Migration und Integration - Unterrichtsmaterial
Grundbegriffe und Prozesse – die Basis für jeden Vergleich mit dem Gastland.
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Interkulturelles Lernen · Begegnungsschulen · Sek I und Sek II
Unterrichtsmaterial für interkulturelles Lernen an Deutschen Auslandsschulen: Migration und Integration, Diversität und Globalisierung, Weltmusik und Gestaltung aus verschiedenen Kulturen – für Klassen, in denen deutsche und einheimische Lernende gemeinsam auf Deutsch arbeiten.
Kurz gesagt: An Begegnungsschulen lernen deutsche und einheimische Kinder gemeinsam, der Unterricht findet auf Deutsch statt – dieser Schultyp stellt die Mehrheit der Deutschen Auslandsschulen. Interkulturelles Lernen ist dort kein Projekttag, sondern die tägliche Ausgangslage. Die Reihen auf dieser Seite behandeln Migration, Diversität, Rassismus und kulturelle Ausdrucksformen so, dass sie sich für gemischte Lerngruppen und den deutschsprachigen Fachunterricht anpassen lassen.
Die Zahlen machen den Unterschied deutlich: An Deutschen Auslandsschulen lernen rund 85.000 Schülerinnen und Schüler, von denen etwa 55.000 bis 60.000 nichtdeutscher Herkunft sind. Eine Klasse besteht damit typischerweise aus Kindern des Gastlandes, Kindern aus deutschsprachigen Familien und Kindern aus Drittstaaten, deren Eltern beruflich unterwegs sind. Wer hier über Kultur spricht, hat die Vergleichsperspektive bereits im Raum sitzen – das ist ein Vorteil, aber auch eine Verpflichtung zur Sorgfalt.
Deutsche Materialien zum interkulturellen Lernen sind für Klassen in Deutschland geschrieben und nehmen die deutsche Einwanderungsgesellschaft als Rahmen. An einer Begegnungsschule kehren sich die Rollen um: Dort sind es die deutschen Familien, die als Zugezogene leben. Genau diese Umkehrung macht dieselben Materialien besonders wirksam – sofern die Perspektive im Unterricht ausdrücklich thematisiert und nicht stillschweigend übernommen wird.
Die fünf Reihen decken die tragenden Themenfelder ab: Migration und Integration als gesellschaftlicher Prozess, Migration im 21. Jahrhundert aus historischer Perspektive, Diversität und Globalisierung für die Oberstufe, Rassismus als Gegenstand kritischer Auseinandersetzung sowie Musik verschiedener Kulturen als ästhetischer Zugang.
Grundbegriffe und Prozesse – die Basis für jeden Vergleich mit dem Gastland.
Wanderungsbewegungen historisch einordnen statt tagespolitisch bewerten.
Für die Oberstufe: Texte und Aufgaben zu Vielfalt, Identität und globalen Verflechtungen.
Begriffsklärung und Handlungsoptionen – sprachlich zugänglich für Klasse 7 bis 9.
Ein ästhetischer Zugang, der ohne hohe Sprachhürde auskommt und alle einbezieht.
Sinnvoll ist ein Einstieg über den ästhetischen Zugang: Musik und Gestaltung aus verschiedenen Kulturen setzen kein hohes Sprachniveau voraus und binden auch Lernende ein, die im Deutschen noch auf A2 arbeiten. Von dort führt der Weg zu den Begriffen – Migration, Integration, Diversität –, die in der zweiten Phase geklärt und mit der Situation im Gastland verglichen werden.
Im dritten Schritt folgt die historische Einordnung, die Wanderungsbewegungen als dauerhaftes Phänomen sichtbar macht und tagespolitische Zuspitzungen entschärft. Den Abschluss bildet in der Oberstufe die Arbeit an Diversität und Globalisierung, in der Lernende eigene Positionen begründen. Diese Abfolge lässt sich fachübergreifend zwischen Deutsch, Geschichte, Politik, Religion beziehungsweise Ethik, Kunst und Musik aufteilen.
| Klassenstufe | Sprachniveau | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Klasse 5–7 | A2 bis B1 | Gestaltung und Musik aus verschiedenen Kulturen, Werte |
| Klasse 8–9 | B1, Zielniveau DSD I | Migration und Integration, Rassismus, Handlungsoptionen |
| Klasse 10 | B1 bis B2 | Historische Einordnung, Globalisierung und Nachhaltigkeit |
| Sekundarstufe II | B2 bis C1, DSD II und DIA | Diversität, Identität, argumentierende Urteilsbildung |
Interkulturelle Themen sind emotional aufgeladen, deshalb entscheidet die Aufgabenform über den Verlauf der Stunde. Bewährt hat sich, persönliche Erfahrung und fachliche Analyse zu trennen: Erfahrungsberichte laufen anonymisiert über Kartenabfragen, die Analyse arbeitet mit Materialien und Operatoren. So kommen auch Lernende zu Wort, die sich sprachlich oder inhaltlich exponiert fühlen.
Für die sprachliche Differenzierung gilt dasselbe Prinzip wie im deutschsprachigen Fachunterricht: Wortspeicher und Satzbausteine für Vergleich und Bewertung, ein Schaubild als Zwischenschritt, und erst danach der zusammenhängende Text. Die Anforderungsbereiche I bis III liefern die Struktur, um dieselbe Aufgabe auf drei Niveaus anzubieten.
