im Unterricht gut nutzen, um zu zeigen, dass technische Innovation und inhaltliche Tiefe in der Filmgeschichte nicht immer gleichermaßen anerkannt wurden.

Material zur Kunst der Weimarer Republik

Die folgenden Reihen ordnen die künstlerischen Strömungen ein, in deren Umfeld „Metropolis“ entstand.

Otto Dix – Neue Sachlichkeit und Kriegsdarstellung

Unterrichtsmaterial Kunst

Otto Dix: Neue Sachlichkeit

Zweite prägende Strömung der 1920er-Jahre, die sich gut mit der nüchternen Sozialkritik in „Metropolis“ vergleichen lässt.

ab 24,99 €Zum Material
Bertolt Brecht und das epische Theater

Darstellendes Spiel Sek II

Brecht & das epische Theater

Zeitgleiche Neuerung im Theater der Weimarer Republik – ideal für einen fächerübergreifenden Vergleich mit dem neuen Medium Film.

ab 24,90 €Zum Material
Sparpaket Kunst: Klassische Moderne

Sparpaket Kunst

Sparpaket: Klassische Moderne

Fünf Reihen von Kandinsky bis Kahlo für einen breiten Überblick über die Kunst der Moderne rund um die Entstehungszeit von „Metropolis“.

ab 89,99 €Zum Material

„Metropolis“ fächerübergreifend: Kunst, Deutsch und Geschichte

Im Kunstunterricht eignet sich „Metropolis“ für eine Bildanalyse der Set- und Architekturgestaltung, die deutlich von expressionistischen und an die Moderne angelehnten Formen geprägt ist. Im Vergleich mit der Bauhaus-Architektur derselben Zeit lässt sich zeigen, wie unterschiedlich Zukunftsvisionen der 1920er-Jahre gestaltet wurden.

Im Deutschunterricht bietet sich ein Vergleich mit Bertolt Brechts episches Theater an: Beide, Lang und Brecht, suchten in den 1920er-Jahren nach neuen Formen, um gesellschaftliche Konflikte künstlerisch darzustellen, wenn auch mit unterschiedlichen Mitteln und Zielsetzungen.

Im Geschichtsunterricht lässt sich der Film als kulturhistorisches Zeugnis der Weimarer Republik einordnen: eine Zeit wirtschaftlicher und sozialer Spannungen, technologischer Aufbruchsstimmung und kultureller Innovation, aus der auch der Film als neues Massenmedium seine Bedeutung gewann.

Kunst und Kultur der Weimarer Republik im Überblick

Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Strömungen der Zeit ihrem Bezug zu „Metropolis“ zu.

Strömung Kernmerkmal Vertreter Bezug zu „Metropolis“
Expressionismus Starke Licht-Schatten-Kontraste, verzerrte Formen Kirchner, Die Brücke Bildsprache in Szenenbild und Beleuchtung
Neue Sachlichkeit Nüchterne, sozialkritische Darstellung Otto Dix, Käthe Kollwitz Sozialkritische Grundthematik des Films
Bauhaus-Architektur Funktionale, moderne Formensprache Gropius, Mies van der Rohe Futuristische Stadtarchitektur im Film
Episches Theater Verfremdung, gesellschaftliche Reflexion Bertolt Brecht Zeitgleiche Suche nach neuen Erzählformen
Neues Medium Film Massenmedium mit großer Reichweite Fritz Lang, Thea von Harbou „Metropolis“ als teuerste Produktion der Ära

Filmanalyse zu „Metropolis“: Ablauf für eine Doppelstunde

Der folgende Ablauf eignet sich für eine erste Annäherung an ausgewählte Szenen des Films.

  1. Einstieg (10 Min.): Kurze historische Einordnung – Entstehungsjahr, Regisseur, Produktionskontext der Weimarer Republik.
  2. Sichtung einer Schlüsselszene (15 Min.): Ausschnitt zur futuristischen Stadtarchitektur oder zur Arbeiterszene im Maschinenraum.
  3. Bildanalyse in Kleingruppen (20 Min.): Analyse von Licht, Kameraperspektive und Raumgestaltung anhand eines Beobachtungsbogens.
  4. Vergleich mit Expressionismus/Neuer Sachlichkeit (15 Min.): Zuordnung der Bildsprache zu den beiden Kunstströmungen.
  5. Inhaltliche Deutung (15 Min.): Diskussion der Kopf-Hirn-Hand-Metapher und ihrer gesellschaftlichen Aussage.
  6. Sicherung (10 Min.): Schriftliche Zusammenfassung der wichtigsten Analyseergebnisse.
  7. Ausblick (5 Min.): Hinweis auf die Restaurierungsgeschichte des Films als Beispiel für Filmerbe und Archivarbeit.

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Häufige Fragen

Wann hatte „Metropolis“ Premiere?

Fritz Langs „Metropolis“ feierte am 10. Januar 1927 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin Premiere. 2027 jährt sich dieses Datum zum 100. Mal.

Warum gilt „Metropolis“ als bedeutend für die Filmgeschichte?

Der Film war die aufwendigste Produktion der Weimarer Filmindustrie und prägte mit seiner futuristischen Bildsprache das Science-Fiction-Genre nachhaltig, unter anderem durch seine Stadtarchitektur und Spezialeffekte.

Was geschah mit dem Originalmaterial von „Metropolis“?

Der Film wurde nach der Premiere für den internationalen Vertrieb stark gekürzt. 2008 wurde in Buenos Aires eine nahezu vollständige Kopie entdeckt, auf deren Grundlage 2010 eine restaurierte Fassung entstand.

Wie lässt sich „Metropolis“ mit dem Expressionismus verbinden?

Die starken Licht-Schatten-Kontraste und die verzerrte, dramatische Bildsprache des Films stehen in der Tradition des Expressionismus, wie er auch in der Malerei der Zeit, etwa bei Ernst Ludwig Kirchner, zu finden ist.

Welchen Bezug hat „Metropolis“ zu Bertolt Brecht?

Lang und Brecht suchten zeitgleich in den 1920er-Jahren nach neuen künstlerischen Formen für gesellschaftliche Themen, wenn auch in unterschiedlichen Medien und mit unterschiedlichen Konzepten. Ein Vergleich eignet sich für den fächerübergreifenden Unterricht.

Gibt es feste Prüfungsvorgaben zu „Metropolis“ im Kunst- oder Deutsch-Abitur 2027?

Das hängt vom Bundesland und dem jeweils gültigen Kernlehrplan ab. Diese Seite nennt keine erfundenen Prüfungstermine oder Schwerpunkte. Prüfen Sie die aktuellen Vorgaben über die zuständige Landesquelle.