Leben zur Zeit Jesu: Herodes, Antipas & Tiberius
Erschließt den politischen und sozialen Kontext, in dem Jesus aufgetreten ist.
Religion · Christologie & Jesus von Nazareth · Sek II
Unterrichtsmaterial für die Christologie der Oberstufe – von der historischen Rückfrage nach Jesus von Nazareth und seiner Lebenswelt über die Kreuzigung bis zu den Deutungen von Tod und Auferweckung. Die Reihen verbinden Quellenarbeit mit theologischer Urteilsbildung und sind auf EF, Q1 und Q2 zugeschnitten.
Kurz gesagt: Christologie in der Oberstufe verbindet zwei Zugänge, die klar auseinanderzuhalten sind: die historische Rückfrage nach Jesus von Nazareth, seiner Verkündigung und seinem Tod unter römischer Herrschaft – und die theologische Deutung dieses Todes und der Auferweckung im Glauben der frühen Gemeinden. Die Materialien auf dieser Seite erschließen beide Ebenen mit Quellen, Deutungstexten und Aufgaben mit Lösungen für EF, Q1 und Q2.
Der häufigste Stolperstein der Oberstufenchristologie ist eine unklare Ebenenlogik. Wenn im Unterricht nicht deutlich wird, dass die Frage nach dem historischen Jesus und die Frage nach dem Christus des Glaubens zwei verschiedene Fragen sind, entstehen Diskussionen, in denen aneinander vorbeigeredet wird: Die einen argumentieren mit Quellenlage, die anderen mit Glaubensüberzeugung. Wer die Unterscheidung dagegen früh einführt und konsequent durchhält, gewinnt ein Werkzeug, mit dem sich fast jede christologische Fragestellung ordnen lässt.
Historisch gilt heute als weitgehend gesichert, dass Jesus von Nazareth gelebt hat, als Wanderprediger in Galiläa aufgetreten ist und unter dem Präfekten Pontius Pilatus gekreuzigt wurde; neben den neutestamentlichen Texten gibt es dafür auch außerchristliche Erwähnungen. Die Auferweckung dagegen ist keine historisch prüfbare Tatsache, sondern eine Glaubensaussage, die in den ältesten Texten als Bekenntnis formuliert wird. Diese Differenz ist keine Relativierung, sondern die Voraussetzung dafür, beide Seiten fachlich seriös zu behandeln.
Die folgenden Reihen decken den Themenbereich von der Lebenswelt Jesu bis zu den Deutungen der Auferweckung ab – mit Quellen, Deutungstexten und ausführlichen Lösungen.
Erschließt den politischen und sozialen Kontext, in dem Jesus aufgetreten ist.
Trennt historische Befunde, theologische Deutungen und interreligiöse Sichtweisen.
Kernreihe zur Christologie mit den zentralen neutestamentlichen Zeugnissen.
Nimmt die kritische Anfrage der Lernenden ernst und macht sie zum Unterrichtsgegenstand.
Bündelt die christologischen Reihen zu einer vollständigen Kurshalbjahres-Grundlage.
Bewährt hat sich ein Einstieg über die Lebenswelt statt über die Person. Wer Galiläa unter Herodes Antipas, die römische Präfektur in Judäa und die religiösen Gruppierungen der Zeit kennt, liest die Evangelien anders: Konflikte um Sabbat, Tempel und Reinheitsvorschriften werden als reale Auseinandersetzungen erkennbar, und die Kreuzigung erscheint nicht als isoliertes Ereignis, sondern als römische Hinrichtungsart für politisch Verdächtige. Diese Kontextualisierung kostet zwei bis drei Stunden und trägt den gesamten weiteren Kurs.
Die zweite Etappe gilt der Kreuzigung selbst, sauber zweigeteilt: zuerst der historische Befund und die Quellenlage, danach die Deutungen. Die neutestamentlichen Deutungsmodelle – der Tod als Sühne, als Stellvertretung, als Ausdruck der Solidarität Gottes mit den Leidenden – lassen sich in Gruppenarbeit an Textstellen erarbeiten und anschließend vergleichen. Die dritte Etappe führt zur Auferweckung. Fruchtbar ist hier die Arbeit an 1 Korinther 15, weil dieses Bekenntnis älter ist als die Evangelienberichte und zeigt, dass am Anfang eine Glaubensformel steht und keine Beschreibung. Den Abschluss bilden die interreligiösen Perspektiven, die deutlich machen, dass das Kreuz genau der Punkt ist, an dem sich die abrahamitischen Religionen unterscheiden.
| Stufe | Einsatz | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Klasse 9/10 | Grundlegung | Leben zur Zeit Jesu: historischer Kontext, Quellenarten und erste Textarbeit |
| EF | Systematisierung | Kreuzigung Jesu: historische Befunde von theologischen Deutungen unterscheiden |
| Q1/Q2 | Vertiefung & Abitur | Auferweckung und christologische Positionen im Vergleich, Transfer auf unbekannte Texte |
Die Textgrundlagen der Christologie sind anspruchsvoll, weil sie sowohl exegetisches als auch systematisches Denken verlangen. Für Grundkurse empfiehlt es sich, Deutungsmodelle mit einer knappen Erläuterung vorzugeben und die Lernenden Textstellen zuordnen zu lassen; Leistungskurse arbeiten umgekehrt und erschließen die Modelle selbst aus den Quellen. Bei theologischen Fachtexten hilft ein Erschließungsraster mit den Fragen: Welche Position wird vertreten, mit welcher Begründung, und gegen welche Gegenposition richtet sie sich?
