Geschichte· Sek I

Unterrichtsreihe BRD und DDR: die Doppelstunden im Überblick

von Luca 08.09.2026 1 Min. Lesezeit
BRD und DDR - Unterrichtsreihe SEK I

Eine Unterrichtsreihe zu BRD und DDR trägt in der Sek I etwa sechs bis acht Doppelstunden. Sie beginnt mit der gemeinsamen Ausgangslage nach 1945, führt über die doppelte Staatsgründung zum Systemvergleich, öffnet danach die Alltagsebene und endet mit 1989/90. Diese Reihenfolge ist nicht beliebig: Jede Stufe liefert das Wissen, ohne das die nächste zur Meinungsrunde wird.

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Die Reihenfolge folgt der Vergleichsfähigkeit

Der Vergleich zweier Staaten ist ein anspruchsvoller Denkakt: Er verlangt Kategorien, die für beide Seiten gelten, und Wissen, das für beide Seiten gleich belastbar ist. Genau daran scheitert der Einstieg, wenn er direkt mit dem Vergleich beginnt. Die Klasse hat dann für die Bundesrepublik Alltagswissen aus der Familie und für die DDR ein Bild aus Filmen — und der Vergleich reproduziert dieses Gefälle statt es zu bearbeiten.

Deshalb steht am Anfang der Reihe die gemeinsame Ausgangslage: Kriegsende, Besatzungszonen, unterschiedliche Ordnungsvorstellungen der Siegermächte. Erst wenn klar ist, dass beide Staaten aus derselben Situation hervorgingen, wird der spätere Vergleich zu einer Frage nach Ursachen statt zu einer Sortierung in gut und schlecht. Wie stark die Ausgangsperspektive eine ganze Sequenz prägt, zeigt der Beitrag zur weltgeschichtlichen Öffnung des Geschichtsunterrichts.

Warum die doppelte Staatsgründung nicht in die Mitte gehört

Die Ereignisse zwischen Währungsreform, Berlin-Blockade und den beiden Staatsgründungen im Jahr 1949 bilden das Scharnier der Reihe. Wer sie später behandelt, muss vorher ständig vorgreifen. In der zweiten und dritten Doppelstunde stehen sie richtig: nah genug am Einstieg, dass der Zusammenhang trägt, und früh genug, dass die Verfassungstexte beider Staaten als Quellen zur Verfügung stehen, wenn der Vergleich beginnt.

Für diese Doppelstunden brauchen Sie zwei Verfassungsauszüge, eine Karte und eine Zeitleiste, die über die ganze Unterrichtsreihe hinweg fortgeschrieben wird. In der Reihe zu BRD und DDR für die Sekundarstufe I ist dieser Aufbau im Verlaufsplan bereits abgebildet, sodass sich die Zeitleiste als durchlaufendes Sicherungsformat mitführen lässt und am Ende die Struktur des ganzen Halbjahres sichtbar macht.

Der Systemvergleich in der Mitte, mit festen Kategorien

Die vierte und fünfte Doppelstunde tragen den eigentlichen Vergleich. Legen Sie vorher drei bis vier Kategorien fest — politische Ordnung, Wirtschaftsform, Umgang mit Opposition, Verhältnis zu den Schutzmächten — und halten Sie sie schriftlich fest. Ohne feste Kategorien vergleicht die Klasse Einzelheiten und kommt zu keinem tragfähigen Sachurteil, weil jede Gruppe an einer anderen Stelle ansetzt.

Ereignisse wie der 17. Juni 1953 und der Mauerbau am 13. August 1961 gehören in diese Phase, aber als Belege innerhalb der Kategorien, nicht als eigene Erzählstränge. Das ist der Unterschied zwischen einer chronologischen Aneinanderreihung und einer strukturierten Reihe. Die Fach-Übersicht zur Geschichtsreihe zwischen Längsschnitt, Fallbeispiel und Urteilsbildung beschreibt, wann welcher der beiden Zugriffe der tragfähigere ist.

