ABU planen: Der Lernbereich Gesellschaft in acht Aspekten

von Luca 14.09.2026 1 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Der allgemeinbildende Unterricht kennt zwei Lernbereiche: Sprache und Kommunikation sowie Gesellschaft. Der Lernbereich Gesellschaft wird über acht Aspekte erschlossen, aus denen sich Themenblöcke für die Berufsfachschule bauen lassen.

Wer den ABU plant, arbeitet also nicht mit einem Fächerkanon, sondern mit Perspektiven auf ein Thema. Dieser Beitrag zeigt, wie das praktisch funktioniert.

Der bildungssystemische Hintergrund: ABU an der Berufsfachschule

Der allgemeinbildende Unterricht (ABU) gehört zur beruflichen Grundbildung. Lernende besuchen ihn an der Berufsfachschule, parallel zur Arbeit im Betrieb und zu den überbetrieblichen Kursen. Grundlage sind die ABU-Verordnung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation sowie der Rahmenlehrplan für den allgemeinbildenden Unterricht aus dem Jahr 2006.

Der Rahmenlehrplan unterscheidet zwei Lernbereiche. Sprache und Kommunikation zieht sich als Querschnitt durch alle Themen. Der Lernbereich Gesellschaft wird über acht Aspekte erschlossen: Ethik, Identität und Sozialisation, Kultur, Ökologie, Politik, Recht, Technologie und Wirtschaft. Ein Thema wird nicht einem Aspekt zugeordnet, sondern aus mehreren beleuchtet.

Konkretisiert wird der Rahmen durch den Schullehrplan, den jede Berufsfachschule selbst erstellt; die Kantone sichern die Qualität. Für die Qualifikation gilt beim EFZ die Kombination aus Erfahrungsnote, Vertiefungsarbeit (VA) und Schlussprüfung, beim EBA nur Erfahrungsnote und Vertiefungsarbeit ohne Schlussprüfung.

Warum das im Unterricht zählt

Die Aspektlogik ist der entscheidende Unterschied zu einem klassischen Fach. Wer eine Sequenz zum Thema Wohnen plant, arbeitet automatisch mit Recht (Mietvertrag), Wirtschaft (Budget), Ökologie (Energie) und Identität (Auszug von zu Hause). Das macht den Unterricht für Lernende anschlussfähig, weil er an ihrer Lebenssituation ansetzt.

Gleichzeitig verlangt sie eine bewusste Steuerung. Ohne Übersicht bleiben einzelne Aspekte über die ganze Grundbildung hinweg unbearbeitet – typischerweise Kultur und Ethik, weil sie sich schlechter prüfen lassen als Recht oder Wirtschaft.

Konkrete Umsetzung: fünf Schritte für die Jahresplanung

  1. Themen aus dem Alltag wählen: Wohnen, Geld, Arbeit, Gesundheit, Medien, Zusammenleben – Themen, zu denen Lernende bereits Erfahrungen mitbringen.
  2. Aspekte zuordnen: Legen Sie pro Thema drei bis vier der acht Aspekte fest, statt alle acht abhaken zu wollen.
  3. Abdeckung prüfen: Führen Sie eine einfache Matrix Thema mal Aspekt über die gesamte Grundbildung, damit keine Perspektive verloren geht.
  4. Sprache mitplanen: Verankern Sie in jedem Themenblock eine Sprachhandlung – Bericht, Stellungnahme, Gespräch – aus dem Lernbereich Sprache und Kommunikation.
  5. Auf die Vertiefungsarbeit hinführen: Bauen Sie kleine Recherche- und Dokumentationsaufgaben ein, die auf die VA vorbereiten.

Den Aspekt Recht deckt Der Ausbildungsvertrag – Rechte und Pflichten ab; die Fallstruktur lässt sich auf den Schweizer Lehrvertrag übertragen. Für den Aspekt Wirtschaft eignet sich Markt und Marktformen, für Ökologie Nachhaltigkeit im Betrieb und CSR. Weitere Reihen für die Berufsfachschule bündelt die Themenseite ABU-Unterrichtsmaterial für die Berufsfachschule.

Beispielhafter Stundenverlauf (45 Minuten)

Einstieg (ca. 10 Min.): Schreiben Sie ein Alltagsthema an die Wandtafel, etwa „Erste eigene Wohnung“. Die Lernenden sammeln in zwei Minuten alles, was ihnen dazu einfällt.

Erarbeitung (ca. 25 Min.): Die Klasse sortiert die Stichworte den acht Aspekten zu und erkennt, welche Perspektiven stark und welche kaum vertreten sind. In Gruppen wird je ein schwacher Aspekt mit zwei Leitfragen ausgebaut.

Sicherung (ca. 10 Min.): Gemeinsam entsteht die Themenlandkarte für den kommenden Block; jede Gruppe übernimmt eine Leitfrage für die nächste Lektion.

Tipps und typische Stolpersteine

  • Halten Sie die Aspekt-Matrix sichtbar im Schulzimmer – auch die Lernenden sollen die Systematik kennen.
  • Prüfen Sie Material aus Deutschland auf Rechtsgrundlagen: Obligationenrecht statt BGB, Schweizer Sozialversicherungen statt deutscher Systematik.
  • Bewerten Sie Sprachleistungen im ABU immer im Sachzusammenhang, nicht als isolierte Deutschprüfung.

Häufige Fehler: Ein häufiger Fehler ist, die acht Aspekte als acht Themenblöcke zu lesen und nacheinander abzuarbeiten. Sie sind Perspektiven auf ein Thema, keine Kapitelfolge. Ebenso verbreitet ist es, den Lernbereich Sprache und Kommunikation als separates Fach zu führen, statt ihn in die Themen einzubauen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Lernbereiche kennt der ABU?

Zwei: Sprache und Kommunikation sowie Gesellschaft. Der Lernbereich Gesellschaft wird über acht Aspekte erschlossen, Sprache und Kommunikation zieht sich als Querschnitt durch alle Themen.

Welches sind die acht Aspekte?

Ethik, Identität und Sozialisation, Kultur, Ökologie, Politik, Recht, Technologie und Wirtschaft. Ein Thema wird jeweils aus mehreren dieser Perspektiven bearbeitet.

Wie wird der ABU bei EFZ und EBA abgeschlossen?

Beim EFZ zählen Erfahrungsnote, Vertiefungsarbeit und Schlussprüfung. Beim EBA gibt es keine Schlussprüfung; hier zählen Erfahrungsnote und Vertiefungsarbeit.

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Über den Autor
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Luca
Bildungsgestalter & Gründer von stifo.de

Luca beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Frage, was guten Unterricht ausmacht - und wie Lehrkräfte dabei wirklich entlastet werden können. Als Gründer von stifo.de entwickelt er strukturierte Unterrichtsmaterialien, die Lehrerinnen und Lehrer im Alltag spürbar unterstützen: durchdacht aufgebaut, direkt einsetzbar und didaktisch solide.

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Häufige Fragen

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