Für die gymnasiale Oberstufe gelten die KMK-Kerncurricula für die gymnasialen Oberstufen an Deutschen Schulen im Ausland, für Deutsch und Geschichte auf Grundlage des KMK-Beschlusses vom 29.04.2010. In der Sekundarstufe I arbeiten viele Schulen mit einem Landeslehrplan – die Thüringer Lehrpläne finden an Deutschen Auslandsschulen breite Anwendung – und konkretisieren ihn in einem schulinternen Curriculum, das vom betreuenden Bundesland der jeweiligen KMK-Region genehmigt wird.
Prüfungsrelevant ist interkulturelles Lernen vor allem über die Urteilskompetenz: Das Deutsche Internationale Abitur umfasst drei schriftliche und zwei mündliche Prüfungen und bewertet über die Anforderungsbereiche der Einheitlichen Prüfungsanforderungen. Aufgaben, die im Anforderungsbereich III diskutieren und bewerten verlangen, greifen genau die Kompetenzen ab, die an einer Begegnungsschule ohnehin täglich gefragt sind.
Erstens die Perspektive. Materialien aus Deutschland sprechen von „Zuwanderung nach Deutschland“ und setzen die deutsche Mehrheitsgesellschaft als Bezugspunkt. An einer Begegnungsschule sollte die Aufgabenstellung ausdrücklich geöffnet werden: Neben der deutschen Situation wird die Migrationsgeschichte des Gastlandes untersucht – etwa die europäische Einwanderung nach Argentinien und Brasilien oder die Binnenmigration in Südafrika. Erst dieser doppelte Blick macht aus einer deutschen Reihe interkulturelles Lernen.
Zweitens die Begriffe. „Migrationshintergrund“ und ähnliche Kategorien stammen aus der deutschen Statistik und haben im Gastland oft keine Entsprechung. Sie gehören als deutsche Fachbegriffe eingeführt und nicht als Beschreibung der Klasse verwendet. Drittens die Sensibilität des Standorts: Kolonialgeschichte, Religion und ethnische Zuschreibungen sind je nach Land unterschiedlich aufgeladen; die Auswahl der Materialien sollte im Fachkollegium und mit der Schulleitung abgestimmt werden. Viertens Formales: Die deutsche Notenskala 1 bis 6 ist auf die schuleigene Ordnung umzurechnen, Fachnamen wie Politik, Sozialkunde oder Gesellschaftslehre variieren je nach Landeslehrplan, und die Reihen folgen der amtlichen Rechtschreibung mit „ß“. Weil alle Dateien bearbeitbar sind, lassen sich diese Anpassungen einmal vornehmen und im Kollegium teilen.
Migration, Gerechtigkeit & Konflikte
Globalisierung & Nachhaltigkeit
Maskenwerkstatt: Masken & Kulturen
Musterwerkstatt: Ornament & KulturenAls Begegnungsschule wird eine Deutsche Auslandsschule bezeichnet, an der deutsche und einheimische Schülerinnen und Schüler gemeinsam lernen und der Unterricht auf Deutsch stattfindet. Dieser Typ stellt die Mehrheit der Deutschen Auslandsschulen. Der Begriff ist gebräuchlich, gehört aber nicht mehr zu den offiziellen Kategorien der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, die heute Deutsche Auslandsschulen, Deutsch-Profil-Schulen und DSD-Schulen unterscheidet.
Indem der Unterricht von der Darstellung zur Analyse weitergeht. Musik, Muster oder Masken sind gute Einstiege, sollten aber immer mit einer Frage nach Funktion, Kontext und Wandel verbunden werden. Aufgaben mit den Operatoren vergleichen, erläutern und beurteilen halten die Auseinandersetzung fachlich.
Ja, wenn die Perspektive geöffnet wird. Die Reihen nehmen die deutsche Situation als Bezugspunkt; an einer Begegnungsschule kommt die Migrationsgeschichte des Gastlandes hinzu. Aus dieser Doppelung entsteht die eigentliche interkulturelle Lernleistung, und deutsche Verwaltungsbegriffe werden als solche kenntlich gemacht.
Die Aufladung dieser Themen ist von Land zu Land verschieden. Sinnvoll ist eine Abstimmung im Fachkollegium und mit der Schulleitung sowie eine klare Trennung von historischer Analyse und persönlicher Betroffenheit. Weil die Reihen bearbeitbar sind, lassen sich einzelne Materialien austauschen, ohne die Struktur zu verlieren.
Die Reihen verteilen sich auf Deutsch, Geschichte, Politik beziehungsweise Sozialwissenschaften, Religion und Ethik sowie Kunst und Musik. Das eignet sich gut für eine fachübergreifende Absprache, bei der jedes Fach einen Zugang übernimmt und die Ergebnisse in einer gemeinsamen Präsentation zusammenlaufen.
Alle Reihen sind digitale Downloads und stehen sofort zur Verfügung, unabhängig von Standort und Zeitzone. Die Dateien lassen sich ausdrucken oder in der Lernplattform der Schule bereitstellen.