Sek II

Bauhaus-Meister: Gropius, Klee, Kandinsky und ihr Vermächtnis

von Luca 15.07.2026 1 Min. Lesezeit

Ein Gebäude, ein Stuhl, eine Schriftart – kaum eine andere Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts prägt unseren Alltag so unauffällig und zugleich so umfassend wie das Bauhaus. Zwei frühere Beiträge auf diesem Blog haben sich bereits mit der Architektur des Bauhauses und seinen Gestaltungsprinzipien – Form, Farbe, Funktion – beschäftigt. Dieser dritte Beitrag wechselt die Perspektive: Statt Prinzipien und Gebäude stehen die Menschen im Zentrum, die das Bauhaus zu dem gemacht haben, was es war – allen voran Walter Gropius, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Ihre biografischen Wege und ihr jeweiliges Werk erklären, warum das Bauhaus bis heute nachwirkt, obwohl es nur 14 Jahre existierte.

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Was bedeutet: Bauhaus-Meister?

Als „Meister“ wurden am Bauhaus die Lehrenden bezeichnet – ein Begriff, der bewusst aus der mittelalterlichen Handwerkstradition entlehnt war, da Gropius Kunst und Handwerk zusammenführen wollte. Jeder Meister leitete eine Werkstatt (etwa Weberei, Metall, Wandmalerei oder Tischlerei) und unterrichtete zugleich im sogenannten Vorkurs Grundlagen der Form- und Farblehre. Diese Doppelstruktur aus künstlerischer und handwerklicher Ausbildung war ein Alleinstellungsmerkmal des Bauhauses gegenüber klassischen Kunstakademien. Die Meister waren zugleich eigenständige Künstlerpersönlichkeiten mit sehr unterschiedlichen Temperamenten und Zugängen, was das Bauhaus zu einem Ort produktiver Reibung machte.

Drei Wege, ein Institut: Gropius, Klee und Kandinsky im Vergleich

Walter Gropius, Architekt und Gründer des Bauhauses 1919 in Weimar, verstand die Schule von Beginn an als Gesamtkunstwerk-Projekt: Sein Ziel war die Aufhebung der Trennung zwischen freier Kunst und angewandtem Handwerk, formuliert im berühmten Bauhaus-Manifest mit dem Bild der „Kathedrale der Zukunft“. Gropius war weniger selbst künstlerisch prägend als organisatorisch und ideologisch – er hielt die Institution durch politische Anfeindungen und drei Standortwechsel (Weimar, Dessau, Berlin) hindurch zusammen. Paul Klee, seit 1921 Formmeister, brachte einen ganz anderen Zugang mit: einen poetisch-musikalischen, oft von Kinderzeichnungen und Naturbeobachtung inspirierten Malstil, der sich jeder strengen Systematik entzog. Seine Vorkurs-Skizzenbücher, in denen er Linie, Fläche und Farbe fast wissenschaftlich analysierte, gehören bis heute zu den einflussreichsten kunstpädagogischen Dokumenten überhaupt. Wassily Kandinsky, ebenfalls seit 1922 am Bauhaus, verfolgte demgegenüber einen theoretisch-analytischen Zugang: In seinem Buch „Punkt und Linie zu Fläche“ entwickelte er ein regelrechtes Vokabular geometrischer Grundformen und ordnete ihnen sogar Farben und Klangqualitäten zu. Während Klee eher intuitiv-assoziativ arbeitete, suchte Kandinsky nach objektivierbaren Gesetzmäßigkeiten der Form – ein Gegensatz, der den Unterricht am Bauhaus bereicherte, weil Studierende beide Zugänge nebeneinander erlebten.

Ein Beispiel: Der Vorkurs als Ort der Begegnung

Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf den Vorkurs, den alle Bauhaus-Studierenden durchlaufen mussten, bevor sie sich für eine Werkstatt entschieden. Johannes Itten prägte ihn zunächst mit einer fast spirituell aufgeladenen Herangehensweise an Kontrast und Material, bevor Klee und Kandinsky ab den 1920er-Jahren stärker analytische Bausteine einbrachten. Ein und dieselbe Übung – etwa die Analyse eines Naturgegenstands hinsichtlich Struktur und Form – wurde von den Meistern vollkommen unterschiedlich vermittelt: Klee ließ seine Studierenden Bewegungslinien nachempfinden, Kandinsky hingegen Grundformen wie Kreis, Dreieck und Quadrat identifizieren und deren Wirkung analysieren. Dieses Nebeneinander verschiedener künstlerischer Persönlichkeiten unter einem institutionellen Dach ist einer der Hauptgründe, warum das Bauhaus bis heute als Modell für fachübergreifende Gestaltungsausbildung gilt.