Für Klausuren eignen sich besonders Aufgaben, in denen ein unbekannter theologischer Text oder eine Bibelstelle vorgelegt wird und daran Analyse, Einordnung und Erörterung verlangt werden – also die Anforderungsbereiche II und III. Wichtig ist, dass die Bewertung sich auf die fachliche Qualität der Argumentation bezieht und nicht auf die persönliche Glaubenshaltung. Da alle Dateien bearbeitbar vorliegen, können Sie Aufgabenstellungen an die Operatorenliste und die Klausurformate Ihres Bundeslandes anpassen.
Die Christologie gehört in nahezu allen Bundesländern zu den obligatorischen Inhaltsfeldern der Qualifikationsphase, meist unter Formulierungen wie Jesus Christus oder Das Christusereignis. Die Kompetenzerwartungen betreffen typischerweise drei Bereiche: die Kenntnis der Lebenswelt und Verkündigung Jesu, die Fähigkeit, neutestamentliche Deutungen seines Todes und seiner Auferweckung zu erschließen und zu vergleichen, sowie die begründete Auseinandersetzung mit christologischen Positionen. Die Reihen auf dieser Seite bilden diese drei Bereiche getrennt ab.
Für die Abiturvorbereitung ist die modulare Anlage nützlich. Sie können die Sequenz vollständig als Grundlage eines Kurshalbjahres nutzen oder gezielt einzelne Bausteine zur Wiederholung einsetzen – etwa die Kreuzigungsreihe, wenn im Kurs die Unterscheidung von historischer und theologischer Aussage noch unsicher ist. Die interreligiöse Perspektive auf das Kreuz ist in mehreren Lehrplänen ausdrücklich vorgesehen und lässt sich mit dem entsprechenden Reihenteil ohne zusätzliche Vorbereitung abdecken.
Der historische Jesus meint das, was sich mit den Mitteln der Geschichtswissenschaft über Jesus von Nazareth erschließen lässt – sein Auftreten in Galiläa, seine Verkündigung, seine Hinrichtung unter Pontius Pilatus. Der Christus des Glaubens meint die Deutung dieser Person im Bekenntnis der Gemeinden. Beide Zugänge widersprechen sich nicht, beantworten aber verschiedene Fragen und dürfen im Unterricht nicht vermischt werden.
Indem Sie sie als das behandeln, was die Quellen selbst bezeugen: nicht als beobachtetes Ereignis, sondern als Glaubensaussage. Der Zugang über 1 Korinther 15 ist besonders geeignet, weil Paulus dort eine ältere Bekenntnisformel zitiert. Daran lässt sich zeigen, dass das Bekenntnis am Anfang der Überlieferung steht, und die Frage nach der Art dieser Erfahrung offen und diskutierbar halten.
Das Kreuz markiert einen zentralen Unterschied zwischen den abrahamitischen Religionen. Für das Christentum ist der Kreuzestod heilsbedeutsam; die islamische Tradition versteht die entsprechende Koranstelle überwiegend so, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Der Vergleich eignet sich gut für die Oberstufe, weil er zeigt, dass Differenzen zwischen Religionen an konkreten Aussagen hängen und nicht an vagen Stimmungen.
Ja. Die Reihen enthalten Aufgabenformate, die sich an den Anforderungsbereichen orientieren und Analyse, Einordnung und Erörterung verlangen. Da alle Dateien bearbeitbar sind, lassen sich Aufgabenstellungen und Erwartungshorizonte an die Operatoren und Vorgaben Ihres Bundeslandes anpassen.
Neben den neutestamentlichen Schriften, die zeitlich am nächsten liegen, gibt es kurze Erwähnungen bei römischen und jüdischen Autoren des ersten und frühen zweiten Jahrhunderts. Die historische Forschung geht ganz überwiegend davon aus, dass Jesus von Nazareth eine historische Person war und gekreuzigt wurde; strittig ist nicht das Ob, sondern die Rekonstruktion einzelner Inhalte seiner Verkündigung.
Die Reihen enthalten bearbeitbare Textdateien sowie druckfertige PDF-Fassungen der Arbeitsblätter und Materialtexte. So können Sie Quellenauszüge kürzen, eigene Texte ergänzen oder das Material unverändert für den Kurs kopieren.