Alltag erst danach, sonst wird er Folklore

Die Alltagsgeschichte ist die beliebteste und die riskanteste Phase der Reihe. Ohne vorherige Strukturkenntnis werden Konsumgüter, Jugendorganisationen und Schulalltag zu einer Sammlung von Kuriositäten, die entweder verniedlicht oder pauschal verurteilt wird. Nach dem Systemvergleich dagegen kann die Klasse fragen, wie sich staatliche Vorgaben im Alltag auswirkten und wo Menschen sich Spielräume schufen. In dem Material zu BRD und DDR steht die Alltagsebene deshalb bewusst hinter dem Vergleich, auch wenn sie sich als Einstieg leichter verkaufen ließe.

Für diese sechste Doppelstunde eignen sich Zeitzeugenaussagen — mit dem Hinweis, dass Erinnerung eine eigene Quellengattung ist und Auskunft über das Erinnern von heute gibt und nicht allein über das Erlebte von damals. Diese Unterscheidung ist für viele Klassen neu und braucht eine eigene Aufgabe. Ansätze dazu liefert das Vorgehen im Methodentraining im Geschichtsunterricht in Brandenburg.

Das Ende der Reihe entscheidet über den Anschluss

Die letzten ein bis zwei Doppelstunden behandeln die Jahre 1989 und 1990. Sie lassen sich als Abschluss anlegen, dann steht die Deutsche Einheit als Zielpunkt. Oder Sie lassen die Reihe offen enden mit der Frage, welche Unterschiede über 1990 hinaus wirksam blieben — das ist der anspruchsvollere Weg und der bessere Anschluss an spätere Reihen zur Zeitgeschichte.

Wer die Reihe im Folgehalbjahr fortsetzen will, sollte diese Öffnung wählen und im letzten Sicherungsschritt eine Leitfrage stehen lassen. Einen lehrreichen Kontrast bietet die Mittelalter-Reihe für die Sekundarstufe I, die nicht vergleichend, sondern strukturgeschichtlich aufgebaut ist und deshalb ganz anders taktet. Für die Oberstufe zahlt sich eine offen endende Reihe ohnehin aus, wie die Hinweise zum Geschichte-Abitur 2027 in Hessen zeigen: Dort wird an genau solchen Anschlussfragen weitergearbeitet.

Was die Länge der Unterrichtsreihe angeht, gilt für dieses Thema eine einfache Regel: Streichen Sie eher eine Kategorie im Vergleich als eine ganze Phase. Fällt die Alltagsstunde weg, bleibt die Reihe abstrakt; fällt der Systemvergleich weg, bleibt sie anekdotisch. Weitere Kriterien für die Reihenlänge stehen in der Übersicht zur Planung einer Unterrichtsreihe nach Aufbau, Länge und Sequenz.

Häufige Fragen

Wie viele Doppelstunden sollte die Reihe umfassen?

Sechs bis acht Doppelstunden sind für die Sek I ein realistischer Rahmen: zwei für Ausgangslage und Staatsgründungen, zwei für den Systemvergleich, eine bis zwei für Alltag, eine für 1989/90 und eine für Sicherung oder Leistungsüberprüfung. Kürzer als sechs wird der Vergleich oberflächlich, länger als acht verliert die Klasse den roten Faden.

Kann ich mit dem Mauerbau einsteigen?

Als Einstiegsimpuls ja, als Erarbeitungsgegenstand nein. Ein Bild vom August 1961 erzeugt zuverlässig Fragen und kann die Leitfrage der Reihe stiften. Die Erklärung des Mauerbaus setzt aber Kenntnisse über beide Staaten und ihre Entstehung voraus. Nutzen Sie das Bild also als Aufhänger und kehren Sie in der fünften Doppelstunde mit Wissen dorthin zurück.

Wie verhindere ich, dass der Vergleich zur Wertung gerät?

Trennen Sie im Aufgabenmaterial sichtbar zwischen Sachurteil und Werturteil. Das Sachurteil beschreibt Unterschiede innerhalb der festgelegten Kategorien und belegt sie an Quellen. Das Werturteil kommt danach und wird ausdrücklich als Position der Lernenden gekennzeichnet, mit angegebenem Maßstab. Wer beides in einer Aufgabe mischt, bekommt Meinungen ohne Belege zurück.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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