Praxisbeispiel / Unterrichtsaktivität

Für den Unterricht eignet sich eine Gegenüberstellung in Kleingruppen: Jede Gruppe erhält ein kurzes Porträt eines Meisters (Gropius, Klee, Kandinsky, optional ergänzt um Itten oder Moholy-Nagy) mit zwei bis drei charakteristischen Werken oder Textauszug. Die Aufgabe lautet, aus dem biografischen und werkbezogenen Material eine kurze „Lehrphilosophie“ des jeweiligen Meisters zu rekonstruieren und zu präsentieren: Wofür stand diese Person, was wäre ihr in einer Unterrichtsstunde wichtig gewesen? Im Anschluss vergleicht die Klasse die drei Positionen und diskutiert, warum gerade diese Vielfalt an Zugängen für das Bauhaus konstitutiv war. Eine Vertiefung kann durch die Frage erfolgen, welche dieser drei Haltungen sich am stärksten in der heutigen Gestaltung – Produktdesign, Typografie, Architektur – wiederfindet.

Typische Missverständnisse

  • „Das Bauhaus war ein einheitlicher Stil mit klaren Regeln.“ Tatsächlich war es ein Ort widersprüchlicher künstlerischer Persönlichkeiten, deren Zugänge sich teils erheblich unterschieden.
  • „Gropius war der wichtigste künstlerische Kopf des Bauhauses.“ Seine Rolle war vor allem organisatorisch und programmatisch; künstlerisch prägender waren Klee, Kandinsky und andere Meister.
  • „Klee und Kandinsky verfolgten denselben Zugang zu Form und Farbe.“ Beide beschäftigten sich zwar mit denselben Grundfragen, kamen aber – der eine intuitiv, der andere analytisch – zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Grenzen der Betrachtung

Eine biografische Fokussierung auf einzelne Meister birgt die Gefahr, das Bauhaus auf einige wenige, heute bekannte Namen zu reduzieren, während zahlreiche Meisterinnen und Studierende – etwa Gunta Stölzl, Anni Albers oder Marianne Brandt – lange Zeit weniger Beachtung fanden, obwohl ihr Beitrag zur Gestaltungsgeschichte erheblich war. Eine vollständige Darstellung des Bauhauses sollte diese oft weniger sichtbaren Personen ergänzend einbeziehen, um kein verzerrtes Bild der Institution zu vermitteln.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bauhaus-Meister leiteten Werkstatt und Vorkurs zugleich und verknüpften Kunst mit Handwerk.
  • Gropius prägte das Bauhaus vor allem organisatorisch und programmatisch.
  • Klee arbeitete intuitiv-poetisch, Kandinsky analytisch-systematisch – beide Zugänge ergänzten sich.
  • Der Vorkurs war der Ort, an dem diese unterschiedlichen Haltungen aufeinandertrafen.
  • Weniger bekannte Meisterinnen des Bauhauses verdienen eine gleichwertige Berücksichtigung im Unterricht.

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Häufig gestellte Fragen

Wer waren die wichtigsten Meister des Bauhauses? Neben Walter Gropius als Gründer zählten unter anderem Paul Klee, Wassily Kandinsky, Johannes Itten, László Moholy-Nagy und Marcel Breuer zu den prägenden Lehrenden.

Was unterschied Klees und Kandinskys Zugang zur Form? Klee arbeitete eher intuitiv und naturbezogen, Kandinsky suchte nach systematischen, analytisch begründbaren Gesetzmäßigkeiten von Form und Farbe.

Warum gilt Gropius als wichtigste Figur, obwohl er selten selbst gestaltete? Seine Bedeutung liegt vor allem in der programmatischen Gründungsidee und der organisatorischen Führung der Institution durch schwierige politische Zeiten.

Welche Rolle spielte der Vorkurs am Bauhaus? Er war die gemeinsame Grundausbildung aller Studierenden, bevor sie sich für eine Werkstatt entschieden, und der zentrale Ort, an dem unterschiedliche Meisterpositionen aufeinandertrafen.

Warum sind Bauhaus-Meisterinnen wie Gunta Stölzl heute weniger bekannt? Frauen waren am Bauhaus formal gleichberechtigt zugelassen, wurden in der Praxis aber häufig in bestimmte Werkstätten wie die Weberei gedrängt und historisch lange weniger gewürdigt.

Wie lässt sich das Vermächtnis des Bauhauses heute konkret zeigen? Etwa an Alltagsgegenständen, Typografie oder Gebäuden, die bis heute auf Bauhaus-Prinzipien wie Klarheit, Funktionalität und Reduktion zurückgehen.

Wie lässt sich dieser biografische Zugang mit den früheren Beiträgen zu Architektur und Gestaltungsprinzipien kombinieren? Am sinnvollsten als Abschluss einer Unterrichtsreihe, da er die zuvor gelernten Prinzipien konkreten Personen und Handschriften zuordnet.

Fazit

Das Bauhaus lässt sich nicht auf einen einzelnen Stil reduzieren, sondern war das Ergebnis sehr unterschiedlicher künstlerischer Persönlichkeiten unter einem gemeinsamen institutionellen Dach. Gropius, Klee und Kandinsky stehen exemplarisch für drei verschiedene Zugänge – organisatorisch, intuitiv, analytisch – deren Zusammenspiel das Bauhaus zu einem bis heute wirksamen Modell fachübergreifender Gestaltungsausbildung gemacht hat.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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