Nationale Identität unter den Bedingungen — neben dem Schulbuch einsetzen

Nicht jedes Thema, das der Lehrplan verlangt, findet im approbierten Schulbuch gleich viel Raum. Die deutsche Nachkriegsgeschichte unter den Bedingungen der Zweistaatlichkeit gehört im Unterrichtsgegenstand Geschichte oft zu den knapper behandelten Abschnitten. Wer diese Lücke erkennt, kann sie gezielt mit Zusatzmaterial schließen, statt das ganze Kapitel neu aufzubauen. Welche Art von Lücke vorliegt, entscheidet dabei, wie viel zusätzliches Material tatsächlich nötig ist.
Die im Text erwähnten Unterrichtsmaterialien auf einen Blick. Digitaler Download, sofort einsetzbar.
Woran sich eine Lücke im Schulbuch erkennen lässt
Nicht jede knappe Passage ist eine Lücke. Manche Themen sind bewusst kurz gehalten, weil sie an anderer Stelle vertieft werden. Eine echte Lücke zeigt sich eher daran, dass Begriffe auftauchen, ohne erklärt zu werden, oder dass ein Ereignis nur in einem Nebensatz steht, obwohl der Lehrplan dafür eine eigenständige Auseinandersetzung vorsieht.
Bei der nationalen Identität unter den Bedingungen der Zweistaatlichkeit fällt das häufig bei der neuen Ostpolitik und der Stalin-Note auf: Beide werden oft nur erwähnt, ohne dass ihre politische Tragweite an Quellen nachvollzogen wird.
Nicht jede Lücke lässt sich allein aus dem Schulbuch heraus erkennen. Manchmal hilft ein Vergleich mit dem Fachlehrplan selbst, der für den Unterrichtsgegenstand Geschichte bestimmte Kompetenzen ausdrücklich benennt, während das approbierte Buch diese nur am Rande streift. Ein solcher Abgleich lohnt sich besonders bei Themen, die politisch oder gesellschaftlich stark diskutiert werden, weil hier Schulbücher unterschiedlicher Verlage teils sehr unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Lücken kategorisieren, bevor man sie schließt
Drei Arten von Lücken lassen sich unterscheiden: fehlender Regionalbezug, fehlende Quellenarbeit und fehlende Aktualisierung, wenn ein Schulbuch älter ist als der zuletzt überarbeitete Lehrplan. Für jede Art braucht es ein anderes Zusatzmaterial — eine Karte hilft bei fehlendem Regionalbezug nicht weiter, wenn eigentlich Quellen fehlen.
Die Unterrichtsreihe zur nationalen Identität unter den Bedingungen der Zweistaatlichkeit setzt gezielt bei der Quellenarbeit an: Sie stellt Dokumente zur neuen Ostpolitik und zur Stalin-Note bereit, die im Schulbuch meist nur zusammengefasst werden.
Eine Lücke schließen, ohne das Kapitel zu sprengen
Eine geschlossene Lücke sollte im Umfang zur Lücke passen. Wer ein einseitig behandeltes Thema plötzlich über drei Doppelstunden ausbreitet, verschiebt die Gewichtung im Gesamtcurriculum, ohne dass dafür Zeit eingeplant war. Zusatzmaterial lässt sich meist so dosieren, dass eine oder zwei Einheiten reichen.
Sinnvoll ist außerdem, die Lücke nicht isoliert zu behandeln, sondern an bestehende Methoden im Unterrichtsgegenstand anzuknüpfen — etwa an eine Quellenanalyse, die die Klasse aus einem früheren Kapitel bereits kennt.
In der Praxis bewährt sich, die geschlossene Lücke am Ende der Einheit kurz zusammenzufassen, etwa in Form einer gemeinsamen Tafelanschrift oder eines kurzen Merkblatts. So bleibt für die Klasse nachvollziehbar, was ergänzend behandelt wurde und was aus dem approbierten Schulbuch stammt, was sich später auch bei der Vorbereitung auf eine Schularbeit als hilfreiche Orientierung erweist.
Anschluss an vorhandenes Material
Wer im Anschluss die ideologischen Vorstufen einordnen will, findet mit der Reihe zu den politischen und ideologischen Voraussetzungen des Nationalsozialismus ein Material, das zeitlich vor dem Thema Zweistaatlichkeit ansetzt.
Einen grundsätzlichen Überblick, wie sich Zusatzmaterial neben dem Schulbuch platzieren lässt, bietet die Seite zu Zusatzmaterial neben dem Schulbuch. Für weiteres Material zum Fach Geschichte in Österreich lohnt sich zudem ein Blick auf Geschichte und Politische Bildung – Unterrichtsmaterial für Österreich, und die Reihe zur nationalen Identität lässt sich davon unabhängig als eigener Baustein einsetzen.
Woher man weiß, ob die Lücke wirklich geschlossen ist
Ob die Lücke tatsächlich geschlossen wurde, zeigt sich oft erst in der nächsten Leistungsfeststellung. Wie sich das systematisch prüfen lässt, beschreibt der Beitrag zu Quellenkritik in der Unterstufe einführen, dessen Vorgehen sich auch auf die Oberstufe übertragen lässt.
Wer das Thema bis zur Matura mitdenkt, sollte zudem im Blick behalten, wie es in Prüfungsformaten wiederkehrt. Der Beitrag zu Lehrplan, Aufgabenarten und Lernplan zur Reifeprüfung in Geschichte ordnet ein, an welcher Stelle ähnliche Themen später wieder auftauchen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob eine knappe Passage im Schulbuch tatsächlich eine Lücke ist?
Prüfen Sie, ob der Lehrplan für das Thema eine eigenständige Auseinandersetzung vorsieht oder ob die Kürze bewusst gewählt ist, weil das Thema an anderer Stelle vertieft wird. Tauchen Begriffe unerklärt auf oder fehlen Quellen, die der Lehrplan verlangt, handelt es sich meist um eine echte Lücke. Hilfreich ist auch ein Blick auf die im Buch verwendeten Quellenangaben: Fehlen dort ganze Kategorien wie Zeitzeugenberichte, deutet das oft auf eine echte Lücke hin.
Wie viel Unterrichtszeit sollte ich für das Schließen einer Lücke einplanen?
Das hängt vom Umfang der Lücke ab, lässt sich aber selten pauschal beziffern. Sinnvoll ist, die zusätzliche Zeit im Verhältnis zur bisherigen Behandlung des Themas im Schulbuch zu wählen, damit sich die Gewichtung im Gesamtcurriculum nicht ungewollt verschiebt. Wer die Lücke zu großzügig bemisst, riskiert, dass für andere, ebenfalls wichtige Themen im Schuljahr am Ende die Zeit fehlt.
Kann ich mehrere Lücken gleichzeitig mit einem Material schließen?
Selten sinnvoll, weil verschiedene Lücken meist unterschiedliche Ursachen haben — fehlender Regionalbezug verlangt anderes Material als fehlende Quellenarbeit. Es lohnt sich, jede Lücke einzeln zu benennen und dafür passendes, eng zugeschnittenes Zusatzmaterial zu wählen, statt ein breites Material für alles zu verwenden. Eine kurze schriftliche Aufgabe zu den behandelten Quellen zeigt meist zuverlässiger als eine mündliche Nachfrage, ob die Lücke tatsächlich geschlossen wurde.
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Eine Prüfung, Zulassung oder Empfehlung durch ein Ministerium besteht nicht. Da die Vorgaben zwischen den Ländern abweichen, lohnt sich vor dem Einsatz ein kurzer Abgleich mit dem schulinternen Lehrplan.
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